Bolivien – im Land der eisigen Winde
Grobe Route:
La Paz – Oruro – Challapata – Cruz Ventilla – Potosí – Tikatika – Uyuni – Colchani – Salar de Uyuni – San Juan – Chiguana – Lagunenroute (Laguna Hedionda, Laguna Colorada, Laguna Chalviri, Laguna Verde, Laguna Blanca) – San Pedro de Atacama (Chile)
Der Westen Boliviens wird dominiert vom Altiplano – einer rauen, unwirtlichen Gegend mit starken Winden, extremen Temperaturen, weiten Salzflächen, mineralreichen Bergen, sowie isolierten Gegenden. Das Land ist zudem das ärmste Land Lateinamerikas. Entsprechend geprägt sind auch die Menschen, meist indígener Abstammung: Zurückhaltend, oft kurz angebunden und tendenziell nicht von der freundlichsten Sorte begegnen sie uns. Doch nach anfänglichen „Startschwierigkeiten“ haben wir damit umzugehen gelernt und mit etwas Geduld und Offenheit finden wir unseren Weg in die Herzen der Menschen. Am meisten jedoch zieht uns die einzigartige, oft unbarmherzige und unberechenbare Natur des Landes in ihren Bann. Aber beginnen wir mal von vorne …
Unser neues Objektiv auf der Kamera, Anitas Geburtstag gebührend gefeiert, wieder ab auf die Straße. Unser nächstes Ziel ist Potosí, die Sadt am Cerro Rico, dem schicksalhaften Silberberg.
Tagebucheintrag Andi
Mo, 3.10.2011 – Richtung Cruz Ventilla
„… Von Challapata aus machen wir einen Ostknick Richtung Berge. Die Pampa lassen wir bald hinter uns, wir passieren einen Stausee und schlängeln uns ein schönes Tal hinein. Endlich weniger Verkehr. So macht’s wieder Spaß! Hügelig ist es, tendenziell bergauf. Da wir heute über 110 km schaffen wollen, geben wir Gas. Die 4000 m Grenze ist schnell erreicht, bald radeln wir auf einer herrlichen Hochebene mit Alpakaherden und kleinen Wirbelstürmen. Kurz werden wir von vier Jungs auf ihren Fahrrädern begleitet. Sie haben eine riesen Freude dabei, sich mit uns ein Rennen zu liefern. Erst nach 65 km machen wir Mittag, stärken uns und fahren weiter. Wir kommen gut voran obwohl es munter Auf- und Ab, dafür in herrlicher Hochgebirgslandschaft mit goldenem Gras und niedrigem Buschwerk, geht. Das Auf- und Ab hält bis zum Etappenende an, erst kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir bei heftigem Gegenwind und aufziehendem Gewitter das trostloste Örtchen Cruz Ventilla. Quartieren uns in der einzigen, sehr simplen Hospedaje ein. Im Laden ums Eck wollen wir Marmelade kaufen … „Hay Mermelada?“. „No.“ Im Regal erspähe ich einen Plastikbehälter, der so aussieht, wie Marmelade. „Que es esto?“ „Mermelada.“, kommt als Antwort. „Entonces, una Mermelada por favor.“ …“
Gespräche wie in dieser kleinen Tienda sind uns nicht nur einmal passiert. Oft scheint es, als wollen die Herrschaften einfach keine Geschäfte machen
Tagebucheintrag Anita
Mi, 5.10.2011 – Potosí
„ Die Sonne lässt sich nicht blicken, obwohl wir schon lange in unserer „Casita del Sol“ wachliegen. Aber ohne Sonne stehen Andi und Anita einfach nicht gerne auf
… Nach etwa 10 km dreht die Straße in die Berge und folgt einem schäumenden, verschmutzten Fluss. An der Peaje legen wir eine Zuckerschub-Pause ein. Cola und Erdbeerwafferl. Als ich zur Verkäuferin gehe und nach einem Mülleimer frage, nickt sie mir zu, nimmt mir die Sachen ab und wirft das Verpackungsmaterial der Wafferl einfach in den Wind, die Plastikflasche behält sie! Wenn ich das gewusst hätte … Steil geht es weiter, nach unzähligen Kurven erblicken wir erstmals den „Cerro Rico“, den Silberberg, für den Potosí so bekannt ist. Wie ein Mahnmal thront er über der Stadt. Er verhalf den spanischen Konquistadoren zu großem Reichtum, Millionen indígene Zwangsarbeiter ließen dort ihr Leben. Im 17. Jahrhundert galt Potosí