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	<description>Kommt Zeit, kommt Rad.</description>
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		<title>Nepal einmal anders</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 08:21:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Nepal]]></category>
		<category><![CDATA[Mahendra Hwy]]></category>
		<category><![CDATA[Pokhara]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
Sonauli – Butwal – Tansen – Pokhara – Butwal – Lumbini – Mahendra Highway bis Mahendranagar (Abstecher Bardia Nationalpark)
Drei weitere Tage in der heißen, staubigen und dicht besiedelten Gangesebene bis zur nepalesischen Grenze. Die Nächte stickig mit myriaden von Moskitos, der Verkehr wie gewohnt verrückt und die Stadtdurchfahrten chaotisch und stressig. Doch je näher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
Sonauli – Butwal – Tansen – Pokhara – Butwal – Lumbini – Mahendra Highway bis Mahendranagar (Abstecher Bardia Nationalpark)</p>
<p>Drei weitere Tage in der heißen, staubigen und dicht besiedelten Gangesebene bis zur nepalesischen Grenze. Die Nächte stickig mit myriaden von Moskitos, der Verkehr wie gewohnt verrückt und die Stadtdurchfahrten chaotisch und stressig. Doch je näher wir der Grenze kommen, desto ruhiger wird es auf der Straße, die Menschen weniger aufdringlich und Kinder grüßen ungewöhnlich freundlich. Goldene Weizenfelder links und rechts von uns, Ochsenkarren und Radfahrer dominieren das Straßenbild. Der indische Ausreisestempel wird uns rasch und unbürokratisch in den Pass gedrückt und wir werden förmlich dazu gedrängt, auf die nepalesische Seite zu wechseln, denn eine kleine Gruppe grölender Demonstranten nähert sich dem Immigration Office. Für Fragen bleibt  keine Zeit,  doch die Vorfreude auf Nepal ist diesmal größer als unsere Neugier.<br />
„Welcome to Nepal!“, begrüßen uns die überaus netten, nepalesischen Grenzbeamten und servieren  ungefragt ein Glas kaltes Wasser, bevor sie uns mit einem Lächeln unser 30-Tages-Visum ausstellen. Ein sehr positiver Start in ein neues Land! Nepal fühlt sich von Anfang an gut an. Leicht und lustig …</p>
<p>Weniger Gehupe – locker gekleidete Frauen – Vorberge des Himalaya – klare Flüsse – weniger Müll – hoher Bambus – Zuckerrohrsaft – Momos – Dal Bhat – Siddhartha Highway – beschauliche Bergdörfer – Strom nur zu bestimmten Tageszeiten – „Hello Tourist“ – „Bye Tourist“ – Party am Dach – anmutig tanzende Frauen – trockene Terrassenfelder – dunstige Luft – wunderschöne Bergstraße – Wetterleuchten – erste Regenfälle – spektakuläre Downhills – Pokhara – Eierpecken im Meditationszentum – Yoga – buddhistischer Unterricht – Abendstille – glasklarer See – World Peace Pagoda – abenteuerliche Fahrt retour nach Tansen – wahnsinniger Busfahrer – grenzwertiges Reifenprofil – alle kotzen – Ziegen an Bord  – Bananen Lassi – Geburtsort Buddhas – bunte Gebetsfahnen – Mönche unterm Bodhi-Baum – Mahendra Highway – Terai – kleine Tharu-Dörfer – einfache Lehmhäuser – Ernte – Wasserbüffel – viele Radfahrer – fast kein Verkehr – herrliche Campspots – Bardia Nationalpark – Dschungel Wanderung – Langurenaffen, Elefanten, Wild – Spurenlesen – Tigerpfoten-Abdrücke – Tiger-Kacke <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  – Rhino-Poo <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  – Krokodile – Nashörner – Sonnenuntergang am Fluss – Einbaum – freundliche Menschen – bald flach – es wird wieder „indisch“ &#8230;</p>
<p>Wir lieben Nepal! Von erster Sekunde an. Dass dieses Land NICHT Indien ist, hat selbst die nepalesische Regierung mit einem symbolischen Akt fest verankert. Sie hat die Uhrzeit einfach eine viertel Stunde nach VORNE gedreht! Die Menschen sind weniger aufdringlich, wirken tatsächlich um einiges entspannter als im hektischen Nachbarland, sprechen durch die Bank gutes Englisch. Selbst alte Männer und kleine Kinder probieren ihre Kenntnisse stolz an uns aus. Nach der intensiven Zeit in Indien fühlen wir uns fast einsam, wenn wir am Straßenrand eine Pause machen und nicht sofort von dutzenden Menschen umringt werden. Sehr positiv ist auch die Tatsache, dass man nicht schon im Vorhinein alle Preise erfragen muss, denn man wird hier nicht nach Strich und Faden über den Tisch gezogen. Die Nepalis sind ehrliche Leute. Kein Feilschen, keine blauen Wunder beim Bezahlen. Dies macht uns das Leben um Einiges angenehmer!<br />
Wenn man an Nepal denkt, kommen einem unweigerlich die schneebedeckten, hohen Berge des Himalaya in den Sinn. Für die meisten Besucher Fokus ihrer Reise. Wir wollen einen Blick auf die spektakuläre Anapurna-Range werfen, die man von Pokhara aus gut sehen sollte. Leider haben wir Pech, denn der etwas verfrüht einsetzende Monsun sorgt dafür, dass sich die Berge entweder hinter einer dicken Wolkenfront verstecken, oder dichter Dunst keine Ausblicke zulässt. Naja, hilft nicht. Man muss schließlich einen Grund haben, um wieder zu kommen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /><br />
Nach einigen meditativ-entspannenden Tagen im „Ganden Yiga Chozin Meditation &#038; Retreat Centre“ verabschieden wir uns erneut von Bart, mit dem wir wieder einige Tage verbracht haben und nehmen den flachen, brütend heißen Terai im Südwesten des Landes in Angriff. Eine einsame, wenig entwickelte Gegend mit lichtem Verkehr, die sich stark vom typischen Nepal-Bild unterscheidet. Leicht hügelig zieht sich der Mahendra-Highway durch dichte Wälder, einfache Dörfer und wenig besuchte Nationalparks. Die Infrastruktur schlecht, das Essen etwas eintönig. Vorwiegend bekommt man chinesiche Gemüse-Nudeln (Chow Mein) oder Nudelsuppe (Chau Chau), einfache frittierte Snacks wie Samosas, gekochte Eier und Unmengen an Gurken, die hier geschält, halbiert und mit Limette, Chili und Salz gewürzt und gegessen werden. Essenstechnisch sind es harte Zeiten am  Mahendra Highway – vor allem für hungrige Radfahrer <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Totzdem genießen wir die stressfreien, heißen Radtage, die herzlich-unaufdringliche Art der Nepalis und eine mehrtägige Pause im wunderschönen Bardia Nationalpark.<br />
Bald queren wir erneut die Grenze nach Indien, kämpfen uns dreieinhalb Tage lang durch eine stickig-staubige und absolut unattraktive Gegend und checken schließlich in einem billigen Hotel in Delhi ein. Wir bringen uns und unsere Sachen wieder auf Vordermann, checken das Iran-Visum und kaufen ein Kopftuch für Anita <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  </p>
<p>Wie geht’s bei uns eigentlich nun weiter? Nach reichlicher Überlegung und langem hin und her sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir aus Sicherheitsgründen Pakistan auslassen. Morgen früh steigen wir in den Fliege von Delhi nach Teheran, Iran und von dort aus treten wir endgültig die „Reise nach Hause“ an.</p>
<p>Bis bald,<br />
Nandita</p>
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		<title>Indien – zwischen Chaos und heiligen Kühen</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Apr 2012 12:10:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Varanasi]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
Flug: Buenos Aires / Mumbai / Goa – Zug nach Jaipur – Abhaneri – Rajgar – Bharatpur – Fatehpur Sikri – Agra – Bateshwar – Etawah – Auraiya – Jalaun – Hamirpur – Banda – Karwi – Allahabad – Varanasi – Azamgarh – Gorakhpur – Sonauli
Wir hätten niemals gedacht, dass in dem Werbeslogan „Incredible [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
Flug: Buenos Aires / Mumbai / Goa – Zug nach Jaipur – Abhaneri – Rajgar – Bharatpur – Fatehpur Sikri – Agra – Bateshwar – Etawah – Auraiya – Jalaun – Hamirpur – Banda – Karwi – Allahabad – Varanasi – Azamgarh – Gorakhpur – Sonauli</p>
<p>Wir hätten niemals gedacht, dass in dem Werbeslogan „Incredible India!“ tatsächlich so viel Wahrheit liegt. Doch dieses Land belehrt uns von Beginn an eines Besseren. Die Tage sind mehr als intensiv, geballt mit Eindrücken und Begegnungen. Laut ist es und leise zugleich. Abschreckend und heilig, liebevoll und aggressiv. Indien ist Alles, in jedem Moment. Nach über einem Monat in diesem Land fühlen wir uns, als hätten wir bereits mehr als ein halbes Jahr hier verbracht. Selbst unsere seitenlangen Tagebucheinträge können bei Weitem nicht beschreiben, was wir Tag für Tag hier erleben. Manchmal würden wir unsere Zimmertüre in den schäbigen Unterkünften am liebsten 5x abschließen und die Fenster mit Packpapier verkleben, damit auch wirklich niemand mehr rein kann und wir endlich Ruhe haben … In Indien bist du niemals alleine – schon gar nicht als Radnomade <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Doch bevor wir das Abenteuer Indien per Rad wagen, treffen wir uns mit ganz lieben Freunden in Goa, einer ehemaligen portugiesischen Enklave und Hippiehochburg, die man getrost als „Indien Light“ bezeichnen kann. Wir genießen die Zeit mit Michaela und Richard, stecken die Füße in den Sand, lassen die Seele baumeln, lachen bis uns die Bäuche weh tun und saugen den kleinen „Vorgeschmack“ auf zuhause ein. Die Zeit vergeht viel zu schnell, doch irgendwie scheint sie auch still zu stehen. Schön zu spüren, dass wahre Freundschaft weder räumliche noch zeitliche Trennung kennt &#8230;</p>
<p>Am ersten Vollmond im März wird vor allem in Nordindien das farbenfrohe Holi-Fest gefeiert. Wir wollen diese einzigartige Chance nutzen und verwerfen unseren ursprünglichen Plan, die Küste von Goa nach Mumbai zu radeln. Stattdessen nutzen wir das Haupttransportmittel Indiens und reisen per Zug nach Jaipur. 27 Stunden dauert die Fahrt und ist ein weiteres Abenteuer für sich.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 6.3.2012 – Zug nach Jaipur</em><br />
„&#8230; „Chai, Chai, Chai!“, ertönt es durch den Wagon, als ich am frühen Morgen aufwache. Meine Nachbarn liegen immer noch im Tiefschlaf, sehen aus wie ein paar Mumien. Das weiße Leintuch unter die Füße geschlagen und über den Kopf gezogen. Ganz langsam wird einer nach dem anderen wach und ich kann endlich nach unten klettern. Die Landschaft hat sich geändert. Etwas kahler und nicht mehr ganz so üppig, dafür kilometerweites Ackerland. Verhungern wird man auf einer indischen Zugfahrt mit Sicherheit nicht, denn nahezu im 3-Min.-Takt laufen Verkäufer durch: Tee, Kaffee, ganze Mahlzeiten, Obst, Chips, Kekse, Frittiertes … Tja, wenn ich so auf meinen Bauch greife, lässt es sich nicht verleugnen, dass indisches Essen wirklich vorzüglich ist. Meine „Schwimmreifen um die Hüfte werden immer praller *lach*. Doch nach der langen Durststrecke in Südamerika ist Indien für Vegetarier einfach das Paradies &#8230;“</p>
<p>Holi leitet den Frühling ein und symbolisiert den Sieg des Guten über das Böse. An diesem Tag werden Streitigkeiten zur Seite gelegt und Frieden geschlossen. Für einen Tag lang existieren keine Klassenunterschiede, keine Kasten. Jeder ist gleichwertig. Gefeiert wird dieses einzigartige Fest mit  knallbuntem Farbpulver, das man sich gegenseitig ins Gesicht malt. Früher hatte dieses eine heilende Wirkung, heute ist es jedoch mit Vorsicht zu genießen, da es oft synthetisch hergestellt wird. Wir schmeißen uns in unsere „Kurta Pyjamas“, basteln für die Kamera ein Verhüterli und ziehen los. Happy Holi!</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi / Anita</strong><br />
<em>Sa, 6.3.2012 – Zug nach Jaipur</em><br />
„&#8230; Gleich um die Ecke die ersten „Holi-Spieler“, die uns bunte Farbkleckse im Gesicht verpassen. Und so geht es den ganzen Weg ins Zentrum. Die Spielchen mal nett und zivilisiert, mal heftig und ungestüm. Motorräder mit grölenden Jugendlichen rasen an uns vorbei, alle sind von Kopf bis Fuß voll mit buntem Farbpulver. Schon nach wenigen Minuten sehen auch wir wie zwei „bunte Hunde“ aus. Bei einer etwas heftigeren „Attacke“ versucht ein kleiner Junge eines der Reißverschlussfächer am Rucksack zu öffnen. Gott sei Dank bemerke ich es rechtzeitig, sonst wäre unsere Geldtasche futsch. Je weiter wir ins Zentrum kommen, umso mehr Teenager-Gruppen treffen wir an, die uns oft fast unangenehm belagern. Manche stehen bereits unter dem offensichtlichen Einfluss von Alkohol oder Bhang-Lassi (mit Marihuana angereicherter Joghurtdrink) &#8230; Teilweise fühle ich mich richtig bedrängt, stoße einen aufdringlichen, jungen Mann 2 x von mir weg &#8211; da kommt ein anderer von der Seite, schüttet mir viel zu viel Pulver über den Kopf und das nächste, das ich spüre, ist eine Hand auf meiner Brust. Drehe mich um, schnalze ihm Eine ins Gesicht, darauf hin läuft er davon und Andi kann ihm gerade noch einen Arschtritt verpassen. Ein eigenartiges Gefühl, denn plötzlich sehe ich all die Holi-Männer in einem anderen Licht. Wir entscheiden uns trotzdem zu Fuß zurück zu gehen, um das Ganze zu verdauen und wieder positive Energie rein zu bringen. Und das ist gut so. Kaum sind wir aus dem Zentrum raus, werden die Begegnungen wieder viel, viel herzlicher und ich habe das Gefühl, als würde ich großen Respekt ernten, indem ich die indischen Gepflogenheiten („Colour yes, touching no“) ernst nehme. Tja, jede Medaille hat zwei Seiten &#8211; und wir wollen ja auch immer ALLES sehen &#8230;“ </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 9.3.2012 – vor Telha</em><br />
„&#8230; Erster „echter“ Radtag in Indien. Aufgeregt und voller Vorfreude satteln wir unsere Räder und ziehen los. Ein Gewirr aus Rikschas, Tuktuks, Menschen, Radfahrern, Bussen, LKWs, Autos und Mopeds erwartet uns. Heilige Kühe stehen mitten auf der Fahrbahn. Träge, von Kamelen gezogene Karren bahnen sich ihren Weg durch die verstopften Straßen. Obwohl jeder inklusive uns fährt als gäbe es keine Straßenverkehrsregeln, klappt alles ganz gut. Ohne Aggression und Unfälle. Man nimmt so gut es geht aufeinander Rücksicht, wobei trotzdem das Gesetz des Stärkeren gilt und man als Radfahrer die eine oder andere Vollbremsung hinlegen muss. Bald haben wir das gröbste Stadtchaos hinter uns und wir biegen auf eine weniger befahrene Nebenstraße ab.  Der Verkehr wird lichter, die Gegend ruraler. Viele Weizenfelder umgeben uns, die Ernte ist voll im Gange. Des öfteren kommen uns bunt geschmückte Traktoren entgegen, die einen übervollen, bauchigen Anhänger schleppen. Aus den sich hoffnungslos überschlagenden Boxen dröhnt laute Hindi-Musik. Wir passieren einige Tempel, die wilden Affen als Behausung dienen und denen Anita&#8217;s Fotofreude gar nicht so geheuer ist. Wieder werden wir mit großen Kontrasten konfrontiert: Bettelarme Menschen, die in schmutzigen Zeltlagern hausen, junge, super-lässige „New-Generation-Inder“ auf schnittigen Motorrädern, kleine, verlauste Kinder, die im Müll herum kugeln. Alte Lehmhäuser, so wie sie seit Jahrtausenden unverändert gebaut werden, neue, geschmacklose Betonbunker. Sobald wir wir eine kurze Pause einlegen, bildet sich im Nu eine Menschenansammlung. Die meisten stehen einfach nur da und bestaunen uns mit offenen Mund, ohne ein Wort zu sprechen, einige wenige versuchen in gebrochenem Englisch mit uns zu reden. &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 10.3.2012 – vor Abhaneri</em><br />
„&#8230; Schieben die Räder aus dem Dorf raus und durch den kleinen holprigen Pfad zwischen den Weizenfeldern. Die Sonne leuchtet wie ein roter Feuerball und die Vögel zwitschern ein letztes Lied für heute. An dem idyllisch gelegenen, rosaroten Haus parken wir die Räder und werden von einigen jungen, kichernden Damen in Empfang genommen. Sugardhi&#8217;s Freundin wohnt hier mit ihrer Familie. Acht Kinder sind sie insgesamt. Sieben Mädels, ein Junge, Eltern und Großeltern – und Sugardhi, der junge Dorfarzt. Jagdish, der Hausherr, ist ganz neugierig, doch da er kein Englisch spricht, fungieren seine „Ältesten“ als Übersetzer. Wir müssen trotzdem mehr mit Händen und Füßen kommunizieren, denn Englisch dürfte in der Schule nicht der Schwerpunkt sein <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Die 21-jährige Seema ist im ersten Monat schwanger, erzählt sie mir später, als wir am Dach des Hauses stehen und auf die Felder im Abendlicht blicken. Heiraten würde sie gerne, aber Sugardhi grinst nur verlegen, als sie darüber spricht. Die Kids sind richtig ausgelassen und aufgedreht, zerren uns von einer Ecke in die andere, um uns das ganze Haus zu zeigen. Eigentlich dachten wir, dass wir neben dem Haus zelten dürfen, doch Jagdish zeigt uns ein kleines Zimmer, in dem sonst zwei seiner Kinder schlafen und meint, dass es für diese Nacht unseres wäre. Unsere zwei Betten füllen sich nach zwei Minuten mit Mädels, die am liebsten ALLES wissen würden. Was für eine Unterwäsche ich trage, fragt mich Seema. So schnell kann ich gar nicht schauen, hat sie ihre Finger schon an meinem Shirt und zieht es zur Seite, damit sie und ihre Geschwister meinen BH sehen können. Plötzlich spüre ich ihre Hand auf meiner Brust – das gibt’s jetzt nicht – oder doch? „Big!“, sagt sie. „Das indische Essen ist einfach zu gut!“, antworte ich. Teenager <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Danach fragen sie mich allen Ernstes, wie oft wir Sex haben! Gott sei Dank gesellt sich aber Papa Jagdish in die Runde und ich habe wieder meinen Frieden. Keine unangenehmen Fragen mehr <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Nach dem super leckeren Essen sind wir alle müde. Vom Tratschen und den vielen, vielen Eindrücken, die erst mal verarbeitet werden müssen. Andi ist schon lange eingeschlafen, als ich mich neben ihn kuschle, genauso wie Seema&#8217;s Großvater, der draußen im Freien auf seinem selbst gemachten Bettchen schnarcht &#8230;“</p>
<p>Tja, eigentlich herrscht in Indien ja Linksverkehr, das heißt aber noch lange nicht, dass man nicht auch rechts fahren kann. Oft kommen uns mit Heu beladene Traktoren auf „unserer Spur“ entgegen, Kamele mit riesigen Anhängern oder überfüllte Autobusse – und das auf einer 2-spurigen Überlandstraße. (Motor- und Fahrräder haben ohnehin Narrenfreiheit). Das Radfahren auf Indien&#8217;s nationalen Highways ist alles andere als entspannend, in unserem Kulturkreis würde man es wahrscheinlich sogar als lebensgefährlich bezeichnen. So versuchen wir auf kleinere Nebenstraßen auszuweichen, obwohl diese meist in einem haarsträubenden Zustand sind. Aber es macht einfach mehr Spaß. Schulkinder begleiten uns oft für 10 oder 20 Kilometer und nicht nur einmal fahren Motorräder 20 Minuten neben uns her, um uns anzustarren. Nicht jeder will dabei  mit uns reden, manche schauen einfach nur, andere plappern unaufhörlich in Hindi auf uns ein und  reagieren nicht mal, wenn wir auf Österreichisch antworten. Andere versuchen ihr bescheidenes Englisch an uns und stellen oft sehr seltsame Fragen: „What is your good name?“, „Who are you?“, „What is this?“, „What are zou doing?“, „What is your qualification?“. Auf die Frage aus welchem Land wir stammen, ergibt sich in 99,5 % der Fälle wieder mal die „Erkenntnis“, dass wir Australier seien. Nur dass wir keine Ahnung von Cricket haben, verstehen sie dann auch wieder nicht <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .<br />
In Indien muss man auf „auf der Hut“ sein – und das nicht nur im Verkehr. Geh niemals in ein Restaurant, ohne vor Bestellung deines Essens nach den Preisen zu fragen!</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>So, 11.3.2012 – Bharatpur</em><br />
„&#8230; In einer LKW-Dhaba (kleines Straßenrestaurant) kriegen wir von einer freundlichen Crew ausgezeichnetes Mittagessen serviert. Der Hauptgang soll 50 Rupees kosten, für uns ein „Indikator“, dass die Preise ok sind. Also bestellen wir Chapatis und Joghurt dazu und was zu trinken. Doch als wir nach der Rechnung fragen, verschlucken wir uns fast. 500 Rupees will der zuvor so bemühte, junge Inder. Auflisten kann er seine utopische Rechnung jedoch nicht und meint, wir hätten 10 Chapatis zu je 20! Rupees (Normalpreis 5) gehabt. Langsam werden wir richtig sauer, denn seine subjektive Preisgestaltung ist unnachvollziehbar. Wir einigen uns schließlich auf immer noch zu hohe 200 Rupees, und als er mir dann wieder 50 zu wenig herausgibt, brüllt ihn Anita lauthals an. Daraufhin greift er unsicher und beschämt in die Kassa und gibt uns das Wechselgeld. Packe es in die Tasche und dreh mich nochmal zu ihm um und frage: „Warum machst du das? Das Essen war vorzüglich, das Lokal nett und dann DAS?“. Keiner antwortet, also steigen wir wieder auf die Räder &#8230; Auch das ist Indien &#8230;“.</p>
<p>Im 17. Jahrhundert lies der Großmogul Shah Jahan zum Gedenken an seine Lieblingsfrau, Mumtaz Mahal, ein prunkvolles Mausoleum errichten, das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Taj_Mahal"target="_blank">Taj Mahal</a>. Für die Touristen aus aller Welt ist es heute ein faszinierendes Symbol unvergänglicher Liebe und ein Denkmal großer Mogul-Baukunst. Obwohl täglich tausende Besucher durch die Anlage geschleust werden, hat es seine Magie nicht verloren und auch wir lassen uns von ihrem Anblick nicht nur einmal verzaubern. Oft weichen wir den großen Sehenswürdigkeiten bewusst aus, doch im Nachhinein sind wir froh darüber, dass Agra, und somit das Taj Mahal auf unserer Route lag.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Do, 15.3.2012 – Bateshwar</em><br />
