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Lake-Hopping in Schweden

WOW, haben gerade auf unseren Kalender geguckt und festgestellt, dass der letzte Blog-Eintrag knapp einen Monat zurueck liegt! Aber jetzt :-)

Die Tage vor der Faehrueberfahrt nach Skandinavien verbringen wir im SELTSIMAJA: Ein alternatives Wohnprojekt mit etwa 10 fixen Bewohnern und wechselnden Gaesten aus aller Welt. Chaotisch, nicht sehr gepflegt, dafuer mit innovativen, jungen Menschen, guter Laune und immer genug Bier und Cider im Kuehlschrank. Treffpunkt fuer Weltenbummler, Kreative, Yogis und Lebenskuenstler. Die entspannte Atmosphaere, die offenherzigen Bewohner und das lieb gewonnene, zugige Matratzenlager am Dachboden, machen es uns nicht leicht, wieder aufzubrechen. Wir fuehlen uns mit jedem Tag mehr und mehr zuhause, nehmen uns Zeit zum Entspannen und Entschleunigen – da besteht Gefahr, ein wenig laenger haengen zu bleiben.

17 Stunden dauert die Faehrpassage von Tallinn nach Stockholm. Vorbei die Zeiten des taeglichen Gute-Nacht-Biers und der ueppig gefuellten Einkaufskoerbe. Auch auf die Kaffeepausen mit leckerem Plundergebaeck, die mittlerweile fixer Bestandteil unseres kulinarischen Tagesablaufs sind, muessen wir immer oefter verzichten – Välkommen till Sverige!

Leider haben wir noch keine perfekte Loesung fuer die visuelle Darstellung der Route gefunden, deshalb hier ein paar Anhaltspunkte, um unsere Strecke grob auf einer Karte nachvollziehen zu koennen: Stockholm – Uppsala – Fagersta – Uddeholm – Torsby

Von Ost nach West durchqueren wir in 10 Tagen das Land und staunen nicht schlecht, mit welch tropischen Temperaturen wir in Skandinavien begruesst werden. Nur gut, dass es in Schweden ueber 96.000 Seen gibt. Dank des Jedermannsrechts fuehlen wir uns hier wie im Paradies, jeden Abend stellen wir unser Zelt direkt am Ufer eines Sees auf, manchmal sogar auf gemaehtem Rasen und mit oeffentlichen Toiletten. Nach einem anstrengenden Radtag ins erfrischende Wasser zu huepfen, im kuehlen Nass ein paar Runden zu schwimmen und am fruehen Morgen so seinen Kreislauf in Schwung zu bringen, ist purer Luxus. Doch nicht nur wir lassen unsere Abende so ausklingen, auch fuer die Schweden sind Tage wie diese etwas ganz Besonderes. Bis spaet in die Nacht kommen die Leute an die Badestellen, um sich vorm Schlafen noch mal abzukuehlen. Die Sommer sind kurz, die heissen Tage rar – umso kostbarer diese Zeit, die jede Sekunde mit Hingabe ausgekostet wird.

In der Touri-Info mitten in Stockholm bremsen wir uns ein, wollen fuer eine Nacht in ein Hostel. Muessen uns lange anstellen und zuvor eine Nummer ziehen. Ergattern eine Hostel-Liste und fahren auf Empfehlung der jungen Dame ein Stueck noerdlich von Gamla Stan. Tja, das Hostel ist eigentlich ein Hotel, das guenstigste Zimmer kostet 28 Euro – Shared Room mit 12 Personen, ohne Fruehstueck. Nein Danke! Auch die anderen Hostels, die wir uns ansehen, alles andere als unseren Vorstellungen entsprechend. Zu klein, kein Platz fuer die Raeder, haufenweise pickelige Teenager, mit denen wir das Zimmer teilen muessten … Also beschliessen wir doch lieber zu zelten und erstmal Essen zu gehen. Landen in einem vegetarischen Restaurant, das uns vorher schon ins Auge gestochen ist. Und schon wieder fuehlen wir uns wie im Paradies angekommen: Lasagne, Cous Cous, Dal, Humus, Tsatsiki, Ratatoullie, Salate in allen Variationen … Alles unbeschreiblich lecker und noch dazu All-you-can-eat fuer 8 Euro. Sind der Dame von der Touri-Info richtig dankbar, dass sie uns hier rauf geschickt hat, denn sonst haetten wir dieses geniale Lokal nien und nimmer gefunden :)

Ein Nachmittag in den wuseigen Strassen Stockholms genuegt, um in den botanischen Garten zu fluechten und etwas Ruhe zu suchen. Auf einem Steg geniessen wir die warme Abendsonne, geniessen unser letztes estnisches Bier und freuen uns auf eine herrliche Nacht im Zelt. Nach einer Weile gesellen sich zwei Jungs zu uns und sprechen uns im bayrischen Dialekt an. Christian und Flo, zwei Studenten am Ende ihres Auslandssemesters. Unterhalten uns lange und Flo fragt uns spontan, ob wir nicht bei ihm in der Studentenbude uebernachten wollen – was fuer ein Geschenk!! Sitzen bis spaet in die Nacht in Flo’s Zimmer, lachen, bloedeln und tauschen uns bei chinesischem Brennwein ueber alles moegliche aus ;) Welch ein lustiger, bunter Abend – und wunderschoener Empfang in Schweden!