als die reichste Stadt der Welt. Heute spuckt der Berg nur noch wenig Silber aus und die Glanzzeiten sind längst vorbei … An der Stadteinfahrt kaufen wir uns als Belohnung super leckere Saltenas (mit Gemüse und Ei gefüllte Teigtaschen) für einen Boliviano (ca. 10 Cent). Das Zentrum lässt aber noch auf sich warten. Viel Verkehr, hunderte Schüler und Studenten auf der Straße. Und dann empfängt uns Potosí auch noch mit zartem Schneefall – zum ersten Mal auf unserer Reise. Keine halbe Stunde später bringt die „Liesl“ unsere von der Sonne geküssten Gesichter wieder zum Glühen. Verrückt! …“
Makabererweise hat sich in Potosí ein ausgeprägter Minen-Tourismus entwickelt. Die Touren sind recht günstig, man dringt mit einem mehr oder weniger gut ausgebildeten Guide für etwa 2 Stunden in die Unterwelt des Cerro Rico ein und kann sich ansatzweise ein Bild von den nach wie vor rudimentären Arbeitsweisen und Lebensbedingungen der Minenarbeiter machen. Obwohl etwas umstritten, nehmen wir an einer dieser Touren teil. Man erklärt uns, dass die Mineros etwa 8 bis 10 Stunden pro Tag schuften, was nur mit exzessivem Kokakauen, sowie 96%igem Alkohol und massenweise Zigaretten zu bewältigen sei. Auf dem „Mercado de los mineros“ kann man sich ohne Lizenz mit Dynamit eindecken. Die Stollen sind eng. Pressluftschläuche und Querbalken in Brusthöhe erschweren einem das Vorankommen. Oft müssen wir uns in eine enge Nische drängen, damit die Mineros mit den „Wagonetas“ (Grubenhunden) voller Gestein an uns vorbei kommen. Bis zu 1,5 Tonnen schwer ist ein solcher Wagen, drei Personen schieben ihn unter großer Anstrengung zu Tage. An den Mineraladern sind Männer damit beschäftigt, mit bloßer Hand, Hammer und Meißel nach Silber, Blei, Zink oder Zinn zu suchen. Unglücke stehen fast an der Tagesordnung. Um diese zu verhindern, will der „Tio“, ein Teufel mit Spanier-Bart, besänftigt werden … Schwer kann man sich als Besucher vorstellen, wie es einem Minero ergeht, der sein Leben dem Silberberg widmet. Durch Zufall kommen wir Tags darauf an der Plaza mit einem der Bergmänner etwas tiefer ins Gespräch …
Tagebucheintrag Anita
Fr, 7.10.2011 – Potosí
„… 38 Jahre ist Gonzalo und arbeitet, seitdem er 13 ist, im Cerro Rico als Minero (Minenarbeiter). Anfangs hat er seinen Vater begleitet und so das Handwerk erlernt. Ganz sauber und einfach ist er gekleidet, nur seine dicke Brille ist auffällig. Liebevoll hält er seine 18 Monate alte Tochter im Arm, der immer wieder die Augen vor Müdigkeit zufallen. Eine schwere Arbeit sei es, anstrengend. Und sein Augenlicht verschlechtert sich von Tag zu Tag. Viel lieber würde er etwas anderes arbeiten, aber es ist schwer, was zu finden. Und so muss Gonzalo, wenn das Geld knapp wird, wieder zurück in den Silberberg. Selbst wenn er von seinem Alltag erzählt, und wir dabei in seine müden Augen blicken, können wir nur ansatzweise begreifen, wie hart das Leben als Minero tatsächlich ist. Wie schwer es für die ganze Familie sein muss, jeden Tag in der Ungewissheit, ob man sich am Morgen nicht zum letzten Mal umarmt hat. Wie es ihm gesundheitlich ergehe, fragen wir ihn. „No es tan grave“ (nicht so schlimm), meint er. Er hätte zwar Silicosis (Staublunge), aber „nur“ Grad 2 von 4, wobei letzterer meist tödlich ausgeht …“