„&#8230; Manche Tage nehmen einen Lauf, an den man in den kühnsten Träumen nicht denken würde. Wie heute. Finden rasch aus Agra raus, der Wind ist mit uns. Die kleine Pilgerortschaft Bateshwar erreichen wir viel schneller als wir dachten. Werden von einer Gruppe Kids herzlich und erstaunlich ruhig in Empfang genommen und finden ein schäbiges, aber riesiges Zimmer um 200 Rupees, in dem man den Ventilator nicht einschalten sollte, weil sonst der ganze Staub inklusive toter Insekten auf uns herunter rieseln würde. Waschen uns den Dreck runter und spazieren zu den unzähligen, weißen Tempeln, die dem Gott Shiva gewidmet sind. Wir beide spüren eine unglaubliche Ruhe in uns, tiefer Frieden breitet sich in uns aus, als wir von einem Tempel zum nächsten schlendern und dazwischen immer wieder auf den Ghats (zum Fluss führende Steintreppen) rasten, mit Blick auf den heiligen Fluss Yamuna. Wir fühlen uns wohl hier, die kleine Ortschaft hat einen ganz besonderen Charme. Als wir zwischen den weißen Stupas durch schlendern, spricht uns ein älterer Herr auf Englisch an, heißt uns willkommen und meint nach einer Weile, dass wir uns später bestimmt wieder sehen werden. Wir sitzen lange auf den Treppen, sehen der Yamuna beim Fließen zu und beobachten die vielen Tiere, die am Flussufer im Müll nach Essbarem suchen. Affen springen von Stein zu Stein, Esel grasen auf kleinen Flecken Wiese und ab und an strecken Schildkröten ihren Hals aus dem verschmutzten, dunklen Wasser. Weiter unten hält eine Familie eine Zeremonie ab, junge Männer waschen sich daneben und andere schicken Blumenketten mit Wünschen in die Strömung. Vor dem Haupttempel treffen wir wieder auf den Herren von vorhin, der uns bittet, mit ihm zu kommen. Was ab diesem Zeitpunkt geschieht, ist schwer in Worte zu kleiden, denn wie sich später heraus stellt, ist der besagte Herr Priester der Shiva Tempel. Er führt uns an einen kleinen Tisch, an dem einige Leute versammelt sind, spricht einen kurzen Segen aus und bittet mich danach, mir auf jedem Fuß drei Zehenringe anzulegen. Danch klebt er mir einen Bindi auf&#8217;s dritte Auge und gibt mir 2 Armreifen. Für jede Hand einen. Andi berührt meine Stirn mit rotem Farbpulver, ich muss Selbiges tun und danach seine Füße berühren. Alles geht so schnell, fühlen uns fast ein wenig „überrumpelt“. Doch irgendwie liegt etwas Heiliges in der Luft und wir beide wissen, dass JETZT etwas ganz Besonderes passiert. Plötzlich legt mir der Priester einen rot-goldenen Umhang um und verkündet: „Nach hinduistischen Bräuchen seid ihr jetzt Mann und Frau!“. Die Einladung zu ihm nach Hause können wir schwer ablehnen. Doch anstatt „nur“ Chai zu trinken, beschließen die Töchter des Priesters aus mit eine „echte“ indische Braut zu machen. Schminken, Sari, Nagellack für die Zehen. Danach muss ich sämtliche Nachbarhäuser abklappern, um „Hallo“ zu sagen, obwohl niemand auch nur ein Wort Englisch spricht. Das Licht ist so fahl, dass ich nicht mal die Gesichter erkennen kann. Dafür würde mir am liebsten jede der Damen 20 Armreifen schenken. Ich kann nur froh sein, dass meine Hand so breit ist, sonst hätt ich jetzt wohl 100 Armreifen auf jeder Hand. Währenddessen bekommt Andi von „unserem“ Priester Lektionen  über das harmonische Eheleben … Wer hätte gedacht, dass wir einen Tag vor Andi&#8217;s 36. Geburtstag „zwangs-vermählt“ werden &#8230;“</p>
<p>Auf Nebenstraßen geht es weiter Richtung Varanasi, der ältesten und heiligsten Stadt Indiens. Kurz vor Jalaun bremst sich Praveen mit seinem Moped neben uns ein und lädt uns nach einer kurzen Chai-Pause zu sich nach Hause ein. Eigentlich wollen wir nach unserer „Hochzeit“ ein bisschen Zeit für uns, doch es kommt immer anders als man denkt. </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 17.3.2012 – Jalaun</em><br />
„&#8230; Praveen lotzt uns zu der einzigen Lodge im Ort, die alles andere als ok ist. Während die Männer noch quatschen, werden die Inder um mich immer mehr. Weisse Zähne leuchten mich von allen Richtungen an und ich bin diesmal mit meinem neuen „Hobby“ (Anstarrer zählen) völlig überfordert. An die hunder werden es wohl schon sein. Angesichts der Lage nehmen wir Praveen&#8217;s Angebot gerne an. Bei seinem Elternhaus angekommen, lächelt uns sein Vater schon von der Weite entgegen und bittet uns herein. Die ganze Nachbarschaft hat mitbekommen, dass wir da sind. Eine Horde Kinder steht vor der Eingangstür und beobachtet uns mit großen Augen.“Klick, Klick.“ macht es ständig und ich sehe mehr Handys vor meinem Gesicht als Köpfe. Gut, dass ich so müde bin, denn so sehe ich alles etwas entspannter. Verdrücke mich später zum Waschen und Frisch-machen. Nächste Challenge: Waschen auf Indisch (mit Shirt und Sari). Gut, irgendwie klappt&#8217;s und die Unmengen an Wasser, die ich mir über den Kopf schütte, sind einfach nur herrlich. Kaum bin ich fertig, werde ich von Praveen&#8217;s Schwester vor einen Spiegel gezerrt. Bindi auf&#8217;s dritte Auge gedrückt und rotes Farbpulver in den Scheitel. Wir beide sind nur 30 Sekunden alleine, da stellt sich auch schon die nächste Dame an: „Foto?“, „House?“. Sie sind ja wirklich so lieb, dass man fast nicht nein sagen kann. Also gut, rein ins Abenteuer Indien. Als wir zum Haus der Dame in türkis gehen, ziehen wir eine Traube von mindestens 40 Leuten mit. „Namaste“ hier, „Namaste“ da. Gekicher hinter jeder Haustüre und winkende Hände. Also wenn ich DAS gewusst hätte, hätt ich ein bisschen genauer in den Spiegel geschaut <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Voller Aufregung und Freude bringt sie mich in ihr Haus in rosa, hält mich die ganze Zeit über immer noch an der Hand. „Son! Sister! Daughter! &#8230;“. Dann muss ich mich setzen, Cola trinken und mich anschauen lassen. „Klick, Klick.“. Englisch spricht niemand, aber erstaunlicher Weise ist es nicht unangenehm, im Gegenteil. Irgendwie ist es lustig, denn alle sind so aufgeregt und gut gelaunt, sogar von den Nachbardächern schauen Leute rüber. Dann zum nächsten Haus. „My wife, my sister, my mother &#8230;“. Ich kann die vielen Kinder, Schwestern und Mütter nur noch schwer zuordnen und bin mehr damit beschäftigt, fleißig in die Handykameras zu lächeln. „Foto?“, fragt mich der junge Inder. „Ek foto, panch rupees!“ (1 Foto, 5 Rupees!), antworte ich. Kurz schaut er mich an und greift sofort in seine Geldtasche. Ich muss laut lachen und klär ihn auf, dass es nur ein Scherz war. Irgendwann habe ich alle Häuser durch und darf wieder zurück zu Praveen&#8217;s Elternhaus, wo man zu unserem „Schutz“ sofort die Haustüre verschließt &#8230;“</p>
<p>Wie bereits erwähnt, wir könnten noch 20 Seiten mehr über jeden einzelnen Tag schreiben und hätten immer noch nicht alles erzählt. Also springen wir jetzt direkt nach Varanasi <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Sa, 24.3.2012 – Varanasi</em><br />
„&#8230; Stehen spät auf, ich hole Brot und Süßes vom Bäcker und wir frühstücken königlich auf unserem Balkon mit Blick auf den Ganges. Brot, Käse, Tomaten, Gurken, Kaffee, Guavensaft, Honig-Nusstorte. Gegen Mittag spazieren wir die Ghats entlang, es ist bereits brütend heiß. Viele Pilger unterziehen sich heiligen Zeremonien mit rituellem Bad im Ganges, geführt von einem Priester. Einige Schlepper belästigen uns, wollen uns Bootstouren, Haschisch, Massagen oder sonst was andrehen. Bettler, Sadhus und Kinder verlangen Geld oder Essen von uns, selbst Priester sprechen uns vor „ihren“ Tempeln an und wollen eine „Donation“. Vorbei an der Hauptghat, der Dashaswamedh Ghad, gelangen wir zum wichtigsten und am leichtesten zugänglichen Krematorium Varanasi&#8217;s, der Marnikanika Ghat. Meterhoch türmt sich das Holz für die Verbrennungen, keine 10 Meter von uns lodernde Scheiterhaufen aus denen halb verkohlte Gliedmaßen und Köpfe heraus ragen. Der Rauch beißt in den Augen, ein süßlich/holziger, schwerer Duft liegt in der Luft. Trauergemeinden sprechen Mantras für die Verstorbenen, die „unberührbaren“ Totenwächter sind ständig am Hegen der Feuer, schieben mit Stöcken Leichenteile zurück in die Glut. Viele Hindus kommen seit tausenden von Jahren zum Sterben nach Varanasi. Wer hier stirbt, entzieht sich der Macht Yamas, dem Herren des Todes, der laut Mythologie das Recht hat, über alle Toten der Welt zu verfügen, außer über jene von Varanasi. Kinder, Schwangere und Sadhus werden nicht eingeäschert, da sie als „rein“ gelten. Ihnen werden schwere Steine an den Leib gebunden und man „übergibt“ sie dem heiligen Fluss Ganges. Oft löst sich der Strick und nicht selten treibt ein Leichnam an der Wasseroberfläche. An einem Shiva-Tempel, dessen Grundfeste im Schlamm einsinkt, lassen wir die Eindrücke sickern. Es ist schwierig zu realisieren, was hier passiert. Was diese Menschen fühlen, wenn sie ihr heiliges Bad nehmen, ihren Ritualen nachgehen, oder um ihre Verstorbenen trauern. Für uns ist es ein Ort voller mythischer Rituale und uns fremder Praktiken, ein verrückter Ort, ein heiliger Ort, schwer zu erfassen. So komplex ist der Hinduismus mit seinen hunderten Gottheiten, zahllosen Abwandlungen und Ritualen. Für die Hindus scheint Varanasi wie Rom für die Christen oder Mekka für die Moslems zu sein. Trotz all der negativen „Begleiterscheinungen“ des Massentourismus, hat sich die heilige Stadt am Ganges ihren Zauber bewahrt und wir tauchen tief ein in diesen magischen, einzigartigen Ort &#8230;“</p>
<p>Vier Tage verbringen wir in Varanasi, tanken neue Energie für die Weiterfahrt und planen an unserer weiteren Route. Der einzige „Dorn“ im Weg ist Andi&#8217;s defekte, vordere Magura-Felgenbremse. Seit zwei  Wochen fährt er nur noch mit einer Bremse, da die Hydraulikleitung durchgescheuert, undicht und somit nutzlos ist. Ersatzteile haben wir nicht dabei, da die Maguras als schier unverwüstlich gelten. Leider können uns weder Magura selbst, noch unser Fahrradhersteller Generator Radsport spontan helfen. Scheinbar können sie keine Kuriersendungen nach Indien organisieren … Nach anfänglicher Ratlosigkeit und Enttäuschung löst sich das Problem aber wieder mal von selbst. Kommt Zeit, kommt Rad! Oder wie in diesem Fall: <strong>Kommt Zeit, kommt Bart!!!</strong><br />
<a href="http://www.thefundracer.nl/"target="_blank">Bart</a> ist Holländer und checkt am gleichen Tag wie wir im Vishnu-Resthouse ein. Seit knapp 10 Monaten ist er mittlerweile mit dem Fahrrad unterwegs und er soll auch der einzige Radreisende bleiben, den wir in Indien treffen. „Zufälligerweise“ hat er die so dringend benötigten Ersatzteile dabei und kann mir aus meiner misslichen Lage helfen … Thanks a lot Bart!!! Übrigens radelt er für einen guten Zweck, aber seht selbst auf seiner Website: <a href="http://www.thefundracer.nl/"target="_blank">www.thefundracer.nl</a> … Incredible India!</p>
<p>Mit einer frischen Bremse und ausgeruhten Wadln nehmen wir die vorerst letzten 300 km in Indien in Angriff – der Ruf NEPAL&#8217;s wird immer lauter <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Namaste ihr Lieben und frohe Ostern,<br />
Das Brautpaar <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Südpatagonien und Tierra Del Fuego</title>
		<link>http://blog.nandita.at/2012/02/17/sudpatagonien-und-tierra-del-fuego/</link>
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		<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 02:24:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Chile]]></category>
		<category><![CDATA[Patagonien]]></category>
		<category><![CDATA[Tierra Del Fuego]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
El Chaltén (Argentinien) – Calafate – Tapi Aike – Rio Turbio – Puerto Natales (Chile) – Morro Chico – Punta Arenas – Porvenir – Paso Bellavista (Argentinien) – Rio Grande – Tolhuin – Ushuaia 
Wer einmal von den blauen Beeren des Calafate-Strauchs genascht hat, wird immer wieder nach Patagonien zurück kehren, sagt man. Tja, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
El Chaltén (Argentinien) – Calafate – Tapi Aike – Rio Turbio – Puerto Natales (Chile) – Morro Chico – Punta Arenas – Porvenir – Paso Bellavista (Argentinien) – Rio Grande – Tolhuin – Ushuaia </p>
<p>Wer einmal von den blauen Beeren des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buchsbl%C3%A4ttrige_Berberitze"target="_blank">Calafate-Strauchs</a> genascht hat, wird immer wieder nach Patagonien zurück kehren, sagt man. Tja, vermutlich sind auch wir von diesem Phänomen betroffen, denn nachdem uns diese wilde Region in ihren Bann gezogen hat, stellen wir jeden Morgen sicher, dass genügend Calafate-Beeren in unserem Frühstücks-Porridge sind <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  …</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Sa, 14.1.2012 – nach El Chaltén</em><br />
„&#8230; Erst gegen Mittag brechen wir auf, der starke Wind schiebt kräftig hinten an. Wir befinden uns nun wieder in der kargen Steppe – welch ein Kontrast zu chilenisch Patagonien! Die ganze Zeit über haben wir den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fitz_Roy"target="_blank">Fitz Roy</a> im Rückspiegel, welcher sich spektakulär in lichter Wolkenhülle präsentiert. Je weiter wir uns entfernen, desto besser wird der gesamte Gebirgsstock ersichtlich. Mächtig ragen die spitzen, schneebedeckten Felszacken in den Himmel. Der orkanartige Rückenwind eine Freude – zumindest meist. Hie und da bläst er uns in den Kurven fast von der Straße. Rechts vor uns taucht der milchig türkise Lago Viedma auf. Gute drei Stunden benötigen wir für die 90 einfachsten Kilometer der gesamten Reise. Doch sobald wir an der Kreuzung wieder auf die Ruta 40 abbiegen, ist der Spaß abrupt vorbei. Mit ca. 8 km/h geht’s nun gegen den patagonischen Wind weiter. Nur langsam und mühsam kommen wir voran, nach 18 weiteren km hauen wir für heute den Hut drauf und schlagen unser Lager in einem engen Drainage-Kanal unter der Straße auf. Der einzige windstille Platz weit und breit &#8230;“</p>
<p>2 Tage dauert die Fahrt von El Chalten nach El Calafate, einer nach der schon erwähnten, gleichnamigen Blaubeere benannten Kleinstadt vor den Toren des mächtigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Perito-Moreno-Gletscher"target="_blank">Perito Moreno Gletschers</a>. Noch vor wenigen Jahren lag hier der Hund begraben, mittlerweile hat sich das Städtchen ganz auf den Tourismus eingestellt und wirkt wenig authentisch, geschweige denn charmant. Nichtsdestotrotz genießen wir die Zeit hier, denn wir treffen wieder auf einen Teil unserer kleinen Radler-Familie. Da wir alle den Gletscher besichtigen, uns aber die 80 km Anfahrt gegen den Wind sparen wollen, mieten wir uns ein Auto an und unternehmen einen gemütlichen Familienausflug &#8230;    </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Di, 17.1.2012 – Perito Moreno Gletscher</em><br />
„&#8230; Bereits um 7 Uhr stehen wir als einziges Auto vor den Toren des Nationlparkeingangs. Bis zum Gletscher selbst sind es noch 20 Kilometer, kurvig und hügelig, welche uns Radfahrern eher schlecht bekommen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> . Bald taucht die mächtige Gletscherzunge in der Ferne auf. Parken direkt bei den „Pasarelas“ (Holzstegen) und marschieren zu den Aussichtsbalkonen. Vor uns, nahezu in Griffweite, die 60 Meter hohe und 4 km breite Abbruchkante dieses immer noch wachsenden Gletschers. In sagenhaften Blau- und Weißtönen schimmern die zerzausten Eiszacken in der warmen Morgensonne. Staunend stehen wir vor dem einzigartigen Naturschauspiel, als zur Begrüßung dann auch noch ein mächtiges Stück Eis aus der Wand bricht und in den Lago Argentino stürzt. Es donnert und tost, eine Gischt aus Eisbrocken und Wasser, gefolgt von einer Flutwelle. Die im Wasser treibenden Eisberge bewegen sich im Rhythmus der Wellen, wir sind sprachlos und immer noch die Einzigen im Nationalpark &#8230;“</p>
<p>Weiter auf der Ruta 40 durch die windumtoste Pampa Argentinisch-Patagoniens. Die Tage sind lange und anstrengend, dementsprechend kurz unsere Tagebucheinträge. Immer das monotone Rauschen des Windes in unseren Ohren. Vereinzelt sehen wir Nandus (eine kleine Straußen-Art) mit ihrem Nachwuchs, einsam kreisende Kondore und Füchse, die uns selbstsicher vom Straßenrand aus anstarren. Am endlos weiten Horizont formen Wolken bizarre Strukturen und spätestens im Licht der untergehenden Sonne ist all die Anstrengung des Tages vergessen.<br />
Nach dem hässlichen Kohlebergwerks-Städtchen Rio Turbio wechseln wir erneut nach Chile, rasten einige Tage im etwas an Island erinnernden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Puerto_Natales"target="_blank">Puerto Natales</a> und setzen die Reise in den Süden, nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Punta_Arenas"target="_blank">Punta Arenas</a>, fort. Die südlichste Kontinentalstadt der Welt liegt direkt an der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Magellanstra%C3%9Fe"target="_blank">Magellanstraße</a>, welche bis in die Anfänge des 20sten Jahrhunderts die einzige Ost-West Passage für Handels- und Passagierschiffe war. Ende des 19. Jahrhunderts gründeten europäische Einwanderer hier die ersten Schafs-Estancias, die der Stadt zu einem raschen Aufschwung verhalfen. Mit der Fähre queren wir schließlich die legendäre Magellanstraße nach Porvenir, begleitet von einigen Delfinen. In der Ferne dürfen wir sogar noch zwei durchziehende Wale erblicken, die man hier nur selten zu Gesicht bekommt. Kaum betreten wir den Boden von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Feuerland"target="_blank">Tierra Del Fuego</a>, bläst uns ein eisig kalter Wind entgegen. Die fast perfekte Schotterpiste zieht sich entlang der Küste. Nur wenige Autos kommen uns entgegen, über dem schäumenden Wasser gehen Gewitter nieder und unzählige Seevögel ziehen über unsere Köpfe &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mo, 30.1.2012 – Onaisin, Parque Pingüino Rey</em><br />
„&#8230; In voller Montur starten wir heute in den Tag. Es ist eisig kalt und der berühmt berüchtigte Wind Patagoniens stellt schon am frühen Morgen seine Kräfte zur Schau. Erfreulicher Weise haben wir die ersten 30 Kilometer bis zur Kreuzung nach Onaisin Rückenwind, wo wir in der kleinen Bushaltestelle Schutz suchen und uns mit Dulce de Leche Broten stärken. Danach heißt es wieder gegen den Wind kämpfen – aber Gott sei Dank nur 15 Kilometer – bis zum <a href="http://www.pinguinorey.com/index.html"target="_blank">“Parque Pingüino Rey“</a>. Doña Cecilia lässt uns ausnahmsweise herein, denn eigentlich ist heute geschlossen. Erst seit zwei Monaten ist der Privatpark für die Öffentlichkeit zugänglich, Unterstützung bekommt sie keine. Vor zwei Jahren noch bestand die Kolonie aus 28 Königspinguinen, inzwischen haben sie sich bereits verdoppelt. Seeelefanten breiten sich immer mehr in ihren Gefilden aus, sodass die Pinguine nach neuen Lebensräumen suchen, erzählt uns Doña Cecilia. Sonst findet man diese  besonderen Seevögel nur auf subantarktischen Inseln und in der Antarktis. Nach einer kleinen Einführung begleitet uns Cecilia zu „ihren“ Pinguinen. Sechs der Weibchen brüten zur Zeit Eier aus, der Rest der Bande spaziert tapsig durch die Gegend oder scheint sich in kleinen Runden gesellig zu unterhalten. Manche bringen ihr Federkleid auf Vordermann oder zanken um die Wette, um ihre Männlichkeit zu präsentieren. Wir dürfen den ganzen Tag hier verbringen und sogar unser Zelt hinter der schützenden Windbarriere aufstellen. Fast mütterlich erklärt sie uns alles und überlässt uns danach voller Vertrauen das gesamte Gelände. Wir spazieren nochmal zum Strand runter und haben tatsächlich das Glück, auf drei Königspinguine zu treffen, die anscheinend eine richtige Freude am „Wandern“ haben. Vom Sitzen aus beobachten wir sie, ganz nach kommen sie an uns ran. Nur einige Meter trennen uns, als sie an uns vorbei watscheln. Unsere Gegenwart scheint sie nicht im Geringsten zu stören &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Di, 31.1.2012 – kurz vor Camerón</em><br />
„&#8230; Der Wind dreht über Nacht, rüttelt laut an unserem Zelt, sodass ich trotz Ohropax keinen Schlaf finde. Die dunklen Wolken am Himmel rücken immer näher, auf dem windgepeitschten Meer gehen  Gewitter nieder. Bald fallen auch auf uns erste Regetropfen, die in Kürze von Hagel abgelöst werden. Die heftigen Windböen schießen uns die kleinen Eiskugeln ins Gesicht, wir kämpfen uns Stück für Stück weiter. Als wir in der Ferne eine Estancia sehen, beschließen wir dort anzuklopfen, um das Gewitter abzuwarten. Señor Javier öffnet uns die Türe, bittet uns herein und macht direkt neben dem warmen Holzofen Platz, damit wir uns aufwärmen können. Vier bis sechs Monate pro Jahr lebt er hier alleine auf der Estancia, kümmert sich um Haus und Vieh. Eigentlich ist er aus Punta Arenas, aber am „Campo“ (Land) fühlt er sich viel wohler. Ob er seine Frau manchmal vermisse, frage ich ihn, doch der rotbackige Herr mittleren Alters grinst nur schelmisch und gibt mir keine Antwort. Aus dem batteriebetriebenen Radio trällern fröhliche Volkslieder und wir schälen uns eine Kleidungsschicht nach der anderen vom Körper. Um Punkt elf Uhr springt Señor Javier wie vom Blitz getroffen auf, holt seinen großen Biberbeutel aus dem Schrank, rutscht den Hocker näher an den Herd und bereitet sich einen Mate zu. Dreimal am Tag trinkt er Mate. Morgens, um 11 Uhr und abends. Sehr gesprächig ist er nicht, scheint unsere Gesellschaft aber sichtlich zu genießen, denn sein Lächeln wird immer breiter. Wir schlürfen heißen Tee, essen aufgebackenes Brot und Señor Javier schiebt extra für Andi noch ein Stück „Cordero“ (Lammfleisch) in den Ofen. Der Regen hört bald auf und keine Minute später kommt die Sonne wieder zum Vorschein &#8230;“</p>
<p>Da wir keine Lust haben unnötige Zeit auf der als langweilig geltenden Ruta 3 zu verbringen, entscheiden wir uns für die Schotter-Variante über den Paso Bellavista und lassen San Sebastian und Rio Grande im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Do, 2.2.2012 – Pampa Guanaco</em><br />
„&#8230; Eigentlich erhoffen wir uns heute Hilfe vom Wind, doch der kommt zuerst kräftig von der Seite und bremst uns danach gewaltig ein. Nach Mittag bekommen wir uns dann auch noch in die Haare, weil wir beide so geschafft und müde sind. Im Straßengraben suchen wir Schutz und schlafen  unverzüglich ein. Etwa eine Stunde dösen wir, danach hat der Körper wieder genug Energie und wir beide uns wieder lieb <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  &#8230;“</p>
