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	<title>nandita</title>
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		<title>Nordpatagonien und die Carretera Austral</title>
		<link>http://blog.nandita.at/2012/01/19/nordpatagonien-und-die-carretera-austral/</link>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 13:30:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Chile]]></category>
		<category><![CDATA[Carretera Austral]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
Chos Malal – Zapala – San Martin de los Andes – Bariloche – El Bolson – Esquel – Futaleufú (CHILE) – Villa Santa Lucia – Puyuhuapui – Coihaique – Puerto Bertrand – Cochrane – Tortel – Villa O&#8217;Higgins – El Chalten (Argentinien)
Seit unserem letzten Eintrag sind nun schon einige Wochen vergangen, doch wir waren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
Chos Malal – Zapala – San Martin de los Andes – Bariloche – El Bolson – Esquel – Futaleufú (CHILE) – Villa Santa Lucia – Puyuhuapui – Coihaique – Puerto Bertrand – Cochrane – Tortel – Villa O&#8217;Higgins – El Chalten (Argentinien)</p>
<p>Seit unserem letzten Eintrag sind nun schon einige Wochen vergangen, doch wir waren nicht untätig und sind mittlerweile verhältnismäßig weit gekommen – es fehlen uns noch ca. 800 km bis nach Ushuaia. Der Grund für den verspäteten Update ist leicht erklärt: Auf der sonst eher verregneten und ungemütlichen Carretera Austral war das Wetter trocken, warm und sommerlich, was wir natürlich zum Weiterfahren nutzen mussten. Zudem gab´s in den kleinen, abgelegenen Orten meist kein oder viel zu lahmes Internet und überhaupt hatten wir ehrlich gesagt viel zu viel Spaß, als unsere wertvolle Zeit mit „Arbeit“ zu verschwenden <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Doch erst mal von Vorne:</p>
<p>Die ersten Tage im argentinischen Teil Patagoniens sind geprägt von kräftigem (meist Gegen-)Wind und monotoner Pampalandschaft. Wir haben ordentlich zu strampeln um einigermaßen voran zu kommen. Zufällig treffen wir in Chos Malal auf Kanada-Matt, einem „alten“ Radler-Kollegen. Gemeinsam reisen wir einige Tage Richtung Süden und sprengen dabei unseren Tages-km Rekord, der nun Dank eines überraschend starken Rückenwindes bei 146 km liegt <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Ab Junin de los Andes freuen sich unsere, mittlerweile unter Grün-Entzug leidenden Augen über erste Pinien, denn ab hier wird die Landschaft immer grüner. Das Chilenisch-Argentinische Seengebiet  nordwestlich von Bariloche wird gerne als die „Schweiz Südamerikas“ bezeichnet. Glasklare Seen und Flüsse, schneebedeckte Berge, grelle Blumenwiesen und üppige Wälder erwarten den Besucher. Doch seit mehr als einem halben Jahr leidet die Region unter den Folgen eines Vulkanausbruches. Begonnen hat alles im Juni 2011. Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Puyehue_%28Vulkan%29"target="_blank">Puyehue</a> spuckt über Nacht eine Mischung aus Sand und Asche, weite Teile der Gegend westlich des Vulkans sind am darauffolgenden Morgen mit einer 30 cm grauen Schicht bedeckt. Seit diesem Tag ist der Puyehue aktiv, bläst in einem fort Asche in die Atmosphäre. An windigen Tagen herrscht grauer Nebel, das feine Pulver dringt in alle Ritzen und Poren, das Atmen fällt schwer. &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 09.12.2011 – Lago Nahuel Huapi</em><br />
„&#8230; Die Landschaft die sich vor uns auftut, stimmt uns beide nachdenklich. Verlassene, in Asche versunkene Häuser, Blumen, die sich mühselig ans Licht kämpfen und Tiere, die anstatt im Gras zu stehen, Asche fast bis zu den Knien haben. Um die Mittagszeit erreichen wir Villa La Angostura, einer der wichtigsten Tourismusorte der Region. Eigentlich sollten alle Hotels um diese Zeit ausgebucht sein, doch es wirkt recht ruhig. Vor den Restaurants riesige Aschehaufen, die Straßen werden ständig mit Wasser besprengt, um nicht noch mehr aufzuwirbeln. In der staubigen Bushaltestelle essen wir Käsebrote, beobachten die mit Sand und Asche beladenen LKWs. Der starke Wind verwirbelt noch mehr „Ceniza“, die fast gezwungen auf unserem Mittagessen landet … Als wir etwa 20 km nach Villa La Angostura die holprige Piste zum Camping „Don Horacio“ runter rollen, staunen wir nicht schlecht. Grün! Doña Angelika begrüßt uns mit einem warmherzigen Lächeln, meint, wir sollten uns ein nettes Plätzchen suchen. Sei ohnehin niemand außer uns da. Sie und ihr Mann leiden am gleichen Schicksal wie alle Anderen in der Region. Asche über Asche, die Touristen bleiben diese Saison aus. Aber was will man machen? Einfach weiter. Putzen, Bewässern und hoffen, dass der „Spuk“, im wahrsten Sinne des Wortes, bald vorbei ist. 80 LKWs haben sie benötigt, um ihr Grundstück von der Asche zu befreien. Keine einzige Beschwerde hören wir von ihnen, obwohl sie es alles andere als einfach haben. Es sei ihr Leben, sagt sie. Dieses Grundstück und der Camping. Seit über 110 Jahren lebt Angelikas Familie hier. Strom haben sie nur, wenn sie den Generator anwerfen. Aber „Paz“ (Frieden) hätten sie, viel „Paz“. So wirkt es tatsächlich. Auch wir tauchen ganz tief ein und saugen die gute Energie dieses herrlichen Flecken Erde in uns auf, während Doña Angelika und ihr Mann unterm Vordach einer einfachen Holzhütte Mate schlürfen und auf den See blicken. Hoffnung und Zuversicht braucht man, und den Mut, wieder einen Schritt weiter zu gehen – egal, was einem geschieht &#8230;“</p>
<p>Südlich von Bariloche verlassen wir die betroffene Region wieder und atmen tief durch. Wir folgen der Ruta 40 weiter in den Süden, besuchen das Aussteiger- und Hippie-Dorf El Bolson und erfreuen uns am angenehmen Klima und den Bergpanoramen. Schwer behangene Kirschbäume säumen den Weg und in den kleinen Bauernhöfen werden Früchte und selbst gemachte Produkte verkauft. Bei Esquel drehen wir die Lenker nach rechts und biegen Richtung Chilenische Grenze ab &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 16.12.2011 – Grenze AR / CH nach Futaleufu</em><br />
„&#8230; Vor der argentinischen Grenze futtern wir die restlichen Nüsse und müssen danach eine Weile warten, denn der Chef, wie er sich selbst nennt, hat gerade keine Lust – obwohl eine lange Warteschlange hinter uns steht. „Hasta manana!“, sagt der arrogante Zöllner und geht tatsächlich zu seinen Kollegen rüber, um Mate zu schlürfen. „Soy el chefe!“. Typisch Argentinien, denke ich mir. Gnädigerweise kehrt der werte Herr nach zehn Minuten wieder zurück, um all unsere Daten mit dem Adler-Such-System in den Computer einzugeben.   &#8230;“</p>
<p>Besucht man Argentinien oder den südlichen Teil Chiles, muss man sich unweigerlich mit dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mate"target="_blank">Mate-Kult</a> auseinandersetzen, denn der wird immer und überall getrunken. Beim Autofahren, beim Schlange-Stehen im Supermarkt, während der Arbeit oder am Abend vorm warmen Holzofen. Es handelt sich um ein bitteres Aufgussgetränk, welches mit der „Bombilla“, einer Art Metall-Strohhalm aus einer mit „Yerba-Mate“ gefüllten Kalebasse gesaugt wird und als Lebenselixier Argentiniens gilt. Doch Mate ist viel mehr als nur ein Getränk. Meist wird er in geselliger Runde genossen, wobei jeder aus der gleichen Kalebasse trinkt. Der gleiche Aufguss wird unzählige male mit heißem Wasser aufgegossen und geht wie eine Friedenspfeife durch die Runde. Auch wir haben uns mittlerweile mit einem Mate-Set ausgerüstet und überlegen schon, wie wir das Ganze wohl am Besten am Lenker befestigen können, damit es immer griffbereit ist <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<p>Mit dem Grenzübertritt nach Süd-Chile wartet das nächste, große Abenteuer auf uns. Ein lange gehegter Traum und sicherlich eines der Highlights aller Südamerika-Radler: Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Carretera_Austral"target="_blank">„CARRETERA AUSTRAL“</a>. Üppiger Regenwald, schneebedeckte Berge, Gletscher, Flüsse und Seen, unzählige Wasserfälle und viel Regen prägen diese einst gottverlassene Gegend. Lange Zeit war der südliche Teil Chiles nicht zugänglich, erst 1976 wurde mit dem Bau der „Carretera Austral Presidente Pinocet“ begonnen. Das letzte Teilstück nach Villa O&#8217;Higgins wurde erst vor 14 Jahren vervollständigt. Auf den Radnomaden warten harte Etappen. Miese Schotterpisten und gemein-steile Anstiege, als Belohnung eine einzigartige „Wildnis“. Je nach Wetterlage kann die Carretera Austral ein absoluter Genuss oder eine nicht endend wollende Qual sein – vor allem, wenn man zu spät feststellt, dass Regenklamotten und Packtaschen einmal wasserdicht waren <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> . Eines ist sie  jedoch gewiss: Unvergesslich &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mo, 19.12.2011 – Lago Risopatron</em><br />
„&#8230; In der Nacht hat es wieder geregnet. Feucht-kühl der Morgen, frühstücken im Zelt. Die Wolken hängen tief, und grad, als wir alles zusammenpacken, prasseln dicke Regentropfen auf die Zeltplane. Etwas widerwillig schlüpfen wir in die immer noch feuchten Regenklamotten und folgen weiter dem Rio Palena, der mit seinem türkis-farbenen Wasser einen wunderschönen Kontrast zur verregneten Landschaft bildet. In den nassen Klamotten kühlen unsere Körper bei jeder Pause schnell aus. Ungemütlich ist es. Mal wird der Regen mehr, mal weniger. Am Lago Risopatron halten wir am Nationalpark-Campingplatz. Haben keine Lust mehr weiter zu radeln. Klatschnass spazieren wir den matschigen Weg zum Camping runter, der Regen prasselt immer noch vom Himmel. „We enjoy this all so much!“, sagt <a href="http://www.crazyguyonabike.com/doc/?o=1&#038;doc_id=9693&#038;v=fO"target="_blank">John</a> zu mir, und wärmt seine Finger über dem lodernden Feuer. Er und seine Frau Cathy sind seit drei Wochen in Patagonien, ebenfalls Radfahrer. Das grauenhafte Wetter scheint ihnen nichts auszumachen. Ganz im Gegenteil. Freudestrahlend stehen sie vor uns und drücken uns gleich eine heiße Tasse Tee in die Hand  &#8230;“</p>
<p>Seit einigen Jahren plant die chilenische Regierung gemeinsam mit ausländischen Firmen an einem sehr umstrittenen Projekt, da in der Hauptstadt Santiago und in den großen Minen des Landes mehr und mehr Energie benötigt wird. Der Plan sieht vor, einige Flüsse in Chilenisch-Patagonien aufzustauen und den gewonnenen Strom mittels Hochspannungsleitungen in die 2.000 km entfernte Hauptstadt zu leiten. Die Folgen für das einzigartige Ökosystem wären fatal, der Tourismus würde unter dem mit zahlreichen Hochspannungsmasten verschandelten Landschaftsbild leiden und mit der Abgeschiedenheit und Idylle wäre es vorbei. Die Initiative <a href="http://www.patagoniasinrepresas.cl/final/index-en.php"target="_blank">„Patagonia Sin Represas“</a> setzt sich mit diversen Programmen und Aktionen gegen die Pläne ein, was einem Kampf gegen Windmühlen gleicht. Da es wie immer um sehr viel Geld geht, sind die Fronten verhärtet und der Konflikt noch lange nicht ausgetragen &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Do, 22.12.2011 –  Villa Amengual</em><br />
„&#8230; Señora Veronica hat ein kleines Hostal in Villa Amengual. Bei Mate wird in der Küche diskutiert. Alle 150 Meter soll ein Hochspannungsmast aufgestellt werden, den Grundstücksbesitzern wird ein verlockendes Angebot unterbreitet. Schwer sei es, Leute zu mobilisieren, denn viele brauchen das Geld für das Studium ihrer Kinder, das sie sonst niemals finanzieren könnten. So treten sie ihr Land an die ausländischen Firmen ab. Dass der Geldfluss jedoch nur kurzfristig währt, das bedenken viele nicht. Mit Arbeitsplätzen locken sie, doch nach einigen Jahren, sobald die Dämme und Leitungen gebaut sind, wird ein Großteil der Leute wieder auf der Straße stehen und der unwiderrufliche Eingriff in die Natur wird für immer bleiben. Die Regierung solle lieber Alternativen im Tourismus fördern, meint sie und schlürft nachdenklich an ihrer Bombilla. Denn sobald sich die Hochspannungsleitung quer durch die Landschaft zieht, wird es vorbei sein mit dem einzigartigen Flair Chilenisch-Patagoniens &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Do, 22.12.2011 – Questa Quelat</em><br />
„&#8230; Regen die ganze Nacht über, auch am Morgen keine Pause. Drehen uns hin und her, schlafen immer wieder kurz ein und hoffen, dass wir beim nächsten Mal Aufwachen kein Regenprasseln mehr hören. Tja, das Warten hilft nicht, so quälen wir uns auf, frühstücken und packen alles zusammen. Erfreulicher Weise wird der Regen dann doch noch weniger, sobald wir wieder auf den „Eseln“ sitzen, geht’s erneut los. So macht&#8217;s nicht ganz so viel Spaß, auch wenn die regenschirm-großen Nalcablätter und die moosbewachsenen Bäume im Regen noch hübscher aussehen. Nach einigen Kilometern Auf und Ab steigt die Straße stetig an. Kurven uns langsam die Questa Quelat rauf, das Thermometer zeigt fünf Grad und wir nähern uns immer mehr der Schneefallgrenze. Als wir endlich den höchsten Punkt überwinden und den Downhill hinab düsen, können wir uns gar nicht mehr erwärmen. Versuchen uns unter einem Holzverschlag mit heißem Tee etwas aufzuwärmen, was leider keine Wirkung zeigt. Also wieder rauf aufs Rad und hoffen, dass bald ein Gegenanstieg die Kälte aus unseren Gliedern vertreibt. Und tatsächlich funktioniert das wunderbar und etwas später kommt sogar noch die Sonne zum Vorschein &#8230;“</p>
<p>Ab diesem Tag kommt die Sonne immer öfter zum Vorschein, die dunklen Regenwolken verschwinden vom Himmel und das Thermometer klettert wieder auf sommerliche Temperaturen.  Am Weihnachtstag treffen wir erneut auf die beiden Australier <a href="http://www.crazyguyonabike.com/doc/?o=1&#038;doc_id=9693&#038;v=fO"target="_blank">Cathy und John</a>, beschließen gemeinsam zu feiern und finden ein ganz besonderes Fleckchen am Rio Simpson für unser Weihnachtscamp. Etwa 20 km bevor wir unser Lager erreichen, gesellt sich eine zierliche, junge Hündin zu unserer „Herde“, läuft fröhlich neben uns her. Den gesamten Weihnachtsabend und sogar die Nacht bleibt „Sandra Claus“ bei uns, freut sich über unsere Essensreste und die extra Streicheleinheiten. Kochen fein auf und teilen all unser Essen gemeinsam, später gibt’s Weihnachtskuchen mit Dulce de Leche und während der Mate seine Runden dreht, knistert das Feuer und Sandra Claus schläft wie ein kleines Baby neben uns ein &#8230;    </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mo, 26.12.2011 – El Blanco</em><br />
„&#8230; Traumhaft geschlafen – und wieder Kaiserwetter! Vorbei an gelben Blumenfeldern und kahlen Hügeln, radeln wir weiter in Richtung Süden. Die Natur hat sich immer noch nicht ganz von den großen Feuern in den 40-ern erholt. Damals wollten die ersten Siedler das Land mit Hilfe von Feuer urbar machen, doch diese gerieten außer Kontrolle, brannten mehrere Jahre. Alleine in der Region Aysen wurden etwa 50 % des Waldes vernichtet … Kurz vor El Blanco lesen wir auf einem Schild „Se vende verdura“ und drehen schnurstracks um, da unsere Gemüsevorräte zur Neige gehen. Leider sei alles aus, antwortet Señor Andrés, und lehnt sich auf den Holzzaun zwischen uns. Ganz interessiert stellt uns der alte Herr Fragen und gerät dabei selbst ins Schwärmen, über „sein“ Patagonien. Das satte Grün, die herrlichen Farben. Patagonien sei zu jeder Zeit wunderschön. Sein ganzes Leben hat er hier verbracht und erkennt immer noch den Zauber seiner Heimat. Ganz alleine lebt er hier, zum Weihnachtsfest hatte er Besuch von seiner Tochter. Beim Verabschieden reiche ich ihm die Hand, wünsche ihm „Feliz Navidad“ und bemerke, wie seine uralten Augen immer glasiger werden. Ich weiß nicht, was in diesem Menschen voller Erinnerungen im Herzen vorgeht, aber in diesem Moment ist es auch nicht wichtig. Ganz selbstverständlich umarme ich ihn und drücke ihm ein Küsschen auf die Wange &#8230; Manchmal sind es klitzekleine Augenblicke, die wie eine Ewigkeit erscheinen und für einen Moment lang alles und jeden verbinden &#8230; “</p>
<p>Eigentlich wollen wir schon seit einer Weile ein paar Ruhetage einlegen, die Oberschenkel rufen förmlich danach. Doch das Wetter ist einfach zu herrlich, um jetzt zu pausieren. Von Tag zu Tag wird die Landschaft interessanter, Gletscher leuchten mit ihrem ewigen Eis, türkisfarbene Flüsse, tief blaue Seen wohin das Auge reicht. Können einfach nicht genug bekommen von den herrlichen Farben und den skurrilen Wolkenformationen am Himmel … Und wären da nicht die vielen lästigen Pferdebremsen, könnten wir&#8217;s noch mehr genießen. Als wären die steilen Anstiege nicht genug, müssen wir währenddessen auch noch die kleinen Blutsauger verjagen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .<br />
Weiter geht es entlang des Lago General Carrera, dem zweitgrößten Binnengewässer Südamerikas. Der von Gletschersediment türkis gefärbte See gibt uns fast das Gefühl, am Meer zu sein. Wir nehmen uns viel Zeit, pausieren am Seeufer und beobachten Kondore, die in der Ferne ihre Kreise ziehen.</p>
<p>Die letzten Kilometer nach Cochrane, einem ruhigen, vergessen wirkenden 3.000 Seelen-Dörfchen, laufen wie von selbst. Neujahr steht vor der Tür. Checken am kleinen Campingplatz direkt im Zentrum ein und feiern in gemütlicher Radler-Runde den Start ins Jahr 2012. Ruhig geht man hier das neue Jahr an, kein einziger Böller, kein Feuerwerk. Nur die Sterne, die für uns am Firmament leuchten. Auch wir lassen das neue Jahr ohne Stress angehen und gönnen uns am 1. Jänner einen verdienten Ruhetag frei nach Radlermanier. Frühstücken königlich, plündern den Camping-eigenen Kirschbaum, essen kaiserlich zu Mittag und grillen zur Krönung abends groß auf, sodass wir sogar den Hausherren zum Staunen bringen.</p>
<p>Gemeinsam mit Cathy und John geht es weiter, immer im typischen Carreterra-Stil – steil und anstrengend auf und ab, die Vegetation wird wieder üppiger. Links und rechts ragen moosbewachsene Baumriesen in den Himmel, umgeben von dichtem, undurchdringlichen Primärwald. Der Rio Baker bildet kurz vor seiner Mündung in den Pazifik ein breites Delta und erinnert an den Amazonas. Wir machen einen Abstecher nach Tortel, dem regenreichsten Ort Chiles. </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Do, 5.01.2012 – Tortel</em><br />
„&#8230; Bedeckt der Morgen, ein kühler Wind lässt uns frösteln. Bald setzt leichter Regen ein, wir queren den kleinen, über Nacht etwas angestiegenen Bach, der unseren Lagerplatz von der Carretera trennt. In voller Regenmontur treten wir die 16 km bis zum Parkplatz an, wo wir unsere Räder parken müssen. Das Wegnetz in Tortel besteht ausschließlich aus Zypressenholz-Stegen und -Stiegen, die alten Holzhäuser kleben an einem steilen, sumpfigen Hang, der bis an den vom Rio Baker lehm-braun gefärbten Fjord reicht. Freuen uns, dass wir das Dorf in typischem Tortel-Wetter erleben dürfen – leichter Nieselregen und kühl. Rosalinda, die Besitzerin der kleinen Dorftienda, beklagt sich, dass es in den letzten Wochen viel zu heiß gewesen sei und ihr der Regen fehle. „Ay que calor!“ &#8211; (ach, was für eine Hitze!). Das hiesige Wasserreservoir ist leer, die Stromturbine kann nicht betrieben werden. Mit Dieselgeneratoren wird teure Energie erzeugt. „Gut, wenn der Sommer endlich vorbei ist“, meint sie und holt das hausgemachte Brot aus dem Holzofen. Über ein Labyrinth aus Stegen und Stiegen gelangen wir ins „Zentrum“, welches aus ein paar Gemeindegebäuden, einer Holzkirche und einem auf Stelzen im Wasser stehenden Hauptplatz besteht. Es hat den Anschein, als würde die Zeit hier still stehen. Die alten, feuchten Holzhäuser modern vor sich hin, in Holzkisten wird etwas Gemüse angebaut. Seit ein paar Jahren tröpfeln in der etwa 2 Monate andauernden Hauptsaison ein paar Touristen herein. Jorge hat ein kleines Restaurant &#8211; „El Mirador“. Er erzählt uns, dass das Leben hier zwar ruhig und beschaulich, aber gar nicht einfach sei. Ein bis zwei mal im Monat muss er nach Coyhaique zum Einkaufen fahren – 450 km eine Strecke. Oft falle der Strom aus, alles sei aufgrund der langen und beschwerlichen Anfahrtswege überteuert. Trotzdem würde er hier nicht mehr weg gehen. Die Leute halten zusammen, alle sind eine große Familie. Nicht wie in der „großen“ Stadt &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 6.1.2012 – Puerto Yungai</em><br />
„&#8230; Mitten in der Nacht werde ich von einer vorbeiziehenden Kuhherde geweckt, die ganz knapp an unser Zelt kommt. Ein letzter Anstieg liegt vor uns, die Gletscher rutschen näher, Wasserfälle stürzen an allen Seiten des Tals in die Tiefe. Oft sitze ich vor den leeren Seiten meines Tagebuchs und weiß nicht mehr, wie ich das, was wir erleben, in Worte kleiden soll. Jeder Tag auf der Carretera ist für uns ein großes Geschenk … Puerto Yungai erreichen wir schneller als gedacht und stehen eine Stunde vor Abfahrt der kleinen Fähre über den Mitchell Fijord am Hafen. Perfekt, so haben wir Zeit für&#8217;s „Desayuno Dos“. Kochen uns Kaffee, essen Brötchen mit Käse und Avocado und gönnen uns danach im kleinen Negocio einen hausgemachten Kuchen mit Nüssen und Dulce de Leche. Die 8-jährige Tochter von Senora Inez freut sich über die Abwechslung, einen nach dem anderen spannt sie zu einer Runde Ballspielen ein, bekommt vom vielen Herumtollen ganz rote Backen. Sie lebt mit ihren Eltern hier als einzige Familie. Kein Wunder, dass es einem da manchmal langweilig wird. Zur Schule geht sie im 130 km entfernten Cochrane. Volle 10 Tage bleibt sie dort, in Begleitung von ihrer Mama, dann geht`s wieder zurück nach Hause. Senora Inez „vertreibt“ sich währenddessen ihre Zeit mit stricken. Jacken, Mützen und Taschen fertigt sie. Alles aus Naturwolle und mit viel Liebe und Kleinarbeit hergestellt &#8230;“</p>
<p>Auf den letzten 100 km vor dem „Ende der Straße“ begegnet uns nur ganz selten ein Auto. Die Wildheit und Abgeschiedenheit dieser Region fühlt sich gut an. Da es immer noch heiß und trocken sind, hüpfen wir das eine oder andere mal in einen der zahlreichen Naturpools mit Wasserfall-Dusche, die direkt am Straßenrand liegen und von den mächtigen, fast zum greifen nahen  Gletschern gespeist werden. Das letzte Dorf auf der Carreterra Austral ist Villa O´Higgins, welches sich durch seine Isoliertheit einen ganz eigenen, an die Pionierzeit erinnernden Charme bewahrt hat. Von hier aus kann man entweder wieder umdrehen, oder die beschwerliche Überquerung nach El Chalten, Argentinien, antreten. Der erste Abschnitt dieser Etappe besteht aus einer Fähr-Passage über den Lago O´Higgins. Wir buchen die Überfahrt und müssen wegen Sturmwarnung einen Extra-Tag in Villa O´Higgins einlegen. Landen im kleinen Refugio von Don Ramon, das Wetter schlägt um und wir sind froh, eine kleine Stube mit wärmenden Holzofen ganz für uns alleine zu haben – perfektes Timing <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Heizen den Ofen an, suchen noch mehr Feuerholz und waschen unsere Wäsche. Danach gibt’s frisch gebackene Brötchen aus dem Ofen und ein riesen Blech Pizza und leckere Lasagne. Draußen regnet es, wir schlürfen Wein und der Holzofen bringt unsere Gesichter zum Glühen. Ein gebührender  Abschluss der legendären Carretera Austral.</p>