Nachdenklich verlassen wir Potosí, der Südwesten Boliviens wartet auf uns. Drei Tage dauert die Fahrt nach Uyuni, wieder durch hügeliges, schroffes und windumtostes Altiplano. Am letzten Abend vor unserer Ankunft hält neben uns ein Landrover mit Schweizer Kennzeichen – Andrea und Lukas. Die Beiden sind seit einem halben Jahr kreuz und quer in Südamerika unterwegs. Wir wollen den Abend gemeinsam verbringen, Wildcamping in einem vertrockneten Flussbett. Leider ist der Untergrund doch sumpfiger als gedacht und Lukas sinkt mit seinem über 3 Tonnen schweren Gefährt tief im Matsch ein. Da erste Bergungsversuche scheitern und die Nacht naht, verschieben sie die Arbeit auf den nächsten Tag und wir verbringen einen gemütlichen, gemeinsamen Abend in der geheizten Kabine ihres Landys. Tags darauf brechen wir zu unserer letzten Etappe nach Uyuni auf, wir verabschieden uns von unseren neuen Freunden. Dass sich die Bergung ihres Offroaders dann etwas schwieriger als gedacht gestaltet, sollten wir erst viel später erfahren – aber lest selbst auf ihrem Blog: http://driveanddivethepanamericana.blogspot.com
Tagebucheintrag Andi / Anita
Mo, 10.10.2011 – Weg nach Uyuni
„… Von Beginn an fieser, starker Gegenwind, der uns teilweise von der Straße drängt. Bald sind unsere spärlichen Vorräte aufgebraucht. Mit knurrendem Magen kämpfen wir gegen die heftiger werdenden Böen. Kopfarbeit. Müssen öfter pausieren, es geht einfach nichts weiter. Vor dem Minenkaff Pulacayo beginnt ein sehr steiler, unbefestigter Anstieg, den wir nur noch schiebend überwinden können. Sind ganz schön am Semmerl, als wir an der einzigen Tienda im Ort ankommen. Es ist bereits 15 Uhr und wir haben fast nichts gegessen. Das Warenangebot jedoch mehr als spärlich. „Stärken“ uns mit 2 Liter Fanta und Unmengen Erdbeerwafferl. Die alte Vettl vom Laden kennt sich gar nicht mehr aus. Sie spricht nur Quechua, ist unheimlich langsam. Das Wechselgeld müssen wir vor ihr 3x nachzählen, ihr erklären, dass der Betrag korrekt ist. Ihr Augenlicht dürfte nicht mehr das beste sein … Es geht noch ein schönes Stück rauf, bis wir endlich am höchsten Punkt für heute stehen und wir erste Blicke auf den Salar werfen. Endlich bergab! Umso blöder schauen wir, als sich vor uns ein weiterer Gegenanstieg auftut. Was für ein nicht-enden-wollender-Tag! Müde und ausgelaugt sitzen wir am staubigen Straßenrand, trinken den letzten Schluck Fanta und stopfen uns noch mehr Erdbeerwafferl in den Mund. Auf geht’s. Der letzte – hoffentlich letzte – Anstieg für heute. Bald tauchen unter uns die Häuser von Uyuni auf, davor glitzern tausende Plastiksackerl, die in den Feldern rundherum verteilt sind …“
In Uyuni bereiten wir uns auf die unter Südamerika-Radlern bekannte und berüchtigte Lagunenroute vor. Unser Lateinamerika-BikeBuch von Reise Know-How sagt über diese Tour auszugsweise folgendes (S. 256ff): „Diese Fahrt ist kein Picknick und das bolivianische Hochland ist nicht Disneyland; Gefahren sind allgegenwärtig … Essensvoräte für 10 Tage und 1,5-2 Liter Brennstoff sind obligatorisch, um plötzliche Schneefälle zu überstehen. Die Biwakausrüstung sollte bis -20 Grad ausgelegt sein. In der Höhe blasen insbesondere bei der Dämmerung enorme Winde. Das windfeste Zelt sollte im Sitzen aufgebaut werden und mit einer Leine am Körper gesichert sein …“. Zugegeben, Respekt haben wir riesigen vor dieser Herausforderung, aber da wir uns körperlich und mental fit fühlen, wollen wir´s anpacken. Die „Ruta de las Joyas Altoandinas“ soll durch die aufregendsten und spektakulärsten Landschaften der Anden führen, meist in Höhen zwischen 4.000 und knapp 5.000 m. Wir kaufen Essen für 2 Wochen ein, lassen die Hälfte der Vorräte per Jeep in ein Hotel auf halbem Weg voraus schicken und schlagen uns die Bäuchen noch mal so richtig voll, bevor wir uns früh und leicht aufgeregt ins Bett legen. Tags darauf gehen wir recht früh die erste Etappe an, wir begeben uns hinaus auf den Salar de Uyuni …
Tagebucheintrag Andi
Mi, 12.10.2011 – Salar de Uyuni