<p>Der Wind in „Tierra del Fuego“ raubt uns oftmals die letzten Kräfte und versetzt uns etliche Male von der Straße. Doch sobald wir uns in die „richtige“ Richtung drehen ist es förmlich, als würden wir durch die Landschaft fliegen. Die Piste hier ist einsam und ohne Nachschubmöglichkeiten, auf Chilenischer Seite jedoch sehr gut zu fahren, landschaftlich sehr interessant und im letzten Teil meist mit Rückenwind! Ein wahrer Genuss! Die genialen Straßenverhältnisse gehören jedoch bald der Vergangenheit an, denn Argentinien begrüßt uns mit einer holprigen Waschbrettpiste. Trotz günstigen Windverhältnissen kommen wir nur im Schneckentempo voran, die Handgelenke schmerzen. Durch die endlose Weite der Pampa geht es vorbei an Guanacoherden und riesigen Schafweiden. Nach 70 Kilometern Durchrütteln stehen wir schließlich an der Kreuzung zur Ruta 3: Endlich wieder Asphalt! … Und von hier aus trennen uns nur noch langweilige 100 km vom „Schlaraffenland“, welches kurz vor Ushuaia liegt &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 3.2.2012 – Tolhuin</em><br />
„&#8230; Emilio zeigt uns sofort unsere Unterkunft, ein kleiner Raum mit 4 Betten im Lager seiner Bäckerei. „Bienvenidos a la casa de amistad“ steht in großen Lettern auf der Türe. Die Angestellten der <a href="http://www.panaderialaunion.com/"target="_blank">Panaderia „La Union“</a>  begrüßen uns freundlich, als würden wir schon lange Teil des Ganzen sein. Wir stellen die Räder unter und schauen rüber in die Panaderia. Alleine der Arbeitsbereich ist riesen groß. Unzählige Wägelchen mit frischen, heißen und herrlich duftenden Bäckereien parken zum Auskühlen neben den Öfen, fleißige Hände sind am Zaubern. Als wir die Cafeteria betreten, staunen wir nicht schlecht: Unmengen an Leuten, Busladungen mit Japanern und eine riesige Theke gefüllt mit Dingen, von denen ein ausgehungerter Radler träumt! An den Wänden Fotos von berühmten Persönlichkeiten, Dankesworten gesponserter Sportler, Flatscreens mit Fotoshows. Wir holen uns Empanandas, Fakturas und Kaffee und freuen uns, dass wir endlich „angekommen“ sind &#8230;“</p>
<p>Fast vier Tage verbringen wir in Tolhuin, besser gesagt in der Panaderia selbst. Wir helfen beim Backen, kochen für die Belegschaft und gewinnen einige „Sympathiepunkte“ mit unserem delikaten Rindsgulasch, welches Emilio sogar ganz stolz der zufällig anwesenden Gouverneurin von Tierra Del Fuego, Fabiana Rios, zum Testen serviert. „Muy Potente“, ist ihr spontaner Kommentar – was übersetzt so viel wie „sehr deftig“ heißen dürfte <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Natalia, eine der Verkäuferinnen, lädt uns gleich zweimal zu ihr nach Hause ein. Ihr Mann Esequel ist ein leidenschaftlicher, auf üppige Fleischgerichte spezialisierter Koch, zaubert aber zusätzlich immer etwas Vegetarisches auf den Tisch, damit auch wirklich niemand Hunger leiden muss. Im Gegenteil, die Portionen sind enorm und wir freuen uns über die Feiertage, die unsere Reserven wieder auf Vordermann bringen &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Di, 7.2.2012 – Tolhuin</em><br />
„&#8230; Werd&#8217; gegen 7 Uhr von Normas Musik und den herrlich duftenden Empanadas geweckt. Etwas traurig packen wir unsere Sachen und schauen rüber in die Cafeteria – auf ein letztes Faktura-Frühstück. Dann heißt es Abschied nehmen, denn am Samstag geht unser Flug nach Buenos Aires. Mir fällt das Ganze nicht so einfach, habe in den wenigen Tagen alle richtig in mein Herz geschlossen. Emilio drückt uns ein Küsschen auf die Wange, wünscht uns alles Gute und das Erstaunliche daran ist, dass nach so vielen Radfahrerbekanntschaften seine Worte immer noch direkt aus dem Herzen kommen. Bis zu 15 Radfahrer pro Woche beherbergt er in seiner Panaderia, viele davon bleiben einige Tage und alle werden selbstverständlich mit Fakturas, Kaffee und Empanadas versorgt. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge hüpfen wir schließlich auf unsere Räder und fahren schweigend entlang des Lago Fagnano. Die letzten Tage waren sehr intensiv. Wir haben viel über uns gelernt, aber vor Allem über Großzügigkeit und Freundschaft. Das gesamte Team von „La Union“ ist ein wundervoller „Haufen“ aufgeschlossener, freudiger Menschen, die ohne Vorurteile, dafür mit weit aufgerissenem Herzen scheinbar Fremde wie einen Teil ihrer Familie behandeln. Viele Gedanken laufen mir durch den Kopf, während der Wind Patagoniens den Lago Fagnano zum Schäumen bringt. All die Menschen, die uns auf unserer Reise begegnet sind, die Freudes- und Dankbarkeitstränen, die ich verdrückt habe und die vielen Momente, in denen wir alle EINS waren &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mi, 8.2.2012 – Ushuaia</em><br />
„&#8230; Am Morgen ist die Luft eisig kalt, dafür haben sich die dunklen Gewitterwolken aufgelöst und strahlend blauer Himmel begrüßt uns. Ein kleines Stück rollen wir bergab, dann heißt es für uns: Den letzten „großen“ Anstieg in Südamerika erklimmen. Bald liegt der tiefblaue Lago Escondido unter uns. Waldreich ist es nun wieder, die Bäume tragen einen hellgrünen Moos-Bart und sind von einer dicken, knorrigen Rinde umgeben. Die Passhöhe erreichen wir viel schneller als gedacht, legen eine weitere Schicht Kleidung an und surfen hinunter bis auf Meereshöhe. Als wir schließlich das Ortsschild „Ushuaia“ erreichen, können wir es kaum glauben: 21 Monate im Sattel und jetzt sind wir endlich hier! Nur leider weiß das niemand außer uns. Witzigerweise tauchen 2 Rennradler auf, die uns den Daumen nach oben zeigen und uns ein Lächeln schenken – wenigstens was <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  &#8230;“</p>
<p>Aufgrund unseres ausgedehnten Aufenthalts in Tolhuin bleibt uns nur wenig Zeit, um Ushuaia ausgiebig zu erforschen. Wir kümmern uns um&#8217;s Verpacken unserer Räder und des Gepäcks, treffen wieder auf einige alte Bekannte und lernen neue verrückte Reisende kennen. Die Zeit vergeht zu schnell und am 11. Februar hebt unser Flieger Richtung Buenos Aires ab. Als wir 2.366 km später wieder landen fühlen wir uns, als hätte uns Scotty persönlich in eine andere Welt gebeamt. Es ist heiß und schwül in der 13-Millionen Einwohner zählenden Großstadt, wir sind müde vom Flug und überfordert mit der Reizüberflutung, die uns von Anfang an umgibt. Gut, dass uns der Zufall an zwei ganz liebe Menschen verwiesen hat, Vanessa und Mike, die uns während unserer 11-tägigen (Indienvisa-technischen Zwangs-)Pause bei sich aufnehmen und ihr Appartement mit Klimaanlage und Pool *freu* mit uns teilen. Wir plaudern viel, kochen und essen gemeinsam – genau das, was Radfahrer an Ruhetagen am liebsten machen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . </p>
<p>Und bald, ja schon sehr bald, werden wir uns von einem neuen Kontinent melden …</p>
<p>Namaste,<br />
nandita</p>
<p>Ps. in einigen Tagen gibt&#8217;s neue Bilder von Buenos Aires</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Breitengrad 54° 48&#8242;: Angekommen am Ende der Welt!</title>
		<link>http://blog.nandita.at/2012/02/09/breitengrad-54%c2%b0-48-angekommen-am-ende-der-welt/</link>
		<comments>http://blog.nandita.at/2012/02/09/breitengrad-54%c2%b0-48-angekommen-am-ende-der-welt/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 15:43:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
		<category><![CDATA[Ushuaia]]></category>

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		<description><![CDATA[Ja!! Wir sind da! Am Südlichsten "Zipfel" Südamerikas, den man auf dem Landweg erreichen kann: USHUAIA!!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.nandita.at/wp-content/uploads/2012/02/ushuaia.jpg"><img src="http://blog.nandita.at/wp-content/uploads/2012/02/ushuaia.jpg" alt="" title="ushuaia" width="600" height="400" class="alignleft size-full wp-image-693" /></a></p>
<p>Ja!! Wir sind da! Am Südlichsten &#8220;Zipfel&#8221; Südamerikas, den man auf dem Landweg erreichen kann: USHUAIA!!</p>
<p>Mit einer Flasche argentinischen Rotwein lassen wir die letzten 21 Monate Revue passieren. Es waren Monate voller Herausforderungen und Begegnungen &#8230; mit uns selbt, einer rauen und faszinierenden Natur zugleich und Menschen, die wir ewig in unseren Herzen tagen werden. Intensiv ist wohl das beste Wort, das nur annähernd beschreiben kann, was wir erlebt haben. So anstrengend und mühsam manche Tage waren, möchten wir nicht einen davon missen &#8230; Diese Reise ist wahrlich das größte Geschenk, das wir uns selbst machen konnten!</p>
<p>Doch nur weil wir am Ende der Welt angekommen sind, heißt das noch lange nicht, dass WIR am Ende sind <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  &#8230;</p>
<p>&#8230; Unser Reisefieber ist nicht ganz gestillt, in der Kassa klimpern noch ein paar Münzen und die daheim herrschende, polare Kältewelle macht es uns nicht sehr schmackhaft, gleich nach Hause zu kehren. Richtig, es geht weiter! Am 22. Februar heben wir ab und schlagen am 25. Februar ein neues Kapitel in unserem Reisetagebuch auf. Denn unsere Füße betreten an diesem Tag erstmals INDISCHEN Boden!!! Doch Näheres darüber und einen ausführlichen Bericht der letzten Wochen gibt&#8217;s in Kürze!!</p>
<p>Un abrazo desde Tierra Del Fuego,<br />
Anita und Andi</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Nordpatagonien und die Carretera Austral</title>
		<link>http://blog.nandita.at/2012/01/19/nordpatagonien-und-die-carretera-austral/</link>
		<comments>http://blog.nandita.at/2012/01/19/nordpatagonien-und-die-carretera-austral/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 13:30:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Chile]]></category>
		<category><![CDATA[Carretera Austral]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.nandita.at/?p=678</guid>
		<description><![CDATA[Grobe Route:
Chos Malal – Zapala – San Martin de los Andes – Bariloche – El Bolson – Esquel – Futaleufú (CHILE) – Villa Santa Lucia – Puyuhuapui – Coihaique – Puerto Bertrand – Cochrane – Tortel – Villa O&#8217;Higgins – El Chalten (Argentinien)
Seit unserem letzten Eintrag sind nun schon einige Wochen vergangen, doch wir waren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
Chos Malal – Zapala – San Martin de los Andes – Bariloche – El Bolson – Esquel – Futaleufú (CHILE) – Villa Santa Lucia – Puyuhuapui – Coihaique – Puerto Bertrand – Cochrane – Tortel – Villa O&#8217;Higgins – El Chalten (Argentinien)</p>
<p>Seit unserem letzten Eintrag sind nun schon einige Wochen vergangen, doch wir waren nicht untätig und sind mittlerweile verhältnismäßig weit gekommen – es fehlen uns noch ca. 800 km bis nach Ushuaia. Der Grund für den verspäteten Update ist leicht erklärt: Auf der sonst eher verregneten und ungemütlichen Carretera Austral war das Wetter trocken, warm und sommerlich, was wir natürlich zum Weiterfahren nutzen mussten. Zudem gab´s in den kleinen, abgelegenen Orten meist kein oder viel zu lahmes Internet und überhaupt hatten wir ehrlich gesagt viel zu viel Spaß, als unsere wertvolle Zeit mit „Arbeit“ zu verschwenden <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Doch erst mal von Vorne:</p>
<p>Die ersten Tage im argentinischen Teil Patagoniens sind geprägt von kräftigem (meist Gegen-)Wind und monotoner Pampalandschaft. Wir haben ordentlich zu strampeln um einigermaßen voran zu kommen. Zufällig treffen wir in Chos Malal auf Kanada-Matt, einem „alten“ Radler-Kollegen. Gemeinsam reisen wir einige Tage Richtung Süden und sprengen dabei unseren Tages-km Rekord, der nun Dank eines überraschend starken Rückenwindes bei 146 km liegt <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Ab Junin de los Andes freuen sich unsere, mittlerweile unter Grün-Entzug leidenden Augen über erste Pinien, denn ab hier wird die Landschaft immer grüner. Das Chilenisch-Argentinische Seengebiet  nordwestlich von Bariloche wird gerne als die „Schweiz Südamerikas“ bezeichnet. Glasklare Seen und Flüsse, schneebedeckte Berge, grelle Blumenwiesen und üppige Wälder erwarten den Besucher. Doch seit mehr als einem halben Jahr leidet die Region unter den Folgen eines Vulkanausbruches. Begonnen hat alles im Juni 2011. Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Puyehue_%28Vulkan%29"target="_blank">Puyehue</a> spuckt über Nacht eine Mischung aus Sand und Asche, weite Teile der Gegend westlich des Vulkans sind am darauffolgenden Morgen mit einer 30 cm grauen Schicht bedeckt. Seit diesem Tag ist der Puyehue aktiv, bläst in einem fort Asche in die Atmosphäre. An windigen Tagen herrscht grauer Nebel, das feine Pulver dringt in alle Ritzen und Poren, das Atmen fällt schwer. &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 09.12.2011 – Lago Nahuel Huapi</em><br />
„&#8230; Die Landschaft die sich vor uns auftut, stimmt uns beide nachdenklich. Verlassene, in Asche versunkene Häuser, Blumen, die sich mühselig ans Licht kämpfen und Tiere, die anstatt im Gras zu stehen, Asche fast bis zu den Knien haben. Um die Mittagszeit erreichen wir Villa La Angostura, einer der wichtigsten Tourismusorte der Region. Eigentlich sollten alle Hotels um diese Zeit ausgebucht sein, doch es wirkt recht ruhig. Vor den Restaurants riesige Aschehaufen, die Straßen werden ständig mit Wasser besprengt, um nicht noch mehr aufzuwirbeln. In der staubigen Bushaltestelle essen wir Käsebrote, beobachten die mit Sand und Asche beladenen LKWs. Der starke Wind verwirbelt noch mehr „Ceniza“, die fast gezwungen auf unserem Mittagessen landet … Als wir etwa 20 km nach Villa La Angostura die holprige Piste zum Camping „Don Horacio“ runter rollen, staunen wir nicht schlecht. Grün! Doña Angelika begrüßt uns mit einem warmherzigen Lächeln, meint, wir sollten uns ein nettes Plätzchen suchen. Sei ohnehin niemand außer uns da. Sie und ihr Mann leiden am gleichen Schicksal wie alle Anderen in der Region. Asche über Asche, die Touristen bleiben diese Saison aus. Aber was will man machen? Einfach weiter. Putzen, Bewässern und hoffen, dass der „Spuk“, im wahrsten Sinne des Wortes, bald vorbei ist. 80 LKWs haben sie benötigt, um ihr Grundstück von der Asche zu befreien. Keine einzige Beschwerde hören wir von ihnen, obwohl sie es alles andere als einfach haben. Es sei ihr Leben, sagt sie. Dieses Grundstück und der Camping. Seit über 110 Jahren lebt Angelikas Familie hier. Strom haben sie nur, wenn sie den Generator anwerfen. Aber „Paz“ (Frieden) hätten sie, viel „Paz“. So wirkt es tatsächlich. Auch wir tauchen ganz tief ein und saugen die gute Energie dieses herrlichen Flecken Erde in uns auf, während Doña Angelika und ihr Mann unterm Vordach einer einfachen Holzhütte Mate schlürfen und auf den See blicken. Hoffnung und Zuversicht braucht man, und den Mut, wieder einen Schritt weiter zu gehen – egal, was einem geschieht &#8230;“</p>
<p>Südlich von Bariloche verlassen wir die betroffene Region wieder und atmen tief durch. Wir folgen der Ruta 40 weiter in den Süden, besuchen das Aussteiger- und Hippie-Dorf El Bolson und erfreuen uns am angenehmen Klima und den Bergpanoramen. Schwer behangene Kirschbäume säumen den Weg und in den kleinen Bauernhöfen werden Früchte und selbst gemachte Produkte verkauft. Bei Esquel drehen wir die Lenker nach rechts und biegen Richtung Chilenische Grenze ab &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 16.12.2011 – Grenze AR / CH nach Futaleufu</em><br />
„&#8230; Vor der argentinischen Grenze futtern wir die restlichen Nüsse und müssen danach eine Weile warten, denn der Chef, wie er sich selbst nennt, hat gerade keine Lust – obwohl eine lange Warteschlange hinter uns steht. „Hasta manana!“, sagt der arrogante Zöllner und geht tatsächlich zu seinen Kollegen rüber, um Mate zu schlürfen. „Soy el chefe!“. Typisch Argentinien, denke ich mir. Gnädigerweise kehrt der werte Herr nach zehn Minuten wieder zurück, um all unsere Daten mit dem Adler-Such-System in den Computer einzugeben.   &#8230;“</p>
<p>Besucht man Argentinien oder den südlichen Teil Chiles, muss man sich unweigerlich mit dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mate"target="_blank">Mate-Kult</a> auseinandersetzen, denn der wird immer und überall getrunken. Beim Autofahren, beim Schlange-Stehen im Supermarkt, während der Arbeit oder am Abend vorm warmen Holzofen. Es handelt sich um ein bitteres Aufgussgetränk, welches mit der „Bombilla“, einer Art Metall-Strohhalm aus einer mit „Yerba-Mate“ gefüllten Kalebasse gesaugt wird und als Lebenselixier Argentiniens gilt. Doch Mate ist viel mehr als nur ein Getränk. Meist wird er in geselliger Runde genossen, wobei jeder aus der gleichen Kalebasse trinkt. Der gleiche Aufguss wird unzählige male mit heißem Wasser aufgegossen und geht wie eine Friedenspfeife durch die Runde. Auch wir haben uns mittlerweile mit einem Mate-Set ausgerüstet und überlegen schon, wie wir das Ganze wohl am Besten am Lenker befestigen können, damit es immer griffbereit ist <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<p>Mit dem Grenzübertritt nach Süd-Chile wartet das nächste, große Abenteuer auf uns. Ein lange gehegter Traum und sicherlich eines der Highlights aller Südamerika-Radler: Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Carretera_Austral"target="_blank">„CARRETERA AUSTRAL“</a>. Üppiger Regenwald, schneebedeckte Berge, Gletscher, Flüsse und Seen, unzählige Wasserfälle und viel Regen prägen diese einst gottverlassene Gegend. Lange Zeit war der südliche Teil Chiles nicht zugänglich, erst 1976 wurde mit dem Bau der „Carretera Austral Presidente Pinocet“ begonnen. Das letzte Teilstück nach Villa O&#8217;Higgins wurde erst vor 14 Jahren vervollständigt. Auf den Radnomaden warten harte Etappen. Miese Schotterpisten und gemein-steile Anstiege, als Belohnung eine einzigartige „Wildnis“. Je nach Wetterlage kann die Carretera Austral ein absoluter Genuss oder eine nicht endend wollende Qual sein – vor allem, wenn man zu spät feststellt, dass Regenklamotten und Packtaschen einmal wasserdicht waren <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> . Eines ist sie  jedoch gewiss: Unvergesslich &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mo, 19.12.2011 – Lago Risopatron</em><br />
„&#8230; In der Nacht hat es wieder geregnet. Feucht-kühl der Morgen, frühstücken im Zelt. Die Wolken hängen tief, und grad, als wir alles zusammenpacken, prasseln dicke Regentropfen auf die Zeltplane. Etwas widerwillig schlüpfen wir in die immer noch feuchten Regenklamotten und folgen weiter dem Rio Palena, der mit seinem türkis-farbenen Wasser einen wunderschönen Kontrast zur verregneten Landschaft bildet. In den nassen Klamotten kühlen unsere Körper bei jeder Pause schnell aus. Ungemütlich ist es. Mal wird der Regen mehr, mal weniger. Am Lago Risopatron halten wir am Nationalpark-Campingplatz. Haben keine Lust mehr weiter zu radeln. Klatschnass spazieren wir den matschigen Weg zum Camping runter, der Regen prasselt immer noch vom Himmel. „We enjoy this all so much!“, sagt <a href="http://www.crazyguyonabike.com/doc/?o=1&#038;doc_id=9693&#038;v=fO"target="_blank">John</a> zu mir, und wärmt seine Finger über dem lodernden Feuer. Er und seine Frau Cathy sind seit drei Wochen in Patagonien, ebenfalls Radfahrer. Das grauenhafte Wetter scheint ihnen nichts auszumachen. Ganz im Gegenteil. Freudestrahlend stehen sie vor uns und drücken uns gleich eine heiße Tasse Tee in die Hand  &#8230;“</p>
<p>Seit einigen Jahren plant die chilenische Regierung gemeinsam mit ausländischen Firmen an einem sehr umstrittenen Projekt, da in der Hauptstadt Santiago und in den großen Minen des Landes mehr und mehr Energie benötigt wird. Der Plan sieht vor, einige Flüsse in Chilenisch-Patagonien aufzustauen und den gewonnenen Strom mittels Hochspannungsleitungen in die 2.000 km entfernte Hauptstadt zu leiten. Die Folgen für das einzigartige Ökosystem wären fatal, der Tourismus würde unter dem mit zahlreichen Hochspannungsmasten verschandelten Landschaftsbild leiden und mit der Abgeschiedenheit und Idylle wäre es vorbei. Die Initiative <a href="http://www.patagoniasinrepresas.cl/final/index-en.php"target="_blank">„Patagonia Sin Represas“</a> setzt sich mit diversen Programmen und Aktionen gegen die Pläne ein, was einem Kampf gegen Windmühlen gleicht. Da es wie immer um sehr viel Geld geht, sind die Fronten verhärtet und der Konflikt noch lange nicht ausgetragen &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Do, 22.12.2011 –  Villa Amengual</em><br />
„&#8230; Señora Veronica hat ein kleines Hostal in Villa Amengual. Bei Mate wird in der Küche diskutiert. Alle 150 Meter soll ein Hochspannungsmast aufgestellt werden, den Grundstücksbesitzern wird ein verlockendes Angebot unterbreitet. Schwer sei es, Leute zu mobilisieren, denn viele brauchen das Geld für das Studium ihrer Kinder, das sie sonst niemals finanzieren könnten. So treten sie ihr Land an die ausländischen Firmen ab. Dass der Geldfluss jedoch nur kurzfristig währt, das bedenken viele nicht. Mit Arbeitsplätzen locken sie, doch nach einigen Jahren, sobald die Dämme und Leitungen gebaut sind, wird ein Großteil der Leute wieder auf der Straße stehen und der unwiderrufliche Eingriff in die Natur wird für immer bleiben. Die Regierung solle lieber Alternativen im Tourismus fördern, meint sie und schlürft nachdenklich an ihrer Bombilla. Denn sobald sich die Hochspannungsleitung quer durch die Landschaft zieht, wird es vorbei sein mit dem einzigartigen Flair Chilenisch-Patagoniens &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Do, 22.12.2011 – Questa Quelat</em><br />
„&#8230; Regen die ganze Nacht über, auch am Morgen keine Pause. Drehen uns hin und her, schlafen immer wieder kurz ein und hoffen, dass wir beim nächsten Mal Aufwachen kein Regenprasseln mehr hören. Tja, das Warten hilft nicht, so quälen wir uns auf, frühstücken und packen alles zusammen. Erfreulicher Weise wird der Regen dann doch noch weniger, sobald wir wieder auf den „Eseln“ sitzen, geht’s erneut los. So macht&#8217;s nicht ganz so viel Spaß, auch wenn die regenschirm-großen Nalcablätter und die moosbewachsenen Bäume im Regen noch hübscher aussehen. Nach einigen Kilometern Auf und Ab steigt die Straße stetig an. Kurven uns langsam die Questa Quelat rauf, das Thermometer zeigt fünf Grad und wir nähern uns immer mehr der Schneefallgrenze. Als wir endlich den höchsten Punkt überwinden und den Downhill hinab düsen, können wir uns gar nicht mehr erwärmen. Versuchen uns unter einem Holzverschlag mit heißem Tee etwas aufzuwärmen, was leider keine Wirkung zeigt. Also wieder rauf aufs Rad und hoffen, dass bald ein Gegenanstieg die Kälte aus unseren Gliedern vertreibt. Und tatsächlich funktioniert das wunderbar und etwas später kommt sogar noch die Sonne zum Vorschein &#8230;“</p>