Der Weg aus dem Grossstadtdschungel gestaltet sich “etwas” anstrengend. Die schwedische Karte im Massstab 1:250.000 ist viel zu ungenau, muessen uns immer wieder durchfragen und brauchen mehr als drei Stunden, um das Groebste hinter uns zu bringen. Gegen Abend bringt uns eine Faehre auf eine der unzaehligen Schaeren-Inseln rund um Stockholm. Ein sanftes auf und ab durch einen huegeligen Maerchenwald. Die Baeume moosbewachsen und in wunderschoenes Licht getaucht, ueberall Blumen und frisch gemaehte Wiesen. Es duftet herrlich! Am nordoestlichsten Ende der Insel suchen wir uns im Naturreservat auf den glatten, flachen Granitfelsen direkt am Meer ein Plaetzchen zum Lagern. Schlafen heute ohne Zelt. Leider werden wir zu spaeterer Stunde von Moskitos attackiert. Dafuer ist die ganze Nacht ueber eine zauberhafte Lichtstimmung um uns und irgendwann werden auch die Blutsauger muede – oder besser gesagt satt ;)

Tagebucheintrag Andi
Montag, 05.07.2010, nahe Vittinge
“… Zurueck auf der Hauptstrasse muessen wir feststellen, dass uns heute ein starker Gegenwind das Radeln schwer machen wird. Und ja, es wird maechtig anstrengend! Ziehen bis Sala durch, gehen zum LIDL einkaufen (immer den Werbespruch im Ohr: “LIDL lohnt sich!”). Gejausnet wird mitten am Ortsplatz. Wir beobachten das bunte Kommen und Gehen der Leute. Ein Thai Imbiss und eine Wuerstelbude am Platz machen heute keinen Umsatz. Nur der gegenueberliegende Musikverkaeufer lockt die Zielgruppe 60+ mit schwedischem Country und Schlager an und beschallt damit den ganzen Ortsplatz. Nach einer halben Stunde koennen wir schon fast mitsingen, da sich die Lieder dauernd wiederholen …”.

Tagebucheintrag Anita
Dienstag, 06.07.2010, nach Fagersta
“… Radeln entspannt entlang des malerischen FAEHSMANN-Sees und biegen nach etwa 20 km auf die Hauptstrasse Richtung Fredriksberg ab, die sich nach wenigen Minuten in eine nicht endend wollende Baustelle verwandelt. Grober Schotter und unzaehlige Anstiege stellen uns ordentlich auf die Probe, denn der Tag ist bereits sehr lange. Wieder mal entschaedigt uns die Kulisse fuer die Muehen, die uns ein wenig an Alaska erinnert. In Ulriksberg fragt Andi nach dem Weg zum nahen Badesee. Ich warte waehrenddessen an der Kreuzung und werde fast wahnsinnig: Tausende winzig kleine Muecken gehen auf mich los, beissen und fliegen in meine Nase und die Ohren … Schlimmer als die Moskitos in Polen! Als Andi zurueck kommt, erzaehlt er mir freudig, wir koennten heute in einer Fischerhuette schlafen! Der Mann, den er nach dem Weg fragte, lotst uns mit seinem Auto dort hin und bringt uns sogar noch Feuerholz – denn das verjagt die Tiere auf jeden Fall. Bei starker Sonne lassen sich die Biester nicht blicken, ueberhaupt gibt es sie nur einige Wochen im Jahr. WOW, da haben wir ja Glueck, dass wir dabei sein duerfen *lach*! Bedanken uns und flitzen noch schnell zum 2 min entfernten Badesee zum Waschen. Das Wasser ist unglaublich warm und glitzert in der untergehenden Sonne, die Haeuser am gegenueber liegenden Ufer spiegeln sich farbenfroh im Wasser. ALLES IST GUT …”

Je weiter wir uns der norwegischen Grenze naehern, desto huegeliger wird das Gelaende – ein gutes Training fuer die bevorstehenden Bergwertungen :-) Trotz der vielen Muehen und Mueckenplagen ueberrascht uns Schweden fast taeglich mit unerwarteten Geschenken: Ein Mann, der uns am Badesee einfach so zwei eisgekuehlte Bier schenkt, eine Elchkuh, die 20 Meter vor uns gemaechlich die Strasse quert, die taegliche Portion frischer Walderdbeeren, die unser Fruehstueck bereichert oder ein Cafe, das zufaellig 50-jaehriges Jubilaeum feiert und Kaffee und Torte bei uriger Country-Musik fuer sage und schreibe 2 Euro verkauft.

Am 09.07.2010 ueberqueren wir unbemerkt die Grenze nach Norwegen, nicht mal ein Schild weist auf den Grenzverlauf hin … Aber das ist eine andere Geschichte :-)

2 Kommentare zu “Lake-Hopping in Schweden”

  1. samara schreibt:

    Liebste Nandita!
    Wir sind ehrlich gesagt schon a bissal nervös geworden sooo lange nix von euch zu hören… Aber Roland und Goli und Geeedi halten uns auf dem Laufenden…Herrlich wie ihr Schweden erlebt habt,ein weiters Paradies hier auf der Mama Erde, genauso wie wir es in unseren Köpfen gespeichert haben!!
    Radelt genussvoll weiter mit ganz viel Liebe im Herzal… Wir sind bei euch und genießen mit!
    Haaang looose!!
    Fühlt euch von uns umarmt und mit lieben Worten umhüllt!
    SAMARA

  2. MMM schreibt:

    na, habt’s nicht aufgepasst im ice hotel? da haben wir ja die geschichte schon gehört, dass es die mücken nur kurz, aber dafür umso heftiger gibt… die biester!! ;)

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Gepostet am 22.07.2010 um 00:34 in Kategorie Schweden