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Regengruesse aus Krakau

Tagebucheintrag von Anita
Sonntag, 16.5. Swietoszowka, Suedpolen:

„Ganz leise hoere ich das monotone Plaetschern des Regens auf unserer Zeltplane … noch immer. Drehen uns nochmal zur Seite, schlafen eine Stunde weiter und hoffen, dass der Regen aufhoert. Bis halb 10 waelzen wir uns in den klammen Schlafsaecken, der Regen hat sich mittlerweile in lautes Prasseln verwandelt. Andi huscht in der Unterhose und barfuss aus dem Zelt und kommt mit einer Wasserflasche und gatschigen Fuessen wieder zurueck. In der Wiese des Sportplatzes, auf dem wir lagern, haben sich vor und hinter uns grosse Teiche gebildet. Fruehstuecken in aller Ruhe Muesli und Hari-Tee, das Wetter bleibt unveraendert. Im stroemenden Regen packen wir die Sachen, das Zelt rollen wir klatschnass zusammen.

Weiter Richtung Bielsko Biala. Auf der huegeligen, loechrigen Strasse kaempfen wir gegen Sturzbaeche und Seen – teilweise knietief. Unsere Regenklamotten stossen an ihre Grenzen, die vorbeifahrenden Autos spritzen uns mit maechtigen Fontaenen voll. Wasser von allen Seiten.

Triefend erreichen wir den Bahnhof von Bielsko Biala. Der naechste Zug ins 70 km entfernte Krakau geht in einer halben Stunde. Weiterfahren bei dem Wetter macht keinen Sinn, auf den Strassen ist es aufgrund der schlechten Sicht mit den Raedern und dem dichten Verkehr zu gefaehrlich.

Waehrend der Zugfahrt wird der Regen nicht weniger. In den Wiesen und Feldern entstehen Sumpflandschaften und riesige Wasserflaechen – der Boden kann einfach kein Wasser mehr aufnehmen. Im Zugabteil sitzt mir ein kraeftig gebauter Mann mit Sonnenbrille am Kopf gegenueber. Wir tuckern an weiten Birkenwaeldern vorbei, immer wieder muessen Andi oder ich aufstehen, um die Raeder in Position zu bringen, die am Gang zwischen den Ausgangstueren stehen. 10 Minuten nachdem der Herr die Sonnenbrille auf seine Nase setzt, ertoent ein leises, gleichmaessiges Schnarchen, das kurze Zeit darauf durch den Sturz meines Rades unterbrochen wird …”

Sitzen in Krakau fest, der Regen unveraendert. In Suedpolen, Teilen Tschechiens und der Slowakei sind Fluesse ueber ihre Ufer getreten und wir muessen warten, bis sich das Wetter beruhigt. Hoffen, morgen Mittwoch weiterfahren zu koennen …
Wie ihr seht, sind wir momentan mehr mit den Kapriolen des Wetters beschaeftigt, als mit den sonnigen Seiten des Radleralltags. Aber auch das gehoert dazu. Aus heutiger Sicht kann es nur besser werden :)

Kurzer Rueckblick auf die ersten zwei Wochen unserer Reise:

Start wie geplant am Mittwoch, 5.5. von Kleinraming, Wetter bescheiden (10 Grad, leichtes Nieseln). Das Gewicht der Raeder ungewohnt, trotzdem Etappen um die 100 km. Die Etappenlaengen haben wir unserem ehrgeizigen „Guide” Johann (Anitas Papa) zu verdanken, der uns bis zur Tschechischen Grenze begleitet – vielleicht ein wenig aus Angst, dass wir alleine aus Oesterreich nicht raus finden :-) Entlang des Donauradweges und quer durch Wien gehts in 2 ½ Tagen nach Podersdorf, an den Neusiedlersee. Dort werden wir voller Freude und mit einem „Spritzer” (Weissweinschorle) von ganz lieben Freunden empfangen. Jetzt heisst es feiern, geniessen, lachen und Abschied nehmen. Begleitet von unzaehligen Moskitos und unserem Guide folgen wir der March Richtung Tschechische Grenze, von wo aus wir nun auf uns alleine gestellt sind *g*. Die Landschaft wird nach und nach huegeliger, wir radeln ueber einsame Nebenstrassen und erste Schotterpisten. Vorbei an riesigen, bluehenden Kastanienbaeumen und gelb leuchtenden Rapsfeldern. Das erste ernst zu nehmende Gebirge (die Beskiden) bringt Abwechslung in unseren meditativen Donau- und March-Radweg-Fahrstil. Die steilen Anstiege zwingen uns oefter mal dazu abzusteigen und die Raeder – teilweise zu Zweit – zu schieben. Als Belohnung folgt eine Singletrail-Abfahrt durch dichten Nebel, die man normalerweise am Gardasee vermuten wuerde. Das Wetter entwickelt sich leider zu unserem Nachteil, unsere Regenbekleidung kommt immer oefter zum Einsatz …