<p>Ab diesem Tag kommt die Sonne immer öfter zum Vorschein, die dunklen Regenwolken verschwinden vom Himmel und das Thermometer klettert wieder auf sommerliche Temperaturen.  Am Weihnachtstag treffen wir erneut auf die beiden Australier <a href="http://www.crazyguyonabike.com/doc/?o=1&#038;doc_id=9693&#038;v=fO"target="_blank">Cathy und John</a>, beschließen gemeinsam zu feiern und finden ein ganz besonderes Fleckchen am Rio Simpson für unser Weihnachtscamp. Etwa 20 km bevor wir unser Lager erreichen, gesellt sich eine zierliche, junge Hündin zu unserer „Herde“, läuft fröhlich neben uns her. Den gesamten Weihnachtsabend und sogar die Nacht bleibt „Sandra Claus“ bei uns, freut sich über unsere Essensreste und die extra Streicheleinheiten. Kochen fein auf und teilen all unser Essen gemeinsam, später gibt’s Weihnachtskuchen mit Dulce de Leche und während der Mate seine Runden dreht, knistert das Feuer und Sandra Claus schläft wie ein kleines Baby neben uns ein &#8230;    </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mo, 26.12.2011 – El Blanco</em><br />
„&#8230; Traumhaft geschlafen – und wieder Kaiserwetter! Vorbei an gelben Blumenfeldern und kahlen Hügeln, radeln wir weiter in Richtung Süden. Die Natur hat sich immer noch nicht ganz von den großen Feuern in den 40-ern erholt. Damals wollten die ersten Siedler das Land mit Hilfe von Feuer urbar machen, doch diese gerieten außer Kontrolle, brannten mehrere Jahre. Alleine in der Region Aysen wurden etwa 50 % des Waldes vernichtet … Kurz vor El Blanco lesen wir auf einem Schild „Se vende verdura“ und drehen schnurstracks um, da unsere Gemüsevorräte zur Neige gehen. Leider sei alles aus, antwortet Señor Andrés, und lehnt sich auf den Holzzaun zwischen uns. Ganz interessiert stellt uns der alte Herr Fragen und gerät dabei selbst ins Schwärmen, über „sein“ Patagonien. Das satte Grün, die herrlichen Farben. Patagonien sei zu jeder Zeit wunderschön. Sein ganzes Leben hat er hier verbracht und erkennt immer noch den Zauber seiner Heimat. Ganz alleine lebt er hier, zum Weihnachtsfest hatte er Besuch von seiner Tochter. Beim Verabschieden reiche ich ihm die Hand, wünsche ihm „Feliz Navidad“ und bemerke, wie seine uralten Augen immer glasiger werden. Ich weiß nicht, was in diesem Menschen voller Erinnerungen im Herzen vorgeht, aber in diesem Moment ist es auch nicht wichtig. Ganz selbstverständlich umarme ich ihn und drücke ihm ein Küsschen auf die Wange &#8230; Manchmal sind es klitzekleine Augenblicke, die wie eine Ewigkeit erscheinen und für einen Moment lang alles und jeden verbinden &#8230; “</p>
<p>Eigentlich wollen wir schon seit einer Weile ein paar Ruhetage einlegen, die Oberschenkel rufen förmlich danach. Doch das Wetter ist einfach zu herrlich, um jetzt zu pausieren. Von Tag zu Tag wird die Landschaft interessanter, Gletscher leuchten mit ihrem ewigen Eis, türkisfarbene Flüsse, tief blaue Seen wohin das Auge reicht. Können einfach nicht genug bekommen von den herrlichen Farben und den skurrilen Wolkenformationen am Himmel … Und wären da nicht die vielen lästigen Pferdebremsen, könnten wir&#8217;s noch mehr genießen. Als wären die steilen Anstiege nicht genug, müssen wir währenddessen auch noch die kleinen Blutsauger verjagen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .<br />
Weiter geht es entlang des Lago General Carrera, dem zweitgrößten Binnengewässer Südamerikas. Der von Gletschersediment türkis gefärbte See gibt uns fast das Gefühl, am Meer zu sein. Wir nehmen uns viel Zeit, pausieren am Seeufer und beobachten Kondore, die in der Ferne ihre Kreise ziehen.</p>
<p>Die letzten Kilometer nach Cochrane, einem ruhigen, vergessen wirkenden 3.000 Seelen-Dörfchen, laufen wie von selbst. Neujahr steht vor der Tür. Checken am kleinen Campingplatz direkt im Zentrum ein und feiern in gemütlicher Radler-Runde den Start ins Jahr 2012. Ruhig geht man hier das neue Jahr an, kein einziger Böller, kein Feuerwerk. Nur die Sterne, die für uns am Firmament leuchten. Auch wir lassen das neue Jahr ohne Stress angehen und gönnen uns am 1. Jänner einen verdienten Ruhetag frei nach Radlermanier. Frühstücken königlich, plündern den Camping-eigenen Kirschbaum, essen kaiserlich zu Mittag und grillen zur Krönung abends groß auf, sodass wir sogar den Hausherren zum Staunen bringen.</p>
<p>Gemeinsam mit Cathy und John geht es weiter, immer im typischen Carreterra-Stil – steil und anstrengend auf und ab, die Vegetation wird wieder üppiger. Links und rechts ragen moosbewachsene Baumriesen in den Himmel, umgeben von dichtem, undurchdringlichen Primärwald. Der Rio Baker bildet kurz vor seiner Mündung in den Pazifik ein breites Delta und erinnert an den Amazonas. Wir machen einen Abstecher nach Tortel, dem regenreichsten Ort Chiles. </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Do, 5.01.2012 – Tortel</em><br />
„&#8230; Bedeckt der Morgen, ein kühler Wind lässt uns frösteln. Bald setzt leichter Regen ein, wir queren den kleinen, über Nacht etwas angestiegenen Bach, der unseren Lagerplatz von der Carretera trennt. In voller Regenmontur treten wir die 16 km bis zum Parkplatz an, wo wir unsere Räder parken müssen. Das Wegnetz in Tortel besteht ausschließlich aus Zypressenholz-Stegen und -Stiegen, die alten Holzhäuser kleben an einem steilen, sumpfigen Hang, der bis an den vom Rio Baker lehm-braun gefärbten Fjord reicht. Freuen uns, dass wir das Dorf in typischem Tortel-Wetter erleben dürfen – leichter Nieselregen und kühl. Rosalinda, die Besitzerin der kleinen Dorftienda, beklagt sich, dass es in den letzten Wochen viel zu heiß gewesen sei und ihr der Regen fehle. „Ay que calor!“ &#8211; (ach, was für eine Hitze!). Das hiesige Wasserreservoir ist leer, die Stromturbine kann nicht betrieben werden. Mit Dieselgeneratoren wird teure Energie erzeugt. „Gut, wenn der Sommer endlich vorbei ist“, meint sie und holt das hausgemachte Brot aus dem Holzofen. Über ein Labyrinth aus Stegen und Stiegen gelangen wir ins „Zentrum“, welches aus ein paar Gemeindegebäuden, einer Holzkirche und einem auf Stelzen im Wasser stehenden Hauptplatz besteht. Es hat den Anschein, als würde die Zeit hier still stehen. Die alten, feuchten Holzhäuser modern vor sich hin, in Holzkisten wird etwas Gemüse angebaut. Seit ein paar Jahren tröpfeln in der etwa 2 Monate andauernden Hauptsaison ein paar Touristen herein. Jorge hat ein kleines Restaurant &#8211; „El Mirador“. Er erzählt uns, dass das Leben hier zwar ruhig und beschaulich, aber gar nicht einfach sei. Ein bis zwei mal im Monat muss er nach Coyhaique zum Einkaufen fahren – 450 km eine Strecke. Oft falle der Strom aus, alles sei aufgrund der langen und beschwerlichen Anfahrtswege überteuert. Trotzdem würde er hier nicht mehr weg gehen. Die Leute halten zusammen, alle sind eine große Familie. Nicht wie in der „großen“ Stadt &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 6.1.2012 – Puerto Yungai</em><br />
„&#8230; Mitten in der Nacht werde ich von einer vorbeiziehenden Kuhherde geweckt, die ganz knapp an unser Zelt kommt. Ein letzter Anstieg liegt vor uns, die Gletscher rutschen näher, Wasserfälle stürzen an allen Seiten des Tals in die Tiefe. Oft sitze ich vor den leeren Seiten meines Tagebuchs und weiß nicht mehr, wie ich das, was wir erleben, in Worte kleiden soll. Jeder Tag auf der Carretera ist für uns ein großes Geschenk … Puerto Yungai erreichen wir schneller als gedacht und stehen eine Stunde vor Abfahrt der kleinen Fähre über den Mitchell Fijord am Hafen. Perfekt, so haben wir Zeit für&#8217;s „Desayuno Dos“. Kochen uns Kaffee, essen Brötchen mit Käse und Avocado und gönnen uns danach im kleinen Negocio einen hausgemachten Kuchen mit Nüssen und Dulce de Leche. Die 8-jährige Tochter von Senora Inez freut sich über die Abwechslung, einen nach dem anderen spannt sie zu einer Runde Ballspielen ein, bekommt vom vielen Herumtollen ganz rote Backen. Sie lebt mit ihren Eltern hier als einzige Familie. Kein Wunder, dass es einem da manchmal langweilig wird. Zur Schule geht sie im 130 km entfernten Cochrane. Volle 10 Tage bleibt sie dort, in Begleitung von ihrer Mama, dann geht`s wieder zurück nach Hause. Senora Inez „vertreibt“ sich währenddessen ihre Zeit mit stricken. Jacken, Mützen und Taschen fertigt sie. Alles aus Naturwolle und mit viel Liebe und Kleinarbeit hergestellt &#8230;“</p>
<p>Auf den letzten 100 km vor dem „Ende der Straße“ begegnet uns nur ganz selten ein Auto. Die Wildheit und Abgeschiedenheit dieser Region fühlt sich gut an. Da es immer noch heiß und trocken sind, hüpfen wir das eine oder andere mal in einen der zahlreichen Naturpools mit Wasserfall-Dusche, die direkt am Straßenrand liegen und von den mächtigen, fast zum greifen nahen  Gletschern gespeist werden. Das letzte Dorf auf der Carreterra Austral ist Villa O´Higgins, welches sich durch seine Isoliertheit einen ganz eigenen, an die Pionierzeit erinnernden Charme bewahrt hat. Von hier aus kann man entweder wieder umdrehen, oder die beschwerliche Überquerung nach El Chalten, Argentinien, antreten. Der erste Abschnitt dieser Etappe besteht aus einer Fähr-Passage über den Lago O´Higgins. Wir buchen die Überfahrt und müssen wegen Sturmwarnung einen Extra-Tag in Villa O´Higgins einlegen. Landen im kleinen Refugio von Don Ramon, das Wetter schlägt um und wir sind froh, eine kleine Stube mit wärmenden Holzofen ganz für uns alleine zu haben – perfektes Timing <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Heizen den Ofen an, suchen noch mehr Feuerholz und waschen unsere Wäsche. Danach gibt’s frisch gebackene Brötchen aus dem Ofen und ein riesen Blech Pizza und leckere Lasagne. Draußen regnet es, wir schlürfen Wein und der Holzofen bringt unsere Gesichter zum Glühen. Ein gebührender  Abschluss der legendären Carretera Austral.</p>
<p>Mit der Fähre überqueren wir in 2 ½ Stunden den Lago O´Higgins. Dichte, mit wasser gefüllte Wolken hängen über den Bergen. Gemeinsam mit den Reiseradlerinnen <a href="http://cyclingwithserendipity.blogspot.com/"target="_blank">Megs und Jules</a> (Australien), sowie Chris und Jako (USA / Holland), radeln und schieben wir die steile, 18 km lange Schotterpiste hoch bis zur argentinischen Grenze. Bald lassen die Wolken ersten Regen aus, welcher sich in der Höhe in Schnee und sogar Hagel verwandelt. Von hier an führt ein schwieriger Esels-Pfad bis an den Lago El Desierto. Die 6 km unfahrbar. Steil ist es, es geht über morsche Baumstümpfe, Steine und schlammige Flussbette. Stemmen die Packesel rutschige Böschungen hinauf, waten durch sumpfige Wiesen. Die vorderen Packtaschen verhängen sich ständig im Buschwerk, oft müssen wir sie abnehmen um voranzukommen. Über 4 Stunden benötigen wir für diesen Abschnitt. Zerschunden, dreckig und mit blauen Flecken stehen wir am Abend unten an der Argentinischen Migración. Der Grenzbeamte nimmt uns schnell die Pässe aus den Händen, damit wir ja nicht auf die Idee kommen, mit unseren matschigen Schuhen in sein Büro zu stapfen &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mi, 11.12.2012 – Lago el Desierto</em><br />
„&#8230; Kühl war die Nacht, aber ich hab geschlafen wie ein Stein. Kein Wunder nach der Schlepperei von gestern! Die sonst nie beanspruchten Muskeln schreien laut auf, als ich versuche mic von der Thermarest zu lösen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Chris und Jaco sitzen schon beim Morgenkaffee, wir gesellen uns dazu. Die Mädels schlafen noch und auch der Fitz Roy trägt heut morgen sein Schlafmützchen. Das eine oder andere Mal nimmt er sie kurz für uns ab. Der Vormittag vergeht mit dem vielen Lachen und Geplaudere viel zu schnell, so dass wir alle kurz in Stress geraten, als sich die kleine Fähre dem Bootssteg nähert. In Windeseile bauen wir die Zelte ab, verstauen unser Zeug in den Taschen und satteln die Räder. Puh! &#8230;“</p>
<p>Am anderen Ende des Lago El Desierto erwartet uns eine andere Welt. Die Vegetation ändert sich schlagartig. Kleine Grillplätze säumen die Straße, schicke Autos kommen uns entgegen – Ferienzeit. Bienvenidos a Argentina!  Bald finden wir uns in trocken-kahler Landschaft wieder, El Chaltén ein Touristenmagnet mit teuren Supermärkten und All-You-Can-Eat Pizza-Restaurants. Staubige Spitzenbergsteiger und geschminkte Großstadt-Tussis treffen auf windgegerbte Reiseradler und an Yedi-Ritter erinnernde Motorradfahrer. Doch lange halten wir´s hier nicht aus, zu aufgeregt sind wir, wenn wir an die nächsten Wochen denken. Für uns steht nun die nächste große Etappe an – die Fahrt durch die berüchtigt-windige Pampa Südpatagoniens und Feuerlands, bis schließlich die Straße etwas südlich von Ushuaia enden wird …</p>
<p>Windzerzauste Grüße,<br />
Anita und Andi</p>
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		<title>Argentinien – Asado, Wein und Wüstenfüchse</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 22:41:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Argentinien]]></category>

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Der Paso Jama war bis vor einigen Jahren eine der schwierigsten Andenüberquerungen und nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
Paso Jama – Susques – San Antonio de los Cobres – Salta – Cafayate – Belen – Chilecito – Villa Union – San Agustin del Valle Fértil – Mendoza – Valle de Uca – San Rafael – Bardas Blancas – Barancas</p>
<p>Der Paso Jama war bis vor einigen Jahren eine der schwierigsten Andenüberquerungen und nur wenige Radler quälten sich tagelang über schlechte Schotter- und Sandpassagen von Chile nach Argentinien oder vice versa. Heute ist er jedoch durchgehend asphaltiert und obwohl er uns wieder auf über 4.700 m führt, recht einfach zu fahren – vor Allem, wenn man einige Wochen Südwest-Bolivien in den Beinen hat <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Nichtsdestotrotz ist die Fahrt ein landschaftlicher Genuss, wieder geht es durch faszinierende Hoch-Anden Landschaft mit viel Weite, bizarren Büsser-Eisfeldern, stahlblauem Himmel und sagenhaften, fast an Raumschiffe erinnernden Wolkenformationen.</p>
<p>Am 29.10. erreichen wir die internationale Grenze nach Argentinien, unserem 25. Reiseland. Unsere Vorfreude ist groß. Die Abfertigung geht recht einfach, schnell kann man nicht sagen. „Drüben“ erwartet uns eine super-moderne „YPF“-Tankstelle, an der man sogar mit Kreditkarte zahlen kann! Klopapier und Papierhandtücher am sauberen, weiß gefliesten WC, gratis Drahtlos-Internet im schicken Café und Cappuccino mit richtigem Milchschaum aus einer italienischen Espressomaschine, dazu frisches Plundergebäck … „Welcome back to Civilization“. Das Ganze ist jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack, denn sobald wir kurz vor Susques auf die legendäre Ruta 40 abbiegen, zeigt sich uns Argentinien von einer ganz anderen Seite: Anspruchsvolle, einsame Pisten, sandige Schiebepassagen, ärmliche Puna-Dörfer und spärlich bestückte Läden … Mit knapp 5.000 km gilt die „Cuarenta“ als die längste Straße der Welt, etwa 1.000 km länger als die „Route 66“ in den USA. Von Nord nach Süd durchquert sie das Land, immer am östlichen Abhang der Andenkordillere entlang, 60% Asphalt und 40% Schotter, Sand und Geröll.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Di, 01.11.2011 – Sierra de los Cobres</em><br />
„&#8230; Immer weiter pedalen wir uns hoch und verstehen die Dame der Tienda erst jetzt: „Una sola subida“ &#8211; ein einziges Bergauf. Außer uns nur ein paar Vicuna-Herden und verlassene Hirtenhäuser. Keine Menschen, kein Verkehr. Zu unserer Linken wird ein perfekt geformter Vulkan immer größer, die vertrockneten, schwarzen Lavafelder reichen fast bis zum Pampagras. Endlich geht’s ein Stück runter. Doch dort ist der Sand so tief, dass wir erst recht wieder schieben müssen. Eine Herde Esel betrachtet uns skeptisch, dann scheint sie uns unauffällig zu folgen. Jedes Mal wenn wir uns umdrehen, bleiben sie wie versteinert stehen &#8211; als würden sie mit uns spielen &#8230;“</p>
<p>Eine letzte, frostige Nacht auf knapp 4.000 m, weitere 20 km Anstieg auf den Abra Blanca, dann ist es endlich so weit: Uns erwarten ca. 140 km Abfahrt nach Salta, davon 100 km auf Asphalt. Könnte ein netter Radtag werden – doch wieder kommt es anders als erhofft. Schon bald bremst uns ein starker Talwind, der an unseren Kräften zehrt. Wir sind froh, am späten Nachmittag doch noch das Örtchen Campo Quijana zu erreichen. Zu unserer großen Überraschung finden wir einen gemeinde-eigenen Campingplatz vor, auf dem wir für 3 Euro und mit zwei prall gefüllten Einkaufstüten einchecken. Die heiße Dusche ist ein Traum, das kühle Bier noch viel besser. Der 2.400 Höhenmeter-Downhill hat uns in ein herrliches Klima katapultiert. Schlemmen, bis uns die Bäuche fast platzen, sitzen bis Einbruch der Dunkelheit im kurzen Shirt vorm Zelt und über uns zwitschern die Vögel … was für ein neues Lebensgefühl <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<p>Während ihr Zuhause bereits Glühwein trinkt und euch mit Schal und Winterjacke gegen die Kälte abschirmt, packen wir all das warme Zeug ganz unten in unsere Satteltaschen, schmieren uns Sonnenchreme ins Gesicht und starten die Grill-Saison – Aaaah, Frühling in Argentinien! Die Sonnenseite des Lebens hat uns wieder <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<p>In der netten Kolonialstadt Salta gönnen wir uns ein paar Ruhetage und stellen schnell fest, dass die Uhren hier etwas anders ticken, als wir es gewohnt sind. Zwischen 13 und 17 Uhr herrscht Siesta, und die wird hier ganz ernst genommen! In keinem anderen lateinamerikanischen Land wird die ausgedehnte Mittagsruhe so akribisch durchgezogen wie hier. Alle Geschäfte, Ämter, Schulen, Werkstätten und andere Dienstleistungsbetriebe sind geschlossen, auf den Straßen keine Menschen. Irgendwie verständlich, denn die Mittagshitze hat es wahrlich in sich. Erst gegen Abend kehrt das Leben in den Straßen wieder zurück. Alt und Jung ist unterwegs, hell, dunkel, Frauen in farbenfrohen Kleidern und hochhackigen Schuhen, Männer in legerer Freizeitmode oder schicken Business-Anzügen, Kinder schlecken an grell-bunten Eiskugeln. Obwohl letztes Jahr die Inflation im Lande etwa 25 % betrug und Argentinien wieder einmal schwierige Zeiten durchlebt, ist davon wenig zu spüren – zumindest im Zentrum der Stadt. Die Saltenas lassen es sich trotz Allem gut gehen. Unzählige Einkaufstüten tragen sie in den Händen, in den Restaurants und Cafes wird nach Lust und Laune konsumiert und bullige Pick-ups und schnittige Sportvehikel rollen durch die Straßen. Ein Land voller Kontraste …</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mo, 07.11.2011 – Salta</em><br />
„&#8230; Nach dem Frühstück gehen wir gleich zur Post, wo uns fast der Schlag trifft. Anscheinend waren die Paket-Preise, die sie uns am Samstag gegeben haben, nicht korrekt, denn das 3-kg Paket kostet gut 50 Euro. Naja was soll´s. Mitschleppen wollen wir das Zeug nicht mehr länger. Beim Versenden müssen wir ganz korrekt den hoch-bürokratischen und veralteten Ablauf einhalten. Zuerst wird der Inhalt vom Zoll geprüft, danach alles in eine Schachtel verpackt, mit Packpapier eingewickelt und ab zum nächsten Schalter, wo uns eine geschätzte 120-jährige Dame begrüßt. Drei verschiedene Papiere müssen wir ausfüllen. Hier ein Pickerl, dort noch eines. Unterschiedliche Stempel werden auf alle Zettelchen gedrückt. Was die Dame mit drei Abschlägen der Dokumente macht, weiß ich nicht, für uns ist keiner dabei. Ist schon lustig, da kommt man in Argentinien an, hat auf der erstbesten Tankstelle Drahtlos-Internet und dann wird auf der Post alles händisch erledigt und zig tausendmal abgestempelt. Als wäre man in Südeuropa oder Griechenland, nur dass die Preise nordeuropäisch sind &#8230;“</p>
<p>Weiter auf der Ruta 40 gen Süden. Die nächsten Tage gestalten sich verhältnismäßig einfach, das Radfahren macht richtig Spaß und die herrlichen Temperaturen lassen in uns ein bisschen Urlaubsfeeling aufkommen. Easy Days! Wir passieren von Menschenhand geschaffene Oasen mit Apfel- und Olivenbäumen, einigen Zypressen und Palmen, schillernden Stauseen. Ein bisschen wie in der Toskana, mit einem Touch exotischem Flair. Plötzlich sind wir keine Gringos mehr, fallen unter den vielen weißhäutigen Menschen nicht mehr wirklich auf und Hunde sind wieder Freunde! Nicht nur einmal leistet uns ein freundlicher, Schwanz wedelnder Wuffi beim Lagern Gesellschaft, bewacht unser Zelt und bettelt geduldig nach Futter. Da die Argentinier selbst ein begeistertes Camper-Volk sind, gibt es fast in jedem kleinen Ort einen preiswerten Gemeinde-Campingplatz. Die Ruta 40 ist zudem wenig befahren und recht einsam, man kommt jedoch regelmäßig durch Ortschaften mit Nachschubmöglichkeit. Wenn uns zu Mittag der Hunger packt, machen wir es uns oft neben einem der zahlreichen, mit roten Bändern und Fahnen geschmückten Schreine von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gauchito_Gil"target="_blank">Gauchito Gil</a> gemütlich, die meist unter schattenspendenden Bäumen platziert sind. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gauchito_Gil"target="_blank">Gauchito Gil</a> ist ein von der katholischen Kirche nicht anerkannter Volksheiliger, eine Art Argentinische Variante des „Robin Hood“ und gleichzeitig Beschützer aller Reisenden.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mi, 09.11.2011 – Quebrada de las Conchas</em><br />