<p>Mit der Fähre überqueren wir in 2 ½ Stunden den Lago O´Higgins. Dichte, mit wasser gefüllte Wolken hängen über den Bergen. Gemeinsam mit den Reiseradlerinnen <a href="http://cyclingwithserendipity.blogspot.com/"target="_blank">Megs und Jules</a> (Australien), sowie Chris und Jako (USA / Holland), radeln und schieben wir die steile, 18 km lange Schotterpiste hoch bis zur argentinischen Grenze. Bald lassen die Wolken ersten Regen aus, welcher sich in der Höhe in Schnee und sogar Hagel verwandelt. Von hier an führt ein schwieriger Esels-Pfad bis an den Lago El Desierto. Die 6 km unfahrbar. Steil ist es, es geht über morsche Baumstümpfe, Steine und schlammige Flussbette. Stemmen die Packesel rutschige Böschungen hinauf, waten durch sumpfige Wiesen. Die vorderen Packtaschen verhängen sich ständig im Buschwerk, oft müssen wir sie abnehmen um voranzukommen. Über 4 Stunden benötigen wir für diesen Abschnitt. Zerschunden, dreckig und mit blauen Flecken stehen wir am Abend unten an der Argentinischen Migración. Der Grenzbeamte nimmt uns schnell die Pässe aus den Händen, damit wir ja nicht auf die Idee kommen, mit unseren matschigen Schuhen in sein Büro zu stapfen &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mi, 11.12.2012 – Lago el Desierto</em><br />
„&#8230; Kühl war die Nacht, aber ich hab geschlafen wie ein Stein. Kein Wunder nach der Schlepperei von gestern! Die sonst nie beanspruchten Muskeln schreien laut auf, als ich versuche mic von der Thermarest zu lösen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Chris und Jaco sitzen schon beim Morgenkaffee, wir gesellen uns dazu. Die Mädels schlafen noch und auch der Fitz Roy trägt heut morgen sein Schlafmützchen. Das eine oder andere Mal nimmt er sie kurz für uns ab. Der Vormittag vergeht mit dem vielen Lachen und Geplaudere viel zu schnell, so dass wir alle kurz in Stress geraten, als sich die kleine Fähre dem Bootssteg nähert. In Windeseile bauen wir die Zelte ab, verstauen unser Zeug in den Taschen und satteln die Räder. Puh! &#8230;“</p>
<p>Am anderen Ende des Lago El Desierto erwartet uns eine andere Welt. Die Vegetation ändert sich schlagartig. Kleine Grillplätze säumen die Straße, schicke Autos kommen uns entgegen – Ferienzeit. Bienvenidos a Argentina!  Bald finden wir uns in trocken-kahler Landschaft wieder, El Chaltén ein Touristenmagnet mit teuren Supermärkten und All-You-Can-Eat Pizza-Restaurants. Staubige Spitzenbergsteiger und geschminkte Großstadt-Tussis treffen auf windgegerbte Reiseradler und an Yedi-Ritter erinnernde Motorradfahrer. Doch lange halten wir´s hier nicht aus, zu aufgeregt sind wir, wenn wir an die nächsten Wochen denken. Für uns steht nun die nächste große Etappe an – die Fahrt durch die berüchtigt-windige Pampa Südpatagoniens und Feuerlands, bis schließlich die Straße etwas südlich von Ushuaia enden wird …</p>
<p>Windzerzauste Grüße,<br />
Anita und Andi</p>
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		</item>
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		<title>Argentinien – Asado, Wein und Wüstenfüchse</title>
		<link>http://blog.nandita.at/2011/12/06/argentinien-%e2%80%93-asado-wein-und-wustenfuchse/</link>
		<comments>http://blog.nandita.at/2011/12/06/argentinien-%e2%80%93-asado-wein-und-wustenfuchse/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 22:41:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Argentinien]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
Paso Jama – Susques – San Antonio de los Cobres – Salta – Cafayate – Belen – Chilecito – Villa Union – San Agustin del Valle Fértil – Mendoza – Valle de Uca – San Rafael – Bardas Blancas – Barancas
Der Paso Jama war bis vor einigen Jahren eine der schwierigsten Andenüberquerungen und nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
Paso Jama – Susques – San Antonio de los Cobres – Salta – Cafayate – Belen – Chilecito – Villa Union – San Agustin del Valle Fértil – Mendoza – Valle de Uca – San Rafael – Bardas Blancas – Barancas</p>
<p>Der Paso Jama war bis vor einigen Jahren eine der schwierigsten Andenüberquerungen und nur wenige Radler quälten sich tagelang über schlechte Schotter- und Sandpassagen von Chile nach Argentinien oder vice versa. Heute ist er jedoch durchgehend asphaltiert und obwohl er uns wieder auf über 4.700 m führt, recht einfach zu fahren – vor Allem, wenn man einige Wochen Südwest-Bolivien in den Beinen hat <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Nichtsdestotrotz ist die Fahrt ein landschaftlicher Genuss, wieder geht es durch faszinierende Hoch-Anden Landschaft mit viel Weite, bizarren Büsser-Eisfeldern, stahlblauem Himmel und sagenhaften, fast an Raumschiffe erinnernden Wolkenformationen.</p>
<p>Am 29.10. erreichen wir die internationale Grenze nach Argentinien, unserem 25. Reiseland. Unsere Vorfreude ist groß. Die Abfertigung geht recht einfach, schnell kann man nicht sagen. „Drüben“ erwartet uns eine super-moderne „YPF“-Tankstelle, an der man sogar mit Kreditkarte zahlen kann! Klopapier und Papierhandtücher am sauberen, weiß gefliesten WC, gratis Drahtlos-Internet im schicken Café und Cappuccino mit richtigem Milchschaum aus einer italienischen Espressomaschine, dazu frisches Plundergebäck … „Welcome back to Civilization“. Das Ganze ist jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack, denn sobald wir kurz vor Susques auf die legendäre Ruta 40 abbiegen, zeigt sich uns Argentinien von einer ganz anderen Seite: Anspruchsvolle, einsame Pisten, sandige Schiebepassagen, ärmliche Puna-Dörfer und spärlich bestückte Läden … Mit knapp 5.000 km gilt die „Cuarenta“ als die längste Straße der Welt, etwa 1.000 km länger als die „Route 66“ in den USA. Von Nord nach Süd durchquert sie das Land, immer am östlichen Abhang der Andenkordillere entlang, 60% Asphalt und 40% Schotter, Sand und Geröll.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Di, 01.11.2011 – Sierra de los Cobres</em><br />
„&#8230; Immer weiter pedalen wir uns hoch und verstehen die Dame der Tienda erst jetzt: „Una sola subida“ &#8211; ein einziges Bergauf. Außer uns nur ein paar Vicuna-Herden und verlassene Hirtenhäuser. Keine Menschen, kein Verkehr. Zu unserer Linken wird ein perfekt geformter Vulkan immer größer, die vertrockneten, schwarzen Lavafelder reichen fast bis zum Pampagras. Endlich geht’s ein Stück runter. Doch dort ist der Sand so tief, dass wir erst recht wieder schieben müssen. Eine Herde Esel betrachtet uns skeptisch, dann scheint sie uns unauffällig zu folgen. Jedes Mal wenn wir uns umdrehen, bleiben sie wie versteinert stehen &#8211; als würden sie mit uns spielen &#8230;“</p>
<p>Eine letzte, frostige Nacht auf knapp 4.000 m, weitere 20 km Anstieg auf den Abra Blanca, dann ist es endlich so weit: Uns erwarten ca. 140 km Abfahrt nach Salta, davon 100 km auf Asphalt. Könnte ein netter Radtag werden – doch wieder kommt es anders als erhofft. Schon bald bremst uns ein starker Talwind, der an unseren Kräften zehrt. Wir sind froh, am späten Nachmittag doch noch das Örtchen Campo Quijana zu erreichen. Zu unserer großen Überraschung finden wir einen gemeinde-eigenen Campingplatz vor, auf dem wir für 3 Euro und mit zwei prall gefüllten Einkaufstüten einchecken. Die heiße Dusche ist ein Traum, das kühle Bier noch viel besser. Der 2.400 Höhenmeter-Downhill hat uns in ein herrliches Klima katapultiert. Schlemmen, bis uns die Bäuche fast platzen, sitzen bis Einbruch der Dunkelheit im kurzen Shirt vorm Zelt und über uns zwitschern die Vögel … was für ein neues Lebensgefühl <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<p>Während ihr Zuhause bereits Glühwein trinkt und euch mit Schal und Winterjacke gegen die Kälte abschirmt, packen wir all das warme Zeug ganz unten in unsere Satteltaschen, schmieren uns Sonnenchreme ins Gesicht und starten die Grill-Saison – Aaaah, Frühling in Argentinien! Die Sonnenseite des Lebens hat uns wieder <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<p>In der netten Kolonialstadt Salta gönnen wir uns ein paar Ruhetage und stellen schnell fest, dass die Uhren hier etwas anders ticken, als wir es gewohnt sind. Zwischen 13 und 17 Uhr herrscht Siesta, und die wird hier ganz ernst genommen! In keinem anderen lateinamerikanischen Land wird die ausgedehnte Mittagsruhe so akribisch durchgezogen wie hier. Alle Geschäfte, Ämter, Schulen, Werkstätten und andere Dienstleistungsbetriebe sind geschlossen, auf den Straßen keine Menschen. Irgendwie verständlich, denn die Mittagshitze hat es wahrlich in sich. Erst gegen Abend kehrt das Leben in den Straßen wieder zurück. Alt und Jung ist unterwegs, hell, dunkel, Frauen in farbenfrohen Kleidern und hochhackigen Schuhen, Männer in legerer Freizeitmode oder schicken Business-Anzügen, Kinder schlecken an grell-bunten Eiskugeln. Obwohl letztes Jahr die Inflation im Lande etwa 25 % betrug und Argentinien wieder einmal schwierige Zeiten durchlebt, ist davon wenig zu spüren – zumindest im Zentrum der Stadt. Die Saltenas lassen es sich trotz Allem gut gehen. Unzählige Einkaufstüten tragen sie in den Händen, in den Restaurants und Cafes wird nach Lust und Laune konsumiert und bullige Pick-ups und schnittige Sportvehikel rollen durch die Straßen. Ein Land voller Kontraste …</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mo, 07.11.2011 – Salta</em><br />
„&#8230; Nach dem Frühstück gehen wir gleich zur Post, wo uns fast der Schlag trifft. Anscheinend waren die Paket-Preise, die sie uns am Samstag gegeben haben, nicht korrekt, denn das 3-kg Paket kostet gut 50 Euro. Naja was soll´s. Mitschleppen wollen wir das Zeug nicht mehr länger. Beim Versenden müssen wir ganz korrekt den hoch-bürokratischen und veralteten Ablauf einhalten. Zuerst wird der Inhalt vom Zoll geprüft, danach alles in eine Schachtel verpackt, mit Packpapier eingewickelt und ab zum nächsten Schalter, wo uns eine geschätzte 120-jährige Dame begrüßt. Drei verschiedene Papiere müssen wir ausfüllen. Hier ein Pickerl, dort noch eines. Unterschiedliche Stempel werden auf alle Zettelchen gedrückt. Was die Dame mit drei Abschlägen der Dokumente macht, weiß ich nicht, für uns ist keiner dabei. Ist schon lustig, da kommt man in Argentinien an, hat auf der erstbesten Tankstelle Drahtlos-Internet und dann wird auf der Post alles händisch erledigt und zig tausendmal abgestempelt. Als wäre man in Südeuropa oder Griechenland, nur dass die Preise nordeuropäisch sind &#8230;“</p>
<p>Weiter auf der Ruta 40 gen Süden. Die nächsten Tage gestalten sich verhältnismäßig einfach, das Radfahren macht richtig Spaß und die herrlichen Temperaturen lassen in uns ein bisschen Urlaubsfeeling aufkommen. Easy Days! Wir passieren von Menschenhand geschaffene Oasen mit Apfel- und Olivenbäumen, einigen Zypressen und Palmen, schillernden Stauseen. Ein bisschen wie in der Toskana, mit einem Touch exotischem Flair. Plötzlich sind wir keine Gringos mehr, fallen unter den vielen weißhäutigen Menschen nicht mehr wirklich auf und Hunde sind wieder Freunde! Nicht nur einmal leistet uns ein freundlicher, Schwanz wedelnder Wuffi beim Lagern Gesellschaft, bewacht unser Zelt und bettelt geduldig nach Futter. Da die Argentinier selbst ein begeistertes Camper-Volk sind, gibt es fast in jedem kleinen Ort einen preiswerten Gemeinde-Campingplatz. Die Ruta 40 ist zudem wenig befahren und recht einsam, man kommt jedoch regelmäßig durch Ortschaften mit Nachschubmöglichkeit. Wenn uns zu Mittag der Hunger packt, machen wir es uns oft neben einem der zahlreichen, mit roten Bändern und Fahnen geschmückten Schreine von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gauchito_Gil"target="_blank">Gauchito Gil</a> gemütlich, die meist unter schattenspendenden Bäumen platziert sind. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gauchito_Gil"target="_blank">Gauchito Gil</a> ist ein von der katholischen Kirche nicht anerkannter Volksheiliger, eine Art Argentinische Variante des „Robin Hood“ und gleichzeitig Beschützer aller Reisenden.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mi, 09.11.2011 – Quebrada de las Conchas</em><br />
„&#8230; Im Morgenlicht schlängeln wir uns durch die Quebrada de las Conchas. Die roten Felsen leuchten, Jardon-Kakteen kleben an den Hängen und farbenfrohe Ara-Schwärme ziehen durch das Tal. Das Panorama wird immer schöner, und als sich das Flusstal schließlich wieder öffnet, werden die kargen Felsen von Weingärten abgelöst. Das satte Grün ist wie Balsam für unsere Augen, der Duft der Blumen wie Parfum &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>So, 13.11.2011 – Londres</em><br />
„&#8230; Grauenhafte Nacht, wenn ich 10 Minuten Schlaf zusammen bringe, ist es viel! Gerade als ich am Einschlafen bin, trifft eine Gruppe „lustiger“ Teenager ein und singt &#8211; besser gesagt schreit &#8211; die ganze Nacht durch. Es wird geklatscht und die Gitarre gewürgt – aber ganz ehrlich: So falsch wie das ist, würde man sie selbst gerne würgen. Um 5 Uhr früh reicht es mir! Stehe auf und frage sie, ob es nicht möglich wäre, wenigstens eine Stunde dieser Nacht schlafend zu verbringen … „I love you“, höre ich von einem. Das ist schon alles. Eine Minute Ruhe und weiter geht’s. Kurz nach sechs stehen wir auf, schlafen können wir ohnehin nicht mehr. Auf der Bank sind zwei Burschen „übrig geblieben“, die immer noch voller Hingabe irgendwelche Schnulzen kreischen. Schrecklich, aber irgendwie müssen wir schon wieder über diese verrückte Nacht lachen … Erstaunlich fit treten wir in die Pedale, vorbei an grünen, gepflegten Gärten, Nussbäumen und blühenden Sträuchern. Die Kilometer rasseln, doch als wir an der nächsten Kreuzung nach links abbiegen, begrüßt uns heftiger Gegenwind. Selbst die Bäume geben seiner Kraft nach, uns raubt er sie. In San Blas de los Sauces shclagen wir unser Zelt am „Camping Municipal“ auf. Es wäre hier auch richtig gemütlich, würden sie die Grillstellen und vor Allem das Klo öfter putzen. Egal, die 20 Pesos sind etwas mehr als sonst, dafür können wir duschen und die Klamotten wieder einmal waschen. Gerade als wir am Kochen sind, hält ein kleines Auto vor uns. Vier ältere Damen steigen aus, bewaffnet mit großen Thermoskannen voll heißem Wasser, Mate, Zucker, frischen Tortillas und Dulce de Leche. Die sonntägliche Mate-Runde, bei der es viel zu erzählen gibt – und auch viel zu lachen. Die vier „Golden Girls“ kichern wie Teenager vor sich hin, umso mehr, als sich ein adretter Herr zu ihnen gesellt. Gerade als unser Abendessen fertig ist, bringt uns die 81-jährige Felicinda ein Teller mit Dulce de Leche Broten rüber. “Asi somos, los Argentinos!“ (so sind wir Argentinier), sagt sie und drückt uns ein herzliches Küsschen auf die Wange. Sie ist ganz begeistert davon, dass wir aus Österreich kommen. „Aah, Viena! Y la musica!“, schwärmt sie, stimmt einen Walzer an und tanzt ein paar Schritte über den mit Laub bedeckten Boden. Als junge Frau hatte sie die Möglichkeit, nach Amerika zu gehen. „Pero no los quiero!“ (aber ich mag sie nicht, die Amis). Sie hätte ihr Land nie verlassen, sie liebe es einfach viel zu sehr. Auf ihr Herz hat sie immer gehört und ist anstatt in die USA zu gehen, in den Süden Argentiniens. Patagonien. Als Köchin hat sie dort gutes Geld verdient und auch ihren Mann kennen gelernt &#8230;“</p>
<p>Die Landschaft wird, je weiter wir südlich kommen, immer karger. Niedriges Dornengestrüpp und endlose Weite. Oft haben wir gegen heftigen Wind zu kämpfen und die schurgerade Straße für uns alleine. Pampa wohin das Auge reicht. Dann und wann kreuzt ein Wüstenfuchs unseren Weg und nicht nur einmal verirrt sich ein kleiner Skorpion auf unseren Lagerplatz. Nach einigen Tagen in der Wüste wird es irgendwann mal richtig eintönig &#8211; und so versuchen wir es zum ersten Mal auf der gesamten Reise mit Musik aus dem MP3-Player. Haben riesen Spaß dabei, fahren tanzend und singend durch die Gegend und wundern uns, warum wir das nicht schon früher ausprobiert haben. „Rock the Desert!“ <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .  Kurz vor Villa Union scheuchen wir einige türkis-grün-farbige Loros auf, die eine Zeit lang parallel neben uns her fliegen, mehrmals ganz knapp vor uns die Staße queren und dabei fast unsere Köpfe streifen. Fast wie Delfin-Schwimmen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 18.11.2011 – Valle Fertil</em><br />
„&#8230; Es gibt Tage, an denen man ohne große Erwartungen startet und dann umso mehr überrascht wird. So ein Tag ist heute. Er beginnt nicht sehr anders, als sonst. Frühstück auf einer Beton-Sitz-Garnitur des Camping Municipal, packen und los geht’s. Der Wind heute ausnahmsweise von hinten, sogar recht kräftig. Wir fliegen förmlich durch die eintönige Gegend. Die Straße permanent leicht gewellt, als hätte jemand Land und Straße auf 50 km wie eine Ziehharmonika zusammen gestaucht. Heiß ist es, Schatten gibt es wenig. Sogar Gauchito Gil lässt uns in Stich. Bis Mittag schaffen wir es nach Marayes, einem trostlosen Kreuzungs-Kaff, wo wir in der staubigen Bushaltestelle jausnen. Wir münden nun in die Ruta 41, die uns direkt nach San Juan und weiter nach Mendoza führt. Etwas mehr Verkehr, vorwiegend LKWs, endlose, heiße Pampa. Dank des Windes und der meist flachen Straße nicht zu anstrengend. Bis 15:30 Uhr schaffen wir es nach Bermejo. Der Tacho zeit hundert Kilometer an. Vorräte und Wasser sind knapp, bräuchten Nachschub fürs Abendessen. Der nächste Ort, Vallecito, erst in knapp 40 km. Überlegen ernsthaft, ob wir diese Etappe auch noch in Angriff nehmen sollten. Wollen es dann aber mit Auto-Stopp versuchen, da sich die Landschaft ohnehin seit Tagen nicht mehr geändert hat und es brütend heiß ist. Wir haben tatsächlich Glück, denn nach etwa 20 Minuten bremst sich Gustavo mit seinem Pick-up ein. Er sei gerade auf dem Heimweg von einem Business-Trip und könne uns bis Mendoza mitnehmen. Unglaublich! Damit haben wir nicht gerechnet! Ganze 250 km langweilige Fahrt auf viel befahrener Straße! Schnell laden wir Räder und Gepäck auf die Ladefläche, damit er es sich ja nicht noch anders überlegt <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Gustavo ist Verkäufer für technische Produkte, die unter anderen in Minen Verwendung finden. Sehr gesprächig und interessiert, das Telefon läutet oft, am liebsten würde er 100 Dinge auf einmal erledigen. Während der gesamten, über 3-stündigen Fahrt, wird es uns nicht langweilig. Wir erfahren viel über seine Heimatstadt und bekommen einige gute Tipps mit auf den Weg. Früher sei er selbst mal mit dem Rucksack unterwegs gewesen und habe deshalb angehalten. Damals hat er sich auch immer über eine Mitfahrgelegenheit gefreut. Die Außenbezirke im Norden von Mendoza wirken schäbig, und wir sind beide froh, dass wir hier nicht durch müssen. Beim Eingang zu einem Campingplatz, etwa 10 km vorm Zentrum, verabschieden wir uns, nur um dann von den Portieren zu erfahren, dass geschlossen sei. Es wird etwas mühsam und stressig, da es bereits dämmert und die Gegend nicht gerade als sicher gilt. Mit Glück landen wir schließlich am „Camping de los Graficos“, der zwar auch geschlossen ist, wo man aber Erbarmen mit uns hat und uns auf einem kleinen Flecken Wiese zelten lässt. Dass etwas Hundekacke herum liegt, keine Duschen vorhanden sind und es allgemein nicht recht sauber ist, macht uns heute nix mehr. Sind eigentlich nur überrascht, bereits heute in Mendoza angekommen zu sein! Ganze 350 km in einem Tag! Anita würde sagen: „Die da oben haben heute wieder ganze Arbeit geleistet“ … „</p>
<p>Knapp 2 Wochen (ohne Ruhetag) benötigen wir, um von Salta nach Mendoza zu gelangen. Es ist wieder an der Zeit, es sich richtig gut gehen zu lassen! Wir quartieren uns in einem günstigen Hostal mit dem passenden Namen „Malbec“ ein, schlendern durch die breiten, baumbestandenen Alleen und genießen alle Vorzüge, die Mendoza zu bieten hat, wie zum Beispiel den Wein. Etwa drei Viertel der argentinischen Weine kommen aus der Region, rund 1.200 Bodegas produzieren gute, oft hoch qualitative Tröpfchen und einer der bekanntesten Weine hier ist der Malbec. Natürlich kosten auch wir uns fleißig durch das Sortiment und genießen es mal wieder, eine große Hostal-Küche benutzen zu können. Als Andi eines Abends leckeres Röstgemüse zaubert, schaut ihm ein  argentinischer Hostal-Gast skeptisch über die Schulter und fragt: „Que es esto?“ (was ist das?) &#8211; „Verdura!“ (Gemüse). Darauf hin antwortet er: „Cuando nosotros comemos esto, morimos!“ (wenn wir das essen, sterben wir). Und das muss wohl in der Tat so sein, denn die Argentinier sind berühmt für ihren überdurchschnittlichen Fleischkonsum. Für die Meisten ist es unvorstellbar, nicht täglich Fleisch zu konsumieren. An den Wochenenden trifft man sich zum „Asado“, einer Grillerei, die hier fast wie eine Religion zelebriert wird. Unter einem halben Kilo Fleisch pro Person ist fast ein Skandal. Dazu gibt’s Rotwein und Weißbrot. Manche sollen sogar Salate, Gemüse oder Saucen dazu essen, wir haben dies jedoch noch nie gesehen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> .</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 19.11.2011 – Mendoza</em><br />
„&#8230; Wollen den Tipp von Gustavo ausprobieren: „Caro Pepe´s Tenedor Libre“, Argentiniens Antwort auf „All-You-Can-Eat Buffets“. Genau das Richtige für zwei ausgehungerte Radfahrer. Als wir um 21 Uhr vor der Tür stehen, ist der große Saal noch fast leer. Argentinier essen nicht vor 22 Uhr zu Abend. Super feine Speisen, viele vegetarische Gerichte, natürlich eine alles dominierende Grill-Station und ein feines Nachspeisenbuffet. Schick Essen gehen kann man das wohl eher nicht nennen, aber ein absolutes Erlebnis. Nach und nach füllt sich das Lokal, von Großfamilien, über super-sexy gekleideten Teenagern, bis zum pensionierten Ehepaar. Das ganze Dinner rundet ein grauhaariger Schnulzensänger ab, der mit seinem Mikrofon von Tisch zu Tisch zieht und unzählige Zettelchen in die Hand gedrückt bekommt, um jemandem Geburtstagsgrüße oder Liebesgeständnisse zu übermitteln. Unsere Mägen platzen fast, als wir uns zum Ausgang bewegen. Und so Mancher wird mir wohl auf der Straße eine Schwangerschaft in die Schuhe schieben &#8230;“</p>
<p>Die Straßen und Gehwege von Mendoza sind breit, der Verkehr moderat und die Menschen wirken  fast ausnahmslos fröhlich. Die vielen Bäume, Plazas und Grünflächen sind wie kleine Oasen. Im riesigen Parque San Martin flacken wir uns ins Gras und sehen den Menschen beim Sporteln zu. Es ist viel los während der Siesta. Jogger, Radfaher, Inline-Scater, Long-Boarder, Fussball-Teams beim Training, Leute beim Picknicken oder Eis Essen, verliebte Teenies. Mendoza hat einen positiven „Vibe“ für uns und wir würden es noch locker einige Tage länger hier aushalten. Doch die Versuchung ist groß, viel mehr Geld auszugeben, als man eigentlich will <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> . So ziehen wir lieber wieder weiter und radeln durch die unendlichen Weingüter südlich von Mendoza.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mi, 23.11.2011 – Bodega Andalhue</em><br />