„… Die weiße Ebene des Salars blendet uns wie Schnee. Eine hexagonförmige Wabenstruktur durchzieht die größte, homogene Salzfläche der Erde, die rauer ist, als angenommen. Hohe Geschwindigkeiten sind bei diesem Untergrund nicht möglich. Kurz nach 15 Uhr setzt wie auf Knopfdruck ein eisiger, orkanartiger Gegenwind ein, der uns in den ersten Gang zwingt. Da wir noch etwa 25 km von der Isla Incahuasi entfernt sind, geben wir für heute auf. Nächste Challenge: Zelt bei Sturm ohne Haken aufstellen (Laut mehreren Berichten ist es unmöglich, Zeltheringe in die harte Salzfläche einzuschlagen). Sehen uns schon in der flatternden Zeltplane ohne Essen liegen, da probiere ich nach Anita’s Anraten einen der 6-Zoll Nägel aus, die ich zusätzlich zum Abspannen der Leinen gekauft habe. Tatsächlich gelingt es uns, mit etwas Mühe und Geduld das Zelt aufzustellen und gut abzuspannen. Meine Fingerkuppen schlag ich mir dabei blutig und Anita friert sich währenddessen den Arsch ab. Der Wind ist bösartig und wir sind beide erleichtert, als wir in unsere „Casita del Sol“ kriechen können. Die Dämmerung bricht heran und das Abendlicht verwandelt den Salar in eine magische Bilderbuchlandschaft …“
Der dritte Tag ist hart und anstrengend. Wieder mal haben wir stürmischen Gegenwind, mehr als 5 km pro Stunde sind nicht möglich, wir schaffen es unter großer Anstrengung zur Militärbasis in Chiguana. In diesem gottverlassenen Kaff leben heute nur noch 7 gelangweilte Soldaten, die sich über etwas Abwechslung freuen und uns einen Schlafplatz in einem der abgefahrenen, mit Tarnfarbe gestrichenen, halbkugelförmigen Wohncontainern anbieten. Als wir die Tür unserer Untrkunft öffnen, staunen wir nicht schlecht, denn ein weiterer Radler, Matt aus Wisconsin (USA, http://www.aflyonmybackpack.com/) hat es sich schon gemütlich gemacht. Wir haben ihn zum ersten Mal im Estrellita in Cusco, Peru, getroffen und entschließen, morgen gemeinsam weiter zu radeln. Die Soldaten stehen den Rest des Nachmittags wortlos neben uns, obwohl sie wahrscheinlich tausende Fragen hätten – Fernsehen in Südwest-Bolivien … Zwei Tage später erwischen wir scheinbar eine falsche Abzweigung, sind den ganzen Tag damit beschäftigt, unsere Packesel durch wegloses Gelände zu schieben und landen schließlich an einer kleinen Lagune, die nirgendwo in unseren Aufzeichnungen zu finden ist. Ein markanter Vulkankegel immer zu unserer Rechten. Die miese Piste führt Richtung Westen, müsste grob stimmen. Aufgrund des sandigen Untergrunds ist wieder Schieben angesagt. Das Wasser wird knapp, der Tag vergeht. Irgendwann brummt ein alter, einsamer Jeep daher, der Fahrer erklärt uns, dass wir uns etwa 20 km von der Laguna Hedionda entfernt befinden – ist zwar der richtige Weg, nur waren wir Morgens genauso weit weg von unserem eigentlichen Tagesziel … Naja, hilft net. Weiterschieben. Kurz darauf ein Flusslauf, wir können Wasser filtern, was die Situation schon viel einfacher macht. Als Draufgabe erreichen wir wenig später eine verlassene Mine mit geschlossener Posada. Die Tür lässt sich öffnen und wir finden einen windgeschützten Raum mit Ofen, Tischen und Bänken vor. Ein wahres Geschenk des Tages! Insofern hat sich die Runde um den „Mount Steve“, wie wir unseren treuen Tagesbegleiter nennen, mehr als ausgezahlt
Tagebucheintrag Andi / Anita
Di, 18.10.2011 – Hotel el Desierto