„&#8230; Im Morgenlicht schlängeln wir uns durch die Quebrada de las Conchas. Die roten Felsen leuchten, Jardon-Kakteen kleben an den Hängen und farbenfrohe Ara-Schwärme ziehen durch das Tal. Das Panorama wird immer schöner, und als sich das Flusstal schließlich wieder öffnet, werden die kargen Felsen von Weingärten abgelöst. Das satte Grün ist wie Balsam für unsere Augen, der Duft der Blumen wie Parfum &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>So, 13.11.2011 – Londres</em><br />
„&#8230; Grauenhafte Nacht, wenn ich 10 Minuten Schlaf zusammen bringe, ist es viel! Gerade als ich am Einschlafen bin, trifft eine Gruppe „lustiger“ Teenager ein und singt &#8211; besser gesagt schreit &#8211; die ganze Nacht durch. Es wird geklatscht und die Gitarre gewürgt – aber ganz ehrlich: So falsch wie das ist, würde man sie selbst gerne würgen. Um 5 Uhr früh reicht es mir! Stehe auf und frage sie, ob es nicht möglich wäre, wenigstens eine Stunde dieser Nacht schlafend zu verbringen … „I love you“, höre ich von einem. Das ist schon alles. Eine Minute Ruhe und weiter geht’s. Kurz nach sechs stehen wir auf, schlafen können wir ohnehin nicht mehr. Auf der Bank sind zwei Burschen „übrig geblieben“, die immer noch voller Hingabe irgendwelche Schnulzen kreischen. Schrecklich, aber irgendwie müssen wir schon wieder über diese verrückte Nacht lachen … Erstaunlich fit treten wir in die Pedale, vorbei an grünen, gepflegten Gärten, Nussbäumen und blühenden Sträuchern. Die Kilometer rasseln, doch als wir an der nächsten Kreuzung nach links abbiegen, begrüßt uns heftiger Gegenwind. Selbst die Bäume geben seiner Kraft nach, uns raubt er sie. In San Blas de los Sauces shclagen wir unser Zelt am „Camping Municipal“ auf. Es wäre hier auch richtig gemütlich, würden sie die Grillstellen und vor Allem das Klo öfter putzen. Egal, die 20 Pesos sind etwas mehr als sonst, dafür können wir duschen und die Klamotten wieder einmal waschen. Gerade als wir am Kochen sind, hält ein kleines Auto vor uns. Vier ältere Damen steigen aus, bewaffnet mit großen Thermoskannen voll heißem Wasser, Mate, Zucker, frischen Tortillas und Dulce de Leche. Die sonntägliche Mate-Runde, bei der es viel zu erzählen gibt – und auch viel zu lachen. Die vier „Golden Girls“ kichern wie Teenager vor sich hin, umso mehr, als sich ein adretter Herr zu ihnen gesellt. Gerade als unser Abendessen fertig ist, bringt uns die 81-jährige Felicinda ein Teller mit Dulce de Leche Broten rüber. “Asi somos, los Argentinos!“ (so sind wir Argentinier), sagt sie und drückt uns ein herzliches Küsschen auf die Wange. Sie ist ganz begeistert davon, dass wir aus Österreich kommen. „Aah, Viena! Y la musica!“, schwärmt sie, stimmt einen Walzer an und tanzt ein paar Schritte über den mit Laub bedeckten Boden. Als junge Frau hatte sie die Möglichkeit, nach Amerika zu gehen. „Pero no los quiero!“ (aber ich mag sie nicht, die Amis). Sie hätte ihr Land nie verlassen, sie liebe es einfach viel zu sehr. Auf ihr Herz hat sie immer gehört und ist anstatt in die USA zu gehen, in den Süden Argentiniens. Patagonien. Als Köchin hat sie dort gutes Geld verdient und auch ihren Mann kennen gelernt &#8230;“</p>
<p>Die Landschaft wird, je weiter wir südlich kommen, immer karger. Niedriges Dornengestrüpp und endlose Weite. Oft haben wir gegen heftigen Wind zu kämpfen und die schurgerade Straße für uns alleine. Pampa wohin das Auge reicht. Dann und wann kreuzt ein Wüstenfuchs unseren Weg und nicht nur einmal verirrt sich ein kleiner Skorpion auf unseren Lagerplatz. Nach einigen Tagen in der Wüste wird es irgendwann mal richtig eintönig &#8211; und so versuchen wir es zum ersten Mal auf der gesamten Reise mit Musik aus dem MP3-Player. Haben riesen Spaß dabei, fahren tanzend und singend durch die Gegend und wundern uns, warum wir das nicht schon früher ausprobiert haben. „Rock the Desert!“ <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .  Kurz vor Villa Union scheuchen wir einige türkis-grün-farbige Loros auf, die eine Zeit lang parallel neben uns her fliegen, mehrmals ganz knapp vor uns die Staße queren und dabei fast unsere Köpfe streifen. Fast wie Delfin-Schwimmen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 18.11.2011 – Valle Fertil</em><br />
„&#8230; Es gibt Tage, an denen man ohne große Erwartungen startet und dann umso mehr überrascht wird. So ein Tag ist heute. Er beginnt nicht sehr anders, als sonst. Frühstück auf einer Beton-Sitz-Garnitur des Camping Municipal, packen und los geht’s. Der Wind heute ausnahmsweise von hinten, sogar recht kräftig. Wir fliegen förmlich durch die eintönige Gegend. Die Straße permanent leicht gewellt, als hätte jemand Land und Straße auf 50 km wie eine Ziehharmonika zusammen gestaucht. Heiß ist es, Schatten gibt es wenig. Sogar Gauchito Gil lässt uns in Stich. Bis Mittag schaffen wir es nach Marayes, einem trostlosen Kreuzungs-Kaff, wo wir in der staubigen Bushaltestelle jausnen. Wir münden nun in die Ruta 41, die uns direkt nach San Juan und weiter nach Mendoza führt. Etwas mehr Verkehr, vorwiegend LKWs, endlose, heiße Pampa. Dank des Windes und der meist flachen Straße nicht zu anstrengend. Bis 15:30 Uhr schaffen wir es nach Bermejo. Der Tacho zeit hundert Kilometer an. Vorräte und Wasser sind knapp, bräuchten Nachschub fürs Abendessen. Der nächste Ort, Vallecito, erst in knapp 40 km. Überlegen ernsthaft, ob wir diese Etappe auch noch in Angriff nehmen sollten. Wollen es dann aber mit Auto-Stopp versuchen, da sich die Landschaft ohnehin seit Tagen nicht mehr geändert hat und es brütend heiß ist. Wir haben tatsächlich Glück, denn nach etwa 20 Minuten bremst sich Gustavo mit seinem Pick-up ein. Er sei gerade auf dem Heimweg von einem Business-Trip und könne uns bis Mendoza mitnehmen. Unglaublich! Damit haben wir nicht gerechnet! Ganze 250 km langweilige Fahrt auf viel befahrener Straße! Schnell laden wir Räder und Gepäck auf die Ladefläche, damit er es sich ja nicht noch anders überlegt <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Gustavo ist Verkäufer für technische Produkte, die unter anderen in Minen Verwendung finden. Sehr gesprächig und interessiert, das Telefon läutet oft, am liebsten würde er 100 Dinge auf einmal erledigen. Während der gesamten, über 3-stündigen Fahrt, wird es uns nicht langweilig. Wir erfahren viel über seine Heimatstadt und bekommen einige gute Tipps mit auf den Weg. Früher sei er selbst mal mit dem Rucksack unterwegs gewesen und habe deshalb angehalten. Damals hat er sich auch immer über eine Mitfahrgelegenheit gefreut. Die Außenbezirke im Norden von Mendoza wirken schäbig, und wir sind beide froh, dass wir hier nicht durch müssen. Beim Eingang zu einem Campingplatz, etwa 10 km vorm Zentrum, verabschieden wir uns, nur um dann von den Portieren zu erfahren, dass geschlossen sei. Es wird etwas mühsam und stressig, da es bereits dämmert und die Gegend nicht gerade als sicher gilt. Mit Glück landen wir schließlich am „Camping de los Graficos“, der zwar auch geschlossen ist, wo man aber Erbarmen mit uns hat und uns auf einem kleinen Flecken Wiese zelten lässt. Dass etwas Hundekacke herum liegt, keine Duschen vorhanden sind und es allgemein nicht recht sauber ist, macht uns heute nix mehr. Sind eigentlich nur überrascht, bereits heute in Mendoza angekommen zu sein! Ganze 350 km in einem Tag! Anita würde sagen: „Die da oben haben heute wieder ganze Arbeit geleistet“ … „</p>
<p>Knapp 2 Wochen (ohne Ruhetag) benötigen wir, um von Salta nach Mendoza zu gelangen. Es ist wieder an der Zeit, es sich richtig gut gehen zu lassen! Wir quartieren uns in einem günstigen Hostal mit dem passenden Namen „Malbec“ ein, schlendern durch die breiten, baumbestandenen Alleen und genießen alle Vorzüge, die Mendoza zu bieten hat, wie zum Beispiel den Wein. Etwa drei Viertel der argentinischen Weine kommen aus der Region, rund 1.200 Bodegas produzieren gute, oft hoch qualitative Tröpfchen und einer der bekanntesten Weine hier ist der Malbec. Natürlich kosten auch wir uns fleißig durch das Sortiment und genießen es mal wieder, eine große Hostal-Küche benutzen zu können. Als Andi eines Abends leckeres Röstgemüse zaubert, schaut ihm ein  argentinischer Hostal-Gast skeptisch über die Schulter und fragt: „Que es esto?“ (was ist das?) &#8211; „Verdura!“ (Gemüse). Darauf hin antwortet er: „Cuando nosotros comemos esto, morimos!“ (wenn wir das essen, sterben wir). Und das muss wohl in der Tat so sein, denn die Argentinier sind berühmt für ihren überdurchschnittlichen Fleischkonsum. Für die Meisten ist es unvorstellbar, nicht täglich Fleisch zu konsumieren. An den Wochenenden trifft man sich zum „Asado“, einer Grillerei, die hier fast wie eine Religion zelebriert wird. Unter einem halben Kilo Fleisch pro Person ist fast ein Skandal. Dazu gibt’s Rotwein und Weißbrot. Manche sollen sogar Salate, Gemüse oder Saucen dazu essen, wir haben dies jedoch noch nie gesehen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 19.11.2011 – Mendoza</em><br />
„&#8230; Wollen den Tipp von Gustavo ausprobieren: „Caro Pepe´s Tenedor Libre“, Argentiniens Antwort auf „All-You-Can-Eat Buffets“. Genau das Richtige für zwei ausgehungerte Radfahrer. Als wir um 21 Uhr vor der Tür stehen, ist der große Saal noch fast leer. Argentinier essen nicht vor 22 Uhr zu Abend. Super feine Speisen, viele vegetarische Gerichte, natürlich eine alles dominierende Grill-Station und ein feines Nachspeisenbuffet. Schick Essen gehen kann man das wohl eher nicht nennen, aber ein absolutes Erlebnis. Nach und nach füllt sich das Lokal, von Großfamilien, über super-sexy gekleideten Teenagern, bis zum pensionierten Ehepaar. Das ganze Dinner rundet ein grauhaariger Schnulzensänger ab, der mit seinem Mikrofon von Tisch zu Tisch zieht und unzählige Zettelchen in die Hand gedrückt bekommt, um jemandem Geburtstagsgrüße oder Liebesgeständnisse zu übermitteln. Unsere Mägen platzen fast, als wir uns zum Ausgang bewegen. Und so Mancher wird mir wohl auf der Straße eine Schwangerschaft in die Schuhe schieben &#8230;“</p>
<p>Die Straßen und Gehwege von Mendoza sind breit, der Verkehr moderat und die Menschen wirken  fast ausnahmslos fröhlich. Die vielen Bäume, Plazas und Grünflächen sind wie kleine Oasen. Im riesigen Parque San Martin flacken wir uns ins Gras und sehen den Menschen beim Sporteln zu. Es ist viel los während der Siesta. Jogger, Radfaher, Inline-Scater, Long-Boarder, Fussball-Teams beim Training, Leute beim Picknicken oder Eis Essen, verliebte Teenies. Mendoza hat einen positiven „Vibe“ für uns und wir würden es noch locker einige Tage länger hier aushalten. Doch die Versuchung ist groß, viel mehr Geld auszugeben, als man eigentlich will <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> . So ziehen wir lieber wieder weiter und radeln durch die unendlichen Weingüter südlich von Mendoza.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mi, 23.11.2011 – Bodega Andalhue</em><br />
„&#8230; Weiter durch baumbestandene Alleen, nicht mehr ganz so feine Gegenden, teils auf Radwegen, teils auf enger Straße. Wir passieren riesige Weingüter (Bodegas), Weingärten und Knoblauchfelder. Dass es hier viel Wein gibt, wissen wir. Aber vom Knoblauch spricht niemand. Voll beladene Transporter überholen uns und verlieren dann und wann eine Knolle. Perfekt, so brauchen wir keinen zu kaufen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Rechts von uns die Cordillera Portilla mit ihren schneebedeckten Flanken und Gipfel. Nach einigen Kilometern knickt die Straße nach links und beginnt anzusteigen. Es ist schon später Nachmittag, wir sind müde. So fragen wir in der kleinen Bodega Andalhue nach einer Campingmöglichkeit. José Blanco, der Chef persönlich, erlaubt uns, direkt neben der Bodega auf feiner Wiese zu zelten. Klein sei sein Weingut, nur 8 ha Land. Insgesamt hätte er 100, aber den Großteil verwendet er zur Produktion von Speisetrauben. Seit einigen Jahren stellt er Biowein her. Gerade vorher war die für die Zertifizierung zuständige Dame hier. Gleich am Eingang ein Schild: „José Blanco e Hijos – Fair Trade“. Er selbst kenne sich mit Wein nicht so gut aus, aber mit dem Weinanbau sehr wohl. Schwierig sei es, die Konkurrenz ist groß. Riesig wohl eher. Und die Leute kaufen lieber „Marken“ als vom familiären Weingut. Schade, denn nur weil der Wein den 3-fachen Preis hat, heißt es nicht, dass er besser ist. José führt uns in die Lagerhalle, in der etwa 100.000 Flaschen gelagert sind und zeigt uns den Degustationsraum. Wir kaufen uns natürlich ein Fläschen mit für&#8217;s Abendessen. Die teurere Klasse, einen „Malbec José Blanco Reserva 2006“, Eichenfass-gelagert. Die farbenfrohen Etiketten hat er vor einigen Jahren eigens für den japanischen Markt designen lassen. Doch der Export sei ein schwieriges Geschäft – vor Allem ohne Fremdsprachen-Kenntnisse. Seine ganze Hoffnung liegt in seinen Kindern, die kurz vor Abschluss ihrer Studien sind und später das lukrative Exportgeschäft ankurbeln sollen &#8230;“.</p>
<p>Wieder wird es einsam, windig und rau. Wir folgen weiterhin der Ruta 40, die südlich von Mendoza mit einigen sehr langen, monotonen Etappen auf uns wartet und seinem abenteuerlichen Ruf mehr als gerecht wird.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mo, 28.11.2011 – kurz vor Ranquil del Norte</em><br />
„&#8230; Ein guter Rückenwind und die meist sanft abfallende Straße lassen uns bis Mittag 55 km zurück legen. Die rasante Fahrt endet an einer Brücke, die über eine spektakuläre Schlucht führt. Das Wasser hat sich seinen Weg durch altes Lavagestein gesucht. Etwa 15 m breit, senkrechte, 10 m hohe, pechschwarze Wände. Unten donnert ein von der Schneeschmelze lehmig gefärbter Fluss durch. Leider ist ab hier für die nächsten 60 km Schluss mit lustig bzw. Asphalt <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Es geht tendenziell wieder bergauf und es ist brütend heiß. Keine Bäume, kein Schatten. Mittag machen wir unter dem lichten Schatten eines Busches. So gut wie kein Verkehr. Mühsam ist es, doch wir kämpfen uns gut voran. Nach knapp 90 km erreichen wir eine Brücke. Eigentlich sollte sich laut Karte und der Info mehrerer Personen hier ein Örtchen befinden, in dem wir unser Wasser aufstocken können. Doch außer einem Schild und einem verlassenen Lehmhaus gibt es weit und breit nichts. Unser Wasser ist fast aufgebraucht, der nächste Ort über 40 km entfernt. Genau das sollte einem Radfahrer niemals passieren. Wir bleiben ruhig, halten einen Pick-up an. Der Fahrer meint selbstbewusst, dass um die Ecke einige Häuser seien. Passt! Doch wieder nichts. Es ist spät, die heutige Etappe war hart und die Entfernung in den nächsten Ort zu weit. Also entschließen wir uns, alle Autos zu stoppen, die unseren Weg kreuzen, um nach Wasser zu fragen. Gleich der nächste Pick-up versorgt uns mit 3 Liter Wasser und der Auskunft, dass es nach einem kurzen Anstieg nur noch bergab ginge. Der Anstieg ist aber viel länger und steiler als angenommen, so enden wir nach 100 km Tagesleistung am Straßenrand und stellen unser Zelt auf. Von verschieden Autos kratzen wir uns genügend Wasser fürs Abendessen zusammen, ergattern sogar einen halben Liter Limonade und verbringen eine ruhige und angenehme Nacht inmitten dieser wunderschönen Steppenwüste &#8230;“</p>
<p>„Bienvenidos a la region Patagonia“, begrüßt uns der nette Herr von der Turi-Info am anderen Ende der Brücke über den Rio Barrancas. Unsere Freude ist groß! Doch nicht nur der Herr von der Turi-Info heißt uns willkommen, auch der hier so berüchtigte Wind stemmt sich uns sogleich heftig entgegen und gibt uns einen ersten Vorgeschmack auf die Wildheit dieser Region. Doch das ist eine andere Geschichte <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Hasta pronto und eine schöne Adventzeit,<br />
nandita</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Bolivien – im Land der eisigen Winde</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 15:52:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bolivien]]></category>
		<category><![CDATA[Lagunenroute]]></category>
		<category><![CDATA[Potosí]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
La Paz – Oruro – Challapata – Cruz Ventilla – Potosí – Tikatika – Uyuni – Colchani – Salar de Uyuni – San Juan – Chiguana – Lagunenroute (Laguna Hedionda, Laguna Colorada, Laguna Chalviri, Laguna Verde, Laguna Blanca) – San Pedro de Atacama (Chile)
Der Westen Boliviens wird dominiert vom Altiplano – einer rauen, unwirtlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
La Paz – Oruro – Challapata – Cruz Ventilla – Potosí – Tikatika – Uyuni – Colchani – Salar de Uyuni – San Juan – Chiguana – Lagunenroute (Laguna Hedionda, Laguna Colorada, Laguna Chalviri, Laguna Verde, Laguna Blanca) – San Pedro de Atacama (Chile)</p>
<p>Der Westen Boliviens wird dominiert vom Altiplano – einer rauen, unwirtlichen Gegend mit starken Winden, extremen Temperaturen, weiten Salzflächen, mineralreichen Bergen, sowie isolierten Gegenden. Das Land ist zudem das ärmste Land Lateinamerikas. Entsprechend geprägt sind auch die Menschen, meist indígener Abstammung: Zurückhaltend, oft kurz angebunden und tendenziell nicht von der freundlichsten Sorte begegnen sie uns. Doch nach anfänglichen „Startschwierigkeiten“ haben wir damit umzugehen gelernt und mit etwas Geduld und Offenheit finden wir unseren Weg in die Herzen der Menschen. Am meisten jedoch zieht uns die einzigartige, oft unbarmherzige und unberechenbare Natur des Landes in ihren Bann. Aber beginnen wir mal von vorne …</p>
<p>Unser neues Objektiv auf der Kamera, Anitas Geburtstag gebührend gefeiert, wieder ab auf die Straße. Unser nächstes Ziel ist Potosí, die Sadt am Cerro Rico, dem schicksalhaften Silberberg.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mo, 3.10.2011 – Richtung Cruz Ventilla</em><br />
„&#8230; Von Challapata aus machen wir einen Ostknick Richtung Berge. Die Pampa lassen wir bald hinter uns, wir passieren einen Stausee und schlängeln uns ein schönes Tal hinein. Endlich weniger Verkehr. So macht&#8217;s wieder Spaß! Hügelig ist es, tendenziell bergauf. Da wir heute über 110 km schaffen wollen, geben wir Gas. Die 4000 m Grenze ist schnell erreicht, bald radeln wir auf einer herrlichen Hochebene mit Alpakaherden und kleinen Wirbelstürmen. Kurz werden wir von vier Jungs auf ihren Fahrrädern begleitet. Sie haben eine riesen Freude dabei, sich mit uns ein Rennen zu liefern. Erst nach 65 km machen wir Mittag, stärken uns und fahren weiter. Wir kommen gut voran obwohl es munter Auf- und Ab, dafür in herrlicher Hochgebirgslandschaft mit goldenem Gras und niedrigem Buschwerk, geht. Das Auf- und Ab hält bis zum Etappenende an, erst kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir bei heftigem Gegenwind und aufziehendem Gewitter das trostloste Örtchen Cruz Ventilla. Quartieren uns in der einzigen, sehr simplen Hospedaje ein. Im Laden ums Eck wollen wir Marmelade kaufen … „Hay Mermelada?“. „No.“ Im Regal erspähe ich einen Plastikbehälter, der so aussieht, wie Marmelade. „Que es esto?“ „Mermelada.“, kommt als Antwort. „Entonces, una Mermelada por favor.“ &#8230;“</p>
<p>Gespräche wie in dieser kleinen Tienda sind uns nicht nur einmal passiert. Oft scheint es, als wollen die Herrschaften einfach keine Geschäfte machen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mi, 5.10.2011 – Potosí</em><br />
„ Die Sonne lässt sich nicht blicken, obwohl wir schon lange in unserer „Casita del Sol“ wachliegen. Aber ohne Sonne stehen Andi und Anita einfach nicht gerne auf <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  &#8230; Nach etwa 10 km dreht die Straße in die Berge und folgt einem schäumenden, verschmutzten Fluss. An der Peaje legen wir eine Zuckerschub-Pause ein. Cola und Erdbeerwafferl. Als ich zur Verkäuferin gehe und nach einem Mülleimer frage, nickt sie mir zu, nimmt mir die Sachen ab und wirft das Verpackungsmaterial der Wafferl einfach in den Wind, die Plastikflasche behält sie! Wenn ich das gewusst hätte … Steil geht es weiter, nach unzähligen Kurven erblicken wir erstmals den „Cerro Rico“, den Silberberg, für den Potosí so bekannt ist. Wie ein Mahnmal thront er über der Stadt. Er verhalf den spanischen Konquistadoren zu großem Reichtum, Millionen indígene Zwangsarbeiter ließen dort ihr Leben. Im 17. Jahrhundert galt Potosí als die reichste Stadt der Welt. Heute spuckt der Berg nur noch wenig Silber aus und die Glanzzeiten sind längst vorbei &#8230; An der Stadteinfahrt kaufen wir uns als Belohnung super leckere Saltenas (mit Gemüse und Ei gefüllte Teigtaschen) für einen Boliviano (ca. 10 Cent).  Das Zentrum lässt aber noch auf sich warten. Viel Verkehr, hunderte Schüler und Studenten auf der Straße. Und dann empfängt uns Potosí auch noch mit zartem Schneefall – zum ersten Mal auf unserer Reise. Keine halbe Stunde später bringt die „Liesl“ unsere von der Sonne geküssten Gesichter wieder zum Glühen. Verrückt! &#8230;“</p>
<p>Makabererweise hat sich in Potosí ein ausgeprägter Minen-Tourismus entwickelt. Die Touren sind recht günstig, man dringt mit einem mehr oder weniger gut ausgebildeten Guide für etwa 2 Stunden in die Unterwelt des Cerro Rico ein und kann sich ansatzweise ein Bild von den nach wie vor rudimentären Arbeitsweisen und Lebensbedingungen der Minenarbeiter machen. Obwohl etwas umstritten, nehmen wir an einer dieser Touren teil. Man erklärt uns, dass die Mineros etwa 8 bis 10 Stunden pro Tag schuften, was nur mit exzessivem Kokakauen, sowie 96%igem Alkohol und massenweise Zigaretten zu bewältigen sei. Auf dem „Mercado de los mineros“ kann man sich ohne Lizenz mit Dynamit eindecken. Die Stollen sind eng. Pressluftschläuche und Querbalken in Brusthöhe erschweren einem das Vorankommen. Oft müssen wir uns in eine enge Nische drängen, damit die Mineros mit den „Wagonetas“ (Grubenhunden) voller Gestein an uns vorbei kommen. Bis zu 1,5 Tonnen schwer ist ein solcher Wagen, drei Personen schieben ihn unter großer Anstrengung zu Tage. An den Mineraladern sind Männer damit beschäftigt, mit bloßer Hand, Hammer und Meißel nach Silber, Blei, Zink oder Zinn zu suchen. Unglücke stehen fast an der Tagesordnung. Um diese zu verhindern, will der „Tio“, ein Teufel mit Spanier-Bart, besänftigt werden … Schwer kann man sich als Besucher vorstellen, wie es einem Minero ergeht, der sein Leben dem Silberberg widmet. Durch Zufall kommen wir Tags darauf an der Plaza mit einem der Bergmänner etwas tiefer ins Gespräch &#8230;  </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 7.10.2011 – Potosí</em><br />