„&#8230; Weiter durch baumbestandene Alleen, nicht mehr ganz so feine Gegenden, teils auf Radwegen, teils auf enger Straße. Wir passieren riesige Weingüter (Bodegas), Weingärten und Knoblauchfelder. Dass es hier viel Wein gibt, wissen wir. Aber vom Knoblauch spricht niemand. Voll beladene Transporter überholen uns und verlieren dann und wann eine Knolle. Perfekt, so brauchen wir keinen zu kaufen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Rechts von uns die Cordillera Portilla mit ihren schneebedeckten Flanken und Gipfel. Nach einigen Kilometern knickt die Straße nach links und beginnt anzusteigen. Es ist schon später Nachmittag, wir sind müde. So fragen wir in der kleinen Bodega Andalhue nach einer Campingmöglichkeit. José Blanco, der Chef persönlich, erlaubt uns, direkt neben der Bodega auf feiner Wiese zu zelten. Klein sei sein Weingut, nur 8 ha Land. Insgesamt hätte er 100, aber den Großteil verwendet er zur Produktion von Speisetrauben. Seit einigen Jahren stellt er Biowein her. Gerade vorher war die für die Zertifizierung zuständige Dame hier. Gleich am Eingang ein Schild: „José Blanco e Hijos – Fair Trade“. Er selbst kenne sich mit Wein nicht so gut aus, aber mit dem Weinanbau sehr wohl. Schwierig sei es, die Konkurrenz ist groß. Riesig wohl eher. Und die Leute kaufen lieber „Marken“ als vom familiären Weingut. Schade, denn nur weil der Wein den 3-fachen Preis hat, heißt es nicht, dass er besser ist. José führt uns in die Lagerhalle, in der etwa 100.000 Flaschen gelagert sind und zeigt uns den Degustationsraum. Wir kaufen uns natürlich ein Fläschen mit für&#8217;s Abendessen. Die teurere Klasse, einen „Malbec José Blanco Reserva 2006“, Eichenfass-gelagert. Die farbenfrohen Etiketten hat er vor einigen Jahren eigens für den japanischen Markt designen lassen. Doch der Export sei ein schwieriges Geschäft – vor Allem ohne Fremdsprachen-Kenntnisse. Seine ganze Hoffnung liegt in seinen Kindern, die kurz vor Abschluss ihrer Studien sind und später das lukrative Exportgeschäft ankurbeln sollen &#8230;“.</p>
<p>Wieder wird es einsam, windig und rau. Wir folgen weiterhin der Ruta 40, die südlich von Mendoza mit einigen sehr langen, monotonen Etappen auf uns wartet und seinem abenteuerlichen Ruf mehr als gerecht wird.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mo, 28.11.2011 – kurz vor Ranquil del Norte</em><br />
„&#8230; Ein guter Rückenwind und die meist sanft abfallende Straße lassen uns bis Mittag 55 km zurück legen. Die rasante Fahrt endet an einer Brücke, die über eine spektakuläre Schlucht führt. Das Wasser hat sich seinen Weg durch altes Lavagestein gesucht. Etwa 15 m breit, senkrechte, 10 m hohe, pechschwarze Wände. Unten donnert ein von der Schneeschmelze lehmig gefärbter Fluss durch. Leider ist ab hier für die nächsten 60 km Schluss mit lustig bzw. Asphalt <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Es geht tendenziell wieder bergauf und es ist brütend heiß. Keine Bäume, kein Schatten. Mittag machen wir unter dem lichten Schatten eines Busches. So gut wie kein Verkehr. Mühsam ist es, doch wir kämpfen uns gut voran. Nach knapp 90 km erreichen wir eine Brücke. Eigentlich sollte sich laut Karte und der Info mehrerer Personen hier ein Örtchen befinden, in dem wir unser Wasser aufstocken können. Doch außer einem Schild und einem verlassenen Lehmhaus gibt es weit und breit nichts. Unser Wasser ist fast aufgebraucht, der nächste Ort über 40 km entfernt. Genau das sollte einem Radfahrer niemals passieren. Wir bleiben ruhig, halten einen Pick-up an. Der Fahrer meint selbstbewusst, dass um die Ecke einige Häuser seien. Passt! Doch wieder nichts. Es ist spät, die heutige Etappe war hart und die Entfernung in den nächsten Ort zu weit. Also entschließen wir uns, alle Autos zu stoppen, die unseren Weg kreuzen, um nach Wasser zu fragen. Gleich der nächste Pick-up versorgt uns mit 3 Liter Wasser und der Auskunft, dass es nach einem kurzen Anstieg nur noch bergab ginge. Der Anstieg ist aber viel länger und steiler als angenommen, so enden wir nach 100 km Tagesleistung am Straßenrand und stellen unser Zelt auf. Von verschieden Autos kratzen wir uns genügend Wasser fürs Abendessen zusammen, ergattern sogar einen halben Liter Limonade und verbringen eine ruhige und angenehme Nacht inmitten dieser wunderschönen Steppenwüste &#8230;“</p>
<p>„Bienvenidos a la region Patagonia“, begrüßt uns der nette Herr von der Turi-Info am anderen Ende der Brücke über den Rio Barrancas. Unsere Freude ist groß! Doch nicht nur der Herr von der Turi-Info heißt uns willkommen, auch der hier so berüchtigte Wind stemmt sich uns sogleich heftig entgegen und gibt uns einen ersten Vorgeschmack auf die Wildheit dieser Region. Doch das ist eine andere Geschichte <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Hasta pronto und eine schöne Adventzeit,<br />
nandita</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Bolivien – im Land der eisigen Winde</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 15:52:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bolivien]]></category>
		<category><![CDATA[Lagunenroute]]></category>
		<category><![CDATA[Potosí]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
La Paz – Oruro – Challapata – Cruz Ventilla – Potosí – Tikatika – Uyuni – Colchani – Salar de Uyuni – San Juan – Chiguana – Lagunenroute (Laguna Hedionda, Laguna Colorada, Laguna Chalviri, Laguna Verde, Laguna Blanca) – San Pedro de Atacama (Chile)
Der Westen Boliviens wird dominiert vom Altiplano – einer rauen, unwirtlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
La Paz – Oruro – Challapata – Cruz Ventilla – Potosí – Tikatika – Uyuni – Colchani – Salar de Uyuni – San Juan – Chiguana – Lagunenroute (Laguna Hedionda, Laguna Colorada, Laguna Chalviri, Laguna Verde, Laguna Blanca) – San Pedro de Atacama (Chile)</p>
<p>Der Westen Boliviens wird dominiert vom Altiplano – einer rauen, unwirtlichen Gegend mit starken Winden, extremen Temperaturen, weiten Salzflächen, mineralreichen Bergen, sowie isolierten Gegenden. Das Land ist zudem das ärmste Land Lateinamerikas. Entsprechend geprägt sind auch die Menschen, meist indígener Abstammung: Zurückhaltend, oft kurz angebunden und tendenziell nicht von der freundlichsten Sorte begegnen sie uns. Doch nach anfänglichen „Startschwierigkeiten“ haben wir damit umzugehen gelernt und mit etwas Geduld und Offenheit finden wir unseren Weg in die Herzen der Menschen. Am meisten jedoch zieht uns die einzigartige, oft unbarmherzige und unberechenbare Natur des Landes in ihren Bann. Aber beginnen wir mal von vorne …</p>
<p>Unser neues Objektiv auf der Kamera, Anitas Geburtstag gebührend gefeiert, wieder ab auf die Straße. Unser nächstes Ziel ist Potosí, die Sadt am Cerro Rico, dem schicksalhaften Silberberg.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mo, 3.10.2011 – Richtung Cruz Ventilla</em><br />
„&#8230; Von Challapata aus machen wir einen Ostknick Richtung Berge. Die Pampa lassen wir bald hinter uns, wir passieren einen Stausee und schlängeln uns ein schönes Tal hinein. Endlich weniger Verkehr. So macht&#8217;s wieder Spaß! Hügelig ist es, tendenziell bergauf. Da wir heute über 110 km schaffen wollen, geben wir Gas. Die 4000 m Grenze ist schnell erreicht, bald radeln wir auf einer herrlichen Hochebene mit Alpakaherden und kleinen Wirbelstürmen. Kurz werden wir von vier Jungs auf ihren Fahrrädern begleitet. Sie haben eine riesen Freude dabei, sich mit uns ein Rennen zu liefern. Erst nach 65 km machen wir Mittag, stärken uns und fahren weiter. Wir kommen gut voran obwohl es munter Auf- und Ab, dafür in herrlicher Hochgebirgslandschaft mit goldenem Gras und niedrigem Buschwerk, geht. Das Auf- und Ab hält bis zum Etappenende an, erst kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir bei heftigem Gegenwind und aufziehendem Gewitter das trostloste Örtchen Cruz Ventilla. Quartieren uns in der einzigen, sehr simplen Hospedaje ein. Im Laden ums Eck wollen wir Marmelade kaufen … „Hay Mermelada?“. „No.“ Im Regal erspähe ich einen Plastikbehälter, der so aussieht, wie Marmelade. „Que es esto?“ „Mermelada.“, kommt als Antwort. „Entonces, una Mermelada por favor.“ &#8230;“</p>
<p>Gespräche wie in dieser kleinen Tienda sind uns nicht nur einmal passiert. Oft scheint es, als wollen die Herrschaften einfach keine Geschäfte machen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mi, 5.10.2011 – Potosí</em><br />
„ Die Sonne lässt sich nicht blicken, obwohl wir schon lange in unserer „Casita del Sol“ wachliegen. Aber ohne Sonne stehen Andi und Anita einfach nicht gerne auf <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  &#8230; Nach etwa 10 km dreht die Straße in die Berge und folgt einem schäumenden, verschmutzten Fluss. An der Peaje legen wir eine Zuckerschub-Pause ein. Cola und Erdbeerwafferl. Als ich zur Verkäuferin gehe und nach einem Mülleimer frage, nickt sie mir zu, nimmt mir die Sachen ab und wirft das Verpackungsmaterial der Wafferl einfach in den Wind, die Plastikflasche behält sie! Wenn ich das gewusst hätte … Steil geht es weiter, nach unzähligen Kurven erblicken wir erstmals den „Cerro Rico“, den Silberberg, für den Potosí so bekannt ist. Wie ein Mahnmal thront er über der Stadt. Er verhalf den spanischen Konquistadoren zu großem Reichtum, Millionen indígene Zwangsarbeiter ließen dort ihr Leben. Im 17. Jahrhundert galt Potosí als die reichste Stadt der Welt. Heute spuckt der Berg nur noch wenig Silber aus und die Glanzzeiten sind längst vorbei &#8230; An der Stadteinfahrt kaufen wir uns als Belohnung super leckere Saltenas (mit Gemüse und Ei gefüllte Teigtaschen) für einen Boliviano (ca. 10 Cent).  Das Zentrum lässt aber noch auf sich warten. Viel Verkehr, hunderte Schüler und Studenten auf der Straße. Und dann empfängt uns Potosí auch noch mit zartem Schneefall – zum ersten Mal auf unserer Reise. Keine halbe Stunde später bringt die „Liesl“ unsere von der Sonne geküssten Gesichter wieder zum Glühen. Verrückt! &#8230;“</p>
<p>Makabererweise hat sich in Potosí ein ausgeprägter Minen-Tourismus entwickelt. Die Touren sind recht günstig, man dringt mit einem mehr oder weniger gut ausgebildeten Guide für etwa 2 Stunden in die Unterwelt des Cerro Rico ein und kann sich ansatzweise ein Bild von den nach wie vor rudimentären Arbeitsweisen und Lebensbedingungen der Minenarbeiter machen. Obwohl etwas umstritten, nehmen wir an einer dieser Touren teil. Man erklärt uns, dass die Mineros etwa 8 bis 10 Stunden pro Tag schuften, was nur mit exzessivem Kokakauen, sowie 96%igem Alkohol und massenweise Zigaretten zu bewältigen sei. Auf dem „Mercado de los mineros“ kann man sich ohne Lizenz mit Dynamit eindecken. Die Stollen sind eng. Pressluftschläuche und Querbalken in Brusthöhe erschweren einem das Vorankommen. Oft müssen wir uns in eine enge Nische drängen, damit die Mineros mit den „Wagonetas“ (Grubenhunden) voller Gestein an uns vorbei kommen. Bis zu 1,5 Tonnen schwer ist ein solcher Wagen, drei Personen schieben ihn unter großer Anstrengung zu Tage. An den Mineraladern sind Männer damit beschäftigt, mit bloßer Hand, Hammer und Meißel nach Silber, Blei, Zink oder Zinn zu suchen. Unglücke stehen fast an der Tagesordnung. Um diese zu verhindern, will der „Tio“, ein Teufel mit Spanier-Bart, besänftigt werden … Schwer kann man sich als Besucher vorstellen, wie es einem Minero ergeht, der sein Leben dem Silberberg widmet. Durch Zufall kommen wir Tags darauf an der Plaza mit einem der Bergmänner etwas tiefer ins Gespräch &#8230;  </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 7.10.2011 – Potosí</em><br />
„&#8230; 38 Jahre ist Gonzalo und arbeitet, seitdem er 13 ist, im Cerro Rico als Minero (Minenarbeiter). Anfangs hat er seinen Vater begleitet und so das Handwerk erlernt. Ganz sauber und einfach ist er gekleidet, nur seine dicke Brille ist auffällig. Liebevoll hält er seine 18 Monate alte Tochter im Arm, der immer wieder die Augen vor Müdigkeit zufallen. Eine schwere Arbeit sei es, anstrengend. Und sein Augenlicht verschlechtert sich von Tag zu Tag. Viel lieber würde er etwas anderes arbeiten, aber es ist schwer, was zu finden. Und so muss Gonzalo, wenn das Geld knapp wird, wieder zurück in den Silberberg. Selbst wenn er von seinem Alltag erzählt, und wir dabei in seine müden Augen blicken, können wir nur ansatzweise begreifen, wie hart das Leben als Minero tatsächlich ist. Wie schwer es für die ganze Familie sein muss, jeden Tag in der Ungewissheit, ob man sich am Morgen nicht zum letzten Mal umarmt hat. Wie es ihm gesundheitlich ergehe, fragen wir ihn. „No es tan grave“ (nicht so schlimm), meint er. Er hätte zwar Silicosis (Staublunge), aber „nur“ Grad 2 von 4, wobei letzterer meist tödlich ausgeht &#8230;“</p>
<p>Nachdenklich verlassen wir Potosí, der Südwesten Boliviens wartet auf uns. Drei Tage dauert die Fahrt nach Uyuni, wieder durch hügeliges, schroffes und windumtostes Altiplano. Am letzten Abend vor unserer Ankunft hält neben uns ein Landrover mit Schweizer Kennzeichen – Andrea und Lukas. Die Beiden sind seit einem halben Jahr kreuz und quer in Südamerika unterwegs. Wir wollen den Abend gemeinsam verbringen, Wildcamping in einem vertrockneten Flussbett. Leider ist der Untergrund doch sumpfiger als gedacht und Lukas sinkt mit seinem über 3 Tonnen schweren Gefährt tief im Matsch ein. Da erste Bergungsversuche scheitern und die Nacht naht, verschieben sie die Arbeit auf den nächsten Tag und wir verbringen einen gemütlichen, gemeinsamen Abend in der geheizten Kabine ihres Landys. Tags darauf brechen wir zu unserer letzten Etappe nach Uyuni auf, wir verabschieden uns von unseren neuen Freunden. Dass sich die Bergung ihres Offroaders dann etwas schwieriger als gedacht gestaltet, sollten wir erst viel später erfahren – aber lest selbst auf ihrem Blog: <a href="http://driveanddivethepanamericana.blogspot.com/"target="_blank">http://driveanddivethepanamericana.blogspot.com</a></p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi / Anita</strong><br />
<em>Mo, 10.10.2011 – Weg nach Uyuni</em><br />
„&#8230; Von Beginn an fieser, starker Gegenwind, der uns teilweise von der Straße drängt. Bald sind unsere spärlichen Vorräte aufgebraucht. Mit knurrendem Magen kämpfen wir gegen die heftiger werdenden Böen. Kopfarbeit. Müssen öfter pausieren, es geht einfach nichts weiter. Vor dem Minenkaff Pulacayo beginnt ein sehr steiler, unbefestigter Anstieg, den wir nur noch schiebend überwinden können. Sind ganz schön am Semmerl, als wir an der einzigen Tienda im Ort ankommen. Es ist bereits 15 Uhr und wir haben fast nichts gegessen. Das Warenangebot jedoch mehr als spärlich. „Stärken“ uns mit 2 Liter Fanta und Unmengen Erdbeerwafferl. Die alte Vettl vom Laden kennt sich gar nicht mehr aus. Sie spricht nur Quechua, ist unheimlich langsam. Das Wechselgeld müssen wir vor ihr 3x nachzählen, ihr erklären, dass der Betrag korrekt ist. Ihr Augenlicht dürfte nicht mehr das beste sein … Es geht noch ein schönes Stück rauf, bis wir endlich am höchsten Punkt für heute stehen und wir erste Blicke auf den Salar werfen. Endlich bergab! Umso blöder schauen wir, als sich vor uns ein weiterer Gegenanstieg auftut. Was für ein nicht-enden-wollender-Tag! Müde und ausgelaugt sitzen wir am staubigen Straßenrand, trinken den letzten Schluck Fanta und stopfen uns noch mehr Erdbeerwafferl in den Mund. Auf geht’s. Der letzte – hoffentlich letzte – Anstieg für heute. Bald tauchen unter uns die Häuser von Uyuni auf, davor glitzern tausende Plastiksackerl, die in den Feldern rundherum verteilt sind &#8230;“</p>
<p>In Uyuni bereiten wir uns auf die unter Südamerika-Radlern bekannte und berüchtigte Lagunenroute vor. Unser Lateinamerika-BikeBuch von Reise Know-How sagt über diese Tour auszugsweise folgendes (S. 256ff): „Diese Fahrt ist kein Picknick und das bolivianische Hochland ist nicht Disneyland; Gefahren sind allgegenwärtig … Essensvoräte für 10 Tage und 1,5-2 Liter Brennstoff sind obligatorisch, um plötzliche Schneefälle zu überstehen. Die Biwakausrüstung sollte bis -20 Grad ausgelegt sein. In der Höhe blasen insbesondere bei der Dämmerung enorme Winde. Das windfeste Zelt sollte im Sitzen aufgebaut werden und mit einer Leine am Körper gesichert sein &#8230;“. Zugegeben, Respekt haben wir riesigen vor dieser Herausforderung, aber da wir uns körperlich und mental fit fühlen, wollen wir´s anpacken. Die „Ruta de las Joyas Altoandinas“ soll durch die aufregendsten und spektakulärsten Landschaften der Anden führen, meist in Höhen zwischen 4.000 und knapp 5.000 m. Wir kaufen Essen für 2 Wochen ein, lassen die Hälfte der Vorräte per Jeep in ein Hotel auf halbem Weg voraus schicken und schlagen uns die Bäuchen noch mal so richtig voll, bevor wir uns früh und leicht aufgeregt ins Bett legen. Tags darauf gehen wir recht früh die erste Etappe an, wir begeben uns hinaus auf den Salar de Uyuni &#8230;</p>
<p> <strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mi, 12.10.2011 – Salar de Uyuni</em><br />
„&#8230; Die weiße Ebene des Salars blendet uns wie Schnee. Eine hexagonförmige Wabenstruktur durchzieht die größte, homogene Salzfläche der Erde, die rauer ist, als angenommen. Hohe Geschwindigkeiten sind bei diesem Untergrund nicht möglich. Kurz nach 15 Uhr setzt wie auf Knopfdruck ein eisiger, orkanartiger Gegenwind ein, der uns in den ersten Gang zwingt. Da wir noch etwa 25 km von der Isla Incahuasi entfernt sind, geben wir für heute auf. Nächste Challenge: Zelt bei Sturm ohne Haken aufstellen (Laut mehreren Berichten ist es unmöglich, Zeltheringe in die harte Salzfläche einzuschlagen). Sehen uns schon in der flatternden Zeltplane ohne Essen liegen, da probiere ich nach Anita&#8217;s Anraten einen der 6-Zoll Nägel aus, die ich zusätzlich zum Abspannen der Leinen gekauft habe. Tatsächlich gelingt es uns, mit etwas Mühe und Geduld das Zelt aufzustellen und gut abzuspannen. Meine Fingerkuppen schlag ich mir dabei blutig und Anita friert sich währenddessen den Arsch ab. Der Wind ist bösartig und wir sind beide erleichtert, als wir in unsere „Casita del Sol“ kriechen können. Die Dämmerung bricht heran und das Abendlicht verwandelt den Salar in eine magische Bilderbuchlandschaft &#8230;“</p>
<p>Der dritte Tag ist hart und anstrengend. Wieder mal haben wir stürmischen Gegenwind, mehr als 5 km pro Stunde sind nicht möglich, wir schaffen es unter großer Anstrengung zur Militärbasis in Chiguana. In diesem gottverlassenen Kaff leben heute nur noch 7 gelangweilte Soldaten, die sich über etwas Abwechslung freuen und uns einen Schlafplatz in einem der abgefahrenen, mit Tarnfarbe gestrichenen, halbkugelförmigen Wohncontainern anbieten. Als wir die Tür unserer Untrkunft öffnen, staunen wir nicht schlecht, denn ein weiterer Radler, Matt aus Wisconsin (USA, <a href="http://www.aflyonmybackpack.com/"target="_blank">http://www.aflyonmybackpack.com/</a>) hat es sich schon gemütlich gemacht. Wir haben ihn zum ersten Mal im Estrellita in Cusco, Peru, getroffen und entschließen, morgen gemeinsam weiter zu radeln. Die Soldaten stehen den Rest des Nachmittags wortlos neben uns, obwohl sie wahrscheinlich tausende Fragen hätten – Fernsehen in Südwest-Bolivien … Zwei Tage später erwischen wir scheinbar eine falsche Abzweigung, sind den ganzen Tag damit beschäftigt, unsere Packesel durch wegloses Gelände zu schieben und landen schließlich an einer kleinen Lagune, die nirgendwo in unseren Aufzeichnungen zu finden ist. Ein markanter Vulkankegel immer zu unserer Rechten. Die miese Piste führt Richtung Westen, müsste grob stimmen. Aufgrund des sandigen Untergrunds ist wieder Schieben angesagt. Das Wasser wird knapp, der Tag vergeht. Irgendwann brummt ein alter, einsamer Jeep daher, der Fahrer erklärt uns, dass wir uns etwa 20 km von der Laguna Hedionda entfernt befinden – ist zwar der richtige Weg, nur waren wir Morgens genauso weit weg von unserem eigentlichen Tagesziel … Naja, hilft net. Weiterschieben. Kurz darauf ein Flusslauf, wir können Wasser filtern, was die Situation schon viel einfacher macht. Als Draufgabe erreichen wir wenig später eine verlassene Mine mit geschlossener Posada. Die Tür lässt sich öffnen und wir finden einen windgeschützten Raum mit Ofen, Tischen und Bänken vor. Ein wahres Geschenk des Tages! Insofern hat sich die Runde um den „Mount Steve“, wie wir unseren treuen Tagesbegleiter nennen, mehr als ausgezahlt <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />   </p>
<p> <strong>Tagebucheintrag Andi / Anita</strong><br />
<em>Di, 18.10.2011 – Hotel el Desierto</em><br />
„&#8230; Minus 7 Grad um 6 Uhr morgens im Zelt. Drehe mich nochmal zur Seite. Kurz nach halb 7  endlich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Matt fühlt sich heute wieder besser. Schlafen auf dieser Höhe (4.500 m) war trotzdem nicht sehr erholsam. Heute stemmt sich der schneidende Wind schon ab dem frühen Morgen gegen uns. Die ersten 1 ½ km geht es schiebend durch tiefen Sand, danach einen steilen Hügel hoch. Kurzatmig geht es langsam voran, eine nicht zu steile Steigung hoch bis auf 4.650 m, wieder ein Stück runter und danach hoch auf den über 4.700 m hohen Paso del Inca. Oben erwartet uns eine Jeep-Gruppe, die uns wie Safaritiere eifrig fotografiert. Ausgelaugt schieben wir die letzten 2 km zum Hotel el Desierto, das wie ein Fremdkörper in der eisigen, unwirtlichen Wüste steht. Die Managerin Maria nimmt uns freundlich in Empfang und bittet uns einen Tisch im leeren Restaurant an. Wir brauchen dringend eine Pause. Das Hotel sei heute voll, kein Platz im Guides-Room, aber am Restaurantboden könnten wir gratis schlafen. Wir wärmen uns mit Kaffee und dürfen uns sogar duschen &#8230; Das Wasser im Zimmer Nummer 9 ist nur lauwarm. Aber wen stört das schon, wenn man sich all den Schmutz der letzten Tage vom Körper waschen kann?! Carlos, der Chefkoch, ruft uns etwas später ins Restaurant. Auf uns wartet ein gedeckter Tisch mit Tunfischsalat, Brötchen, Limonade und Dessert!!! Carlos setzt sich zu uns und erzählt, dass heute sein letzter Arbeitstag sei – nach 7 Monaten. Morgen früh „ME voy“, sagt er erleichtert. Manchmal sei es schon sehr langweilig gewesen, aber was macht man auch im Nirgendwo? Bis 17 Uhr dürfen wir im Guides-Room rasten, dann müssen wir die kuscheligen Betten für die Fahrer und Gruppenleiter der eintreffenden Jeep-Touren räumen. Kochen uns im restlichen Abendlicht Kartoffelpürree mit Gemüse und siedeln danach in die Rezeption um, wo wir sogleich von den Teilnehmern der Südtiroler-Reisegruppe belagert werden. Alle schon gut betagt und hin und weg von unserer Art zu Reisen. Voller Begeisterung wollen sie immer mehr wissen, werden aber dann ins Restaurant gerufen &#8211; das Abendessen ist fertig. Die Kälte vertreibt uns bald an den Teetisch im Speisesaal, wo uns Adolf, ein pensionierter Südtiroler, am liebsten was von seinem Essen abgeben möchte. „So blöd“, meint er, denn seinen Hauptgang hätte er gar nicht gegessen. Immer wieder kommt wer zum Plaudern vorbei und dann stellt uns das Team ungefragt das 3-gängige Abendmenü auf den Tisch! Alle drei sind wir ganz baff und finden keine Worte mehr, um den „Angeles del Desierto“ zu danken. Als sich dann noch eine ganz liebe Großmutti zu uns stellt, und uns mit ihrer Großherzigkeit überschüttet, steigen mir Tränen in die Augen. Die lieben Worte, die sie an uns richtet … und dann sagt sie, bevor sie ins Bett geht: „Eigentlich gehören wir ja alle zusammen. Wir sind Landsleut!“. Einer nach dem anderen verabschiedet sich von uns, wünscht uns alles Gute und dass wir wieder gesund nach Hause kommen. Nachdem im Restaurant Ruhe eingekehrt ist, setzen wir uns zu den Angestellten an den Tisch. Plaudern und sehen uns gemeinsam einen Film an. Bevor sich auch die Belegschaft schlafen legt, bringt sie uns dicke Matratzen und viele, viele Decken – damit uns ja nicht kalt wird &#8230;“</p>