„… Minus 7 Grad um 6 Uhr morgens im Zelt. Drehe mich nochmal zur Seite. Kurz nach halb 7 endlich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Matt fühlt sich heute wieder besser. Schlafen auf dieser Höhe (4.500 m) war trotzdem nicht sehr erholsam. Heute stemmt sich der schneidende Wind schon ab dem frühen Morgen gegen uns. Die ersten 1 ½ km geht es schiebend durch tiefen Sand, danach einen steilen Hügel hoch. Kurzatmig geht es langsam voran, eine nicht zu steile Steigung hoch bis auf 4.650 m, wieder ein Stück runter und danach hoch auf den über 4.700 m hohen Paso del Inca. Oben erwartet uns eine Jeep-Gruppe, die uns wie Safaritiere eifrig fotografiert. Ausgelaugt schieben wir die letzten 2 km zum Hotel el Desierto, das wie ein Fremdkörper in der eisigen, unwirtlichen Wüste steht. Die Managerin Maria nimmt uns freundlich in Empfang und bittet uns einen Tisch im leeren Restaurant an. Wir brauchen dringend eine Pause. Das Hotel sei heute voll, kein Platz im Guides-Room, aber am Restaurantboden könnten wir gratis schlafen. Wir wärmen uns mit Kaffee und dürfen uns sogar duschen … Das Wasser im Zimmer Nummer 9 ist nur lauwarm. Aber wen stört das schon, wenn man sich all den Schmutz der letzten Tage vom Körper waschen kann?! Carlos, der Chefkoch, ruft uns etwas später ins Restaurant. Auf uns wartet ein gedeckter Tisch mit Tunfischsalat, Brötchen, Limonade und Dessert!!! Carlos setzt sich zu uns und erzählt, dass heute sein letzter Arbeitstag sei – nach 7 Monaten. Morgen früh „ME voy“, sagt er erleichtert. Manchmal sei es schon sehr langweilig gewesen, aber was macht man auch im Nirgendwo? Bis 17 Uhr dürfen wir im Guides-Room rasten, dann müssen wir die kuscheligen Betten für die Fahrer und Gruppenleiter der eintreffenden Jeep-Touren räumen. Kochen uns im restlichen Abendlicht Kartoffelpürree mit Gemüse und siedeln danach in die Rezeption um, wo wir sogleich von den Teilnehmern der Südtiroler-Reisegruppe belagert werden. Alle schon gut betagt und hin und weg von unserer Art zu Reisen. Voller Begeisterung wollen sie immer mehr wissen, werden aber dann ins Restaurant gerufen – das Abendessen ist fertig. Die Kälte vertreibt uns bald an den Teetisch im Speisesaal, wo uns Adolf, ein pensionierter Südtiroler, am liebsten was von seinem Essen abgeben möchte. „So blöd“, meint er, denn seinen Hauptgang hätte er gar nicht gegessen. Immer wieder kommt wer zum Plaudern vorbei und dann stellt uns das Team ungefragt das 3-gängige Abendmenü auf den Tisch! Alle drei sind wir ganz baff und finden keine Worte mehr, um den „Angeles del Desierto“ zu danken. Als sich dann noch eine ganz liebe Großmutti zu uns stellt, und uns mit ihrer Großherzigkeit überschüttet, steigen mir Tränen in die Augen. Die lieben Worte, die sie an uns richtet … und dann sagt sie, bevor sie ins Bett geht: „Eigentlich gehören wir ja alle zusammen. Wir sind Landsleut!“. Einer nach dem anderen verabschiedet sich von uns, wünscht uns alles Gute und dass wir wieder gesund nach Hause kommen. Nachdem im Restaurant Ruhe eingekehrt ist, setzen wir uns zu den Angestellten an den Tisch. Plaudern und sehen uns gemeinsam einen Film an. Bevor sich auch die Belegschaft schlafen legt, bringt sie uns dicke Matratzen und viele, viele Decken – damit uns ja nicht kalt wird …“
Nach acht starken Fahr- und Schiebetagen (Verhältnis ca. 80/20) ist ein Ruhetag an der Laguna Colorada angesagt. Gegen Mittag treffen zwei Radlerinnen ein, Eva und Claudia aus der Schweiz (http://evaveloclaudia.tumblr.com/), seit Tagen auf unseren Spuren. Tags darauf radeln wir als Fünfer-Team weiter, was das ganze Vorhaben um einiges „leichter“ und lustiger gestaltet … Gemeinsam erklimmen wir unseren höchsten Pass mit 4.926 m und müssen aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und heftiger Winde am höchsten Geysirfeld der Welt, dem „Sol de Manana“, auf 4.820 m biwakieren. Als einziger Windschutz dient uns ein halb fertiges, völlig zugeschissenes Gebäude. Merke: Ein guter Platz zum Gacken ist ein guter Platz zum Zelten