„&#8230; 38 Jahre ist Gonzalo und arbeitet, seitdem er 13 ist, im Cerro Rico als Minero (Minenarbeiter). Anfangs hat er seinen Vater begleitet und so das Handwerk erlernt. Ganz sauber und einfach ist er gekleidet, nur seine dicke Brille ist auffällig. Liebevoll hält er seine 18 Monate alte Tochter im Arm, der immer wieder die Augen vor Müdigkeit zufallen. Eine schwere Arbeit sei es, anstrengend. Und sein Augenlicht verschlechtert sich von Tag zu Tag. Viel lieber würde er etwas anderes arbeiten, aber es ist schwer, was zu finden. Und so muss Gonzalo, wenn das Geld knapp wird, wieder zurück in den Silberberg. Selbst wenn er von seinem Alltag erzählt, und wir dabei in seine müden Augen blicken, können wir nur ansatzweise begreifen, wie hart das Leben als Minero tatsächlich ist. Wie schwer es für die ganze Familie sein muss, jeden Tag in der Ungewissheit, ob man sich am Morgen nicht zum letzten Mal umarmt hat. Wie es ihm gesundheitlich ergehe, fragen wir ihn. „No es tan grave“ (nicht so schlimm), meint er. Er hätte zwar Silicosis (Staublunge), aber „nur“ Grad 2 von 4, wobei letzterer meist tödlich ausgeht &#8230;“</p>
<p>Nachdenklich verlassen wir Potosí, der Südwesten Boliviens wartet auf uns. Drei Tage dauert die Fahrt nach Uyuni, wieder durch hügeliges, schroffes und windumtostes Altiplano. Am letzten Abend vor unserer Ankunft hält neben uns ein Landrover mit Schweizer Kennzeichen – Andrea und Lukas. Die Beiden sind seit einem halben Jahr kreuz und quer in Südamerika unterwegs. Wir wollen den Abend gemeinsam verbringen, Wildcamping in einem vertrockneten Flussbett. Leider ist der Untergrund doch sumpfiger als gedacht und Lukas sinkt mit seinem über 3 Tonnen schweren Gefährt tief im Matsch ein. Da erste Bergungsversuche scheitern und die Nacht naht, verschieben sie die Arbeit auf den nächsten Tag und wir verbringen einen gemütlichen, gemeinsamen Abend in der geheizten Kabine ihres Landys. Tags darauf brechen wir zu unserer letzten Etappe nach Uyuni auf, wir verabschieden uns von unseren neuen Freunden. Dass sich die Bergung ihres Offroaders dann etwas schwieriger als gedacht gestaltet, sollten wir erst viel später erfahren – aber lest selbst auf ihrem Blog: <a href="http://driveanddivethepanamericana.blogspot.com/"target="_blank">http://driveanddivethepanamericana.blogspot.com</a></p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi / Anita</strong><br />
<em>Mo, 10.10.2011 – Weg nach Uyuni</em><br />
„&#8230; Von Beginn an fieser, starker Gegenwind, der uns teilweise von der Straße drängt. Bald sind unsere spärlichen Vorräte aufgebraucht. Mit knurrendem Magen kämpfen wir gegen die heftiger werdenden Böen. Kopfarbeit. Müssen öfter pausieren, es geht einfach nichts weiter. Vor dem Minenkaff Pulacayo beginnt ein sehr steiler, unbefestigter Anstieg, den wir nur noch schiebend überwinden können. Sind ganz schön am Semmerl, als wir an der einzigen Tienda im Ort ankommen. Es ist bereits 15 Uhr und wir haben fast nichts gegessen. Das Warenangebot jedoch mehr als spärlich. „Stärken“ uns mit 2 Liter Fanta und Unmengen Erdbeerwafferl. Die alte Vettl vom Laden kennt sich gar nicht mehr aus. Sie spricht nur Quechua, ist unheimlich langsam. Das Wechselgeld müssen wir vor ihr 3x nachzählen, ihr erklären, dass der Betrag korrekt ist. Ihr Augenlicht dürfte nicht mehr das beste sein … Es geht noch ein schönes Stück rauf, bis wir endlich am höchsten Punkt für heute stehen und wir erste Blicke auf den Salar werfen. Endlich bergab! Umso blöder schauen wir, als sich vor uns ein weiterer Gegenanstieg auftut. Was für ein nicht-enden-wollender-Tag! Müde und ausgelaugt sitzen wir am staubigen Straßenrand, trinken den letzten Schluck Fanta und stopfen uns noch mehr Erdbeerwafferl in den Mund. Auf geht’s. Der letzte – hoffentlich letzte – Anstieg für heute. Bald tauchen unter uns die Häuser von Uyuni auf, davor glitzern tausende Plastiksackerl, die in den Feldern rundherum verteilt sind &#8230;“</p>
<p>In Uyuni bereiten wir uns auf die unter Südamerika-Radlern bekannte und berüchtigte Lagunenroute vor. Unser Lateinamerika-BikeBuch von Reise Know-How sagt über diese Tour auszugsweise folgendes (S. 256ff): „Diese Fahrt ist kein Picknick und das bolivianische Hochland ist nicht Disneyland; Gefahren sind allgegenwärtig … Essensvoräte für 10 Tage und 1,5-2 Liter Brennstoff sind obligatorisch, um plötzliche Schneefälle zu überstehen. Die Biwakausrüstung sollte bis -20 Grad ausgelegt sein. In der Höhe blasen insbesondere bei der Dämmerung enorme Winde. Das windfeste Zelt sollte im Sitzen aufgebaut werden und mit einer Leine am Körper gesichert sein &#8230;“. Zugegeben, Respekt haben wir riesigen vor dieser Herausforderung, aber da wir uns körperlich und mental fit fühlen, wollen wir´s anpacken. Die „Ruta de las Joyas Altoandinas“ soll durch die aufregendsten und spektakulärsten Landschaften der Anden führen, meist in Höhen zwischen 4.000 und knapp 5.000 m. Wir kaufen Essen für 2 Wochen ein, lassen die Hälfte der Vorräte per Jeep in ein Hotel auf halbem Weg voraus schicken und schlagen uns die Bäuchen noch mal so richtig voll, bevor wir uns früh und leicht aufgeregt ins Bett legen. Tags darauf gehen wir recht früh die erste Etappe an, wir begeben uns hinaus auf den Salar de Uyuni &#8230;</p>
<p> <strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mi, 12.10.2011 – Salar de Uyuni</em><br />
„&#8230; Die weiße Ebene des Salars blendet uns wie Schnee. Eine hexagonförmige Wabenstruktur durchzieht die größte, homogene Salzfläche der Erde, die rauer ist, als angenommen. Hohe Geschwindigkeiten sind bei diesem Untergrund nicht möglich. Kurz nach 15 Uhr setzt wie auf Knopfdruck ein eisiger, orkanartiger Gegenwind ein, der uns in den ersten Gang zwingt. Da wir noch etwa 25 km von der Isla Incahuasi entfernt sind, geben wir für heute auf. Nächste Challenge: Zelt bei Sturm ohne Haken aufstellen (Laut mehreren Berichten ist es unmöglich, Zeltheringe in die harte Salzfläche einzuschlagen). Sehen uns schon in der flatternden Zeltplane ohne Essen liegen, da probiere ich nach Anita&#8217;s Anraten einen der 6-Zoll Nägel aus, die ich zusätzlich zum Abspannen der Leinen gekauft habe. Tatsächlich gelingt es uns, mit etwas Mühe und Geduld das Zelt aufzustellen und gut abzuspannen. Meine Fingerkuppen schlag ich mir dabei blutig und Anita friert sich währenddessen den Arsch ab. Der Wind ist bösartig und wir sind beide erleichtert, als wir in unsere „Casita del Sol“ kriechen können. Die Dämmerung bricht heran und das Abendlicht verwandelt den Salar in eine magische Bilderbuchlandschaft &#8230;“</p>
<p>Der dritte Tag ist hart und anstrengend. Wieder mal haben wir stürmischen Gegenwind, mehr als 5 km pro Stunde sind nicht möglich, wir schaffen es unter großer Anstrengung zur Militärbasis in Chiguana. In diesem gottverlassenen Kaff leben heute nur noch 7 gelangweilte Soldaten, die sich über etwas Abwechslung freuen und uns einen Schlafplatz in einem der abgefahrenen, mit Tarnfarbe gestrichenen, halbkugelförmigen Wohncontainern anbieten. Als wir die Tür unserer Untrkunft öffnen, staunen wir nicht schlecht, denn ein weiterer Radler, Matt aus Wisconsin (USA, <a href="http://www.aflyonmybackpack.com/"target="_blank">http://www.aflyonmybackpack.com/</a>) hat es sich schon gemütlich gemacht. Wir haben ihn zum ersten Mal im Estrellita in Cusco, Peru, getroffen und entschließen, morgen gemeinsam weiter zu radeln. Die Soldaten stehen den Rest des Nachmittags wortlos neben uns, obwohl sie wahrscheinlich tausende Fragen hätten – Fernsehen in Südwest-Bolivien … Zwei Tage später erwischen wir scheinbar eine falsche Abzweigung, sind den ganzen Tag damit beschäftigt, unsere Packesel durch wegloses Gelände zu schieben und landen schließlich an einer kleinen Lagune, die nirgendwo in unseren Aufzeichnungen zu finden ist. Ein markanter Vulkankegel immer zu unserer Rechten. Die miese Piste führt Richtung Westen, müsste grob stimmen. Aufgrund des sandigen Untergrunds ist wieder Schieben angesagt. Das Wasser wird knapp, der Tag vergeht. Irgendwann brummt ein alter, einsamer Jeep daher, der Fahrer erklärt uns, dass wir uns etwa 20 km von der Laguna Hedionda entfernt befinden – ist zwar der richtige Weg, nur waren wir Morgens genauso weit weg von unserem eigentlichen Tagesziel … Naja, hilft net. Weiterschieben. Kurz darauf ein Flusslauf, wir können Wasser filtern, was die Situation schon viel einfacher macht. Als Draufgabe erreichen wir wenig später eine verlassene Mine mit geschlossener Posada. Die Tür lässt sich öffnen und wir finden einen windgeschützten Raum mit Ofen, Tischen und Bänken vor. Ein wahres Geschenk des Tages! Insofern hat sich die Runde um den „Mount Steve“, wie wir unseren treuen Tagesbegleiter nennen, mehr als ausgezahlt <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />   </p>
<p> <strong>Tagebucheintrag Andi / Anita</strong><br />
<em>Di, 18.10.2011 – Hotel el Desierto</em><br />
„&#8230; Minus 7 Grad um 6 Uhr morgens im Zelt. Drehe mich nochmal zur Seite. Kurz nach halb 7  endlich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Matt fühlt sich heute wieder besser. Schlafen auf dieser Höhe (4.500 m) war trotzdem nicht sehr erholsam. Heute stemmt sich der schneidende Wind schon ab dem frühen Morgen gegen uns. Die ersten 1 ½ km geht es schiebend durch tiefen Sand, danach einen steilen Hügel hoch. Kurzatmig geht es langsam voran, eine nicht zu steile Steigung hoch bis auf 4.650 m, wieder ein Stück runter und danach hoch auf den über 4.700 m hohen Paso del Inca. Oben erwartet uns eine Jeep-Gruppe, die uns wie Safaritiere eifrig fotografiert. Ausgelaugt schieben wir die letzten 2 km zum Hotel el Desierto, das wie ein Fremdkörper in der eisigen, unwirtlichen Wüste steht. Die Managerin Maria nimmt uns freundlich in Empfang und bittet uns einen Tisch im leeren Restaurant an. Wir brauchen dringend eine Pause. Das Hotel sei heute voll, kein Platz im Guides-Room, aber am Restaurantboden könnten wir gratis schlafen. Wir wärmen uns mit Kaffee und dürfen uns sogar duschen &#8230; Das Wasser im Zimmer Nummer 9 ist nur lauwarm. Aber wen stört das schon, wenn man sich all den Schmutz der letzten Tage vom Körper waschen kann?! Carlos, der Chefkoch, ruft uns etwas später ins Restaurant. Auf uns wartet ein gedeckter Tisch mit Tunfischsalat, Brötchen, Limonade und Dessert!!! Carlos setzt sich zu uns und erzählt, dass heute sein letzter Arbeitstag sei – nach 7 Monaten. Morgen früh „ME voy“, sagt er erleichtert. Manchmal sei es schon sehr langweilig gewesen, aber was macht man auch im Nirgendwo? Bis 17 Uhr dürfen wir im Guides-Room rasten, dann müssen wir die kuscheligen Betten für die Fahrer und Gruppenleiter der eintreffenden Jeep-Touren räumen. Kochen uns im restlichen Abendlicht Kartoffelpürree mit Gemüse und siedeln danach in die Rezeption um, wo wir sogleich von den Teilnehmern der Südtiroler-Reisegruppe belagert werden. Alle schon gut betagt und hin und weg von unserer Art zu Reisen. Voller Begeisterung wollen sie immer mehr wissen, werden aber dann ins Restaurant gerufen &#8211; das Abendessen ist fertig. Die Kälte vertreibt uns bald an den Teetisch im Speisesaal, wo uns Adolf, ein pensionierter Südtiroler, am liebsten was von seinem Essen abgeben möchte. „So blöd“, meint er, denn seinen Hauptgang hätte er gar nicht gegessen. Immer wieder kommt wer zum Plaudern vorbei und dann stellt uns das Team ungefragt das 3-gängige Abendmenü auf den Tisch! Alle drei sind wir ganz baff und finden keine Worte mehr, um den „Angeles del Desierto“ zu danken. Als sich dann noch eine ganz liebe Großmutti zu uns stellt, und uns mit ihrer Großherzigkeit überschüttet, steigen mir Tränen in die Augen. Die lieben Worte, die sie an uns richtet … und dann sagt sie, bevor sie ins Bett geht: „Eigentlich gehören wir ja alle zusammen. Wir sind Landsleut!“. Einer nach dem anderen verabschiedet sich von uns, wünscht uns alles Gute und dass wir wieder gesund nach Hause kommen. Nachdem im Restaurant Ruhe eingekehrt ist, setzen wir uns zu den Angestellten an den Tisch. Plaudern und sehen uns gemeinsam einen Film an. Bevor sich auch die Belegschaft schlafen legt, bringt sie uns dicke Matratzen und viele, viele Decken – damit uns ja nicht kalt wird &#8230;“</p>
<p>Nach acht starken Fahr- und Schiebetagen (Verhältnis ca. 80/20) ist ein Ruhetag an der Laguna Colorada angesagt. Gegen Mittag treffen zwei Radlerinnen ein, Eva und Claudia aus der Schweiz (<a href="http://evaveloclaudia.tumblr.com/"target="_blank">http://evaveloclaudia.tumblr.com/</a>), seit Tagen auf unseren Spuren. Tags darauf radeln wir als Fünfer-Team weiter, was das ganze Vorhaben um einiges „leichter“ und lustiger gestaltet … Gemeinsam erklimmen wir unseren höchsten Pass mit 4.926 m und müssen aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und heftiger Winde am höchsten Geysirfeld der Welt, dem „Sol de Manana“, auf 4.820 m biwakieren. Als einziger Windschutz dient uns ein halb fertiges, völlig zugeschissenes Gebäude. Merke: Ein guter Platz zum Gacken ist ein guter Platz zum Zelten <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> . Unser Hochlager war erholsamer als erwartet, wir genießen die morgendliche Windstille und das rauchende und zischende Geysirfeld. Am frühen Nachmittag darauf erreichen wir die Laguna Chalviri, wo sich eine Thermalquelle und ein Restaurant befinden. Genau das richtige, um sich von der anstrengenden Passfahrt zu erholen &#8230;</p>
<p> <strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>So, 23.10.2011 – Laguna Chalviri</em><br />
„&#8230; Dank der Dieseldämpfe des am Vorabend eingelassenen Holzbodens, schlafen wir wie die Murmeltiere. Um 5 Uhr werden wir vom Gekicher aus der Restaurantküche geweckt. Perfektes Timing, denn wir müssen um 5:30 draußen sein. Wir hüpfen ins Badezeug und setzten uns in den Thermalpool. Es hat tiefe Minus-Temperaturen, die Lagune Chalviri dampft mystisch im Morgengrauen. Einige Andenflamingos verstecken ihre Köpfe im pinkfarbenen Federkleid, stehen wie erstarrt auf einem Bein. Es weht kein Lüftchen, keine Geräusche, nur Stille und Frieden. Kurz nach 6 erhebt sich die Sonne hinter den schneebedeckten Gipfeln am anderen Ende der Lagune und taucht die sonst erdigen Hügel in leuchtende Farben. Einige Möwen begeben sich auf Futtersuche, die Flamingos beginnen ihre Federn zu putzen und staken danach mit zur Futteraufnahme gesenkten Köpfen herum. Gänsehaut läuft über unsere Körper, obwohl wir im 37 Grad warmen Wasser liegen. Ein heiliger Moment, den wir alle schweigend genießen und wohl unser ganzes Leben lang nicht mehr vergessen werden …“</p>
<p>Nach insgesamt 13 Tagen überqueren wir die Grenze nach Chile, wo uns auf ca. 4.600 m Seehöhe der lang ersehnte Asphalt, sowie eine über 40 km lange Abfahrt hinunter in die Atacamawüste erwartet – nur Fliegen ist schöner! Mit prägenden Bildern im Kopf, schmerzenden Klüften an den Fingerkuppen und offenen Nasenspitzen genießen wir nun die trocken-heißen Temperaturen hier in San Pedro de Atacama!  Endlich wieder mal Flip Flops, kurze Hosen und Rockerl … und das Bier schmeckt nach den vielen Wochen im Hochland gleich doppelt so gut – PROST!!</p>
<p>Schicken euch einen dicken Drücker und viele wärmende Sonnenstrahlen aus der trockensten Wüste der Erde! Für uns geht’s morgen (28.10.11) weiter über den Paso Jama Richtung Argentinien!</p>
<p>Mucho amor,<br />
nandita</p>
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		<title>Entlang des Lago Titicaca nach Bolivien</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Sep 2011 23:28:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bolivien]]></category>
		<category><![CDATA[Peru]]></category>
		<category><![CDATA[La Paz]]></category>
		<category><![CDATA[Titicaca]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
Cusco – Machu Picchu – Cusco – Ayavirí – Juliaca – Puno – Copacabana – La Paz  
Tja, oft – oder besser gesagt meistens – kommt alles anders als man denkt. Anstatt gleich weiter an den Titicacasee zu radeln, bleiben wir einige Tage länger als geplant im Hostal Estrellita in Cusco „hängen“. Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
Cusco – Machu Picchu – Cusco – Ayavirí – Juliaca – Puno – Copacabana – La Paz  </p>
<p>Tja, oft – oder besser gesagt meistens – kommt alles anders als man denkt. Anstatt gleich weiter an den Titicacasee zu radeln, bleiben wir einige Tage länger als geplant im Hostal Estrellita in Cusco „hängen“. Das morgendliche Reiseradler-Familienfrühstück, die leckeren Zimtschnecken aus der Nachbar-Bäckerei und die fast väterlichen Besitzer des Estrellita geben uns allen ein gewisses „Home-Away-From-Home-Gefühl“. Wir freuen uns, bekannte Gesichter wie <a href="http://www.2totango.net/">Alan und Erin</a> oder <a href="http://icetofire.ch/">Christoph </a>wieder zu sehen und lernen neue Pedalritter aus aller Herren Länder kennen. Alle haben ihre Geschichte zu erzählen, es gibt Vieles auszutauschen. Es ist schwierig, sich von hier los zu reißen – und nicht nur uns geht es so. Einige Reisende sollen hier 2 schon Monate oder länger geblieben sein.</p>
<p>Nach anfänglichen Zweifeln entscheiden wir uns schließlich doch dafür, die historischen Inka-Ruinen von Machu Picchu zu besichtigen. Doch anstatt mit dem völlig überteuerten Touristenzug anzureisen, nehmen wir die abenteuerliche Bus-, Taxi- und Wander-Variante in Angriff &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 08.9.2011 – Machu Picchu Town</em><br />
„&#8230; Nach 6 anstrengenden Stunden steigen wir in Santa Maria aus dem alten, klapprigen Bus aus. Der hohe Lärmpegel, die Kurverei, das für uns ungewöhnlich hohe Tempo – all das macht uns ziemlich zu schaffen. Sind ganz schön geschlaucht. Sogleich werden wir von den Taxlern belagert, die uns einen viel zu hohen Preis für die Fahrt nach Santa Teresa verrechnen wollen. Mit etwas Hartnäckigkeit und Selbstbewusstsein können wir aber den korrekten Fahrpreis erhandeln. Eine Stunde dauert die Fahrt, hinein in ein steiles, enges Tal. Die Piste holprig und gefährlich. An einer Stelle gibt der Fahrer Gas, die Böschung oberhalb brennt, immer wieder kugeln Steinbrocken auf die Fahrbahn. Für weiter 15 Soles bringt uns ein anderes Taxi zur Hidroelectrica, von wo aus ein 2-stündiger Fußmarsch entlang der Bahngleise beginnt. Es ist kurz nach 17 Uhr, die Gegend üppig grün. Wir folgen dem Rio Urubamba durch tropische Vegetation – Bananen, Kaffeesträucher, Strelitzien, Orchideen, dichtes Buschwerk. Bald bricht die Dämmerung herein, unzählige Glühwürmchen blinken wie verrückt und das Licht des Vollmondes leuchtet uns den Weg &#8230;“</p>
<p>Obwohl Machu Picchu täglich von etwa 2.000 Touristen besucht wird, ist und bleibt es ein einzigartiger Ort. Eingebettet von fast senkrecht aufragenden, grünen Bergen, in der Ferne schneebedeckte 6.000er, unten im Tal dreht der Rio Urubamba eine elegante Schleife. Um diese Magie völlig ungestört aufsaugen zu können, besteigen wir in schweißtreibenden 1 ½ Stunden den Berg Machu Picchu. In den ersten Vormittagsstunden ist man hier oben meist ganz alleine, während sich am gegenüberliegenden Wayna Picchu, dem populärsten Aussichtspunkt, die Massen drängen. Bei der Besichtigung der Ruinen selbst ist der Massenandrang für uns nicht unbedingt ein Nachteil. Denn um Details und Infos zu „klauen“, braucht man nur einige Minuten auf die nächste Reisegruppe zu warten und den Ausführungen des Guides zu lauschen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Nach ca. zwei Wochen Cusco und Machu Picchu machen wir uns endlich wieder auf den Weg, es geht Richtung Titicacasee und bald springt unser Tachometer auf 20.000 Kilometer!</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 08.9.2011 – Aquas Calientes</em><br />
„&#8230; Auf und ab, den ganzen langen Tag. Viel zu lange für mich, denn bei km 67 in Sicuani bin ich schon ziemlich geschafft. Wollen nur noch ein kleines Stück weiter fahren und den nächsten Platz zum Lagern schnappen. Nichts kommt. Gar nichts. Dafür wird die Besiedelung immer dichter, keine Chance zum Zelten. Vor und hinter uns gehen starke Regenfälle nieder. Wir bleiben Gott sei Dank trocken, fahren immer weiter. 11 Kilometer sollen es bis Aquas Calientes noch sein, doch die entpuppen sich wieder mal als „peruanisch“ und sind um einiges mehr. Ausgekühlt vom starken Wind stehen wir endlich am Eingang der Thermalbäder. Frauen verkaufen aufgeblasene Schwimmenten und Badetücher, ein kleiner Junge süßen Mate-Tee in Plastiksackerln – zum Aufwärmen. 20 Soles (5 Euro) kostet das Zimmer inklusive Eintritt zu den heißen Quellen. Guter Preis, schlechter Standard. Die Möbel uralt, das Bettzeug schmutzig und offensichtlich schon mehrmals benutzt. Egal, breiten unsere Schlafsäcke aus, hüpfen ins Badezeug und spazieren bereits im Dunklen (was angesichts der Hygiene-Bedingungen hier vielleicht gar nicht so schlecht ist *g*) zu den Pools. Außer uns sind nicht mehr viele Leute da, die Außentemperatur um den Gefrierpunkt. Haben eine dampfende „Riesen-Badewanne“ ganz für uns alleine. Wie gut das tut nach diesem langen Tag! Die Regenwolken haben sich aufgelöst, so liegen wir auf 4.000 Meter im herrlich warmen Thermalwasser und blicken auf den grandiosen Sternenhimmel. &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita/Andi</strong><br />
<em>Fr, 16.9.2011 – Juliaca</em><br />