<p>Nach acht starken Fahr- und Schiebetagen (Verhältnis ca. 80/20) ist ein Ruhetag an der Laguna Colorada angesagt. Gegen Mittag treffen zwei Radlerinnen ein, Eva und Claudia aus der Schweiz (<a href="http://evaveloclaudia.tumblr.com/"target="_blank">http://evaveloclaudia.tumblr.com/</a>), seit Tagen auf unseren Spuren. Tags darauf radeln wir als Fünfer-Team weiter, was das ganze Vorhaben um einiges „leichter“ und lustiger gestaltet … Gemeinsam erklimmen wir unseren höchsten Pass mit 4.926 m und müssen aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und heftiger Winde am höchsten Geysirfeld der Welt, dem „Sol de Manana“, auf 4.820 m biwakieren. Als einziger Windschutz dient uns ein halb fertiges, völlig zugeschissenes Gebäude. Merke: Ein guter Platz zum Gacken ist ein guter Platz zum Zelten <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> . Unser Hochlager war erholsamer als erwartet, wir genießen die morgendliche Windstille und das rauchende und zischende Geysirfeld. Am frühen Nachmittag darauf erreichen wir die Laguna Chalviri, wo sich eine Thermalquelle und ein Restaurant befinden. Genau das richtige, um sich von der anstrengenden Passfahrt zu erholen &#8230;</p>
<p> <strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>So, 23.10.2011 – Laguna Chalviri</em><br />
„&#8230; Dank der Dieseldämpfe des am Vorabend eingelassenen Holzbodens, schlafen wir wie die Murmeltiere. Um 5 Uhr werden wir vom Gekicher aus der Restaurantküche geweckt. Perfektes Timing, denn wir müssen um 5:30 draußen sein. Wir hüpfen ins Badezeug und setzten uns in den Thermalpool. Es hat tiefe Minus-Temperaturen, die Lagune Chalviri dampft mystisch im Morgengrauen. Einige Andenflamingos verstecken ihre Köpfe im pinkfarbenen Federkleid, stehen wie erstarrt auf einem Bein. Es weht kein Lüftchen, keine Geräusche, nur Stille und Frieden. Kurz nach 6 erhebt sich die Sonne hinter den schneebedeckten Gipfeln am anderen Ende der Lagune und taucht die sonst erdigen Hügel in leuchtende Farben. Einige Möwen begeben sich auf Futtersuche, die Flamingos beginnen ihre Federn zu putzen und staken danach mit zur Futteraufnahme gesenkten Köpfen herum. Gänsehaut läuft über unsere Körper, obwohl wir im 37 Grad warmen Wasser liegen. Ein heiliger Moment, den wir alle schweigend genießen und wohl unser ganzes Leben lang nicht mehr vergessen werden …“</p>
<p>Nach insgesamt 13 Tagen überqueren wir die Grenze nach Chile, wo uns auf ca. 4.600 m Seehöhe der lang ersehnte Asphalt, sowie eine über 40 km lange Abfahrt hinunter in die Atacamawüste erwartet – nur Fliegen ist schöner! Mit prägenden Bildern im Kopf, schmerzenden Klüften an den Fingerkuppen und offenen Nasenspitzen genießen wir nun die trocken-heißen Temperaturen hier in San Pedro de Atacama!  Endlich wieder mal Flip Flops, kurze Hosen und Rockerl … und das Bier schmeckt nach den vielen Wochen im Hochland gleich doppelt so gut – PROST!!</p>
<p>Schicken euch einen dicken Drücker und viele wärmende Sonnenstrahlen aus der trockensten Wüste der Erde! Für uns geht’s morgen (28.10.11) weiter über den Paso Jama Richtung Argentinien!</p>
<p>Mucho amor,<br />
nandita</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Entlang des Lago Titicaca nach Bolivien</title>
		<link>http://blog.nandita.at/2011/09/26/entlang-des-lago-titicaca-nach-bolivien/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Sep 2011 23:28:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bolivien]]></category>
		<category><![CDATA[Peru]]></category>
		<category><![CDATA[La Paz]]></category>
		<category><![CDATA[Titicaca]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
Cusco – Machu Picchu – Cusco – Ayavirí – Juliaca – Puno – Copacabana – La Paz  
Tja, oft – oder besser gesagt meistens – kommt alles anders als man denkt. Anstatt gleich weiter an den Titicacasee zu radeln, bleiben wir einige Tage länger als geplant im Hostal Estrellita in Cusco „hängen“. Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
Cusco – Machu Picchu – Cusco – Ayavirí – Juliaca – Puno – Copacabana – La Paz  </p>
<p>Tja, oft – oder besser gesagt meistens – kommt alles anders als man denkt. Anstatt gleich weiter an den Titicacasee zu radeln, bleiben wir einige Tage länger als geplant im Hostal Estrellita in Cusco „hängen“. Das morgendliche Reiseradler-Familienfrühstück, die leckeren Zimtschnecken aus der Nachbar-Bäckerei und die fast väterlichen Besitzer des Estrellita geben uns allen ein gewisses „Home-Away-From-Home-Gefühl“. Wir freuen uns, bekannte Gesichter wie <a href="http://www.2totango.net/">Alan und Erin</a> oder <a href="http://icetofire.ch/">Christoph </a>wieder zu sehen und lernen neue Pedalritter aus aller Herren Länder kennen. Alle haben ihre Geschichte zu erzählen, es gibt Vieles auszutauschen. Es ist schwierig, sich von hier los zu reißen – und nicht nur uns geht es so. Einige Reisende sollen hier 2 schon Monate oder länger geblieben sein.</p>
<p>Nach anfänglichen Zweifeln entscheiden wir uns schließlich doch dafür, die historischen Inka-Ruinen von Machu Picchu zu besichtigen. Doch anstatt mit dem völlig überteuerten Touristenzug anzureisen, nehmen wir die abenteuerliche Bus-, Taxi- und Wander-Variante in Angriff &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 08.9.2011 – Machu Picchu Town</em><br />
„&#8230; Nach 6 anstrengenden Stunden steigen wir in Santa Maria aus dem alten, klapprigen Bus aus. Der hohe Lärmpegel, die Kurverei, das für uns ungewöhnlich hohe Tempo – all das macht uns ziemlich zu schaffen. Sind ganz schön geschlaucht. Sogleich werden wir von den Taxlern belagert, die uns einen viel zu hohen Preis für die Fahrt nach Santa Teresa verrechnen wollen. Mit etwas Hartnäckigkeit und Selbstbewusstsein können wir aber den korrekten Fahrpreis erhandeln. Eine Stunde dauert die Fahrt, hinein in ein steiles, enges Tal. Die Piste holprig und gefährlich. An einer Stelle gibt der Fahrer Gas, die Böschung oberhalb brennt, immer wieder kugeln Steinbrocken auf die Fahrbahn. Für weiter 15 Soles bringt uns ein anderes Taxi zur Hidroelectrica, von wo aus ein 2-stündiger Fußmarsch entlang der Bahngleise beginnt. Es ist kurz nach 17 Uhr, die Gegend üppig grün. Wir folgen dem Rio Urubamba durch tropische Vegetation – Bananen, Kaffeesträucher, Strelitzien, Orchideen, dichtes Buschwerk. Bald bricht die Dämmerung herein, unzählige Glühwürmchen blinken wie verrückt und das Licht des Vollmondes leuchtet uns den Weg &#8230;“</p>
<p>Obwohl Machu Picchu täglich von etwa 2.000 Touristen besucht wird, ist und bleibt es ein einzigartiger Ort. Eingebettet von fast senkrecht aufragenden, grünen Bergen, in der Ferne schneebedeckte 6.000er, unten im Tal dreht der Rio Urubamba eine elegante Schleife. Um diese Magie völlig ungestört aufsaugen zu können, besteigen wir in schweißtreibenden 1 ½ Stunden den Berg Machu Picchu. In den ersten Vormittagsstunden ist man hier oben meist ganz alleine, während sich am gegenüberliegenden Wayna Picchu, dem populärsten Aussichtspunkt, die Massen drängen. Bei der Besichtigung der Ruinen selbst ist der Massenandrang für uns nicht unbedingt ein Nachteil. Denn um Details und Infos zu „klauen“, braucht man nur einige Minuten auf die nächste Reisegruppe zu warten und den Ausführungen des Guides zu lauschen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Nach ca. zwei Wochen Cusco und Machu Picchu machen wir uns endlich wieder auf den Weg, es geht Richtung Titicacasee und bald springt unser Tachometer auf 20.000 Kilometer!</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 08.9.2011 – Aquas Calientes</em><br />
„&#8230; Auf und ab, den ganzen langen Tag. Viel zu lange für mich, denn bei km 67 in Sicuani bin ich schon ziemlich geschafft. Wollen nur noch ein kleines Stück weiter fahren und den nächsten Platz zum Lagern schnappen. Nichts kommt. Gar nichts. Dafür wird die Besiedelung immer dichter, keine Chance zum Zelten. Vor und hinter uns gehen starke Regenfälle nieder. Wir bleiben Gott sei Dank trocken, fahren immer weiter. 11 Kilometer sollen es bis Aquas Calientes noch sein, doch die entpuppen sich wieder mal als „peruanisch“ und sind um einiges mehr. Ausgekühlt vom starken Wind stehen wir endlich am Eingang der Thermalbäder. Frauen verkaufen aufgeblasene Schwimmenten und Badetücher, ein kleiner Junge süßen Mate-Tee in Plastiksackerln – zum Aufwärmen. 20 Soles (5 Euro) kostet das Zimmer inklusive Eintritt zu den heißen Quellen. Guter Preis, schlechter Standard. Die Möbel uralt, das Bettzeug schmutzig und offensichtlich schon mehrmals benutzt. Egal, breiten unsere Schlafsäcke aus, hüpfen ins Badezeug und spazieren bereits im Dunklen (was angesichts der Hygiene-Bedingungen hier vielleicht gar nicht so schlecht ist *g*) zu den Pools. Außer uns sind nicht mehr viele Leute da, die Außentemperatur um den Gefrierpunkt. Haben eine dampfende „Riesen-Badewanne“ ganz für uns alleine. Wie gut das tut nach diesem langen Tag! Die Regenwolken haben sich aufgelöst, so liegen wir auf 4.000 Meter im herrlich warmen Thermalwasser und blicken auf den grandiosen Sternenhimmel. &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita/Andi</strong><br />
<em>Fr, 16.9.2011 – Juliaca</em><br />
„&#8230; Der Verkehr wird mehr und als wir kurz vor 14 Uhr Juliaca erreichen, trifft uns fast der Schlag: Schäbige Baracken, Verkehrschaos, Müll, Gestank, unzählige Schrotthändler reihen sich an der Stadteinfahrt aneinander. Auch die Zimmersuche nimmt viel Zeit in Anspruch. Löcher, miefig, viel zu teuer – und Warmwasser gibt’s sowieso nirgends, wenn überhaupt Duschen vorhanden sind. Dafür könnte man sich in eigens eingerichteten „Badehäusern“ für je 3 Soles mit Warmwasser waschen. Mir kommt vor, als wären wir in einem neuen Land! Während Andi in einem weiteren Hotel nachfragt, bringt mir die 2-jährige Tochter der Besitzerin der kleinen Tienda Fruchtsaft. „El Sol es muy fuerte!“, sagt die Mutter und nickt mir freundlich zu. Das Hostal ist OK. Duschen mit Kaltwasser, schreiben Tagebuch und machen uns danach auf Essens-Suche. Die Straßen sind voll mit Leuten, jeder will etwas verkaufen: Brot, Obst, billiges Werkzeug, Superkleber, Autoersatzteile. Rad- und Mototaxis flitzen auf der 2-spurigen Avenida chaotisch hin und her. Tortillas de Verdura kennt man hier nicht, schlussendlich bekommen wir Abendessen für je 3 Soles. Nudelsuppe, danach Reis, Kartoffel und Eier, die der Koch noch von der benachbarten Tienda holen muss. Zurück im Zimmer, flackert die Neonröhre wie verrückt. Warten sollen wir, es wird sich schon nach einer Weile legen. Denn immerhin sei jetzt „Stoßzeit“. Viel zu viel Energie werde um diese Uhrzeit  verbraucht, was sich natürlich auf die Stromspannung auswirkt, erklärt uns der alte Hausherr … Mitten in der Nacht werden wir von unseren völligst besoffenen Zimmernachbarn geweckt. Dürften Streit haben – lautstark wird diskutiert, artet in ein Gerangel aus. Darauf hin Geheule in Verbindung mit Dauergesudere in einer extrem penetranten Stimmlage. Begleitet wird das Ganze von Türgepolter und Kotzgeräuschen. Ein anderer Gast weist die Herrschaften zurecht, was aber nur kurz für Stille sorgt. Irgendwann reicht&#8217;s mir. Hämmere an die Tür und fordere Ruhe. Erstaunlicherweise hilft es tatsächlich. Zumindest wird das Gejammere leiser <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Draußen in der Nähe ein Konzert. Da wir so aufgekratzt sind, ist es schwierig, wieder Schlaf zu finden &#8230;“</p>
<p>Fast fluchtartig verlassen wir tags darauf dieses „stinkende Drecksloch“. Bald kehrt wieder halbwegs Ruhe ein und kurz nach Puno wird der Verkehr endlich wieder erträglich. Belohnt werden wir mit schönen Titicacasee-Panoramen und dem vorwiegend flachen Altiplano, was uns endlich wieder halbwegs angenehme Radtage mit 80 – 90 Kilometern Tagesleistung ermöglicht. Klar, die Höhenluft lässt uns bei den Anstiegen und bei Gegenwind ganz schön schnaufen – immerhin radeln wir hier auf Großglockner-Gipfelniveau. Trotzdem empfinden wir das Altiplano als eine richtige Belohnung nach den harten Radmonaten in Peru. Und auch die „Pachamama“ (Mutter Erde) meint es gut mit uns. Denn obwohl es hier momentan ungewöhnlich viel Regen hat, bleiben wir meist von den starken Schauern verschont bzw. können unser Zelt gerade noch rechtzeitig aufstellen.</p>
<p>Am 19.09.2011 überqueren wir die Grenze nach Bolivien, unserem 23. Reiseland. Über Copacabana führt uns eine wunderschöne, hügelige Panoramastraße entlang es Lago Titicaca und weiter nach La Paz. Eigentlich haben wir „Bienen unter´m Arsch“ und freuen uns auf mehr Bolivien, doch ein im Zoll hängendes Paket mit dem sehnlichst erwarteten, neuen Kameraobjektiv, verschafft uns etwas Extra-Zeit in dieser faszinierenden Stadt. Mit 3.600 Meter ist La Paz die höchst gelegene Hauptstadt der Welt. Als drückt uns die Daumen, dass wir bald wieder „weiter reiten“ können *g*!</p>
<p>Alles Liebe!<br />
nandita (mit Kaffee und leckerem Schokokuchen im Bauch)</p>
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		<item>
		<title>Zentralperu – im Hochland der Inka</title>
		<link>http://blog.nandita.at/2011/09/05/zentralperu-%e2%80%93-im-hochland-der-inca/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 04:57:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Peru]]></category>
		<category><![CDATA[Cusco]]></category>
		<category><![CDATA[Inka]]></category>
		<category><![CDATA[Valle Sagrado]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
29.7.2011 – 4.9.2011: Huaraz – Huallanca – Huánuco – Cerro del Pasco – Ondores – Tarma – Huancayo – Huanta – Ayacucho – Andahuaylas – Abancay – Anta – Urubamba – Pisac – Cusco
Unser erstes Nachtlager nach Huaraz verbringen wir auf gut 4.100 m Seehöhe. Eiskalt ist es, extrem – im wahrsten Sinne des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
29.7.2011 – 4.9.2011: Huaraz – Huallanca – Huánuco – Cerro del Pasco – Ondores – Tarma – Huancayo – Huanta – Ayacucho – Andahuaylas – Abancay – Anta – Urubamba – Pisac – Cusco</p>
<p>Unser erstes Nachtlager nach Huaraz verbringen wir auf gut 4.100 m Seehöhe. Eiskalt ist es, extrem – im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Einstimmung auf die nächsten Etappen, die uns mehr als nur einmal an unsere Grenzen bringen. Ein Auf und Ab in jeder Hinsicht, immer in den Bergen, mit starken Kontrasten und Gegensätzen: Kälte, Hitze, kahle Hochgebirgs-Puna, fruchtbare Flusstäler, staubige Schotterpisten, nagelneue Asphaltstraßen, ewige Abfahrten, tagelange Anstiege, ärmliche Bergdörfer, pulsierende Städte, bunt gekleidete Indígenas, modisch-schicke City-Slicker &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>So, 30.7.2011 – Abra Huarapasca (4.810 m)</em><br />
„&#8230; Eingewickelt in Pulli, Schal, Wollmütze und Schlafsack war die Nacht auf 4.100 m ganz erträglich, obwohl wir beim Aufstehen minus 3 Grad im Zelt haben (draußen minus 10 Grad). Erst als die Sonne auf unsere „Casita del Sol“ scheint, kriechen wir aus dem Zelt und stellen fest, dass unsere Trinkflaschen gefroren sind. Die Sonnenstrahlen gewinnen rasch an Kraft und vertreiben mit jeder Minute mehr die eisige Kälte. Fein, so können wir vor dieser herrlichen Kulisse frühstücken. Señora Lucia kommt zum Tratschen vorbei, sie wohnt weiter oben in den Bergen, freut sich über die Mandarine, die wir ihr schenken und „verliebt“ sich – wie so Viele – in Andi´s blaue Augen. „Ay que lindos ojos!“ sagt sie immer wieder und meint, er sollte sich doch eine Peruanerin suchen. Stetig bergauf führt die holprige Piste, die Höhe erschwert uns das Vorankommen. Dafür haben wir mehr Zeit, die unglaublichen Berge zu genießen, die zauberhaften Wolkenstimmungen und die für hier ganz typischen Puya Raymondi. Herrlich, hier zu Radeln, wäre da nicht dieser höllische Verkehr! Fiesta in ganz Peru, und alle wollen sie hoch zum Pastoruri-Gletscher. Die Höhe, die schlechte Piste und die vielen Touri-Busse, die uns in regelmäßigen Abständen einstauben, machen die Fahrt ganz schön mühsam. Wenigstens zeigt der leckere „Mate de Coca“ seine Wirkung, den wir uns zum Frühstück gekocht haben. So bleibt der Kopf „kühl“ und wir von der Höhenkrankheit verschont. Sind richtig froh, als wir auf etwa 4.700 m vor einer Kreuzung stehen, an der alle Touris nach rechts zum Gletscher abbiegen, denn wir pedalen links weiter. Bald wird die Piste besser, vor allem gehört sie nun uns ganz alleine. Auf und ab geht es weiter. Immer wenn wir denken, dass die Passhöhe naht, rollen wir wieder ein Stück runter und müssen dann schnaufend wieder alles rauf. Die Steigungen sind in dieser Höhe einfach doppelt so anstrengend. Nach einem letzten harten Anstieg erreichen wir endlich die Passhöhe auf über 4.800 m – puh, was für ein hartes Stück Arbeit! &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mo, 1.8.2011 – Chavinillo</em><br />
„&#8230; Asphalt, Schotter- und Lehmpiste wechseln alle zehn bis zwanzig Meter, bis erfreulicherweise nur noch Asphalt bleibt. Vereinzelt Kühe, Schafe oder Schweine am Straßenrand. Kleine Kinder hüpfen oft aus Scham zur Seite, verstecken sich hinter großen Felsen, winken uns aber dann doch voller Freude zu und rufen uns „Gringo“ oder „Good morning!“ nach. Vor den Häusern sitzen bunt gekleidete Frauen, stricken oder spinnen Wolle. Am Hut tragen sie hübsche Plastikblumen, die weiten Röcke aus knalligen Stoffen, darunter einfärbige Wollstrumpfhosen. Meist sprechen sie uns auf Quechua an, stellen neugierig Fragen. &#8230;“</p>
<p>Als wir den Stadtrand von Huánuco erreichen, trifft uns fast der Schlag: Hunderte Mototaxis, ein riesiger Vergnügungspark, hupende Autos und stockender Verkehr. Bangkok ist nicht viel anders. Trotzdem legen wir einen Ruhetag ein, die vier Tagesetappen seit unserer Abfahrt in Huaraz waren anstrengend. Zumindest unsere Unterkunft ist ruhig, außerdem lädt die nette, mit hohen Bäumen gesäumte Plaza inmitten des Zentrums zum Relaxen und Leute Beobachten ein. Und just in dieser hektischen Stadt voller gestresster Menschen werden wir von Zara und Marquez spontan zum Abendessen eingeladen, was wir natürlich gerne annehmen! Wir verbringen einen sehr herzlichen Abend mit der ganzen Familie, sind erstaunt über die überaus offene und neugierige Art der vier Kinder und plaudern angeregt bis spät in die Nacht. Schließlich werden wir tags darauf auch noch zum Frühstück eingeladen. Es tut gut, wieder mal ein Teil einer Familie zu sein. &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 5.8.2011 – Laguna Chinchaycocha</em><br />
„&#8230; Vor uns breitet sich die weite Hochebene von Junin aus. Ganz anders wirkt plötzlich die Gegend: Kahle Steppe, tiefhängende Wolken am stahlblauen Himmel, rechts in der Ferne die Zinken der Cordillera Central. Leicht hügelig fahren wir auf einer schlechten Schotterpiste die Laguna Chinchaycocha entlang. In einem kleinen Ort auf halber Strecke holen wir uns Kekse und Inca-Cola in der Dorftienda. Beschilderung gibt es keine, überhaupt wirkt der Ort verlassen, würden nicht vier Mädchen Volleyball spielen. Die Wolken, das Licht und die unterschiedlichen Farbtöne der Natur sind mehr als Entschädigung dafür, dass die Piste nicht ganz so flach ist, als wir dachten. Unzählige Flamingos und Wasservögel leben hier im Parque Nacional Junin, außer ihren Stimmen und dem Gequake der Frösche hört man nicht viel. Kühl und windig ist es hier auf 4.100 m. Glücklicherweise erreichen wir Ondores noch rechtzeitig. Eine adrette Dame, Señora Olinda, lässt uns in ihrem Hof zelten, lädt uns etwas später auf Cafecito und Pan ein. In der fahl ausgeleuchteten, einfachen Küche ist es sehr ordentlich. An der Wand sind getrocknete Kuhfladen gestapelt, mit denen der Ofen geheizt wird. Ein Enkel kommt vorbei, wird liebevoll von der „Abuelita“ (Omi) umsorgt. Auch uns schenkt sie noch eine heiße Tasse Kaffee nach und stellt sicher, dass wir auch ja genug Brot essen. Mit ihrem Mann lebt sie hier, die sieben Kinder sind alle nach Lima gegangen &#8230;“</p>
<p>Auf knapp 3.000 m liegt Huancayo, die nächste größere Stadt auf unserem Weg. Hier treffen wir uns mit den beiden Reiseradlern Hannes (Vorarlberg) und Annelies (Schweiz). Die Beiden sind zur Zeit ebenfalls in Peru unterwegs, und zwar von Süd nach Nord. Und wie es der Zufall so will, kreuzen sich unsere Wege tatsächlich. „Hannelies“ sind seit knapp zwei Jahren auf Achse und von zuhause aus über die Schweiz, Frankreich und Spanien nach Portugal geradelt. Im Gepäck zwei Gleitschirme – ihre gemeinsame, große Leidenschaft. Mit dem Flieger ging´s danach nach Argentinien und weiter quer durch Südamerika. <a href="http://www.loslo.net/"target="_blank">www.loslo.net</a>. Es gibt natürlich viel zu erzählen, so verbringen wir einen geselligen Nachmittag, Abend und einen Teil der Nacht gemeinsam. Kurz vor Mitternacht wackeln wir lustig, etwas beeinflusst von zu viel Bier und Pisco Sour, in unsere Unterkünfte, was schlussendlich in einem zusätzlichen Pausentag resultiert. Weiter geht es dann Richtung Ayacucho, durch das spektakuläre Tal des Rio Mantaro.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 5.8.2011 – Valle Mantaro</em><br />
„&#8230; Zu Mittag stärken wir uns mit „Papas Rellenas“ (gefüllte Riesen-Kartoffelkroketten) und einem Krug Papayasaft. Die Leute, vor allem die sexy gekleidete Kellnerin, sehr interessiert an unserer Reise. Mit fortschreitendem Tag wird die Hitze immer unerträglicher. Auf und ab zwischen meterhohen Kakteen und roten Sandstein- und Konglomeratformationen. Fühlen uns ein wenig nach Mexiko zurückversetzt. Am Nachmittag treffen wir auf eine Gruppe Mountainbiker, die samstägliche Ausfahrt des Radclubs Huanta. Zwei von der Partie müssen mit dem Truck zurück, da sie sich in der „Wüste“ zu viele Dornen eingefahren haben, andere flicken gerade ihre durchlöcherten Schläuche. Einer der Jungs hat Blessuren an Knien und Waden – von einer saftigen „Brezen“. Ohne Helm wäre das ganze nicht so glimpflich verlaufen, die vorderen Zahnkränze haben sich tief in den Helm graviert, als es ihn überschlagen hat. Trotzdem sind alle gut drauf. Nemecio, der „Maestro“, wie ihn alle nennen, lädt uns zu sich nach Hause ein. Rollen kurz gemeinsam ein Stück, bevor die Männer Gas geben und wir mit Estefanie, einem 15-jährigen Mädel, die letzten, permanent steigenden 15 km in Angriff nehmen. Bekommen eine einfache Bleibe, dürfen duschen und verbringen den Rest des Abends in Nemecio´s kleinen Radladen, der Treffpunkt der hiesigen Biker-Szene ist. Der „Maestro“ zeigt uns Fotos von anderen Reiseradlern, auch Hannes und Annelies waren bei ihm zu Gast. Sein Bruder Fredi, Rechtsanwalt und Vielquassler ist auch dabei, spendiert eine Flasche viel zu süßen Wein. Ein sehr netter Abend! Viel zu spät geht es dann hundemüde ab in die Heia &#8230;“</p>
<p>In Ayacucho legen wir einen nicht ganz freiwilligen Zwischenaufenthalt von vier Tagen ein. Scheinbar waren die Shrimps auf Andi´s Pizza nicht mehr ganz frisch, was ihm eine satte Lebensmittelvergiftung beschert. Noch immer etwas angeschlagen, aber fit genug für die Weiterfahrt, geht es schließlich wieder hoch in die einsame Bergregion zwischen Ayacucho und Cusco. Zuerst über den 4.200 m hohen Abra Tocctoccsa, wieder runter auf 2.000 m, wieder rauf auf eine Hochebene, die sich auf über 4.000 m befindet, erneut runter auf unter 3.000 m, wieder rauf … Über 10.000 Höhenmeter in 10 Tagen &#8211; eine Achterbahnfahrt in Zeitlupe!</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi / Anita</strong><br />