. Unser Hochlager war erholsamer als erwartet, wir genießen die morgendliche Windstille und das rauchende und zischende Geysirfeld. Am frühen Nachmittag darauf erreichen wir die Laguna Chalviri, wo sich eine Thermalquelle und ein Restaurant befinden. Genau das richtige, um sich von der anstrengenden Passfahrt zu erholen …
Tagebucheintrag Andi
So, 23.10.2011 – Laguna Chalviri
„… Dank der Dieseldämpfe des am Vorabend eingelassenen Holzbodens, schlafen wir wie die Murmeltiere. Um 5 Uhr werden wir vom Gekicher aus der Restaurantküche geweckt. Perfektes Timing, denn wir müssen um 5:30 draußen sein. Wir hüpfen ins Badezeug und setzten uns in den Thermalpool. Es hat tiefe Minus-Temperaturen, die Lagune Chalviri dampft mystisch im Morgengrauen. Einige Andenflamingos verstecken ihre Köpfe im pinkfarbenen Federkleid, stehen wie erstarrt auf einem Bein. Es weht kein Lüftchen, keine Geräusche, nur Stille und Frieden. Kurz nach 6 erhebt sich die Sonne hinter den schneebedeckten Gipfeln am anderen Ende der Lagune und taucht die sonst erdigen Hügel in leuchtende Farben. Einige Möwen begeben sich auf Futtersuche, die Flamingos beginnen ihre Federn zu putzen und staken danach mit zur Futteraufnahme gesenkten Köpfen herum. Gänsehaut läuft über unsere Körper, obwohl wir im 37 Grad warmen Wasser liegen. Ein heiliger Moment, den wir alle schweigend genießen und wohl unser ganzes Leben lang nicht mehr vergessen werden …“
Nach insgesamt 13 Tagen überqueren wir die Grenze nach Chile, wo uns auf ca. 4.600 m Seehöhe der lang ersehnte Asphalt, sowie eine über 40 km lange Abfahrt hinunter in die Atacamawüste erwartet – nur Fliegen ist schöner! Mit prägenden Bildern im Kopf, schmerzenden Klüften an den Fingerkuppen und offenen Nasenspitzen genießen wir nun die trocken-heißen Temperaturen hier in San Pedro de Atacama! Endlich wieder mal Flip Flops, kurze Hosen und Rockerl … und das Bier schmeckt nach den vielen Wochen im Hochland gleich doppelt so gut – PROST!!
Schicken euch einen dicken Drücker und viele wärmende Sonnenstrahlen aus der trockensten Wüste der Erde! Für uns geht’s morgen (28.10.11) weiter über den Paso Jama Richtung Argentinien!
Mucho amor,
nandita


28.10.2011 um 19:40
danke, dass ich wieder ein stück “mitradeln” durfte. fühlt sich beim lesen echt so an
und die bilder von der salzlandschaft sind sooo beeindruckend, DAS hätt ich gern gesehen.
glg an euch!
Dani
30.11.2011 um 14:14
nun ist’s an der zeit dass i mir denk’ huch hobts es scho laung nix mehr gheart von mir, auba dafia hea i mehr von eich, zumindest les’ i imma wieda und guck fotografien (de i wahrscheinlich nie mochn werd’) von ortschoftn und ländern wo i in näxta zeit wahrscheinlich a ned hikumm. bin mehr ois beeindruckt und immer wieder vazöh i leid von eichan trip, damits sehn ma derf se a wos auschaun auf dera wöd und ma is ned nur zum grandig sei und suddern do. daun schaun’s de leid und sogn jo waun i no jinga warad und a göd hätt’, jo daun… (blablabla). so da dame anita und herr andi wünsche noch alles beste und sende liebe grüsse von nina, jamie, olivia und mir euren hellmut
08.02.2012 um 21:23
So i bin jetzt wieda daham, nach 4 Monate Reisen.
Ich hoffe das wir nicht gemeint waren als Jeep-Gruppe, die Euch eifrig fotografiert, den wir freuten uns Österreicher zu sehen. Aber voll allem hat uns Euer Abendteuer, und Leistung auf 4800hm so faszieniert das war heute noch den Hut vor dieser Leistung ziehen !!!!
Wir konnten ja unseren Arsch im Jepp wärmen oder hatten immer ein Dach über den Kopf wen es kalt wurde, daher freuen wir UNS schon auf EUREN Vortrag wen Ihr in Steyr zurück seid. Bitte rechtzeitig um E-Mail
Lg aus OÖ