„&#8230; Der Verkehr wird mehr und als wir kurz vor 14 Uhr Juliaca erreichen, trifft uns fast der Schlag: Schäbige Baracken, Verkehrschaos, Müll, Gestank, unzählige Schrotthändler reihen sich an der Stadteinfahrt aneinander. Auch die Zimmersuche nimmt viel Zeit in Anspruch. Löcher, miefig, viel zu teuer – und Warmwasser gibt’s sowieso nirgends, wenn überhaupt Duschen vorhanden sind. Dafür könnte man sich in eigens eingerichteten „Badehäusern“ für je 3 Soles mit Warmwasser waschen. Mir kommt vor, als wären wir in einem neuen Land! Während Andi in einem weiteren Hotel nachfragt, bringt mir die 2-jährige Tochter der Besitzerin der kleinen Tienda Fruchtsaft. „El Sol es muy fuerte!“, sagt die Mutter und nickt mir freundlich zu. Das Hostal ist OK. Duschen mit Kaltwasser, schreiben Tagebuch und machen uns danach auf Essens-Suche. Die Straßen sind voll mit Leuten, jeder will etwas verkaufen: Brot, Obst, billiges Werkzeug, Superkleber, Autoersatzteile. Rad- und Mototaxis flitzen auf der 2-spurigen Avenida chaotisch hin und her. Tortillas de Verdura kennt man hier nicht, schlussendlich bekommen wir Abendessen für je 3 Soles. Nudelsuppe, danach Reis, Kartoffel und Eier, die der Koch noch von der benachbarten Tienda holen muss. Zurück im Zimmer, flackert die Neonröhre wie verrückt. Warten sollen wir, es wird sich schon nach einer Weile legen. Denn immerhin sei jetzt „Stoßzeit“. Viel zu viel Energie werde um diese Uhrzeit  verbraucht, was sich natürlich auf die Stromspannung auswirkt, erklärt uns der alte Hausherr … Mitten in der Nacht werden wir von unseren völligst besoffenen Zimmernachbarn geweckt. Dürften Streit haben – lautstark wird diskutiert, artet in ein Gerangel aus. Darauf hin Geheule in Verbindung mit Dauergesudere in einer extrem penetranten Stimmlage. Begleitet wird das Ganze von Türgepolter und Kotzgeräuschen. Ein anderer Gast weist die Herrschaften zurecht, was aber nur kurz für Stille sorgt. Irgendwann reicht&#8217;s mir. Hämmere an die Tür und fordere Ruhe. Erstaunlicherweise hilft es tatsächlich. Zumindest wird das Gejammere leiser <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Draußen in der Nähe ein Konzert. Da wir so aufgekratzt sind, ist es schwierig, wieder Schlaf zu finden &#8230;“</p>
<p>Fast fluchtartig verlassen wir tags darauf dieses „stinkende Drecksloch“. Bald kehrt wieder halbwegs Ruhe ein und kurz nach Puno wird der Verkehr endlich wieder erträglich. Belohnt werden wir mit schönen Titicacasee-Panoramen und dem vorwiegend flachen Altiplano, was uns endlich wieder halbwegs angenehme Radtage mit 80 – 90 Kilometern Tagesleistung ermöglicht. Klar, die Höhenluft lässt uns bei den Anstiegen und bei Gegenwind ganz schön schnaufen – immerhin radeln wir hier auf Großglockner-Gipfelniveau. Trotzdem empfinden wir das Altiplano als eine richtige Belohnung nach den harten Radmonaten in Peru. Und auch die „Pachamama“ (Mutter Erde) meint es gut mit uns. Denn obwohl es hier momentan ungewöhnlich viel Regen hat, bleiben wir meist von den starken Schauern verschont bzw. können unser Zelt gerade noch rechtzeitig aufstellen.</p>
<p>Am 19.09.2011 überqueren wir die Grenze nach Bolivien, unserem 23. Reiseland. Über Copacabana führt uns eine wunderschöne, hügelige Panoramastraße entlang es Lago Titicaca und weiter nach La Paz. Eigentlich haben wir „Bienen unter´m Arsch“ und freuen uns auf mehr Bolivien, doch ein im Zoll hängendes Paket mit dem sehnlichst erwarteten, neuen Kameraobjektiv, verschafft uns etwas Extra-Zeit in dieser faszinierenden Stadt. Mit 3.600 Meter ist La Paz die höchst gelegene Hauptstadt der Welt. Als drückt uns die Daumen, dass wir bald wieder „weiter reiten“ können *g*!</p>
<p>Alles Liebe!<br />
nandita (mit Kaffee und leckerem Schokokuchen im Bauch)</p>
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		<title>Zentralperu – im Hochland der Inka</title>
		<link>http://blog.nandita.at/2011/09/05/zentralperu-%e2%80%93-im-hochland-der-inca/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 04:57:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Peru]]></category>
		<category><![CDATA[Cusco]]></category>
		<category><![CDATA[Inka]]></category>
		<category><![CDATA[Valle Sagrado]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
29.7.2011 – 4.9.2011: Huaraz – Huallanca – Huánuco – Cerro del Pasco – Ondores – Tarma – Huancayo – Huanta – Ayacucho – Andahuaylas – Abancay – Anta – Urubamba – Pisac – Cusco
Unser erstes Nachtlager nach Huaraz verbringen wir auf gut 4.100 m Seehöhe. Eiskalt ist es, extrem – im wahrsten Sinne des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
29.7.2011 – 4.9.2011: Huaraz – Huallanca – Huánuco – Cerro del Pasco – Ondores – Tarma – Huancayo – Huanta – Ayacucho – Andahuaylas – Abancay – Anta – Urubamba – Pisac – Cusco</p>
<p>Unser erstes Nachtlager nach Huaraz verbringen wir auf gut 4.100 m Seehöhe. Eiskalt ist es, extrem – im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Einstimmung auf die nächsten Etappen, die uns mehr als nur einmal an unsere Grenzen bringen. Ein Auf und Ab in jeder Hinsicht, immer in den Bergen, mit starken Kontrasten und Gegensätzen: Kälte, Hitze, kahle Hochgebirgs-Puna, fruchtbare Flusstäler, staubige Schotterpisten, nagelneue Asphaltstraßen, ewige Abfahrten, tagelange Anstiege, ärmliche Bergdörfer, pulsierende Städte, bunt gekleidete Indígenas, modisch-schicke City-Slicker &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>So, 30.7.2011 – Abra Huarapasca (4.810 m)</em><br />
„&#8230; Eingewickelt in Pulli, Schal, Wollmütze und Schlafsack war die Nacht auf 4.100 m ganz erträglich, obwohl wir beim Aufstehen minus 3 Grad im Zelt haben (draußen minus 10 Grad). Erst als die Sonne auf unsere „Casita del Sol“ scheint, kriechen wir aus dem Zelt und stellen fest, dass unsere Trinkflaschen gefroren sind. Die Sonnenstrahlen gewinnen rasch an Kraft und vertreiben mit jeder Minute mehr die eisige Kälte. Fein, so können wir vor dieser herrlichen Kulisse frühstücken. Señora Lucia kommt zum Tratschen vorbei, sie wohnt weiter oben in den Bergen, freut sich über die Mandarine, die wir ihr schenken und „verliebt“ sich – wie so Viele – in Andi´s blaue Augen. „Ay que lindos ojos!“ sagt sie immer wieder und meint, er sollte sich doch eine Peruanerin suchen. Stetig bergauf führt die holprige Piste, die Höhe erschwert uns das Vorankommen. Dafür haben wir mehr Zeit, die unglaublichen Berge zu genießen, die zauberhaften Wolkenstimmungen und die für hier ganz typischen Puya Raymondi. Herrlich, hier zu Radeln, wäre da nicht dieser höllische Verkehr! Fiesta in ganz Peru, und alle wollen sie hoch zum Pastoruri-Gletscher. Die Höhe, die schlechte Piste und die vielen Touri-Busse, die uns in regelmäßigen Abständen einstauben, machen die Fahrt ganz schön mühsam. Wenigstens zeigt der leckere „Mate de Coca“ seine Wirkung, den wir uns zum Frühstück gekocht haben. So bleibt der Kopf „kühl“ und wir von der Höhenkrankheit verschont. Sind richtig froh, als wir auf etwa 4.700 m vor einer Kreuzung stehen, an der alle Touris nach rechts zum Gletscher abbiegen, denn wir pedalen links weiter. Bald wird die Piste besser, vor allem gehört sie nun uns ganz alleine. Auf und ab geht es weiter. Immer wenn wir denken, dass die Passhöhe naht, rollen wir wieder ein Stück runter und müssen dann schnaufend wieder alles rauf. Die Steigungen sind in dieser Höhe einfach doppelt so anstrengend. Nach einem letzten harten Anstieg erreichen wir endlich die Passhöhe auf über 4.800 m – puh, was für ein hartes Stück Arbeit! &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mo, 1.8.2011 – Chavinillo</em><br />
„&#8230; Asphalt, Schotter- und Lehmpiste wechseln alle zehn bis zwanzig Meter, bis erfreulicherweise nur noch Asphalt bleibt. Vereinzelt Kühe, Schafe oder Schweine am Straßenrand. Kleine Kinder hüpfen oft aus Scham zur Seite, verstecken sich hinter großen Felsen, winken uns aber dann doch voller Freude zu und rufen uns „Gringo“ oder „Good morning!“ nach. Vor den Häusern sitzen bunt gekleidete Frauen, stricken oder spinnen Wolle. Am Hut tragen sie hübsche Plastikblumen, die weiten Röcke aus knalligen Stoffen, darunter einfärbige Wollstrumpfhosen. Meist sprechen sie uns auf Quechua an, stellen neugierig Fragen. &#8230;“</p>
<p>Als wir den Stadtrand von Huánuco erreichen, trifft uns fast der Schlag: Hunderte Mototaxis, ein riesiger Vergnügungspark, hupende Autos und stockender Verkehr. Bangkok ist nicht viel anders. Trotzdem legen wir einen Ruhetag ein, die vier Tagesetappen seit unserer Abfahrt in Huaraz waren anstrengend. Zumindest unsere Unterkunft ist ruhig, außerdem lädt die nette, mit hohen Bäumen gesäumte Plaza inmitten des Zentrums zum Relaxen und Leute Beobachten ein. Und just in dieser hektischen Stadt voller gestresster Menschen werden wir von Zara und Marquez spontan zum Abendessen eingeladen, was wir natürlich gerne annehmen! Wir verbringen einen sehr herzlichen Abend mit der ganzen Familie, sind erstaunt über die überaus offene und neugierige Art der vier Kinder und plaudern angeregt bis spät in die Nacht. Schließlich werden wir tags darauf auch noch zum Frühstück eingeladen. Es tut gut, wieder mal ein Teil einer Familie zu sein. &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 5.8.2011 – Laguna Chinchaycocha</em><br />
„&#8230; Vor uns breitet sich die weite Hochebene von Junin aus. Ganz anders wirkt plötzlich die Gegend: Kahle Steppe, tiefhängende Wolken am stahlblauen Himmel, rechts in der Ferne die Zinken der Cordillera Central. Leicht hügelig fahren wir auf einer schlechten Schotterpiste die Laguna Chinchaycocha entlang. In einem kleinen Ort auf halber Strecke holen wir uns Kekse und Inca-Cola in der Dorftienda. Beschilderung gibt es keine, überhaupt wirkt der Ort verlassen, würden nicht vier Mädchen Volleyball spielen. Die Wolken, das Licht und die unterschiedlichen Farbtöne der Natur sind mehr als Entschädigung dafür, dass die Piste nicht ganz so flach ist, als wir dachten. Unzählige Flamingos und Wasservögel leben hier im Parque Nacional Junin, außer ihren Stimmen und dem Gequake der Frösche hört man nicht viel. Kühl und windig ist es hier auf 4.100 m. Glücklicherweise erreichen wir Ondores noch rechtzeitig. Eine adrette Dame, Señora Olinda, lässt uns in ihrem Hof zelten, lädt uns etwas später auf Cafecito und Pan ein. In der fahl ausgeleuchteten, einfachen Küche ist es sehr ordentlich. An der Wand sind getrocknete Kuhfladen gestapelt, mit denen der Ofen geheizt wird. Ein Enkel kommt vorbei, wird liebevoll von der „Abuelita“ (Omi) umsorgt. Auch uns schenkt sie noch eine heiße Tasse Kaffee nach und stellt sicher, dass wir auch ja genug Brot essen. Mit ihrem Mann lebt sie hier, die sieben Kinder sind alle nach Lima gegangen &#8230;“</p>
<p>Auf knapp 3.000 m liegt Huancayo, die nächste größere Stadt auf unserem Weg. Hier treffen wir uns mit den beiden Reiseradlern Hannes (Vorarlberg) und Annelies (Schweiz). Die Beiden sind zur Zeit ebenfalls in Peru unterwegs, und zwar von Süd nach Nord. Und wie es der Zufall so will, kreuzen sich unsere Wege tatsächlich. „Hannelies“ sind seit knapp zwei Jahren auf Achse und von zuhause aus über die Schweiz, Frankreich und Spanien nach Portugal geradelt. Im Gepäck zwei Gleitschirme – ihre gemeinsame, große Leidenschaft. Mit dem Flieger ging´s danach nach Argentinien und weiter quer durch Südamerika. <a href="http://www.loslo.net/"target="_blank">www.loslo.net</a>. Es gibt natürlich viel zu erzählen, so verbringen wir einen geselligen Nachmittag, Abend und einen Teil der Nacht gemeinsam. Kurz vor Mitternacht wackeln wir lustig, etwas beeinflusst von zu viel Bier und Pisco Sour, in unsere Unterkünfte, was schlussendlich in einem zusätzlichen Pausentag resultiert. Weiter geht es dann Richtung Ayacucho, durch das spektakuläre Tal des Rio Mantaro.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 5.8.2011 – Valle Mantaro</em><br />
„&#8230; Zu Mittag stärken wir uns mit „Papas Rellenas“ (gefüllte Riesen-Kartoffelkroketten) und einem Krug Papayasaft. Die Leute, vor allem die sexy gekleidete Kellnerin, sehr interessiert an unserer Reise. Mit fortschreitendem Tag wird die Hitze immer unerträglicher. Auf und ab zwischen meterhohen Kakteen und roten Sandstein- und Konglomeratformationen. Fühlen uns ein wenig nach Mexiko zurückversetzt. Am Nachmittag treffen wir auf eine Gruppe Mountainbiker, die samstägliche Ausfahrt des Radclubs Huanta. Zwei von der Partie müssen mit dem Truck zurück, da sie sich in der „Wüste“ zu viele Dornen eingefahren haben, andere flicken gerade ihre durchlöcherten Schläuche. Einer der Jungs hat Blessuren an Knien und Waden – von einer saftigen „Brezen“. Ohne Helm wäre das ganze nicht so glimpflich verlaufen, die vorderen Zahnkränze haben sich tief in den Helm graviert, als es ihn überschlagen hat. Trotzdem sind alle gut drauf. Nemecio, der „Maestro“, wie ihn alle nennen, lädt uns zu sich nach Hause ein. Rollen kurz gemeinsam ein Stück, bevor die Männer Gas geben und wir mit Estefanie, einem 15-jährigen Mädel, die letzten, permanent steigenden 15 km in Angriff nehmen. Bekommen eine einfache Bleibe, dürfen duschen und verbringen den Rest des Abends in Nemecio´s kleinen Radladen, der Treffpunkt der hiesigen Biker-Szene ist. Der „Maestro“ zeigt uns Fotos von anderen Reiseradlern, auch Hannes und Annelies waren bei ihm zu Gast. Sein Bruder Fredi, Rechtsanwalt und Vielquassler ist auch dabei, spendiert eine Flasche viel zu süßen Wein. Ein sehr netter Abend! Viel zu spät geht es dann hundemüde ab in die Heia &#8230;“</p>
<p>In Ayacucho legen wir einen nicht ganz freiwilligen Zwischenaufenthalt von vier Tagen ein. Scheinbar waren die Shrimps auf Andi´s Pizza nicht mehr ganz frisch, was ihm eine satte Lebensmittelvergiftung beschert. Noch immer etwas angeschlagen, aber fit genug für die Weiterfahrt, geht es schließlich wieder hoch in die einsame Bergregion zwischen Ayacucho und Cusco. Zuerst über den 4.200 m hohen Abra Tocctoccsa, wieder runter auf 2.000 m, wieder rauf auf eine Hochebene, die sich auf über 4.000 m befindet, erneut runter auf unter 3.000 m, wieder rauf … Über 10.000 Höhenmeter in 10 Tagen &#8211; eine Achterbahnfahrt in Zeitlupe!</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi / Anita</strong><br />
<em>So, 21.8.2011 – zw. Ocros und Uripa</em><br />
„&#8230; Starten mit einem 10 km langen Downhill in den Tag, der schließlich an der Brücke über den Rio Pampa endet. Wir befinden uns auf ca. 2.000 Meter, entsprechend warm ist es. Die „Moscas“ haben Volksfest, beißen bei jedem Halt kleine Stücke aus unserer Haut. Das Tal ist wunderschön, der wenig Wasser führende Fluss mäandert in mehreren Armen durch das Kiesbett. Auf und ab entlang des Flusses, durch ärmliche Dörfer. In einer kleinen Tienda stellt uns der Ehemann der jungen Dame viele Fragen. Wie schwer das Rad sei, wie oft wir Pause machen und ob er nicht mal ein Stück mit dem Rad fahren dürfte – zum Probieren. Klar! Nach einer Weile zieht sich die Piste in ein Seitental hinein. Stopfen uns noch eine Banane rein, bevor es für heute nur mehr bergauf geht. Kids rufen uns nach, viele Erwachsene Peruanos wünschen uns eine „Buen viaje“ (Gute Reise). Ungewöhnlich steil schlängeln wir uns nach oben … Bis Chincheros ist es tatsächlich nur mehr ein kleines Stück. Der junge Mann, mit dem wir zuvor einige Worte gewechselt haben, läuft  schweißgebadet hinter seinen zwei Stieren her, in die falsche Richtung, denn die Tiere haben sich&#8217;s anders überlegt. Stillen unseren Durst mit einer Cola. Während die Tochter hinter dem Verkaufstisch steht, kocht die Mama am Miniherd Mittagessen. Die beiden Betrunkenen am kleinen Holztisch in der Ecke quasseln uns lautstark an. Gut, eigentlich nur einer, denn der zweite hat offensichtlich schon genug und schläft nun an der Schulter des Anderen. Das kleine Haus besteht aus einem Raum, der zur Hälfte aus Laden und zur anderen Hälfte als Wohnung dient. Abgetrennt durch einen bunten Stoff, der von der Decke hängt. Das Bett, das einen Meter neben der Kochnische steht, lädt richtig zum Ausrasten ein &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 27.8.2011 – Puente Rio Apurimac</em><br />
„&#8230; Wie im Sturzflug rollen wir immer tiefer in den glühenden Hexenkessel. Unfassbar die Hitze! Gut, dass wir „nur“ runter müssen. Über 2.000 hm weiter unten bringt uns die Brücke über den Rio Apurimac an die andere Seite des Tals. Von hier aus klettert die perfekt asphaltierte Straße wieder stetig bergauf. Wir sind müde, die Körper ausgelaugt. Von 4.000 m auf unter 2.000 m – kein Wunder, dass wir eine „Pause“ benötigen. Gleich hinter der Brücke stellen wir unser Zelt auf und gehen zum Fluss runter, um uns zu waschen. Riesen Ara-Schwärme fliegen über unsere Köpfe, Schwalben und einige Reiher. Während ich mir die Haare wasche, springt ein Flussotter wie ein Miniaturdelfin die Stromschnellen hoch. Sitze noch eine Weile am Ufer, lausche der herrlichen Geräuschkulisse. Die einfachen Nudeln, die wir uns kochen, schmecken vorzüglich. Liegen unter dem Sternenhimmel, genießen das milde Klima und verziehen uns bald müde ins Zelt, wo wir heute ohne Thermarest, nur auf den Schlafsäcken, mützen. Der ganze Boden ist mit Dornen und Stacheln übersät &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>So, 28.8.2011 – Abra Huillque</em><br />
„&#8230; Der Blick zurück auf die gefahrene Strecke lässt uns schmunzeln: Derjenige, der diese Straße geplant hat, war entweder betrunken, oder er musste währenddessen eine Fliege verjagen. Zick-Zack wäre noch einfach dagegen! Kurz vorm Scheitelpunkt möchte uns eine uralte Frau ihre junge Kuh verkaufen. „Muy rica comida“, schwärmt sie. Ja sicher, warum nicht? Ein Kalb als 3. „Mann“ im Team <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Müde, aber voller Freude, stehen wir schließlich nach über 1.800 hm oben. Das „Schlimmste“ liegt hinter uns – zumindest bis Cusco. Rollen noch ein Stück bergab und suchen uns ein Fleckchen zwischen den Feldern. Sogar die Sonne lässt sich nochmal blicken und macht das Abendritual richtig angenehm. Später stößt der etwas beduselte Grundbesitzer zu uns, er wollte gerade nach den Kühen sehen. Woher wir sind, will er wissen. „De Austria“, antworten wir ihm. „Ah, si, Australia!“. Sei ein schönes Land. Und vor einigen Jahren hat er sogar einen „Steyr“ Traktor von dort geschenkt bekommen. Wir versuchen zwar, ihn auf den „kleinen“ Fehler aufmerksam zu machen, erklären ihm den Unterschied zwischen den beiden Ländern, aber schlussendlich sind wir – und auch der Traktor – doch wieder aus Australien <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mo, 29.8.2011 – ri. Urubamba </em><br />
Um halb 9 auf der Straße, es geht leicht bergab – welch Wohltat nach den letzten Tagen! Die Pampa (Hochfläche) wird extensiv für Landwirtschaft genutzt. Campesinos bestellen ihre Felder per Hand, manchmal mit alten Traktoren. Bis Anta sind es gemütliche 20 Kilometer. Zweites Frühstück: Tortillas de Verdura, Arroz und Cafesito. Nach Cusco wäre es nicht mehr weit, wir biegen aber links auf die „Trocha“ (Schotterpiste) Richtung Urubamba ab. Weiter oben erwartet uns eine wunderschöne Lagune, die von einem kontrastreichen Feldermosaik eingeschlossen wird. Wir treffen auf eine Gruppe Mountainbiker aus Areqipa – etwa 15 Herren, zwischen 45 und 55 – mit exklusiven, voll gefederten Bikes und schrillen Radtrikots. Ein starker Kontrast zu unserer nächsten Begegnung: Keine fünf Minuten später bestellt eine Großfamilie ihr Feld mit Ochsen, Hakenpflug und einfachsten Werkzeugen. Jeder hilft mit, vom Teenager bis zum uralten Großvater, der uns auf ein Glas selbstgebrauter „Chicha de Maiz“ einlädt &#8230;“</p>
<p>Eine Woche verbringen wir nach unserem „Auf und Ab“ im „Valle Sagrado“, dem heiligen Tal der Inca, welches sich zwischen Pisac und Ollantaytambo befindet. Einst bildete es das Herz des Inka-Reiches, zudem war es ihre landwirtschaftlich bedeutendste Region. Mittlerweile hat sich das Tal in einen Touristenmagneten verwandelt, doch ein Großteil des Besucherandrangs beschränkt sich auf Cusco und Machu Picchu, so kann man in den beiden oben genannten Orten eine gemütliche Zeit verbringen und weniger besuchte Inka-Stätten wie Moray oder Pisac besichtigen. Welch erholsame Zeit für uns! Eine kurze Tagesetappe bringt uns hoch nach Cusco, der alten Hauptstadt der Inka. Weite Teile der kolonialen Altstadt sind auf den Grundmauern einstiger Inka-Tempel oder Wohnhäuser gebaut, was der Stadt einen besonderen Charakter verleiht und uns zum Verweilen einlädt. Einige Tage werden wir hier bleiben, dann geht’s weiter an den Lago Titicaca, dem größten See Südamerikas (etwa 15 mal so groß wie der Bodensee), dessen südöstlicher Teil bereits zu Bolivien, unserem nächsten Reiseland, gehört.</p>
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		<title>Nordperu – Durch die Sierra nach Huaraz</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 03:36:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Peru]]></category>
		<category><![CDATA[Cordillera Blanca]]></category>

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27.06.2011 – 27.07.2011: Namballe – San Ignacio – Bagua Grande – Pedro Ruiz – Leimebamba – Cajamarca – Huamachuco – Cachicadan – Angasmarca – Pallasca – Yuramarca – Caraz – Huaraz
„Congratulations – you have just arrived!“ &#8211; Gratulation, ihr seit gerade „angekommen“. Der weißhaarige, amerikanische Professor mit langem Vollbart, der eher wirkt wie ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
27.06.2011 – 27.07.2011: Namballe – San Ignacio – Bagua Grande – Pedro Ruiz – Leimebamba – Cajamarca – Huamachuco – Cachicadan – Angasmarca – Pallasca – Yuramarca – Caraz – Huaraz</p>