<em>So, 21.8.2011 – zw. Ocros und Uripa</em><br />
„&#8230; Starten mit einem 10 km langen Downhill in den Tag, der schließlich an der Brücke über den Rio Pampa endet. Wir befinden uns auf ca. 2.000 Meter, entsprechend warm ist es. Die „Moscas“ haben Volksfest, beißen bei jedem Halt kleine Stücke aus unserer Haut. Das Tal ist wunderschön, der wenig Wasser führende Fluss mäandert in mehreren Armen durch das Kiesbett. Auf und ab entlang des Flusses, durch ärmliche Dörfer. In einer kleinen Tienda stellt uns der Ehemann der jungen Dame viele Fragen. Wie schwer das Rad sei, wie oft wir Pause machen und ob er nicht mal ein Stück mit dem Rad fahren dürfte – zum Probieren. Klar! Nach einer Weile zieht sich die Piste in ein Seitental hinein. Stopfen uns noch eine Banane rein, bevor es für heute nur mehr bergauf geht. Kids rufen uns nach, viele Erwachsene Peruanos wünschen uns eine „Buen viaje“ (Gute Reise). Ungewöhnlich steil schlängeln wir uns nach oben … Bis Chincheros ist es tatsächlich nur mehr ein kleines Stück. Der junge Mann, mit dem wir zuvor einige Worte gewechselt haben, läuft  schweißgebadet hinter seinen zwei Stieren her, in die falsche Richtung, denn die Tiere haben sich&#8217;s anders überlegt. Stillen unseren Durst mit einer Cola. Während die Tochter hinter dem Verkaufstisch steht, kocht die Mama am Miniherd Mittagessen. Die beiden Betrunkenen am kleinen Holztisch in der Ecke quasseln uns lautstark an. Gut, eigentlich nur einer, denn der zweite hat offensichtlich schon genug und schläft nun an der Schulter des Anderen. Das kleine Haus besteht aus einem Raum, der zur Hälfte aus Laden und zur anderen Hälfte als Wohnung dient. Abgetrennt durch einen bunten Stoff, der von der Decke hängt. Das Bett, das einen Meter neben der Kochnische steht, lädt richtig zum Ausrasten ein &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 27.8.2011 – Puente Rio Apurimac</em><br />
„&#8230; Wie im Sturzflug rollen wir immer tiefer in den glühenden Hexenkessel. Unfassbar die Hitze! Gut, dass wir „nur“ runter müssen. Über 2.000 hm weiter unten bringt uns die Brücke über den Rio Apurimac an die andere Seite des Tals. Von hier aus klettert die perfekt asphaltierte Straße wieder stetig bergauf. Wir sind müde, die Körper ausgelaugt. Von 4.000 m auf unter 2.000 m – kein Wunder, dass wir eine „Pause“ benötigen. Gleich hinter der Brücke stellen wir unser Zelt auf und gehen zum Fluss runter, um uns zu waschen. Riesen Ara-Schwärme fliegen über unsere Köpfe, Schwalben und einige Reiher. Während ich mir die Haare wasche, springt ein Flussotter wie ein Miniaturdelfin die Stromschnellen hoch. Sitze noch eine Weile am Ufer, lausche der herrlichen Geräuschkulisse. Die einfachen Nudeln, die wir uns kochen, schmecken vorzüglich. Liegen unter dem Sternenhimmel, genießen das milde Klima und verziehen uns bald müde ins Zelt, wo wir heute ohne Thermarest, nur auf den Schlafsäcken, mützen. Der ganze Boden ist mit Dornen und Stacheln übersät &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>So, 28.8.2011 – Abra Huillque</em><br />
„&#8230; Der Blick zurück auf die gefahrene Strecke lässt uns schmunzeln: Derjenige, der diese Straße geplant hat, war entweder betrunken, oder er musste währenddessen eine Fliege verjagen. Zick-Zack wäre noch einfach dagegen! Kurz vorm Scheitelpunkt möchte uns eine uralte Frau ihre junge Kuh verkaufen. „Muy rica comida“, schwärmt sie. Ja sicher, warum nicht? Ein Kalb als 3. „Mann“ im Team <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Müde, aber voller Freude, stehen wir schließlich nach über 1.800 hm oben. Das „Schlimmste“ liegt hinter uns – zumindest bis Cusco. Rollen noch ein Stück bergab und suchen uns ein Fleckchen zwischen den Feldern. Sogar die Sonne lässt sich nochmal blicken und macht das Abendritual richtig angenehm. Später stößt der etwas beduselte Grundbesitzer zu uns, er wollte gerade nach den Kühen sehen. Woher wir sind, will er wissen. „De Austria“, antworten wir ihm. „Ah, si, Australia!“. Sei ein schönes Land. Und vor einigen Jahren hat er sogar einen „Steyr“ Traktor von dort geschenkt bekommen. Wir versuchen zwar, ihn auf den „kleinen“ Fehler aufmerksam zu machen, erklären ihm den Unterschied zwischen den beiden Ländern, aber schlussendlich sind wir – und auch der Traktor – doch wieder aus Australien <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mo, 29.8.2011 – ri. Urubamba </em><br />
Um halb 9 auf der Straße, es geht leicht bergab – welch Wohltat nach den letzten Tagen! Die Pampa (Hochfläche) wird extensiv für Landwirtschaft genutzt. Campesinos bestellen ihre Felder per Hand, manchmal mit alten Traktoren. Bis Anta sind es gemütliche 20 Kilometer. Zweites Frühstück: Tortillas de Verdura, Arroz und Cafesito. Nach Cusco wäre es nicht mehr weit, wir biegen aber links auf die „Trocha“ (Schotterpiste) Richtung Urubamba ab. Weiter oben erwartet uns eine wunderschöne Lagune, die von einem kontrastreichen Feldermosaik eingeschlossen wird. Wir treffen auf eine Gruppe Mountainbiker aus Areqipa – etwa 15 Herren, zwischen 45 und 55 – mit exklusiven, voll gefederten Bikes und schrillen Radtrikots. Ein starker Kontrast zu unserer nächsten Begegnung: Keine fünf Minuten später bestellt eine Großfamilie ihr Feld mit Ochsen, Hakenpflug und einfachsten Werkzeugen. Jeder hilft mit, vom Teenager bis zum uralten Großvater, der uns auf ein Glas selbstgebrauter „Chicha de Maiz“ einlädt &#8230;“</p>
<p>Eine Woche verbringen wir nach unserem „Auf und Ab“ im „Valle Sagrado“, dem heiligen Tal der Inca, welches sich zwischen Pisac und Ollantaytambo befindet. Einst bildete es das Herz des Inka-Reiches, zudem war es ihre landwirtschaftlich bedeutendste Region. Mittlerweile hat sich das Tal in einen Touristenmagneten verwandelt, doch ein Großteil des Besucherandrangs beschränkt sich auf Cusco und Machu Picchu, so kann man in den beiden oben genannten Orten eine gemütliche Zeit verbringen und weniger besuchte Inka-Stätten wie Moray oder Pisac besichtigen. Welch erholsame Zeit für uns! Eine kurze Tagesetappe bringt uns hoch nach Cusco, der alten Hauptstadt der Inka. Weite Teile der kolonialen Altstadt sind auf den Grundmauern einstiger Inka-Tempel oder Wohnhäuser gebaut, was der Stadt einen besonderen Charakter verleiht und uns zum Verweilen einlädt. Einige Tage werden wir hier bleiben, dann geht’s weiter an den Lago Titicaca, dem größten See Südamerikas (etwa 15 mal so groß wie der Bodensee), dessen südöstlicher Teil bereits zu Bolivien, unserem nächsten Reiseland, gehört.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Nordperu – Durch die Sierra nach Huaraz</title>
		<link>http://blog.nandita.at/2011/07/29/nordperu-%e2%80%93-durch-die-sierra-nach-huaraz/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 03:36:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Peru]]></category>
		<category><![CDATA[Cordillera Blanca]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
27.06.2011 – 27.07.2011: Namballe – San Ignacio – Bagua Grande – Pedro Ruiz – Leimebamba – Cajamarca – Huamachuco – Cachicadan – Angasmarca – Pallasca – Yuramarca – Caraz – Huaraz
„Congratulations – you have just arrived!“ &#8211; Gratulation, ihr seit gerade „angekommen“. Der weißhaarige, amerikanische Professor mit langem Vollbart, der eher wirkt wie ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
27.06.2011 – 27.07.2011: Namballe – San Ignacio – Bagua Grande – Pedro Ruiz – Leimebamba – Cajamarca – Huamachuco – Cachicadan – Angasmarca – Pallasca – Yuramarca – Caraz – Huaraz</p>
<p>„Congratulations – you have just arrived!“ &#8211; Gratulation, ihr seit gerade „angekommen“. Der weißhaarige, amerikanische Professor mit langem Vollbart, der eher wirkt wie ein schrulliger Althippie, stimmt uns mit diesen motivierenden Worten auf unser nächstes Reiseland ein. Er selbst habe viele Jahre hier verbracht und sei immer noch begeistert von Peru, vor allem von seinen Bewohnern, der Wildheit der Sierra, dem Andenhochland, mit seinen weiten, schroffen Bergen und Tälern, den Farbkontrasten, schneebedeckten Gipfeln und rauschenden Flüssen. Manchmal werden wir uns fühlen, als würden wir in der Zeit reisen! Sprachlos werden wir vor majestätischen Naturschauspielen stehen und die Begegnungen mit den vom rauen Klima und der Einsamkeit geprägten Menschen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. So seine überaus viel versprechenden Prophezeiungen. Nach einem Monat „Bergradeln“ können wir all seine Beschreibungen einstimmig bestätigen! Hart waren die Etappen, viel auf Schotter- oder Lehmpisten, die oft in einem miserablen Zustand waren. Meist wurden wir aber mit sanfteren, dafür lang gezogenen und spektakulär in die Abhänge gehauenen Anstiegen und Downhills belohnt. Die Landschaft atemberaubend. Anfangs durch tropische Täler, in denen Reis kultiviert wird, und die einen eher an Asien denken lassen. Später durch einsame, raue und kahle Gegend mit tiefen Tälern, wüstenartiger Vegetation und staubigen Canyons &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 2.7.2011 – Bagua Grande</em><br />
„&#8230; Die Nacht auf den Strohmatratzen in der einzigen Herberge im Ort war ganz schön „hart“. Frühstücken und rollen aus dem kleinen Ort, in dem es erst seit Oktober 2010 Strom gibt &#8211; und das auch nicht immer. Kaufen einem älteren Herren Brot ab, der mit seinem Verkaufsrad Runden durch die Straßen dreht und dabei kräftig hupt, damit man ihn nicht überhört. Kaum sind wir aus dem Ort draußen, beginnt es zu regnen. Keine Aussicht auf Besserung. Stülpe mir meine Regenhose rauf und fahre in Flip Flops weiter. Andi bleibt in Bergschuhen und zieht seine Gamaschen über, die nach kurzer Zeit dem Regen nicht mehr standhalten. Rauf und runter im Wolkenbruch. Gut, dass es warm ist. Links und rechts von uns Reisfelder, Papaya- und Bananenbäume und riesige Mangoalleen. An einer Tienda machen wir nach fast 30 Kilometern Pause. Klatschnass sitzen wir wie zwei verschreckte Hühner auf einer Holzlatte, essen Kekse und trinken Yoghurt, während der Regen endlich weniger wird. Biegen auf die schlammige Piste nach Bellavista ab, die Fahrt ist anstrengend, aber wunderschön – wenn man die lästigen „Gringo, Gringo“-Rufe ausblendet, die uns seit der peruanischen Grenze begleiten. Ein schmaler Feldweg bringt uns runter zum Rio Marañon, wo wir mit einem kleinen Boot übersetzen müssen. Der Bootsmann vergisst wohl, dass Räder keinen Unterfahrschutz haben, behandelt sie wie Motorräder und reißt bei Andi eine Schraube des Zahnkranz-Schutzes aus. 2 Soles pro Mann und Rad (ca. 50 Euro-Cent), dann schieben wir unsere Esel einen steilen, matschigen Hang hoch. Ich brauche Hilfe von Andi, rutsche ständig mit und aus meinen Flip Flops. Kein Wunder, warum hier Alt und Jung barfuß geht. Von nun an ändert sich die Landschaft fast schlagartig – die Farbtöne werden erdiger, Kakteen säumen die kahlen, sanft hügeligen Ebenen. An einer Tankstelle waschen wir den gröbsten Dreck von den Rädern und pedalen langsam das letzte Stück nach Bagua Grande. In der Warteschlange vor dem Bankautomaten „beglückt“ uns ein fröhlicher, kleinerer Herr mit gleich zwei „Gratis-Umarmungen“. Keine Ahnung warum, aber er hat anscheinend Freude mit uns  &#8230;“ </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>So, 3.7.2011 – Bagua Grande</em><br />
„&#8230; Zerdrückt schleppe ich alle Taschen runter und sattle mein Rad. Müde sind wir. Zuerst das stundenlange Gestöhne der Nachbarn, später das Gehupe und der Verkehrslärm und als Krönung der viel zu frühe Weckruf der Hähne aus der Gegend. Statt einem „Buenos Dias“ rufen uns die Nachbarkinder „Gringo! Gringo!“ zu. Die Kleine kommt rüber, stellt viele Fragen und schaut sich alles genau an. Ihre linke Schulter sitzt etwas tiefer, zwischen den Schulterblättern eine große Narbe. Holen uns am Markt noch Vorräte, begleitet von unzähligen Gringo-Rufen. Ein Frischer Fruchtsaft vorm Losfahren und weg hier! Ich kann es einfach nicht mehr hören, dieses Gerufe! Vor uns hat ein Mann vier ausgewachsene Schweine auf sein Mototaxi verladen. Viel zu wenig Platz, so stehen zwei auf einem drauf. Am Schwanz zerrt er an ihnen, tritt mit den Füßen auf sie hin … Die armen Schweine. Je weiter wir raus kommen, umso ruhiger wird es, nur in den kleinen Ortschaften werden die Rufe nicht weniger. „Gringo! Dame tu bici! Regalame tus zapatos!“ (Gringo! Gib mir dein Fahrrad! Schenk mir deine Schuhe!) &#8211; kein Wunder, dass wir die Fahrt heute nicht ganz so genießen &#8230;“</p>
<p>In keinem anderen lateinamerikanischen Land wurden wir bisher so flächendeckend mit dem Wort „Gringo“, eigentlich eine abwertende Bezeichnung für Nordamerikaner, konfrontiert. Oft fühlten wir uns schlicht und einfach etwas beleidigt und es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir uns mehr oder weniger daran gewöhnt haben. Mittlerweile haben wir akzeptiert, dass hier alle „Weißen“ als Gringos bezeichnet werden und dies nicht unbedingt böse gemeint ist – im Gegenteil. Viele ältere Damen zum Beispiel nennen Anita liebevoll „Gringita“ und streicheln ihr dabei sanft über den Oberarm &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Do, 7.7.2011 – Balsas</em><br />
„&#8230; Kommen pünktlich weg, um den 30-km-Anstieg in Angriff zu nehmen. Langsam und träge schlängeln wir uns hoch, von der Kraft der Sonne werden wir nur kurz verschont. Nach den ersten 10 Kilometern legen wir eine Pause ein. Tee und Kuchen. Wir gewinnen stetig an Höhe, die Temperaturen sinken rasant, der Wind wird stärker. Frauen in bunten Kleidern weben Decken inmitten dieser atemberaubenden Berge. Bei km 20 fragen wir an der einzigen Tienda weit und breit, ob wir eine Pause einlegen dürften. Mutter und Tochter sind am Decken Weben, die Kinder in der Schule. Der heiße Kaffee, den sie uns in Windeseile mit dem modernen Wasserkocher zubereiten, schmeckt vorzüglich und wärmt unsere ausgekühlten Körper. Dürfen in der sauberen Küche am Esstisch jausnen. Die kleine, gefräßige Katze sitzt auf meinem Schoß, miaut erbarmungslos, bis endlich wieder ein Stück Brot für sie abfällt. Unterhalten uns mit den beiden Damen, scherzen und treten gestärkt wieder in die Pedale. Die letzten 10 Kilometer des Anstieges warten. Immer kahler wird die Landschaft, der Wind unbarmherziger, dafür weht er in die „richtige“ Richtung und schiebt uns hinten an. Etwas müde erreichen wir die Passhöhe auf 3.600 m und legen noch eine Schicht Kleidung an. Ab jetzt geht’s nur mehr runter. 60 km Downhill bis auf knapp unter 1.000 Meter Meereshöhe, tief hinein in das Tal des Rio Marañon. Die Piste ist ewig lange, dreht sich wie eine uralte Schlange gemächlich ins Tal hinunter. Wir rollen ohne Anstrengung bergab, staunen über die gewaltigen Dimensionen der Anden und auch darüber, wie schnell sich die Vegetation ändert. Vom kargen Paramo bringt uns die Schotterstraße durch die steilen Flanken hinab in eine tropisch heiße Oase: Balsas. Kakteen, Mangobäume, Palmen und ein klares, sprudelnde Bächlein. Meine Handgelenke und Finger schmerzen vom Gebremse und Gerüttel. Im Ort scheint die Zeit still zu stehen, als wir mit unseren Rädern und knallroten Gesichtern ankommen, nur die Volleyballdamen setzen ihr Spiel fort. Die Hitze ist drückend, wir haben viel zu viel Kleidung am Körper. Ich stürme gleich zum Papas-Stand. Dass die Pommes kalt und weich sind, macht mir heute echt nichts mehr aus. Die Sonne ist schon untergegangen, als wir vor der Hospedaje stehen. 10 Soles (2,5 Euro) für das Zimmer, die Räder brauchen wir nur rein schieben. Mein Körper kennt sich gar nicht mehr aus, leuchte wie ein Glühwürmchen. Die eiskalte Dusche und ein herrlich kühles Bier machen aber alles wieder gut. Kochen uns Nudeln, singen zur Musik des IPods und versuchen zu schlafen. Es hat stickige 28 Grad im Zimmer, ich drehe mich hin und her, finde nur ein bisschen Schlaf, indem ich meinen Körper an die kühle Hauswand drücke. Was für ein Tag der Kontraste …“</p>
<p>Der Rio Marañon, ein Zufluss des Amazonas, hat sich hier in mühevoller Kleinarbeit innerhalb von Jahrtausenden tief in die Landschaft geschnitten. Einerseits unglaublich spektakulär, andererseits eine harte Bewährungsprobe für unsere Schenkel. Denn was an einem Tag innerhalb von drei Stunden gemütlich bergab bewältigt wird, muss am darauffolgenden wieder mühsam erklommen werden &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 8.7.2011 – Celendin</em><br />
„&#8230; Im Morgengrauen rollen wir über den schlammfarbenen Rio Marañon. In unzähligen Kurven winden wir uns hoch durch eine wüstenhafte Gegend, riesige Kakteen kleben an den Hängen. Bald hebt sich die Sonne über den Bergrücken und taucht die Landschaft in ein spektakuläres Morgenlicht. Es dauert nicht lange und wir schwitzen aus allen Poren, die Trinkflaschen leeren sich rasch. Unsere erste Pause legen wir nach 10 km im Schatten eines Steinwalles ein. Wir verlassen den Kakteen-Gürtel, nach weiteren 10 km flacht die steile Flanke etwas aus. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Bewässerungssystems wird hier in kleinem Stil Landwirtschaft betrieben. An einem Haus tanken wir frisches Quellwasser, ein Stück weiter oben finden wir ein kleines Restaurant, wo wir ein frühes Mittagessen zu uns nehmen. Es ist knapp elf Uhr, wir sind um die tausend Höhenmeter geklettert, kein Ende in Sicht. Die Piste führt nun im Zick-Zack einen Bergrücken hoch – einen Kilometer nach rechts, einen Kilometer nach links … das Ganze insgesamt fünf mal, dann immer nach rechts. Alle zehn Kilometer versorgen wir unsere Körper mit Wasser, Keksen und Bananen. Die Straße schlägt einen letzten Haken, weitere 6,5 km in eine Richtung und endlich – nach 46,5 km, knapp 2.100 hm und über 7 Stunden mühsamer Kletterei – stehen wir oben auf der Passhöhe. Ein Rekordtag! &#8230;“</p>
<p>Nach einem angenehmen Ruhetag in der lebhaften und sympathischen Kleinstadt Celendin, winden wir uns weiter über die bis zu 3.600 Meter hohen Hügel und landen durch Zufall an einem ganz besonderen Ort &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>So, 10.7.2011 – Encañada</em><br />
„&#8230; In dem kleinen Dorf Encañada geht der Sonntagsmarkt zu Ende, als wir am späten Nachmittag eintreffen. Die letzten Bauern laden ihre Ware in kleine Busse oder Camionettas, andere bringen ihre Einkäufe mit Packeseln nach Hause. Einige Betrunkene wanken über den Marktplatz. Auf der Suche nach einer Herberge für diese Nacht, werden wir zur „Casa Madre Teresa de Calcutta“ geschickt, einem Heim für Behinderte. Die Leiterin Daniela aus Italien gewährt uns selbstverständlich Hospedaje. Wir bekommen Kaffee und Kuchen, schnell füllt sich der Tisch um uns. Ein älteres Mädchen schnappt mir in einem unbeobachteten Moment ein Stück Kuchen aus der Hand und steckt es sich genüsslich in den Mund. Freudestrahlend hören sie sich all unsere „Geschichten“ an und suchen rasch unsere Nähe. Wir bekommen ein kleines Zimmer und werden zum Abendessen eingeladen. Es herrscht ein liebevolles Chaos: Etwa 25 ganz spezielle Menschen wohnen hier. Meist geistig oder körperlich gehandicapt, von jung bis alt. Die „Raubtierfütterung“ benötigt viel Geduld und Koordination. Alle helfen zusammen, Daniela ist mit Leib und Seele in ihrem Element. Seit 8 Jahren lebt sie hier und widmet ihr Leben diesen ganz besonderen Menschen. Zum Essen gibt’s heute Forelle, Kartoffel und Reis. Wir sitzen mitten unter den Bewohnern, haben alle großen Spaß. Sheyla bringt mir später ungefragt eine Tasse heißes Zuckerwasser und Kaffeepulver, weil sie denkt, das würde ich jetzt brauchen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  &#8230;“</p>
<p>Eine kurze Etappe bringt uns nach Cajamarca, einer netten, modernen Stadt auf 2.720 m Seehöhe. Nach den beschaulichen Tagen in den Bergen fühlt es sich an, als wären wir in einer „anderen Welt“ angekommen. Banken, noble Geschäft, feine Restaurants, viel Verkehr und Menschen &#8230; Während der Inca-Epoche diente die Stadt den Herrschern als Erholungsort nach den blutigen Schlachten mit den „Barbaren“ der östlichen Urwaldgebiete. Hier wurde der letzte Inca-Herrscher Atahualpa von den Spaniern gefangen genommen &#8211; das Ende eines mächtigen Königreichs. Tja, und genau an diesem geschichtsträchtigen Ort packt Anita das Zahnweh. Auf der Suche nach einer Lösung landen wir in der Praxis von Harly, einem 35-jährigen, gut ausgebildeten Zahnarzt aus Lima. Einer von Anitas Schneidezähnen muss „getötet“ werden – Wurzelbehandlung. Harly versteht sein Handwerk, ist nebenbei ein netter und lustiger Mensch. Gemeinsam mit seiner Freundin und Assistentin Mariza gehen wir nach getaner Arbeit fein Essen und wir fragen uns, warum uns unsere Zahnärztin in Steyr noch nie zu Mittag eingeladen hat <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Nach zwei Tagen Aufenthalt können wir unsere Reise mit einem Lächeln fortsetzen. Die meisten Rad-Toureros biegen früher oder später Richtung Küste ab. Wir wählen jedoch eine selten befahrene Route durch die Berge, die zwar ungleich schwieriger und einsamer, aber jeden einzelnen Schweißtropfen wert ist.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>So, 17.7.2011 – Huamachuco</em><br />
„&#8230; Es ist Sonntag, am Markt herrscht buntes Treiben. Wir trinken frischen Orangensaft für 1 Sol und beobachten das Geschehen. Wunderhübsch die Indigena-Frauen mit ihren bunten Trachten und weit ausladenden, teilweise sehr hochwertigen Hüten. Ca. 300 Soles (75 Euro) kosten die schicken Kopfbedeckungen. Der Preis ist mehr als gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass die Hutmacher an die 15 Tage für die Fertigung eines Exemplars benötigen. An der Stadtausfahrt findet eine Prozession statt, zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria. Die Straße steigt sanft, viele Menschen mit Lastentieren kommen uns entgegen. Wir werden freundlich gegrüßt, die Leute winken und lächeln uns zu. Heute fühlen wir uns wieder mal wie „Rock-Stars“ <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Nach einer viertel Stunde treffen wir auf eine Gruppe traditionell gekleideter Mädels und Jungs. „Un baile?“ fragt der Gruppenleiter. Spontan bekommen wir eine Tanz- und Gesangsvorführung mitten auf der Straße, der Verkehr muss einstweilen warten. Es geht weiter durch schwach besiedeltes Gebiet, vorbei an Ziegelbrennereien und Eukalyptusplantagen. Das Holz dieser schnell und schnurgerade wachsenden Baumart dient den Peruanos als Baumaterial, Brennholz und Stützbalken in den unzähligen Minen der Umgebung. In der Ferne schroffe Gipfel, tiefe Täler, kleine Dörfer. Die verschieden farbigen Felder bilden ein schönes Mosaik an den weiten Hängen … An der Kreuzung vor der Laguna Sausacocha eine Polizeikontrolle. Von uns wollen sie nur ein Foto machen. Während wir reden, fällt der sturzbetrunkene Fahrer auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder aus seinem LKW. Die vielen Passagiere auf der Ladefläche scheint dies jedoch nicht zu beunruhigen &#8230;“</p>