6 Kommentare zu “Regengruesse aus Krakau”

  1. Dani schreibt:

    Ich hab gehofft, ihr hättet ein bisschen mehr Glück mit dem Wetter. Aber Hauptsache ist, den Humor zu behalten; über genau diese nasse Etappe eurer Reise werdet ihr später Tränen lachen, wenn ihr euch zurück erinnert ;)

    Liebe Grüße aus dem stürmisch kühlen Steinbach :)

  2. Hannes schreibt:

    hallo ihr beiden, vor ein paar tagen ist mir ein reisetagebuch über eine 10 jährige radreise in die hände gefallen, sehr beeindruckend, da hab ich natürlich sofort an euch gedacht.
    ein bißchen beneide ich euch schon, trotz sintflut :-)

    also, kopf hoch und alles gute, laßt immer von euch hören!
    lg hannes

  3. Ernesto schreibt:

    hallo ihr lieben!

    bei uns regenet es auch …
    schön die ansatzweise poetischen zeilen auf eurem “reisetagebuch” zu lesen. es läuft ein film vor mir ab und ich fühle mich irgendwie bei euch (zumindest diese 5 minuten). doris meint, es ist vielleicht eine art test – euch an eure momentanen grenzen zu treiben und euch somit die chance zu ermöglichen, genau diese grenzen zu erweitern ;-)
    bleibt tapfer und lasst euch nicht aus der ruhe bringen – denn darin liegt ja angeblich die kraft!
    ausserdem habt ihr ja euch, d.h. immer eine schulter um sich anzulehnen UND die Sonne scheint nachher umso mehr …

    glg aus puch
    e&d

  4. Baumi schreibt:

    Hallo ihr 2,
    einen Vorteil hat das miese Wetter ja: ihr habt Zeit, Euren Blog upzudaten. :-)
    Lg, Baumi

  5. Samara schreibt:

    Hej Hej!

    Wie schon gesagt, bzw. ge-sms-t, wenn die Steyrer kommen dann gibt’s Hochwasser… aber es dauert sicher nimma lang bis ihr das “Steyrer-Feeling” hinter euch lassen könnt und dann scheint die Sooooonne auf nandita! Unser Boot für euch ist schon unterwegs… haltet also durch, wir sind bei euch! Solche wunderbaren “Anfangs-Abschieds-Tränen” die euch die erste Zeit begleiten, sind ja auch irgendwie schön…
    Heut beim Yoga schicken wir extra Sonnenstrahlen nach nandita!

    Drücker
    Samara

  6. B-ladin schreibt:

    Da Vati hod gsogt, er kumt Eich gern mit da “Freude” wieda obhoin, weil er a mir damit an großn Gfoin doa mecht….Aladin-Bonita wieda zruck hoin….;-)))))

    Oiso, Ihr Süßen: “Don’t be sad! Be happy! Smile!” ;-) )))

    Sonst miassds zum weißen Drachen!!!
    (…und dort gibt’s daun nur Ingwertee zum Trinken….*ggg*….und wer wü des scho….)

    :-) ))))

    Viele, viele bunte M&M-Bussigrüße! *gggggggggg*

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Gepostet am 18.05.2010 um 11:56 in Kategorie Polen