<p>„Congratulations – you have just arrived!“ &#8211; Gratulation, ihr seit gerade „angekommen“. Der weißhaarige, amerikanische Professor mit langem Vollbart, der eher wirkt wie ein schrulliger Althippie, stimmt uns mit diesen motivierenden Worten auf unser nächstes Reiseland ein. Er selbst habe viele Jahre hier verbracht und sei immer noch begeistert von Peru, vor allem von seinen Bewohnern, der Wildheit der Sierra, dem Andenhochland, mit seinen weiten, schroffen Bergen und Tälern, den Farbkontrasten, schneebedeckten Gipfeln und rauschenden Flüssen. Manchmal werden wir uns fühlen, als würden wir in der Zeit reisen! Sprachlos werden wir vor majestätischen Naturschauspielen stehen und die Begegnungen mit den vom rauen Klima und der Einsamkeit geprägten Menschen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. So seine überaus viel versprechenden Prophezeiungen. Nach einem Monat „Bergradeln“ können wir all seine Beschreibungen einstimmig bestätigen! Hart waren die Etappen, viel auf Schotter- oder Lehmpisten, die oft in einem miserablen Zustand waren. Meist wurden wir aber mit sanfteren, dafür lang gezogenen und spektakulär in die Abhänge gehauenen Anstiegen und Downhills belohnt. Die Landschaft atemberaubend. Anfangs durch tropische Täler, in denen Reis kultiviert wird, und die einen eher an Asien denken lassen. Später durch einsame, raue und kahle Gegend mit tiefen Tälern, wüstenartiger Vegetation und staubigen Canyons &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 2.7.2011 – Bagua Grande</em><br />
„&#8230; Die Nacht auf den Strohmatratzen in der einzigen Herberge im Ort war ganz schön „hart“. Frühstücken und rollen aus dem kleinen Ort, in dem es erst seit Oktober 2010 Strom gibt &#8211; und das auch nicht immer. Kaufen einem älteren Herren Brot ab, der mit seinem Verkaufsrad Runden durch die Straßen dreht und dabei kräftig hupt, damit man ihn nicht überhört. Kaum sind wir aus dem Ort draußen, beginnt es zu regnen. Keine Aussicht auf Besserung. Stülpe mir meine Regenhose rauf und fahre in Flip Flops weiter. Andi bleibt in Bergschuhen und zieht seine Gamaschen über, die nach kurzer Zeit dem Regen nicht mehr standhalten. Rauf und runter im Wolkenbruch. Gut, dass es warm ist. Links und rechts von uns Reisfelder, Papaya- und Bananenbäume und riesige Mangoalleen. An einer Tienda machen wir nach fast 30 Kilometern Pause. Klatschnass sitzen wir wie zwei verschreckte Hühner auf einer Holzlatte, essen Kekse und trinken Yoghurt, während der Regen endlich weniger wird. Biegen auf die schlammige Piste nach Bellavista ab, die Fahrt ist anstrengend, aber wunderschön – wenn man die lästigen „Gringo, Gringo“-Rufe ausblendet, die uns seit der peruanischen Grenze begleiten. Ein schmaler Feldweg bringt uns runter zum Rio Marañon, wo wir mit einem kleinen Boot übersetzen müssen. Der Bootsmann vergisst wohl, dass Räder keinen Unterfahrschutz haben, behandelt sie wie Motorräder und reißt bei Andi eine Schraube des Zahnkranz-Schutzes aus. 2 Soles pro Mann und Rad (ca. 50 Euro-Cent), dann schieben wir unsere Esel einen steilen, matschigen Hang hoch. Ich brauche Hilfe von Andi, rutsche ständig mit und aus meinen Flip Flops. Kein Wunder, warum hier Alt und Jung barfuß geht. Von nun an ändert sich die Landschaft fast schlagartig – die Farbtöne werden erdiger, Kakteen säumen die kahlen, sanft hügeligen Ebenen. An einer Tankstelle waschen wir den gröbsten Dreck von den Rädern und pedalen langsam das letzte Stück nach Bagua Grande. In der Warteschlange vor dem Bankautomaten „beglückt“ uns ein fröhlicher, kleinerer Herr mit gleich zwei „Gratis-Umarmungen“. Keine Ahnung warum, aber er hat anscheinend Freude mit uns  &#8230;“ </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>So, 3.7.2011 – Bagua Grande</em><br />
„&#8230; Zerdrückt schleppe ich alle Taschen runter und sattle mein Rad. Müde sind wir. Zuerst das stundenlange Gestöhne der Nachbarn, später das Gehupe und der Verkehrslärm und als Krönung der viel zu frühe Weckruf der Hähne aus der Gegend. Statt einem „Buenos Dias“ rufen uns die Nachbarkinder „Gringo! Gringo!“ zu. Die Kleine kommt rüber, stellt viele Fragen und schaut sich alles genau an. Ihre linke Schulter sitzt etwas tiefer, zwischen den Schulterblättern eine große Narbe. Holen uns am Markt noch Vorräte, begleitet von unzähligen Gringo-Rufen. Ein Frischer Fruchtsaft vorm Losfahren und weg hier! Ich kann es einfach nicht mehr hören, dieses Gerufe! Vor uns hat ein Mann vier ausgewachsene Schweine auf sein Mototaxi verladen. Viel zu wenig Platz, so stehen zwei auf einem drauf. Am Schwanz zerrt er an ihnen, tritt mit den Füßen auf sie hin … Die armen Schweine. Je weiter wir raus kommen, umso ruhiger wird es, nur in den kleinen Ortschaften werden die Rufe nicht weniger. „Gringo! Dame tu bici! Regalame tus zapatos!“ (Gringo! Gib mir dein Fahrrad! Schenk mir deine Schuhe!) &#8211; kein Wunder, dass wir die Fahrt heute nicht ganz so genießen &#8230;“</p>
<p>In keinem anderen lateinamerikanischen Land wurden wir bisher so flächendeckend mit dem Wort „Gringo“, eigentlich eine abwertende Bezeichnung für Nordamerikaner, konfrontiert. Oft fühlten wir uns schlicht und einfach etwas beleidigt und es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir uns mehr oder weniger daran gewöhnt haben. Mittlerweile haben wir akzeptiert, dass hier alle „Weißen“ als Gringos bezeichnet werden und dies nicht unbedingt böse gemeint ist – im Gegenteil. Viele ältere Damen zum Beispiel nennen Anita liebevoll „Gringita“ und streicheln ihr dabei sanft über den Oberarm &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Do, 7.7.2011 – Balsas</em><br />
„&#8230; Kommen pünktlich weg, um den 30-km-Anstieg in Angriff zu nehmen. Langsam und träge schlängeln wir uns hoch, von der Kraft der Sonne werden wir nur kurz verschont. Nach den ersten 10 Kilometern legen wir eine Pause ein. Tee und Kuchen. Wir gewinnen stetig an Höhe, die Temperaturen sinken rasant, der Wind wird stärker. Frauen in bunten Kleidern weben Decken inmitten dieser atemberaubenden Berge. Bei km 20 fragen wir an der einzigen Tienda weit und breit, ob wir eine Pause einlegen dürften. Mutter und Tochter sind am Decken Weben, die Kinder in der Schule. Der heiße Kaffee, den sie uns in Windeseile mit dem modernen Wasserkocher zubereiten, schmeckt vorzüglich und wärmt unsere ausgekühlten Körper. Dürfen in der sauberen Küche am Esstisch jausnen. Die kleine, gefräßige Katze sitzt auf meinem Schoß, miaut erbarmungslos, bis endlich wieder ein Stück Brot für sie abfällt. Unterhalten uns mit den beiden Damen, scherzen und treten gestärkt wieder in die Pedale. Die letzten 10 Kilometer des Anstieges warten. Immer kahler wird die Landschaft, der Wind unbarmherziger, dafür weht er in die „richtige“ Richtung und schiebt uns hinten an. Etwas müde erreichen wir die Passhöhe auf 3.600 m und legen noch eine Schicht Kleidung an. Ab jetzt geht’s nur mehr runter. 60 km Downhill bis auf knapp unter 1.000 Meter Meereshöhe, tief hinein in das Tal des Rio Marañon. Die Piste ist ewig lange, dreht sich wie eine uralte Schlange gemächlich ins Tal hinunter. Wir rollen ohne Anstrengung bergab, staunen über die gewaltigen Dimensionen der Anden und auch darüber, wie schnell sich die Vegetation ändert. Vom kargen Paramo bringt uns die Schotterstraße durch die steilen Flanken hinab in eine tropisch heiße Oase: Balsas. Kakteen, Mangobäume, Palmen und ein klares, sprudelnde Bächlein. Meine Handgelenke und Finger schmerzen vom Gebremse und Gerüttel. Im Ort scheint die Zeit still zu stehen, als wir mit unseren Rädern und knallroten Gesichtern ankommen, nur die Volleyballdamen setzen ihr Spiel fort. Die Hitze ist drückend, wir haben viel zu viel Kleidung am Körper. Ich stürme gleich zum Papas-Stand. Dass die Pommes kalt und weich sind, macht mir heute echt nichts mehr aus. Die Sonne ist schon untergegangen, als wir vor der Hospedaje stehen. 10 Soles (2,5 Euro) für das Zimmer, die Räder brauchen wir nur rein schieben. Mein Körper kennt sich gar nicht mehr aus, leuchte wie ein Glühwürmchen. Die eiskalte Dusche und ein herrlich kühles Bier machen aber alles wieder gut. Kochen uns Nudeln, singen zur Musik des IPods und versuchen zu schlafen. Es hat stickige 28 Grad im Zimmer, ich drehe mich hin und her, finde nur ein bisschen Schlaf, indem ich meinen Körper an die kühle Hauswand drücke. Was für ein Tag der Kontraste …“</p>
<p>Der Rio Marañon, ein Zufluss des Amazonas, hat sich hier in mühevoller Kleinarbeit innerhalb von Jahrtausenden tief in die Landschaft geschnitten. Einerseits unglaublich spektakulär, andererseits eine harte Bewährungsprobe für unsere Schenkel. Denn was an einem Tag innerhalb von drei Stunden gemütlich bergab bewältigt wird, muss am darauffolgenden wieder mühsam erklommen werden &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 8.7.2011 – Celendin</em><br />
„&#8230; Im Morgengrauen rollen wir über den schlammfarbenen Rio Marañon. In unzähligen Kurven winden wir uns hoch durch eine wüstenhafte Gegend, riesige Kakteen kleben an den Hängen. Bald hebt sich die Sonne über den Bergrücken und taucht die Landschaft in ein spektakuläres Morgenlicht. Es dauert nicht lange und wir schwitzen aus allen Poren, die Trinkflaschen leeren sich rasch. Unsere erste Pause legen wir nach 10 km im Schatten eines Steinwalles ein. Wir verlassen den Kakteen-Gürtel, nach weiteren 10 km flacht die steile Flanke etwas aus. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Bewässerungssystems wird hier in kleinem Stil Landwirtschaft betrieben. An einem Haus tanken wir frisches Quellwasser, ein Stück weiter oben finden wir ein kleines Restaurant, wo wir ein frühes Mittagessen zu uns nehmen. Es ist knapp elf Uhr, wir sind um die tausend Höhenmeter geklettert, kein Ende in Sicht. Die Piste führt nun im Zick-Zack einen Bergrücken hoch – einen Kilometer nach rechts, einen Kilometer nach links … das Ganze insgesamt fünf mal, dann immer nach rechts. Alle zehn Kilometer versorgen wir unsere Körper mit Wasser, Keksen und Bananen. Die Straße schlägt einen letzten Haken, weitere 6,5 km in eine Richtung und endlich – nach 46,5 km, knapp 2.100 hm und über 7 Stunden mühsamer Kletterei – stehen wir oben auf der Passhöhe. Ein Rekordtag! &#8230;“</p>
<p>Nach einem angenehmen Ruhetag in der lebhaften und sympathischen Kleinstadt Celendin, winden wir uns weiter über die bis zu 3.600 Meter hohen Hügel und landen durch Zufall an einem ganz besonderen Ort &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>So, 10.7.2011 – Encañada</em><br />
„&#8230; In dem kleinen Dorf Encañada geht der Sonntagsmarkt zu Ende, als wir am späten Nachmittag eintreffen. Die letzten Bauern laden ihre Ware in kleine Busse oder Camionettas, andere bringen ihre Einkäufe mit Packeseln nach Hause. Einige Betrunkene wanken über den Marktplatz. Auf der Suche nach einer Herberge für diese Nacht, werden wir zur „Casa Madre Teresa de Calcutta“ geschickt, einem Heim für Behinderte. Die Leiterin Daniela aus Italien gewährt uns selbstverständlich Hospedaje. Wir bekommen Kaffee und Kuchen, schnell füllt sich der Tisch um uns. Ein älteres Mädchen schnappt mir in einem unbeobachteten Moment ein Stück Kuchen aus der Hand und steckt es sich genüsslich in den Mund. Freudestrahlend hören sie sich all unsere „Geschichten“ an und suchen rasch unsere Nähe. Wir bekommen ein kleines Zimmer und werden zum Abendessen eingeladen. Es herrscht ein liebevolles Chaos: Etwa 25 ganz spezielle Menschen wohnen hier. Meist geistig oder körperlich gehandicapt, von jung bis alt. Die „Raubtierfütterung“ benötigt viel Geduld und Koordination. Alle helfen zusammen, Daniela ist mit Leib und Seele in ihrem Element. Seit 8 Jahren lebt sie hier und widmet ihr Leben diesen ganz besonderen Menschen. Zum Essen gibt’s heute Forelle, Kartoffel und Reis. Wir sitzen mitten unter den Bewohnern, haben alle großen Spaß. Sheyla bringt mir später ungefragt eine Tasse heißes Zuckerwasser und Kaffeepulver, weil sie denkt, das würde ich jetzt brauchen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  &#8230;“</p>
<p>Eine kurze Etappe bringt uns nach Cajamarca, einer netten, modernen Stadt auf 2.720 m Seehöhe. Nach den beschaulichen Tagen in den Bergen fühlt es sich an, als wären wir in einer „anderen Welt“ angekommen. Banken, noble Geschäft, feine Restaurants, viel Verkehr und Menschen &#8230; Während der Inca-Epoche diente die Stadt den Herrschern als Erholungsort nach den blutigen Schlachten mit den „Barbaren“ der östlichen Urwaldgebiete. Hier wurde der letzte Inca-Herrscher Atahualpa von den Spaniern gefangen genommen &#8211; das Ende eines mächtigen Königreichs. Tja, und genau an diesem geschichtsträchtigen Ort packt Anita das Zahnweh. Auf der Suche nach einer Lösung landen wir in der Praxis von Harly, einem 35-jährigen, gut ausgebildeten Zahnarzt aus Lima. Einer von Anitas Schneidezähnen muss „getötet“ werden – Wurzelbehandlung. Harly versteht sein Handwerk, ist nebenbei ein netter und lustiger Mensch. Gemeinsam mit seiner Freundin und Assistentin Mariza gehen wir nach getaner Arbeit fein Essen und wir fragen uns, warum uns unsere Zahnärztin in Steyr noch nie zu Mittag eingeladen hat <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Nach zwei Tagen Aufenthalt können wir unsere Reise mit einem Lächeln fortsetzen. Die meisten Rad-Toureros biegen früher oder später Richtung Küste ab. Wir wählen jedoch eine selten befahrene Route durch die Berge, die zwar ungleich schwieriger und einsamer, aber jeden einzelnen Schweißtropfen wert ist.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>So, 17.7.2011 – Huamachuco</em><br />
„&#8230; Es ist Sonntag, am Markt herrscht buntes Treiben. Wir trinken frischen Orangensaft für 1 Sol und beobachten das Geschehen. Wunderhübsch die Indigena-Frauen mit ihren bunten Trachten und weit ausladenden, teilweise sehr hochwertigen Hüten. Ca. 300 Soles (75 Euro) kosten die schicken Kopfbedeckungen. Der Preis ist mehr als gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass die Hutmacher an die 15 Tage für die Fertigung eines Exemplars benötigen. An der Stadtausfahrt findet eine Prozession statt, zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria. Die Straße steigt sanft, viele Menschen mit Lastentieren kommen uns entgegen. Wir werden freundlich gegrüßt, die Leute winken und lächeln uns zu. Heute fühlen wir uns wieder mal wie „Rock-Stars“ <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Nach einer viertel Stunde treffen wir auf eine Gruppe traditionell gekleideter Mädels und Jungs. „Un baile?“ fragt der Gruppenleiter. Spontan bekommen wir eine Tanz- und Gesangsvorführung mitten auf der Straße, der Verkehr muss einstweilen warten. Es geht weiter durch schwach besiedeltes Gebiet, vorbei an Ziegelbrennereien und Eukalyptusplantagen. Das Holz dieser schnell und schnurgerade wachsenden Baumart dient den Peruanos als Baumaterial, Brennholz und Stützbalken in den unzähligen Minen der Umgebung. In der Ferne schroffe Gipfel, tiefe Täler, kleine Dörfer. Die verschieden farbigen Felder bilden ein schönes Mosaik an den weiten Hängen … An der Kreuzung vor der Laguna Sausacocha eine Polizeikontrolle. Von uns wollen sie nur ein Foto machen. Während wir reden, fällt der sturzbetrunkene Fahrer auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder aus seinem LKW. Die vielen Passagiere auf der Ladefläche scheint dies jedoch nicht zu beunruhigen &#8230;“</p>
<p>Gerade auf den Etappen durch die Sierra ist man als Tourenradler immer wieder eine Attraktion für die eher als zurückhaltend geltenden Menschen. Unser hier als ungewöhnlich geltendes Fortbewegungsmittel weckt bei Jung und Alt eine gewisse Neugier. So führen wir oft interessante Gespräche, tauschen ein herzliches Lächeln oder kommen zu so mancher spontanen Einladung &#8230;</p>
<p> <strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mo, 18.7.2011 – Cachicadan</em><br />
„&#8230; Kurz vor Cachicadan überholt uns ein älterer Herr mit seinem Motorrad und lädt uns ein, in seinem Haus zu übernachten. Ein wunderhübsches Zimmer bekommen wir, mit kuscheligen Decken, Fotos aus vergangenen Jahren und selbst gemalten Bildern an der Wand. Richten uns ein und spazieren mit Romulo zu den Aquas Termales. Witzig, welches Bild man im Kopf hat und was einem dann tatsächlich erwartet: Anstatt einer schönen Badeanstalt, ein Privathaus mit einfachen Kabinen, gefliesten Badewannen und Thermalwasser – Eintritt 1,50 Soles (knapp 40 Euro-Cent). Eine Wohltat für unsere Körper! Zurück in Romulos Haus, bringt uns unser netter Gastgeber noch eine kleine Kostprobe: Frischer Bienenhonig aus eigener Imkerei, Naturyoghurt und Kekse &#8230;“</p>
<p> <strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Di, 19.7.2011 – Mollebamba</em><br />
„&#8230; Es ist schon spät, Wolken verdecken die untergehende Sonne. Der Wind lässt die Kälte noch schneller unter die Haut kriechen. Kein Wunder, wir befinden uns auf über 3.000 Meter Seehöhe. Für 10 Soles finden wir eine einfache Unterkunft in einem alten Lehmhaus. Die Dame des Hauses kocht extra Wasser am Lagerfeuer für uns, damit wir Warmwasser für die Kübeldusche im Stirnlampenschein haben &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mi, 20.7.2011 – Pallasca</em><br />
„&#8230; Heute liegt eine der bisher spektakulärsten Etappen vor uns: nach Pallasca. Zuerst geht’s eineinhalb Stunden hinunter in ein enges Flusstal. Den bevorstehenden, sich in unzähligen Windungen hinauf drehenden Gegenanstieg auf der anderen Seite immer im Blickfeld. Wir queren eine wackelige Brücke, stärken uns und schrauben uns mühsam die sandige und ausgefahrene Piste hoch. Auch diese Etappe meistern wir schlussendlich, nur um die hart erkämpften Höhenmeter am nächsten Tag wieder „herzuschenken“. Stundenlang schrauben wir uns hinunter, das Farbenspiel der Hänge, Einschnitte und Hochflächen erinnert uns an Island. Im Tal erwartet uns eine perfekte Lehmpiste, neben der es oft senkrecht und ohne Leitplanken hinab geht. Unten im Fluss sind Goldschürfer mit primitiven Mitteln am Suchen. Recht ausgelaugt vom heftigen Gegenwind erreichen wir am späten Nachmittag den kleinen Versorgungsposten Chuquicara. Es ist staubig und öde, gerade mal 20 Personen leben hier. Die Damen der Verkaufsstände kommen täglich mit dem Bus aus Yuramarca. Wir decken uns mit Lebensmitteln ein, fahren, diesmal mit Rückenwind, noch etwa 7 km flußaufwärts in den Canyon des Rio Santa und finden einen einsamen Lagerplatz für die Nacht. Liegen an diesem Abend noch lange draußen. Keine lästigen Viecher, nicht zu kühl, ein grandioser Sternenhimmel &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi / Anita</strong><br />
<em>Fr, 22.7.2011 – Yuramarca</em><br />
„&#8230; Der Morgen ist windstill, nur das Rauschen des Flusses zu hören. Von Beginn an geht es heute sehr holprig hinein in das lebensfeindliche, heiße Tal des Rio Santa. Es ist zwar nicht steil, aber sehr anstrengend zu fahren, da man immer hoch konzentriert bei der Sache sein muss, um eine halbwegs fahrbare Spur zu finden. Wir passieren verlassene Ortschaften, Kohlebergwerke, eine aufgelassene und halb verfallene Fabrik. Nur selten ein Auto, Bus oder Lastwagen. Pausieren öfter als gewöhnlich, schütteln unsere Handgelenke und stärken uns mit einer Kleinigkeit. Unsere Gesäße  schmerzen von den unzähligen Schlägen. Mit fortschreitendem Tag wird es sehr heiß, unsere Wasserreserven werden rasch weniger. Der Kilometerzähler scheint zu stehen, da die miese Piste nicht gerade für Rekordgeschwindigkeiten geeignet ist. Am Nachmittag erreichen wir eine kleine Siedlung, die aus einigen Obstständen und zwei einfachen Restaurants besteht. Einer der Wirte hat glücklicherweise noch genau zwei Portionen Thunfischnudeln übrig, was uns sehr freut. Der Herr des Hauses ist gut gelaunt, pfeift immerzu fröhliche Lieder – ganz im Gegensatz zu den grantigen und alles andere als geschäftstüchtigen Obstverkäuferinnen, die mit ihrer gleichgültigen und arroganten Art nicht gerade dafür sorgen, dass man sich als „König Kunde“ fühlt. Gestärkt geht es weiter, bald einen ausgesetzten und heißen Anstieg hoch – 5 km. Verschwitzt und mit leeren Wasserflaschen erreichen wir das Dörfchen Yuramarca … Am kleinen Ortsplatz nehmen sich zwei ältere Damen um uns an, überlegen hin und her, wo sie uns unterbringen könnten. Auf jeden Fall können sie für uns kochen – schon mal was <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Setzen uns erst mal in den Schatten und rasten. Plötzlich biegen zwei weitere Tourenradler um die Ecke – zwei sympathische, junge Schweizer. <a href="http://icetofire.ch/">Christoph</a>, mit dem <a href="http://icetofire.ch/">Liegerad von Alaska aus nach Feuerland</a> unterwegs, und Stefan, der ihn für drei Monate begleitet. Haben die letzten Tage schon öfter von ihnen gehört. Sind die gleiche Route wie wir gefahren – mit ein, zwei Tagen Vorsprung. Wir haben sie dann, ohne es zu merken, in Cachicadan überholt, da sie einen Ruhetag eingelegt hatten. Haben gleich einen guten Draht, lachen, plaudern und scherzen. Essen gemeinsam bei den Ladies und dürfen schließlich vor dem Centro de Salud campieren. Eine lustige Nacht! Und Team „Grün“ &#038; „Rot“ schlafen friedlich nebeneinander auf der großen Plane ein &#8230;“</p>
<p>Durch die berühmte Entenschlucht geht es tags darauf gemeinsam mit Christoph und Stefan weiter Richtung Huaraz. Warum der Canyon diesen Namen trägt, bleibt uns ein Rätsel, denn Enten sieht man während der Durchreise keine einzige. Nichtsdestotrotz ein spannender Tag. Ganze 35, in den Fels gehauene Tunnels durchqueren wir, die entgegenkommenden Busse und Lastwagen lassen uns nicht nur einmal eine Sprint-Wertung aus einem der dunklen, staubigen Schlunde einlegen. Kurz nach dem Canyon weitet sich das Tal und die ersten, schneebedeckten Sechstausender der Cordillera Blanca tauchen vor uns auf. Da wir alle vier aus einem Alpenland stammen, ist die Freude über diese Ausblicke natürlich groß. In Caraz legen wir einen Ruhetag ein, es ist Sonntag. Und wie es sich für anständige Mitteleuropäer gehört, unternehmen wir natürlich einen ausgedehnten Sonntagsspaziergang: Hoch oben auf 3.800 Metern bei den türkis-blau schimmernden Lagunas de Llanganuco. Eine entspannte Asphalt-Etappe bringt uns schließlich nach Huaraz, DEM Bergsteiger-Mecca Perus. Während Christoph und Stefan nach einem Ruhetag wieder weiterziehen (Der arme Stefan ist etwas im Stress. Er muss am 5. August wieder heim in die Schweiz fliegen, nur um drei Tage darauf einen dreimonatigen Surf-Aufenthalt auf Hawaii anzutreten), nisten wir uns für zwei weitere Tage hier ein, um für die nächste Herausforderung, dem 4.800 Meter hohen Pass „Abra Huarapasca“ ausgerastet zu sein.</p>
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