<p>Gerade auf den Etappen durch die Sierra ist man als Tourenradler immer wieder eine Attraktion für die eher als zurückhaltend geltenden Menschen. Unser hier als ungewöhnlich geltendes Fortbewegungsmittel weckt bei Jung und Alt eine gewisse Neugier. So führen wir oft interessante Gespräche, tauschen ein herzliches Lächeln oder kommen zu so mancher spontanen Einladung &#8230;</p>
<p> <strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mo, 18.7.2011 – Cachicadan</em><br />
„&#8230; Kurz vor Cachicadan überholt uns ein älterer Herr mit seinem Motorrad und lädt uns ein, in seinem Haus zu übernachten. Ein wunderhübsches Zimmer bekommen wir, mit kuscheligen Decken, Fotos aus vergangenen Jahren und selbst gemalten Bildern an der Wand. Richten uns ein und spazieren mit Romulo zu den Aquas Termales. Witzig, welches Bild man im Kopf hat und was einem dann tatsächlich erwartet: Anstatt einer schönen Badeanstalt, ein Privathaus mit einfachen Kabinen, gefliesten Badewannen und Thermalwasser – Eintritt 1,50 Soles (knapp 40 Euro-Cent). Eine Wohltat für unsere Körper! Zurück in Romulos Haus, bringt uns unser netter Gastgeber noch eine kleine Kostprobe: Frischer Bienenhonig aus eigener Imkerei, Naturyoghurt und Kekse &#8230;“</p>
<p> <strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Di, 19.7.2011 – Mollebamba</em><br />
„&#8230; Es ist schon spät, Wolken verdecken die untergehende Sonne. Der Wind lässt die Kälte noch schneller unter die Haut kriechen. Kein Wunder, wir befinden uns auf über 3.000 Meter Seehöhe. Für 10 Soles finden wir eine einfache Unterkunft in einem alten Lehmhaus. Die Dame des Hauses kocht extra Wasser am Lagerfeuer für uns, damit wir Warmwasser für die Kübeldusche im Stirnlampenschein haben &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mi, 20.7.2011 – Pallasca</em><br />
„&#8230; Heute liegt eine der bisher spektakulärsten Etappen vor uns: nach Pallasca. Zuerst geht’s eineinhalb Stunden hinunter in ein enges Flusstal. Den bevorstehenden, sich in unzähligen Windungen hinauf drehenden Gegenanstieg auf der anderen Seite immer im Blickfeld. Wir queren eine wackelige Brücke, stärken uns und schrauben uns mühsam die sandige und ausgefahrene Piste hoch. Auch diese Etappe meistern wir schlussendlich, nur um die hart erkämpften Höhenmeter am nächsten Tag wieder „herzuschenken“. Stundenlang schrauben wir uns hinunter, das Farbenspiel der Hänge, Einschnitte und Hochflächen erinnert uns an Island. Im Tal erwartet uns eine perfekte Lehmpiste, neben der es oft senkrecht und ohne Leitplanken hinab geht. Unten im Fluss sind Goldschürfer mit primitiven Mitteln am Suchen. Recht ausgelaugt vom heftigen Gegenwind erreichen wir am späten Nachmittag den kleinen Versorgungsposten Chuquicara. Es ist staubig und öde, gerade mal 20 Personen leben hier. Die Damen der Verkaufsstände kommen täglich mit dem Bus aus Yuramarca. Wir decken uns mit Lebensmitteln ein, fahren, diesmal mit Rückenwind, noch etwa 7 km flußaufwärts in den Canyon des Rio Santa und finden einen einsamen Lagerplatz für die Nacht. Liegen an diesem Abend noch lange draußen. Keine lästigen Viecher, nicht zu kühl, ein grandioser Sternenhimmel &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi / Anita</strong><br />
<em>Fr, 22.7.2011 – Yuramarca</em><br />
„&#8230; Der Morgen ist windstill, nur das Rauschen des Flusses zu hören. Von Beginn an geht es heute sehr holprig hinein in das lebensfeindliche, heiße Tal des Rio Santa. Es ist zwar nicht steil, aber sehr anstrengend zu fahren, da man immer hoch konzentriert bei der Sache sein muss, um eine halbwegs fahrbare Spur zu finden. Wir passieren verlassene Ortschaften, Kohlebergwerke, eine aufgelassene und halb verfallene Fabrik. Nur selten ein Auto, Bus oder Lastwagen. Pausieren öfter als gewöhnlich, schütteln unsere Handgelenke und stärken uns mit einer Kleinigkeit. Unsere Gesäße  schmerzen von den unzähligen Schlägen. Mit fortschreitendem Tag wird es sehr heiß, unsere Wasserreserven werden rasch weniger. Der Kilometerzähler scheint zu stehen, da die miese Piste nicht gerade für Rekordgeschwindigkeiten geeignet ist. Am Nachmittag erreichen wir eine kleine Siedlung, die aus einigen Obstständen und zwei einfachen Restaurants besteht. Einer der Wirte hat glücklicherweise noch genau zwei Portionen Thunfischnudeln übrig, was uns sehr freut. Der Herr des Hauses ist gut gelaunt, pfeift immerzu fröhliche Lieder – ganz im Gegensatz zu den grantigen und alles andere als geschäftstüchtigen Obstverkäuferinnen, die mit ihrer gleichgültigen und arroganten Art nicht gerade dafür sorgen, dass man sich als „König Kunde“ fühlt. Gestärkt geht es weiter, bald einen ausgesetzten und heißen Anstieg hoch – 5 km. Verschwitzt und mit leeren Wasserflaschen erreichen wir das Dörfchen Yuramarca … Am kleinen Ortsplatz nehmen sich zwei ältere Damen um uns an, überlegen hin und her, wo sie uns unterbringen könnten. Auf jeden Fall können sie für uns kochen – schon mal was <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Setzen uns erst mal in den Schatten und rasten. Plötzlich biegen zwei weitere Tourenradler um die Ecke – zwei sympathische, junge Schweizer. <a href="http://icetofire.ch/">Christoph</a>, mit dem <a href="http://icetofire.ch/">Liegerad von Alaska aus nach Feuerland</a> unterwegs, und Stefan, der ihn für drei Monate begleitet. Haben die letzten Tage schon öfter von ihnen gehört. Sind die gleiche Route wie wir gefahren – mit ein, zwei Tagen Vorsprung. Wir haben sie dann, ohne es zu merken, in Cachicadan überholt, da sie einen Ruhetag eingelegt hatten. Haben gleich einen guten Draht, lachen, plaudern und scherzen. Essen gemeinsam bei den Ladies und dürfen schließlich vor dem Centro de Salud campieren. Eine lustige Nacht! Und Team „Grün“ &#038; „Rot“ schlafen friedlich nebeneinander auf der großen Plane ein &#8230;“</p>
<p>Durch die berühmte Entenschlucht geht es tags darauf gemeinsam mit Christoph und Stefan weiter Richtung Huaraz. Warum der Canyon diesen Namen trägt, bleibt uns ein Rätsel, denn Enten sieht man während der Durchreise keine einzige. Nichtsdestotrotz ein spannender Tag. Ganze 35, in den Fels gehauene Tunnels durchqueren wir, die entgegenkommenden Busse und Lastwagen lassen uns nicht nur einmal eine Sprint-Wertung aus einem der dunklen, staubigen Schlunde einlegen. Kurz nach dem Canyon weitet sich das Tal und die ersten, schneebedeckten Sechstausender der Cordillera Blanca tauchen vor uns auf. Da wir alle vier aus einem Alpenland stammen, ist die Freude über diese Ausblicke natürlich groß. In Caraz legen wir einen Ruhetag ein, es ist Sonntag. Und wie es sich für anständige Mitteleuropäer gehört, unternehmen wir natürlich einen ausgedehnten Sonntagsspaziergang: Hoch oben auf 3.800 Metern bei den türkis-blau schimmernden Lagunas de Llanganuco. Eine entspannte Asphalt-Etappe bringt uns schließlich nach Huaraz, DEM Bergsteiger-Mecca Perus. Während Christoph und Stefan nach einem Ruhetag wieder weiterziehen (Der arme Stefan ist etwas im Stress. Er muss am 5. August wieder heim in die Schweiz fliegen, nur um drei Tage darauf einen dreimonatigen Surf-Aufenthalt auf Hawaii anzutreten), nisten wir uns für zwei weitere Tage hier ein, um für die nächste Herausforderung, dem 4.800 Meter hohen Pass „Abra Huarapasca“ ausgerastet zu sein.</p>
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		<title>Ecuador – Tradition, Rituale &amp; Naturvielfalt</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 20:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ecuador]]></category>
		<category><![CDATA[Äquator]]></category>
		<category><![CDATA[Cotopaxi]]></category>
		<category><![CDATA[Oriente]]></category>

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		<description><![CDATA[Grobe Route:
19.05.2011 – 27-06.2011: Tulcán – Ibarra – Otavalo – Cayambe – El Quinche – Tumbaco (Quito) – Sangolquí – Machachi – P.N. Cotopaxi – Latacunga – Píllaro – Baños – Puyo – Macas – Méndez – Paute – Cuenca – Saraguro – Loja – Vilcabamba – Zumba – La Balsa (Grenze Ecuador &#8211; Peru)
Tagebucheintrag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
19.05.2011 – 27-06.2011: Tulcán – Ibarra – Otavalo – Cayambe – El Quinche – Tumbaco (Quito) – Sangolquí – Machachi – P.N. Cotopaxi – Latacunga – Píllaro – Baños – Puyo – Macas – Méndez – Paute – Cuenca – Saraguro – Loja – Vilcabamba – Zumba – La Balsa (Grenze Ecuador &#8211; Peru)</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Sa, 20.5.2011 – Peaje Ambuqui</em><br />
„&#8230; Schlagen unser Zelt bei der Mautstation Ambuqui auf. Der Boden ist kahl und mit Dornen übersät, unsere aufblasbaren Isomatten bleiben deshalb vorsichtshalber in den Packtaschen. Entsprechend „hart“ ist die Nacht, laut die bremsenden, anfahrenden Trucks. Ganz schön erledigt sind wir am Morgen. Nach dem Frühstück mache ich mich ans Patschen-Picken. Auf der Suche nach einem Lagerplatz haben wir uns gestern gleich 3 platte Reifen eingefangen. An meinem Hinterreifen entdecke ich 4 Löcher, die beiden Vorderräder haben je 3 – insgesamt 10 Patschen auf einmal! Das muss man erst mal schaffen! Die Peaje-Mitarbeiter freuen sich über die Abwechslung und schauen mir neugierig beim Arbeiten zu. Endlich alles geflickt und eingebaut, reißt beim Aufpumpen meines Hinterrades das Ventil aus. Rad wieder entladen, Schlauch tauschen – die Kleberei hätte ich mir ersparen können &#8230;“</p>
<p>Tja, es gibt oft Momente – so wie den oben beschriebenen – wo man sich fragt, warum man nicht besser daheim im eigenen, kuscheligen Bett aufwacht und brav einem „normalen“ Alltag nachgeht. Doch glücklicherweise halten sich solche Momente eher in Grenzen und die positiven Erlebnisse und Eindrücke machen all die Strapazen und Unwägbarkeiten wieder wett. Das aufregende an einer solch ausgedehnten Reise ist, dass mit jedem Land neue, einzigartige Abenteuer auf uns warten und dass es im Grunde genommen nie langweilig wird. So verbringen wir auch in Ecuador eine wundervolle Zeit und bleiben schlussendlich ganze eineinhalb Monate hier „hängen“. Selten präsentiert sich uns ein Land so abwechslungsreich und bunt – schneebedeckte, aktive Vulkane, dampfender Amazonas-Regenwald, kahler, windgepeitschter Paramo, der Äquator, bunte Indígena-Kultur und wilde Feste &#8230;   </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Di, 07.06.2011 – Cotopaxi N.P.</em><br />
„&#8230; Ein etwas herunter gekommener Mann mit Vollbart schleicht an den vergitterten Marktständen herum und werkt bestimmt an die zehn Minuten, um etwas (keine Ahnung was) heraus zu fischen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen etwa 20 Personen vorm Gesundheitszentrum Schlange, alle sehen ihm zu. Niemand sagt etwas. 100 Höhenmeter rollen wir bergab, bis wir auf den steil ansteigenden Steinweg stoßen. Wow, der hat´s in sich und bringt uns Beide an unsere Grenzen. Die Ausblicke auf die Vulkane Sincholaqua und Rumiñahui entschädigen aber für die Strapazen. Brauchen mehrere Pausen, bis wir geschlaucht vor dem Nationalpark-Eingang stehen. Bezahlen gesamt 8 USD Eintritt und Campinggebühr und machen ein Picknick vor der Traumkulisse des fast 6.000 m hohen Cotopaxi. Andi steckt sich wieder mal, ohne zu wissen was es ist, eine violette Beere in den Mund. Eine halluzinogene Wirkung habe sie, erklären uns die Nationalparkrancher, aber erst ab größeren Mengen. Wie auf Knopfdruck kommt vorm Weiterfahren die Sonne raus. Was für ein Gefühl, vor diesem mächtigen Berg zu stehen! Obwohl es relativ flach ist, plagen wir uns gewaltig. Die Höhe, die zwei Wochen Radpause … 4 ½ Stunden benötigen wir für die 30 km zum Zeltplatz auf 3.900 m Höhe. Kochen uns Nudelsuppe und Kaffee, Wolken verdecken die Sonne, es wird schnell kalt. Zum Essen verzupfen wir uns ins Zelt, zwei Kühe grasen rund um unser Lager, ihr Atem ist so laut, als wären sie 10 cm neben unseren Köpfen. Über uns glitzert ein wunderschöner Sternenhimmel und der Gletscher des Cotopaxi funkelt im Mondschein. Als wir zum Abwaschen aus dem Zelt krabbeln, erspähen wir einen jungen Fuchs, der wie angewurzelt im Schein unserer Stirnlampe stehen bleibt &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Do, 9.6.2011 Pillaro – Baños</em><br />
„&#8230; Am Marktplatz ist viel los. Angeboten werden Hühner, Kaninchen und viele Cuyes (Meerschweinchen), die in Getreidesäcken zur Schau gestellt werden. Es wird geschwätzt, gelacht und gefeilscht. Sehr hübsch die Indígenafrauen mit ihren „Tirolerhüten“ und bunten Umhängen. Zu unserer Freude geht es heute fast nur bergab, bald wird es spürbar wärmer. An den steilen Hängen wird viel Obst und Gemüse kultiviert. Es herrscht fast kein Verkehr, sehr angenehm! Rasant und kurvig winden wir uns hinein in ein weites Tal, dann geht’s kurz und steil bergauf. Oben machen wir Saft- und Süßes-Pause und setzen unsere Fahrt durch eine wunderschöne, ein bisschen an den Gardasee erinnernde, Landschaft fort. Orangenbäume, Agaven, Zypressen. Bald treffen wir auf die Kreuzung Baños – Ambato. Wir halten uns links, und obwohl es bergab geht, tun wir uns hart, denn es bläst uns ein orkanartiger Wind entgegen. Der von den vorbei rasenden Bussen aufgewirbelte Staub brennt in den Augen. Den 5.023 Meter hohen Tungurahua haben wir zwar vor uns, er ist aber leider von Wolken verdeckt. Hat sich nach einigen Wochen Aktivität wieder beruhigt und „schläft“ &#8230;“</p>
<p>Wenn man schon mal in Baños ist, bietet sich ein Abstecher in den „Oriente“, Ecuadors Anteil am Amazonasbecken, an. In nur kurzer Zeit reist man von der kühlen, meist über 2.000 m liegenden Sierra, in den grünen, heiß-schwülen Osten Ecuadors. Eine beeindruckende Fahrt! Bis vor wenigen Jahren gab es hier fast ausschließlich Lehmpisten, mittlerweile ist die „Zivilisation“ endgültig eingekehrt. Die meist perfekte Asphaltstraße macht das Radeln hier zu einem richtigen Genuss, obwohl sie irgendwie so gar nicht in die Gegend passt &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Sa, 11.6.2011 – Baños – Puyo (Ruta de las Cascadas)</em><br />
„&#8230; Die Flanken des Tals sind mit dichtem Urwald bewachsen, durch welche dicke Wolkenfetzen zeihen, Wasserfälle stürzen in die Tiefe. Je weiter wir nach unten kommen, desto üppiger die Vegetation. Riesige Farne hängen auf die Straße, die Bewölkung nimmt zu, bald beginnt es stellenweise zu nieseln. Kurz vor Mera weitet sich der Canyon, am Horizont breitet sich das unendliche Amazonas-Becken aus. Es ist schon eine interessante Vorstellung, dass vor uns etwa 4000 km undurchdringlicher Regenwald liegen. Vom Osten her zieht es schwarz auf – das verspricht nichts Gutes. Bis Shell kommen wir halbwegs trocken, entscheiden uns aber dann, „sicherheitshalber“ in einer Kneipe Kaffee zu trinken. Nicht mal zwei Minuten später ist es, als würde der Liebe Gott den Wasserhahn voll aufdrehen. Gut, im Trockenen zu sitzen &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>So, 12.6.2011 – kurz vor Chguaza</em><br />
„&#8230; Das Dorf, das auf unserer Karte eingezeichnet ist, kennt niemand. Also fragen wir beim nächsten Haus, ob wir in der Schule nebenan zelten dürften. Alfonso will uns zur zuständigen Person bringen, wird aber kurz darauf zurück gepfiffen, denn sein Vater lädt uns ein, in seinem Haus zu schlafen. Eine einfache Holzbaracke mit schmutzigem Boden. Bringen die Räder rein und laufen zum braunen Bächlein um uns zu Waschen. Beim Nachbarn holen wir „Trinkwasser“, doch als wir an der „Quelle“ stehen, schauen wir beide blöd. Auf dem kleinen Tümpel schwimmt ein dichter Algenteppich, den wir erst mal zur Seite schieben müssen, um zum Wasser vorzudringen. Filtern es danach mit einer frischen Socke und kochen es gründlichst ab, bevor wir davon trinken. Tratschen mit den Nachbarn und gehen zurück, um uns beim Hausherren zu bedanken. Die ganze Familie ist versammelt, zehn verdreckte Kinder schauen uns mit großen Augen an. Wir werden gebeten, am Tisch Platz zu nehmen. Die Schwiegertöchter sind mit Babyschaukeln und Stillen beschäftigt, sitzen am einzigen Bett im Haus. Daneben zwei Neugeborene in Mini-Hängematten, die an einem einfachen Holzregal befestigt sind. Die Hausfrau kocht Suppe am offenen Feuer, welches sich direkt im Raum am Lehmboden befindet, der Rauch brennt in den Augen. Die Kids laufen mit matschigen Füßen barfuß durch die Gegend, die Gesichter rotzverschmiert und die Kleider löchrig. Unter dem Tisch gackern die Hühner, es werden Yucca, Platanos, Popcorn und eine Bohnen-Yucca-Reis-Suppe aufgetischt. In einer halbierten Kokosnuss wird Chicha, ein leicht alkoholhaltiges Gebräu aus fermentierter, gekochter Yucca, durch die Runde gereicht. Alle trinken aus der selben Schüssel, auch die Kleinen … Etwas später kochen wir uns Tee und Suppe und scherzen mit den fünf neugierigen Jungs, die im Stock über uns schlafen, und uns durch die Spalten in der Holzdecke beobachten. Bei jedem Schritt der Burschen bröselt Dreck auf uns runter. Zwei Zimmer haben sie dort oben, beide ganz einfach. In dem Einen stehen vier Holzpflöcke, die sie wohl als Hocker benützen, sonst nichts. Keine Bilder, kein Spielzeug, keine Kleidung. Im anderen Raum ein simples, kleines Holzbett, in dem vielleicht zwei Kinder Platz haben, einige Kinderzeichnungen an der Wand … Ein eigenartiges Gefühl. Wir beide mit unseren Rädern tragen mehr Zeug herum, als diese Menschen besitzen &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Di, 14.6.2011 – Macas</em><br />
„&#8230; Der Morgen ein „Traum“ – es schifft in Strömen und mir ist gar nicht gut. Bin matt und schlecht ist mir auch. Frühstücken, keine Besserung in jeder Hinsicht, Durchfall. An der Straße unter unserem Balkon ein rollender Verkaufsstand: „Aguas de la Vida“ v Lebenswässerchen. Genau das was ich jetzt brauche. Statten dem Herren einen Besuch ab und bekommen erst mal was für den Magen. Dann ein Glas mit Kaktus-Essenz, schleimig, durchsichtig, gemischt mit etlichen Substanzen und Pinienhonig. Zum vermischen schüttet er den Trunk in hohem Bogen von einer Metalltasse in die andere. Das Trinken kostet wegen der Konsistenz Überwindung. Mal schauen ob es hilft. Unser netter Kräuterhexerich kommt eigentlich aus dem Norden Perus, die Geschäfte laufen hier aber viel besser. Seine Familie und die Kinder besucht er nur alle 1 ½ – 2 Monate, 15 Stunden Busfahrt je Strecke. 70 Gläser zu je 50 Cent verkauft er durchschnittlich pro Tag. 35 USD Tagesumsatz, nicht schlecht wenn man bedenkt, dass er 7 Tage die Woche durch die Straßen rollt und das Leben vieler Macaner (und einiger Gringos) zu verlängern versucht &#8230;“</p>
<p>Eine knappe Woche dauert unser Oriente-Ausflug, unterbrochen von einer krankheitsbedingten, eintägigen Pause bei den Bomberos (Feuerwehr) in Macas – vermutlich hat Andi´s Magen die Chicha bei Alfonso nicht vertragen. Von der kleinen Stadt Méndez aus machen wir uns wieder auf den mühsamen Weg hoch in die südliche Sierra. Die Straße steil, einsam und ausgesetzt, die Gegend atemberaubend und die Menschen überaus hilfsbereit &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Do, 16.6.2011 – Weg nach Amaluza</em><br />
„&#8230; Beim Frühstück quasselt der kleine Sebastian mit uns, während er sein Fahrrad durch die sumpfige Wiese schiebt. Ein neues Auto haben sie, erzählt er, doch seine Mama ist keine gute Autofahrerin. Sie braucht einfach mehr Übung, sage ich zu ihm. Beim Losfahren beginnt es leicht zu nieseln, was mir egal ist, denn ich hab´ mit der Steigung zu kämpfen. Bald brennen uns die Schenkel. Die Aussicht wird aber immer spektakulärer, Wasserfälle stürzen an allen Hängen in die Tiefe, Nebelschwaden ziehen durch die grünen Täler. Nach gut 10 km brauche ich eine Pause. Die Bergwertung ist sagenhaft anstrengend, mein Magen knurrt. Essen die restlichen Kekse und Haferflocken mit Milch. Mehr haben wir nicht mehr dabei und weit und breit kein Haus, geschweige denn eine Tienda, in Sicht. Beim Weiterradeln wird der Regen stärker. Die einzigen Fahrzeuge, die uns begegnen, sind die gelben MAN-Trucks einer Baufirma – und auch immer die gleichen. Nach der Überquerung einer provisorischen Brücke sehen wir am Straßenrand eine Art Restaurant. Die Dame winkt uns freundlich herein. Herrlich leckere Gemüsesuppe, Papayasaft und Fisch mit Reis. Die Nachbarn, ein altes Ehepaar, stellen uns neugierig Fragen. Ganz einfach sind sie gekleidet, schmutzig, vom Arbeiten, und während wir tratschen, haut ständig ein Huhn durch das Eingangstor ab. Kinder haben sie 2, sie wohnen aber weit weg. Die linke Hand des überaus sympathischen Herren fehlt, vermutlich ein Arbeitsunfall. Um das Handgelenk trägt er eine Goldarmbanduhr und erzählt uns, dass nicht weit von hier viele ihr Glück bei der Goldsuche probieren. Beim Essen setzt er sich an den Tisch gegenüber, entschuldigt sich und meint: „Soy curioso!“. Etwas später lädt ein Kleinlastwagen 7 Straßenarbeiter ab, zum Mittagessen. Die Männer verschlingen hungrig ihre Mahlzeit, der Chauffeur lässt die Hälfte über und bietet uns auf Englisch einen „Ride“ in seinem Laster nach Amaluza an. Oh ja, danke! Noch dazu wird der Regen immer stärker. Während die Männer zwischen den Rädern und Tonnen einen Stehplatz auf der Ladefläche bekommen, darf ich vorne im gemütlichen, warmen Fahrerhaus sitzen. Die Straße wird bald richtig schlecht, über 10 km Rumpelpiste, große Schlaglöcher und einige Kilometer purer Schlamm und endlose Baustellen. Bin ich dankbar, im Laster sitzen zu dürfen! Am überdachten Sport- und Hauptplatz von Amaluza hüpfen alle raus. Kühl ist es hier oben, der Wind bläst und der Regen prasselt auf die überdimensionale Platz-Überdachung. Weiterfahren macht keine Laune, so schlagen wir unser Lager zwischen Volleyballfeld und Fußballplatz auf. Die Kids freuen sich riesig, fragen uns Löcher in den Bauch und liegen schlussendlich auf uns und unseren Matten. Andi dreht mit einem nach dem anderen Fahrrad-Runden am Platz, wobei sich wohl der kleine Pablo am meisten darüber freut. Noch dazu darf er für eine Weile meine Fahrradhandschuhe tragen, in die er ganz vernarrt ist &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Fr, 17.6.2011 – El Pan</em><br />
„&#8230; Die alte, etwas verwirrte Dame, kassiert vorab 10 USD ein, bevor sie uns überhaupt zur Unterkunft bringt. Vorher geht nichts. Nachdem es die einzige Möglichkeit ist, haben wir keine Wahl. Das Haus sieht unbenutzt aus, im ersten Zimmer, das sie uns zeigt, hängt zentimeterdick Schimmel von der Wand. Das Zweite ist OK und wenigstens gibt’s Warmwasser. Gut, der Boden ist schmutzig, vom Bad und Klo will ich gar nicht reden. Aber das Bett ist frisch bezogen. Wegen dem Handtuch muss sie noch in die Tienda. Nachdem sie nach über 20 min noch immer nicht zurück ist, gehen wir zu ihr. Brauchen ja ohnehin noch was für´s Abendessen. Zwei verschieden große Handtücher breitet sie vor uns aus,  fragt, welche Größe wir wollen. Dann sage ich zu ihr, dass wir es nicht kaufen, sondern benutzen möchten. Etwas zerstreut geht sie zurück, kommt mit einem anderen wieder. „Que color quiere?“ ??? Also ich denke, sehr viele Gäste hat die Dame nicht. In einem anderen Laden tippt die Besitzerin an der Kasse herum, fragt fünfmal was wir brauchen und nachdem sie gecheckt hat, dass wir ein Bier wollen, fragt sie welches – obwohl sie nur Pilsen in der Dose hat!? Nach einer kurzen Wartezeit verweist sie uns ins Geschäft gegenüber. Lustigerweise riecht die Dame an der verschlossenen Bierflasche, bevor sie sie uns reicht … Wo sind wir hier gelandet?? &#8230;“ </p>
<p>In der netten Kolonialstadt Cuenca gönnen wir unseren müden Muskeln einen Tag Verschnaufpause, bevor wir weiter Richtung Süden radeln. Auf unserem Weg nach Loja liegt die Kleinstadt Saraguro, Heimat der gleichnamigen Indígena-Gemeinde. Wir haben das Glück, gerade recht zur Sonnenwende zu kommen, die hier mit einem mehrtägigen Fest gefeiert wird. Am Vorabend des großen „Inti Raymi“-Rituals bittet der Schamane zur gemeinsamen Reinigungszeremonie.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mo, 20.6.2011 – Saraguro</em><br />
„&#8230; Der Yachec (Schamane) begrüßt alle vier Himmelsrichtungen, Mutter Erde und Vater Himmel, bevor er sich bei der Sonne für ihre Kraft, das Licht und die lebensspendende Energie bedankt, ohne die wir nicht existieren könnten. Neben ihm einige Vertreter der Gemeinde, die restlichen Teilnehmer bilden einen schützenden Kreis um das Zentrum der Zeremonie. Musiker spielen einen immer wiederkehrenden, monotonen Rhythmus, der Duft von brennendem Rosmarin liegt in der Luft. Nach einigen symbolischen Gesten wird Schnaps aus einer Muschel getrunken, der Schamane versprüht eine Kräuteressenz mit dem Mund und setzt die Zeremonie fort. Die andinen Klänge verstärken den Zauber der Nacht, es wird getanzt und gesungen, auch wir dürfen teilnehmen. Danach marschieren wir im fahlen Licht der Fackeln gemeinsam zu einem Wasserfall hoch, unter welchem die Indígenas ein rituelles Bad nehmen, um sich für den morgigen Tag vorzubereiten. Der Weg ist lange und anspruchsvoll. Teils recht steil, oft matschig. Alle helfen sich gegenseitig und der Mond tut sein Bestes, um uns den Weg zu weisen &#8230;“</p>
<p>Beeindruckt und dankbar, dass wir an diesem besonderen Fest teilhaben durften, satteln wir am Mittwoch wieder unsere Räder. Doch recht weit kommen wir an diesem Tag nicht &#8230; </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita / Andi</strong><br />
<em>Mi, 22.6.2011 – San Lucas</em><br />
„&#8230; Bei leichtem Nieselregen nehmen wir die erste Bergwertung in Angriff. Der acht Kilometer lange Anstieg verschafft uns danach eine Verschnaufpause und wir rollen gemütlich in das Zweitausend Einwohner Dorf San Lucas, um Brot zu kaufen. Nach den ersten zehn Metern rufen uns zwei Männer zu, laden uns ein, Chicha de Maíz zu trinken. Heute sei ein besonderer Tag – Corpus Christi – und es wäre eine Freude, wenn wir diesen Tag mit ihnen verbringen würden. In dem kleinen, gelb ausgemalten Raum steht eine Band, große Boxen verstärken den Klang. Nach der ersten Chicha wird getanzt und ohne zu fragen, stellen uns Lucho und Antonio zwei Teller mit leckerem Käse und Yucca auf den Tisch. Dann versammeln sich alle zum Innereien-Suppe Essen. Frauen und Kinder nehmen jedoch an einem anderen Tisch Platz. Nach einem Gebet werden große Schüsseln mit Reis, Käse und Yucca gereicht, dazu Cana-Schnaps und Erdbeerkracherl. Stellen unsere Gäule im Abstellraum nebenan ab und wagen ein erneutes Tänzchen. Während die Herren richtig Spaß haben, reduziert sich der Tanzschritt bei den Damen auf emotionsloses Hin-und-Her-Steigen. „Züchtig“, könnte man fast sagen. Dann spazieren wir gemeinsam zu einer befreundeten Familie, vorbei an einfachen Häusern, eingebettet in ein hübsches, grünes Tal. Über einen matschigen, steilen Fußweg gelangen wir hoch zum Haus. Geselchte, riesengroße Rinderstücke hängen vom Balkon, zur Freude der vielen Fliegen. Die Hausherren, teilweise barfuß, sind ordentlich im Öl. Die Musik beginnt zu spielen, einer der betrunkenen Männer eröffnet den Tanz und kugelt fünf Sekunden später die Böschung hinunter. Als der Gastgeber Segundo mit einem Kübel Chicha auf mich zukommt, hoffe ich, dass niemand meine Gedanken lesen kann … Da muss ich wohl durch. Nur nicht zu viel nachdenken. Das verdreckte Glas, das er mir in die Hand drückt, ist gefüllt mit Chicha, in der auch noch andere „Dinge“ schwimmen und von dem vor und nach mir weitere 25 Personen trinken. Die alten „Borrachos“ (Betrunkene), rotzverschmierte Kinder, ungepflegte Herren und Frauen allen Alters. Nicht nachdenken, trinken, um ihn nicht zu beleidigen. Vielleicht bestärken die Bakterien ja meine Darmflora – oder ich liege morgen flach *lach* … Das dunkle, verrauchte und nach gekochtem Rindfleisch und Schweiß riechende, kleine Zimmer ist erfüllt von monotoner, sich wiederholender Musik. In einer Ecke sitzen traditionell gekleidete Frauen und Mädchen, ein sturzbetrunkener, heruntergekommener Mann torkelt barfuß über den schmutzigen Lehmboden durch den Raum und endet schnaufend neben mir auf der Tischbank. Er riecht stark nach billigem Schnaps. Ich sitze mit einigen Männern an einem Tisch, esse fettige Rindsuppe. Dann und wann kreist ein Becher Maisbier durch die Runde. Nach dem Mahl gibt’s Horchata mit Schnaps, einige der Herren kämpfen gegen das Delirium, rollen die geröteten Augen und würden vom Anschein her gut in eine Kneipenszene aus „Herr der Ringe“ passen &#8230;“</p>
<p>Unglaublicherweise können wir unsere Fahrt Tags darauf ohne gröbere Magenbeschwerden fortsetzen. Die Eindrücke der vergangenen Tage waren mehr als intensiv und obwohl wir keine großen Distanzen überwunden haben, sind wir müde und freuen uns auf eine Dusche und einen Abend ohne Remmi-Demmi. Über Loja geht´s in das idyllische Städtchen Vilcabamba, wo wir uns Erholung erhoffen. Ganzjährig herrscht hier ein angenehmes Klima, das Wasser soll eine ausgesprochen gute Qualität aufweisen und es leben hier überdurchschnittlich viele Menschen, die über hundert Jahre alt sind. Doch genau an jenen Tagen, die wir in Vilcabamba verbringen, findet eine nationale Umweltkonferenz mit entsprechendem Kulturprogramm statt, welches und das süße Nichtstun etwas erschwert. Im Vergleich zu den Vortagen jedoch ist unser Aufenthalt sehr entspannend und am 25.6. radeln wir Richtung peruanische Grenze. Kurz nach dem Ortsausgang erblicken wir ein Wohnmobil mit Schweizer Kennzeichen – Peter und Ursula – alte Bekannte, die wir in Guatemala schon zweimal getroffen haben! Die Beiden ebenfalls auf dem Weg nach Feuerland. Nach einem netten Tratsch und gestärkt durch  viele leckere Corpus-Christi-Kekse, müssen wir uns förmlich losreißen. Die drei Tage bis zur Grenze sind hart, Ecuador zeigt sich uns nochmal von seiner „wilden“ Seite.  Die Pisten unbefestigt, oft mit mehr als knöcheltiefem Schlamm, sehr steil und einsam. Schlussendlich – sichtlich gezeichnet von den harten Etappen, überqueren wir am 27.6. die Grenze nach Peru – der bisher entspannteste und einsamste Grenzübertritt, den wir hatten! Und wie es der Zufall so will, springt unser Kilometerzähler just auf der Grenzbrücke, im Niemandsland zwischen Ecuador und Peru, auf die 17.000 km Marke! Na wenn das kein gutes Zeichen ist!</p>
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		<title>Kolumbien – que CHEVERE!!</title>
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		<pubDate>Mon, 16 May 2011 19:15:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumbien]]></category>

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		<description><![CDATA[„&#8230; Die derzeitige Sicherheitslage macht Kolumbien zum gefährlichsten Pflaster ganz Amerikas! Das Land versinkt immer tiefer in einem Sumpf aus Guerillakriegen, Drogenkriminalität, Anschlägen auf öffentliche Einrichtungen, Entführungen, Geiselnahmen und wirtschaftlicher Notlage … “ (Lateinamerika BikeBuch, Reise Know-How, 2. Auflage 2007)
Tja, beim Lesen dieser Zeilen bekommt man nicht gerade Lust, durch Kolumbien zu radeln. Man muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>„&#8230; Die derzeitige Sicherheitslage macht Kolumbien zum gefährlichsten Pflaster ganz Amerikas! Das Land versinkt immer tiefer in einem Sumpf aus Guerillakriegen, Drogenkriminalität, Anschlägen auf öffentliche Einrichtungen, Entführungen, Geiselnahmen und wirtschaftlicher Notlage … “ (Lateinamerika BikeBuch, Reise Know-How, 2. Auflage 2007)</em></p>
<p>Tja, beim Lesen dieser Zeilen bekommt man nicht gerade Lust, durch Kolumbien zu radeln. Man muss jedoch bedenken, dass der Bericht in unserer Radler-Bibel schon mehr als fünf Jahre alt ist und sich seither einige Dinge zu Gunsten des Travellers geändert haben. Seit kurzem hat die kolumbianische Regierung die wichtigsten Landesteile soweit im Griff, dass man sich wieder ohne gröberes Risiko auf den Haupt-Verbindungen bewegen kann. Und das macht uns sehr glücklich, denn Kolumbiens Landschaft ist atemberaubend, die Menschen fast ausnahmslos offenherzig, freundlich und sehr gesprächig. Und erst die Küche! Frisches Obst an allen Ecken, üppige Frucht-Shakes (¾ Liter für 1 Euro), nahrhafte „Comidas Corridas“ für ca. 2 bis 3 Euro und guter, stark gesüßter „Tinto“ (Kaffee). Als Draufgabe sind die Kolumbianer ein begeistertes Radlervolk &#8211; nicht nur einmal hatten wir auf kurzen, aber auch längeren Distanzen neugierige Begleiter, die sich über eine heitere Verschnaufpause freuten <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Ein guter Monat Kolumbien hat in unseren Radlerherzen tiefe Spuren hinterlassen! In (fast) jeder Hinsicht, aber lest selbst &#8230;  </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Do, 14.4.2011 &#8211; Cartagena</em><br />
„&#8230; Nach unserem strapaziösen Segelabenteuer von Panama nach Kolumbien, benötigen wir erst mal eine kleine Regenerierungsphase, welche wir aus gegebenem Anlass gleich in Cartagena einlegen. Nicht umsonst gilt die charmante Stadt als eine der schönsten und best erhaltenen Kolonialstädte Südamerikas. Eingewallt von mächtigen Stadtmauern, beschützt von fast uneinnehmbaren Festungen, finden wir ein liebevoll restauriertes Stakkato aus prunkvollen Häusern und Kirchen vor. An den unzähligen Straßenständen decken wir uns mit Mangos, Papayas, Bananen und Limetten ein, alles spottbillig. Fliegende Händler, die Kaffee aus Thermoskannen verkaufen, Schuhputzer, Hutverkäufer, Straßenküchen und Menschen, die ihr eigenes Handy zur öffentlichen „Telefonzelle“ umfunktionieren und Minuten verkaufen. Endlich wieder Leben in den Straßen! &#8230;“</p>
<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
Cartagena – Tolu – Montería – Planetarica – Valdivia – Yarumal – Medellin – Santa Barbara – Pereira – Salento – Armenia – Tuluá – Popayan – Mojarras – Pasto – Ipiales </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 16.4.2011 &#8211; Cartagena</em><br />
„&#8230; Wieder mal ist ein Paket in die Heimat fällig, doch die Suche nach dem Postamt gleicht einem  Spießrutenlauf. Die Einheimischen schicken uns von Pontius zu Pilatus, wir nähern uns in hundert winzig kleinen Schritten, nur um dann festzustellen, dass es vor 1 ½ Stunden geschlossen hat. Naja, dann gehen wir halt was Essen. Laufen eine Stunde in der Mittagshitze im Kreis und landen schließlich ganz ausgehungert und fertig im „Coroncoro“. Das Restaurant ist gesteckt voll, bekommen einen Platz neben einem älteren Herren zugewiesen. Von den Decken hängen hölzerne Delfine, an den Wänden Meerestiere und Jesusbilder. Die Fischsuppe bringe ich nur bis zur Hälfte weg – nachdem aus Andi&#8217;s Hühnersuppe ganze Füße raus stehen, möchte ich nicht wissen, was bei mir alles drinnen ist. Dafür schmeckt der Hauptgang vorzüglich: Fisch, Reis, Frijoles, Platanos und Salat. Unser Tischnachbar gibt seinen Platz für den nächsten frei und wir gucken  beide ganz schön doof, als uns der dunkelhäutige Rastaman nach einigen Minuten auf „Switzer-Dütsch“ anspricht. Da sitzen wir mitten in Kolumbien und staunen nur so, welche Menschen in unser Leben geschickt werden. Der in Kolumbien geborene Waisenjunge wurde als Kleinkind von einem schweizer Pärchen adoptiert. Die Arbeit hat ihn wieder zurück in seine „alte“ Heimat gebracht. Jimmy vertreibt Wasserstoffgeneratoren für Fahrzeuge, die bis zu 50% Treibstoff einsparen sollen. Interessant mit ihm zu plaudern – und ebenso, dass er als „3. Auge“ ein dunkles Muttermal auf der Stirn hat. Voller Freude und Begeisterung erzählt er uns von seinem jüngsten Projekt: einer Straßenküche für Kinder, die von den Frauen der Region betrieben werden soll. Arbeit für die Frauen und volle Bäuche für die Kids. Schon als kleiner Junge wusste er, dass er eines Tages zurück kommen und anderen Kindern helfen wird, die nicht so viel „Glück“ wie er hatten &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>So, 17.4.2011 – Palo Alto</em><br />
„&#8230; Am Weg aus der Stadt verkoffern wir uns ein wenig, landen in einem heruntergekommenen Viertel, grimmige Gestalten, Obdachlose, die neben der Straße schlafen. Ein netter Herr beschreibt uns den richtigen Weg und winkt uns zehn Minuten später aus dem Bus zu. Ganz schön anstrengend die Fahrt. Gehupe, Busse, tausende Mopeds und immer wieder eigenartige Gestalten am Straßenrand. Die Bars sind mit Männern gefüllt, die schon am Vormittag Bier nuckeln und fröhlich zu lauter Musik tanzen. Das Klogehen wird eine Challenge, müssen lange durchhalten, bis wir ins Grüne kommen. Viele Rennradfahrer zucken in Sekundenschnelle den Daumen nach oben, sobald sie uns erblicken. Die meisten sind recht betagt, in mittlerweile wieder in Mode gekommene, regenbogenfarbene Trikots gekleidet. Heute ist Sonntag, vor den Häusern stehen riesige Boxen, aus denen lautsark Musik dröhnt. Je lauter, desto besser. Die zwei Bars, die direkt nebeneinander sind, scheinen sich ein Duell zu liefern, sodass sich die Boxen überschlagen. Im Gastgarten muss dies ein „interessantes“ Klangerlebnis ergeben *lach*. Am Tacho rasseln die Kilometer, schön flach ist es, wunderschöne Ficus- und Ceiba-Bäume, bunte, exotische Blüten säumen den Weg … Über ein paar hilfsbereite „Kolumbris“ landen wir bei Martha und ihrem Mann, die uns in ihrem Nebenhaus schlafen lassen, welches momentan als Hühnerstall und Abstellraum dient. Gerade als wir uns einrichten, bekommen wir ein Jausensackerl zur Stärkung: Pan Dulce und selbst gemachtes, rosafarbenes Reisgetränk. Später wird im Vorgarten von den Kids die Disco-Anlage aufgebaut. Es herrscht ein fröhliches kommen und gehen. Freunde, Nachbarn, Teenies aus der Umgebung. Es wird getanzt und durch´s Mikro lautstark und falsch, aber mit voller Leidenschaft mitgesungen. Irgendwann werden die Songs ruhiger und romantischer und unsere Augen immer größer … also wenn bei uns jemand mit seiner Nachbarin so innig, ja fast ein wenig erotisch tanzen würde, wäre das ein Scheidungsgrund *grins*. Trinken noch ein letztes Bier und fallen bald müde auf unsere Matten. Im Nebenzimmer leuchten die Hühner und draußen gackert der Vollmond &#8230;  </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mi, 20.4.2011 – Montería</em><br />
„&#8230; Um 7 Uhr 15 sitzen wir am Rad, bis Montería ist es nicht mehr weit. Wollen heute erneut versuchen, unser Paket nach Hause zu schicken. Ein Kurierdienst wäre sauteuer, daher fragen wir uns bis zur Post durch, die hier „472“ heißt. Ein neuer, „moderner“ Name, hinter welchem sich jedoch ein lahmer, für Südamerika typischer Bürokratieapparat versteckt. Nachdem ich endlich an der Reihe bin, schickt mich der kurz angebundene Beamte wieder raus, da ich keinen eigenen Karton dabei habe. 10 Minuten später wieder alles von vorne. Der gute Herr begutachtet persönlich alle zu versendenden Dinge, bevor er sie sorgfältig in den Karton schlichtet. Mit sehr viel Ruhe und Gelassenheit sucht er danach drei Formulare heraus (Proformarechnung, Bescheinigung, dass keine Drogen exportiert werden, Zollerklärung), die ich ausfüllen und mit meinem Fingerabdruck unterschreiben muss. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite darf ich das Ganze nochmal kopieren lassen. Dann verklebt mein neuer Freund das Paket gemächlich, taut langsam auf und nimmt sich viel Zeit zum Fragen und Scherzen. Woher, wohin, wie gefallen dir die Frauen in Kolumbien … Nach über 1 ½ Stunden ist das Projekt endlich geschafft und wir verstehen nun, was sich hinter dem neuen Namen der kolumbianischen Post verbirgt: „Die 472 Schritte bis ihr Paket versandbereit ist“ *lach* &#8230;“ </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 22.4.2011 – Valle Cauca</em><br />
„&#8230; Insgesamt 60 km sind es bis Caucasia, wo wir früh und noch sehr frisch eintreffen. Die Rennradlergruppe, die uns vorhin einige km begleitet hat, winkt uns von einem Restaurant zu. An einem Saftladen gibt’s einen ¾ Liter Fruchtshake pro Person, Hunger haben wir danach keinen mehr, also weiter. Bald begleiten wir den aus den Ufern getretenen Rio Cauca. Weite Flächen stehen unter Wasser, einige Häuser sind in Mitleidenschaft gezogen. Die Menschen haben sich aus Planen Notunterkünfte gebaut und ihre Habseligkeiten auf der Straße in Sicherheit gebracht. Von anderen Landesteilen hört man leider noch Schlimmeres. Schwere Flutkatastrophen, Erdrutsche, gesperrte Straßen, der schlimmste Winter in der Geschichte des Landes. Wir folgen dem Rio Cauca flussaufwärts, ein paar mal ist die Straße geflutet und wir müssen einige hunderte Meter durch ca. 30 bis 40 cm tiefes Wasser fahren. Vor uns ein Motorrad am Straßenrand. Hat ein junges Krokodil unabsichtlich überfahren und sich ein Stück Fleisch raus geschnitten. Stolz dreht er seinen „Fang“ um, damit ich Fotos machen kann &#8230;“</p>
<p>In Puerto Valdivia drehen wir dem Rio Cauca unsere Rücken zu und schrauben uns langsam die ersten Kilometer in die längste Gebirgskette der Welt hoch: die Anden. Nach den ersten Bergwertungen und einer kräftigen Regentaufe, erreichen wir die hektische Millionenstadt Medellin. Am äußeren Südrand der Stadt, im kleinen Ort San Antonio de Prado, werden wir bereits von Manuel, seiner Frau Marta und ihrer Tochter Manuela erwartet. Sie betreiben seit kurzem eine <a href="http://www.grenzenlos.ath.cx/?Casa_de_Ciclistas:Otras_Casas_de_Ciclistas_en_America_Latina" target="_blank">&#8220;Casa de Ciclistas&#8221;</a> und nehmen für einige Tage Tourenradler aus aller Welt bei sich auf. Außer uns sind noch andere Pedalritter im Haus: Jeff, Greg, Jason (USA) und Sonja (Schweiz), die gemeinsam Richtung Süden radeln, ihre Gitarren mit dabei haben und gerne  musizieren. Wir genießen die herzliche, familiäre Atmosphäre und leben uns rasch ein. Der Nachbar Luis, ebenfalls begeisterter Radler, lädt zweimal zum großen Festmahl und wir erleben eine herzliche kolumbianische Gastfreundschaft, die es uns schwer macht, die Taschen wieder zu satteln. Also bleiben wir einfach ein paar Tage länger als geplant.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Do, 28.4.2011 – Medellín</em><br />
„&#8230; Eine rasante Busfahrt bringt uns nach Itagui, wo wir in die top moderne Metro wechseln. Es ist erstaunlich ruhig für acht Uhr, nur am Weg zur Metro sind ein paar mehr Leute. Fühlt sich an, als würden wir selbst zur Arbeit fahren – wobei wir die einzigen mit Flip Flops und kurzen Hosen sind. Machen eine Art „Vuelta“ (Rundfahrt) mit der Metro, die ausnahmslos oberirdisch verkehrt. Im Zentrum steigen wir in die „Metrocable“ um, einer Seilbahn mit 8-er Gondeln, die uns hoch über die Dächer von Medellín bringt. Die Aussicht ist spektakulär, denn die Stadt schmiegt sich an unzählige, steile Hänge, die lehmfarbenen Ziegelbauten klettern fast bis an den höchsten Punkt. Nahe des „Parque de las Esculturas“, einer Ausstellung überdimensionaler Skulpturen, eher ungewöhnlicher Form, hüpfen wir aus der Metro. Leute über Leute, Geplapper, Marktschreier. Medellín ist laut&#8230; und vor allem laut. Eine interessante Erfahrung hier durch zu laufen, aber irgendwie ist es mir zu viel. Zu viele Menschen, dazu das laute Gebrüll der fliegenden Verkäufer und Geschäftsleute und eine unglaubliche Armut. Leute in Rollstühlen verkaufen Tinto, Lose oder Zuckerl. Der fröhliche Eisverkäufer stützt sich auf seinen Eiswagen, das Gehen fällt ihm schwer, denn seine Beine sind verkrüppelt. Jeder versucht ein paar Pesos zu verdienen. Neben den Geschäften liegen Obdachlose, am Platz vor der Kirche stehen leicht bekleidete Huren in hochhackigen Schuhen, der nackte Popo sieht zur Hälfte raus. Daneben spazieren Mütter mit ihren Kindern, schlecken ein Eis … Nicht mal im indischen Restaurant herrscht Ruhe. Sitzen ein wenig wie in Trance an unserem Tisch, essen das vorzügliche „Almuerzo“. Im Hintergrund ganz leise „Hare Hare Krishna“, das vom Geschirrgeklimper und dem lauten Stimmenwirrwar fast übertönt wird. Bis nach Itagui schweigen wir, erst als über die Lautsprecher der Metro eine Ansage auf Englisch erklingt, müssen wir lachen: „Smile, because there is always a reason to. Smiling makes your day better“ &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Sa, 30.4.2011 – Richtung Santa Barbara</em><br />
„&#8230; Etwas übernachtig von der gestrigen Grillparty, stehen wir um acht Uhr auf, frühstücken und packen die Räder. So schwer es uns fällt, müssen wir von Manuel Abschied nehmen. Sagen „bye bye“ zu den anderen Radlern, Abschiedsfoto, und ab nach San Antonio de Prado in Manuels Tienda de bicicletas, wo ich noch schnell die Sattelstützen fette. Auch von Marta, Manuela und dem Ciclo Campeon Team verabschieden wir uns, es war eine schöne Zeit hier! Nun aber los, sonst bleiben wir noch hier „hängen“ <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Durch die hügeligen Vorstädte geht’s bis Caldas, es ist bereits Mittag und wir landen durch Zufall in einem vegetarischen Resti. Heute ist es irgendwie lustig – ungewöhnlich viele Menschen feuern uns an, einer überholt uns mit dem Moto, redet kurz mit uns und zehn Minuten später, steht er am Straßenrand und hält zwei Flaschen Orangensaft für uns bereit. Kurz nach der Stadt beginnt ein 14 km langer und 900 hm Anstieg bis Altos de las Minas, den wir recht gut bewältigen. Auf der Passhöhe (2400 m) gibt es Stärkung: Arepas di Chocolo, Pan de Queso und Tinto. Bis Santa Barbara noch etwa 15 km, oft bergab mit fiesen Gegenanstiegen, aber herrlichen Blicken auf die nebelbehangenen Kaffeeplantagen. An der Plaza von Santa Barbara laufen uns zufällig zwei schweizer Radlerinnen, <a href="http://ufemvelo.blogspot.com/" target="_blank">Monika</a> und <a href="http://colorfish.wordpress.com/" target="_blank">Martina</a>, über den Weg. Wir tratschen eine Weile und werden dabei von der Dorfjugend beobachtet. Treffen uns später mit den Mädels, die seit 1 ½ Jahren von Ushuaia in den Norden radeln. Tauschen Erfahrungen aus, trinken ein Bier. Im Mercado ums Eck erstehen wir noch Schnaps, Chips und Zahnpasta, dann geht’s aufs Zimmer &#8230;“</p>
<p>Die Reise führt uns nun weiter Richtung „Zona Cafetera“, immer schön hügelig und anstrengend. Und manchmal gibt es Tage, wo Himmel und Hölle ganz nah beieinander liegen, so wie der 2. Mai dieses wundervollen Jahres.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Mo, 2.5.2011 – Richtung Pereira</em><br />
„&#8230; Der Tag beginnt unspektakulär, die Etappe sehr hügelig aber wunderschön. An einem Zwischen-Downhill gebe ich Gas und habe Spaß daran, mit dem schweren Drahtesel über die Doppel-Speedbumps zu springen. Leider löst sich bei dieser Aktion meine kleine, außen angebrachte, heilige Werkzeugtasche, was ich erst am Fuße des Berges bemerke. Ich reiße das Gepäck vom Rad, sprinte den Berg hoch und erfahre von einem Straßenarbeiter, der neben den Speedbumps arbeitet und das Ganze beobachtet hat, dass ein weißer Kleinlaster stehen blieb, die Tasche geschnappt hat und sofort davon gebraust ist. Ärgere mich furchtbar, fahre noch einige Kilometer weiter – in der Hoffnung, der „Dieb“ hätte die Beute durchs Fenster wieder entsorgt – ohne Erfolg. Herrschaftseiten! Das kann ja wohl nicht sein! Naja, war meine eigene Blödheit … Sauer fahre ich weiter. Kurz darauf erreichen wir die 15.000 km Marke. Kann mich nur schwer freuen. Nach einiger Zeit beruhige ich mich wieder einigermaßen, war ja schließlich „nur“ Werkzeug … Die Weiterfahrt durch hügeliges Kaffee-Anbaugebiet spektakulär und hart. Am späten Nachmittag erreichen wir die Vororte von Pereira. In einem Radladen erstehe ich die Spezialwerkzeuge, in einer Ferreteria den Rest – leider schlechte Qualität aus China. Die Gegend schmuddelig, viele finstere und verwahrloste Gestalten, werden oft angeschnorrt. Hier wollen wir nicht bleiben, ins Zentrum zieht es uns auch nicht. Es ist bereits gegen sechs, nur noch eine halbe Stunde Tageslicht. In der Hoffnung, am Südende der Stadt eine Bleibe zu finden, spurten wir weiter. Aber nichts kommt. Ein Pfarrer rät uns, auf der freien Fläche vor der Kirche zu zelten – direkt neben der Hauptstraße und mitten in der Stadt!! Er meint, es sei NICHT gefährlich!!?? Es ist bereits dämmrig, ein heftiges Gewitter naht, in den Stundenhotels am Straßenrand würden wir ein Vermögen löhnen. Wir stehen in einer Senke, die Umgebung ärmlich und in der Dunkelheit gefährlich, also weiter. In einem Restaurant bekommen wir schließlich den rettenden Tipp, dass in einem halben Kilometer das „Motel Eros“ komme, wo die Zimmer auch über Nacht vermietet werden. Die ersten Regentropfen fallen vom Himmel, wir sind saumüde und wollen nichts als ein Dach für die Nacht. Ausgerechnet jetzt werden wir von einem Reporter der Zeitung „La Tarde“ angesprochen, der uns gerne über unsere Reise interviewen und Fotos schießen möchte. Wir sagen ihm, er solle doch besser hoch ins Motel kommen, was er schließlich einsieht. Bekommen vom freundlichen Chef des „Eros“ einen Spezialpreis für Zimmer und Essen – ein pipifeines Zimmer mit riesen Spiegel, Erwachsenenkanal und mit Kunstleder bezogener Matratze. Wir vermuten, er hat sich über den Besuch des Zeitungsreporters mehr gefreut, als wir <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  Sogar unsere eigene Garage haben wir! Duschen, fallen ins Bett und verschlingen das aufs Zimmer gebrachte Essen, bevor wir erschöpft einpennen. „Que dia loco!!!“ Werkzeug verloren, 15.000 km-Marke erreicht, knapp 1.600 Höhenmeter (neuer Tagesrekord), unser erstes Interview und die erste Nacht in einem Stundenhotel <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />   &#8230;“</p>
<p>Im kleinen Bergdorf Salento, mitten im bedeutendsten Kaffee-Anbaugebiet Kolumbiens, feiern wir unseren „Jahrestag“. Kaum zu glauben, dass es schon so lange her ist, seit wir von zuhause aufgebrochen sind! Denken oft an die ersten Monate in Nordeuropa zurück, die uns mittlerweile wie eine „andere“ Reise vorkommen. Wir sind immer wieder erstaunt darüber, wie weit man in einem Jahr mit dem Fahrrad reisen und was man in dieser Zeit alles erleben kann. So viele Begegnungen, Eindrücke, Kontraste und unterschiedliche Landschaften, Höhen und Tiefen … Der Zufall beschert uns für unser Jubiläum wieder mal eine ganz besondere Unterkunft, bei Angela. Die schrullige Mitvierzigerin hat 14 Jahre in Sardinien gelebt und einige Zeit in Afrika verbracht. Sie hat bei diversen Film-Dokus mitgearbeitet, war u.A. mit einem Kamerateam acht Monate mit einem Nomadenstamm im Amazonas unterwegs. Zudem kocht und isst sie genauso gerne wie wir. In ihrem wunderhübschen Häuschen in den Bergen tauschen wir Ideen und Kochrezepte und verbringen gemeinsam einige inspirierende Abende. Und genau am 5. Mai, unserem Jahrestag, verirren sich zwei Glühwürmchen in unser Schlafgemach, die, während wir im Bett liegend das Jahr Revue passieren lassen, wie verrückt für uns blinken <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> )</p>
<p>Von Salento aus rollen wir runter ins heiße, durchgehend flache und von Zuckerrohrfeldern dominierte „Valle“, lassen das von vielen Einheimischen als gefährliches Drecksloch bezeichnete Cali rechts liegen und erreichen bei Santader de Quilichao wieder bergiges Terrain. Die Etappe bis Pasto sehr abwechslungsreich. Mal flach, mal steil, stellenweise sehr heiß, oft kalt und regnerisch&#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi / Anita</strong><br />
<em>Fr, 13.5.2011 – Richtung Chachagui</em><br />
„&#8230; Es regnet leicht, als ich in der Früh aus dem Fenster blicke. Dicke Wolken und Nebelfetzen wohin das Auge reicht. In kurzer Panier radeln wir los, die ersten 10 km permanent steigend und nieselnd. An der Passhöhe ist ein Mann damit beschäftigt, Erdnüsse vom Gehäuse zu trennen. „Pura bajada, 20 km!“, so seine viel versprechende Aussage. Schmeißen uns in die „Regenuniform“ und brausen im stärker werdenden Regen los. Bald greifen die Bremsen nicht mehr. Die Abfahrt spektakulär, sie endet nach nur 10 km in einem engen Flusstal, durch welches sich ein braun brodelnder Wildbach zwängt. Rüber über die Brücke und wieder bergauf. Unsere Regenklamotten nutzen nur mehr bedingt was. Patschnass suchen wir in der einzigen Tienda weit und breit Unterschlupf. Trinken Tinto, warten eine Weile und schließlich werden die Sturzfluten weniger. Durch spektakuläre, an Norwegen erinnernde Gebirgslandschaft, weiter bergan. Rechts blanker, bröckeliger Fels (manchmal liegen riesige Felsbrocken auf der Fahrbahn), links tiefe Schluchten. Beeindruckend das Farbenspiel aus Nebel, Wolken, üppigem Grün und braunen Flüssen … Chachagui nähert sich rascher als wir dachten. Was nicht heißt, dass es unanstrengend ist. Besonders der letzte „Hügel“ ins Zentrum ist ewig weit. Das Städtchen ist eine Enttäuschung, an der Plaza ist nicht viel los, nur ein überteuertes Hotel. Untern an der Panamericana finden wir nach etwas Suchen und mit Hilfe einer netten Dame, ein geräumiges, muffiges Zimmer für 10.000 Pesos. Leider gibt’s kein Wasser, vielleicht in einer Stunde, meint der junge Besitzer. Machen in der Zwischenzeit ein Nickerchen, doch auch danach bleiben die Leitungen trocken. Kaufen an einem Straßenstand Gemüse für ein leckeres Süppchen. Der Versuch einen Tinto zu trinken, braucht 3 Anläufe. Und als ich mein Pan de Queso serviert bekomme, muss ich lachen: Ein Brötchen mit einem riesen Stück Käse, den ich nicht so gerne hab, weil er so intensiv schmeckt … Wie verrückt ist dieser Abend? Dafür können wir danach endlich mit eiskaltem Gebirgswasser duschen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> . Sogar die Sonne lässt sich noch für ein paar Minuten blicken. Die Gemüsesuppe ist vorzüglich! Im Lokal gegenüber singen und tanzen Einheimische. Und jedes Mal, wenn ein LKW vorbei braust, erzittert das ganze Haus – inklusive unserem Bett …“</p>
<p>Derzeit befinden wir uns in der sympathischen, etwas kühlen Stadt Pasto. Unsere Aufgabe hier besteht darin, die Energiereserven für die nächsten Anden-Etappen aufzufüllen. 90 Kilometer trennen uns nur noch von Ecuador, in etwa zwei Tagen werden wir die Grenze passieren und schon bald den Äquator überqueren! Das nächste mal werden wir uns dann bereits von der Südhalbkugel melden!</p>
<p>Bis dahin alles Liebe und „hasta luego“,<br />
nandita</p>
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		<item>
		<title>Panama</title>
		<link>http://blog.nandita.at/2011/04/15/panama/</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 03:47:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Panama]]></category>
		<category><![CDATA[San Blas]]></category>

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		<description><![CDATA[„In Panama“, sagt er, „ist alles viel schöner, weißt du. Denn Panama riecht von oben bis unten nach Bananen. Panama ist das Land unserer Träume, Tiger. Wir müssen sofort morgen nach Panama &#8230;“
(Janosch)
Was weiß man schon über Panama. Nichts. Oder doch? Da gibt des ja eine Kindergeschichte, in der ein Bär und ein Tiger diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>„In Panama“, sagt er, „ist alles viel schöner, weißt du. Denn Panama riecht von oben bis unten nach Bananen. Panama ist das Land unserer Träume, Tiger. Wir müssen sofort morgen nach Panama &#8230;“<br />
(Janosch)</em></p>
<p>Was weiß man schon über Panama. Nichts. Oder doch? Da gibt des ja eine Kindergeschichte, in der ein Bär und ein Tiger diese Bananenschachtel finden, die so wunderbar riecht – mit einem Etikett „Panama“ … und war da nicht noch was? Ach ja, der Panamakanal! Tja, recht viel weiter hat auch unser Wissen bisher nicht gereicht. Was eigentlich schade ist, denn das Land hat viel mehr zu bieten. Die Bevölkerung bunt durchgemischt – Schwarze, Europäer, karibische Nachfahren der Kanalbauarbeiter, Indigenas und andere Ethnien. So vielseitig wie die Leute präsentiert sich auch die Natur, ähnlich wie in Costa Rica stehen auch hier weite Teile der Landesfläche unter Schutz. Wichtigster Arbeitgeber und Devisenbringer des Landes ist der Panamakanal, welcher auf der engsten Stelle des amerikanischen Kontinents (rund 80 km) die wichtigste Schiffspassage zwischen Atlantik und Pazifik bildet und ihm die Bezeichnung „Crossroads of the World“ verleiht. Trotz des recht hohen Pro-Kopf Einkommens (etwa 4000 USD pro Jahr) könnten die Gegensätze zwischen arm und reich nicht größer sein, vor allem im Ballungsraum Panama City. In keinem anderen zentralamerikanischen Land ist uns dies so stark aufgefallen. Neben nagelneuen Wolkenkratzern mit teuren Luxusappartements hausen Gammler in Pappkarton-Verschlägen, in manchen Stadtvierteln herrscht extrem hohe Kriminalität, keine fünf Kilometer weiter ausgedehnte, gepflegte Siedlungen, in denen sich der gehobene Mittelstand in vergitterten Häusern verschanzt. Gerade als Fahrradfahrer ist man seiner unmittelbaren Umwelt direkt ausgesetzt, und nicht nur einmal sind wir mit einem unguten Gefühl durch schäbige Viertel gesprintet, in denen man besser keine Panne hat. Doch glücklicherweise beschränken sich diese Erfahrungen nur auf ganz wenige Momente &#8211; und egal ob arm oder reich, sind uns die Menschen mit einer unglaublich offenen Gastfreundschaft und Freundlichkeit begegnet.</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 19.3.2011 – San Juan</em><br />
„&#8230; Wenig geschlafen, die riesige Luftblase auf meiner Isomatte ist zum Leben erwacht und hat mich im Schlaf langsam aber doch, immer mehr zur Seite gedrängt. Radeln 8 km nach San Juan weiter um zu frühstücken, denn Bananen fürs Müsli waren nirgends erhältlich. Essen ohne Fleisch gäbe es nicht, erklärt uns die Frau des Comedors. Ob sie Eier hätte und Gemüse, wollen wir wissen. Ja, sicher! Also Huevos con Cebolla, Tomates, Tortillas und Kaffee. Im Chinesen-Supermarkt finden wir wieder mal so gut wie nichts für die Mittagsjause, das Angebot macht einen direkt a bissl grantig, und als Andi nach Brot fragt, hält ihm die zierliche Asiatin in Plastik verpacktes, nach künstlicher Butter riechendes, Toastbrot 3 mm unter die Nase und meint selbstsicher „Oele rico!“ (riecht lecker!). Auf den Bänken vorm „Super Huan“ könnte die Kundschaft nicht bunter sein: Schwarze, schrill gekleidete Frauen in engen, knappen Höschen, mit skurrilen Frisuren und künstlichen, bemalten Fingernägel, daneben sitzen junge einheimische Frauen in ihren traditionellen, weiten Kleidern … tja, und dann sind ja auch noch wir 2 davor *lach*. Die Straße windet sich wie eine Achterbahn durch die trockene Landschaft, hin und her, zick-zack und natürlich auch rauf und runter. Die Sonne knallt unbarmherzig auf uns, kommen ganz schön ins Schwitzen. Danach steigt die „Carretera Interamericana“ stetig an, ohne Schatten. Ganz fertig holen wir uns in einem Restaurant eine Cola, die einzige Möglichkeit weit und breit und jausnen in der Bushaltestelle wie die Könige. Und nein, der Berg ist noch nicht zu Ende. Weiterstrampeln, dann endlich der erfrischende und Radleiberl trocknende Downhill – und danach alles wieder von vorne <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> . Da kommt der kleine Wasserfall am Straßenrand gut gelegen! Hüpfen unters kühle Nass, rund um uns kleine, bunte Regenbögen – wie herrlich! Beim Weiterfahren hat Andi auch noch einen Platten – wieder mal ein Drahtstück. Die Extrapause tut den Beinen gut, denn danach läuft&#8217;s gleich viel besser und schwupps die wupps stehen wir in Llano de los Ruices vorm einzigen Supermarkt. 3 mal dürfen wir raten: Ja, richtig! Ein Chinese. Mieses Sortiment, so gut wie kein frisches Gemüse und natürlich überhaupt keine Früchte. Wasser kann uns der etwas eigenartige, desinteressierte „Chino“ nicht geben, wir sollen doch bei der Polizei fragen. Gute Idee, denn unter deren Pavillon wäre ein idealer Zeltplatz &#8230;“</p>
<p>Die Strecke von der Costa Ricanischen Grenze bis nach Panama City nimmt eine gute Woche in Anspruch und beschert uns viele, sehr nette Begegnungen: Wie zum Beispiel Isidra, eine ältere, in bescheidenen Verhältnissen lebende, fröhliche Dame, die uns in ihrem Garten für eine Nacht zelten lässt. Ein älteres Pärchen, das uns vorm Supermarkt zu sich nach Hause einlädt, oder der quirlige, lebensfrohe Brasilianer Elió, der uns in einem unbeobachteten Moment ein großen Sack, gefüllt mit frischen Früchten, ans Fahrrad hängt.</p>
<p>Und dann, endlich ist es so weit! Panama City ist erreicht!  Als wir auf die „Puente de las Americas“ zu rollen, kribbelt alles in uns. Was für ein Gefühl: Für uns symbolisch das Ende Zentralamerikas und der Beginn Südamerikas … ein wahrer Meilenstein <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' />  Die alte Stahlbrücke über den Panamakanal übt auf jeden Reiseradler eine besondere Magie aus. Wie eine riesige Stahlklammer verbindet sie die beiden Ufer und schwingt sich hoch und ästhetisch über den Kanal. Wenn auch das Befahren wegen des starken, vierspurigen Verkehrs nicht ratsam ist, MUSS man da einfach drüber! Der Radlerehre wegen <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  </p>
<p>Marela ist knapp 22 Jahre jung, kommt aus guten Verhältnissen und studiert Architektur. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter Irene, Rechtsanwältin von Beruf, in einem schicken Haus in Panama und kommt uns mit dem Auto abholen, als wir uns auf der Suche nach der Straße, in der sie wohnen, heillos verfahren. Die nächsten fünf Tage wartet ein kuscheliges Bettchen, ausgezeichnetes Essen und High-Speed Internet auf uns &#8211; und eine kleine, ganz nette „Ersatzfamilie“. Das Ganze haben wir Freunden von Freunden zu verdanken, die mittlerweile auch unsere Freunde sind: Michi und Sergio <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> )</p>
<p>Die Pause in Panama City nutzen wir, um einerseits unsere Ausrüstung wieder auf Vordermann zu bringen (Tretlager und Ketten wechseln, Garantie-Austausch von Anita´s blasenwerfender Isomatte), und andererseits die Überwindung des Darien-Gaps nach Kolumbien (der einzigen Unterbrechung der von Alaska nach Argentinien verlaufenden Panamericana) zu organisieren. Zwei Möglichkeiten bieten sich dabei an, entweder Flugzeug oder Segelschiff. Wir entscheiden uns für zweitere Variante, was für uns bedeutet, einen Kapitän zu finden, der uns mitnimmt. Da diese Passage bei Reisenden in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat, sollte dies kein großes Problem darstellen. Nebenbei bleibt uns aber auch noch etwas Zeit, um die Stadt kennen zu lernen. </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Di, 29.3.2011 – Panama City</em><br />
„&#8230; Marela kennt die Straßen wie ihre Westentasche. Rasant schlängelt sie sich mit ihrem Auto durch den Häuser- und Straßendschungel. Die Stadt mit ihren zahlreichen Wolkenkratzern und dreidimensionalen, teils auf Stelzen verlaufenden Express-Ways, erinnert mich an Hong Kong, nur dass der Verkehr hier chaotischer und viel dichter ist. Man muss ganz schön schnell und frech fahren, um voran zu kommen. Spazieren mit Marela durch die Gassen des „Casco Viejo“, dem historischen Altstadtkern Panamas. Eine interessante Mischung aus teils baufälligen, renovierten Kolonialbauten und neuen Gebäuden. Neben schicken Cafés und Galerien liegen Obdachlose auf Stiegen oder in Winkeln, gegenüber den nobelsten Restaurants werden an einfachen Straßenständen günstige Speisen und Snacks verkauft. Dann und wann gibt es kleine Geschäfte zu entdecken, in denen junge Kreative ihre Ideen feilbieten. An der Wasserfront mit Skyline-Aussicht verkaufen traditionell gekleidete Kuna-Indios handgefertigte Decken und Schmuck. Im ehemaligen Gefängnis eine Ausstellung, in der bunte Karnevalskostüme präsentiert werden. Fühle mich wohl in dem bunten Treiben, wobei uns die drückende Schwüle ganz schön zu schaffen macht und es hier im Vergleich zum Rest der Stadt recht beschaulich zugeht &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Di, 29.3.2011 – Panama City</em><br />
„&#8230; Gerade als wir unter das schützende Dach des Theaters kommen, prasselt starker Regen auf die Straßen des Casco Viejo nieder. Was für ein Glück! Fünf Sekunden später und wir wären von oben bis unten nass. Ein Donnergrollen folgt auf das nächste, die einschlagenden Blitze lösen die Alarmanlagen unzähliger Autos aus. Das Spektakel dauert bestimmt eine dreiviertel Stunde. Sitzen auf den Stufen, lauschen dem Plätschern der Regentropfen und warten, bis sich die Wolken vollständig entladen haben. Laufen das kleine Stück zum Busterminal und hüpfen in einen „Diablo Rojo“ (uralte, bunt lackierte, amerikanische Schulbusse), um nach Hause zu kommen. Sind uns nicht ganz sicher, ob es der richtige Bus ist, doch der Fahrer winkt uns auf unsere Frage hin selbstsicher rein. Außer uns befinden sich nicht viele Gäste in den Sitzreihen, deren Schaumstofffüllung aus allen Seiten quillt. Über dem Rückspiegel des Fahrers ist ein Schild befestigt: „Camera may be in use“. Wie wahr, aber anscheinend woanders. Denn darunter ist nur ein schwarzes Loch in der Verkleidung und ein paar heraushängende Kabel zu sehen. Langsam füllt sich der „Rote Teufel“. Leute, die von der Arbeit heimfahren, Verkäufer, Teenies und ältere Damen mit vollen Einkaufstüten. Der Mann hinter uns rasiert sich am Weg zur Arbeit noch schnell seinen Dreitagebart, offensichtlich ein Security. Ein Anderer steigt mit seinem kleinen, batteriebetriebenen Radio ein, der laute Latinomusik spielt und die gesamten Passagiere des Busses zwangsbeglückt. Bin direkt traurig, als er vor uns aussteigt, denn die Musik ist eine gute Ablenkung im Verkehrsstau. Es ist Rush-Hour, im Bus kriecht die schwüle, drückende Hitze in alle Winkel und Ecken. Wir kommen nur Meter für Meter voran, es ist heiß und stickig. Andi verfolgt die Route des Busses auf der Straßenkarte, nähern uns langsam, aber doch dem Hospital San Fernando. Grad, als wir uns langsam durch die Menschenmenge am Gang zur einzigen Tür kämpfen wollen, ruft ein Mann von vorne: „Gringos, Gringos! Aquí, salir!“. Darauf ertönt von den hinteren Reihen: „God save the US!“. Drehe mich um und schaue in ein breit grinsendes Gesicht. „Somos Austriacos!“ &#8211; „Oh.“ … Der ganze Weg bis zur Fahrertür kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Müssen uns durch all die Leute durchquetschen, viele rufen uns lächelnd „Los Gringos“ nach. Als ich endlich aus der Tür raus bin, atme ich kräftig durch – geschafft! Hihi, das ist ja echt ein Abenteuer für sich, eine Fahrt mit dem „Diablo Rojo“ …“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Mi, 30.3.2011 – Panama City</em><br />
„&#8230; Am späten Abend kommt Irene von einem starken Tag nach Hause und freut sich, genauso wie wir, auf einen gemütlichen Tagesausklang. Maria, die Haushälterin, zaubert ein köstliches Auberginen-Moussaka – ihr Essen ist wie in einem 5-Sterne Restaurant! Danach plaudern wir auf der Terrasse und Irene zeigt uns Fotos von ihrem Sohn Ernesto. Ein junger Musiker, der seit vier Jahren in LA lebt (http://www.carreyo.com). Auf unsere Frage, ob wir nicht was von ihm hören dürften, spielt sie uns voller Freude seine erste CD vor. Damals war er gerade 16 Jahre alt. Ein Lied daraus ist ihr gewidmet, es war eine Überraschung. Sie wusste bis zum Erscheinen der CD nichts davon. Ein Dankeschön, dass sie immer an ihn glaubt und hinter ihm seht. Mit Leib und Seele erzählt sie von ihm, singt bei den Liedern wie ein verliebtes Mädchen mit und schenkt uns eine CD als Erinnerung. Übrigens dürfen wir in Ernesto´s Zimmer schlafen – vielleicht wird er ja mal total berühmt *g* &#8230;“ </p>
<p>Von Panama City aus geht es in nicht einmal einem Tag vom Pazifik an den Atlantik, in gewohnter Manier: Auf und ab. Unsere letzten Kilometer in Zentralamerika! Quartieren uns im Hostel Wunderbar ein, welches von der Wienerin Sylvia und ihrem deutschen Lebensgefährten Guido geleitet wird. Die beiden sind vor 16 Jahren mit ihrem Segelboot in die große, weite Welt aufgebrochen, nie mehr heimgekehrt und leben seit drei Jahren mit ihrer kleinen Tochter in Puerto Lindo, Panama. Hier treffen wir Israel, den Kapitän der „SV Frederika“, mit der wir nach Cartagena, Kolumbien, übersetzen werden. Am 5. April soll´s los gehen &#8230;</p>
<p>… Doch wie so oft, kommt alles anders als erwartet. Heute, am 14. April, sind wir ziemlich kaputt, aber in einem Stück, in Cartagena angekommen. Der „kleine Grenzverkehr“ zwischen Panama und Kolumbien hat jedoch beachtlich mehr Zeit beansprucht als vermutet! Wegen heftiger Gewitter und Dauerregen sticht die Frederica mit 4-tägiger Verspätung und insgesamt 6 Mann bzw. Frau in See. 6 ½ Tage und 7 Nächte auf engstem Raum, unser kleines Segelboot ständig in Bewegung, vom Wind und den wild aufbrausenden Wellen permanent durchgeschüttelt. Die regelmäßigen Salzwasserduschen durch das geschlossene! Dachfenster, verwandeln unsere Matratze bald in ein muffiges Wasserbett. An Schlaf ist ohnehin nicht zu denken, weil wir viel mehr damit beschäftigt sind, uns mit all unseren Gliedmaßen zu verkeilen, um nicht durch das Boot zu kugeln <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /><br />
Tja, die letzten Tage haben uns mehr denn je gelehrt, dass Zeit relativ ist und man manchmal nichts anderes tun kann, außer zu warten, zu beten und geduldig zu sein (selbst bei einem Motorausfall, kurz vor der kniffeligen Hafeneinfahrt nach Cartagena)… und im Endeffekt wurden wir auf den San Blas Inseln mit Sonnenschein, türkis blauem Wasser, einsamen Stränden und leckerem, frischen Fisch belohnt <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
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		<title>Costa Rica &#8211; Pura Vida :)</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Apr 2011 14:46:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nandita</dc:creator>
				<category><![CDATA[Costa Rica]]></category>
		<category><![CDATA[Pura Vida]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>

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		<description><![CDATA[Tagebucheintrag Andi
Fr, 25.2.2011 – Santa Rosa N.P.
„&#8230; Das Büro vorm Eingang des „Parque National Santa Rosa“ hat bereits geschlossen, als wir uns am späten Nachmittag, auf der Suche nach einem Lagerplatz, einbremsen. Die Eintrittsgebühren von 10 USD + 2 USD fürs Campen (pro Person!) sind  für eine Nacht viel zu hoch. Noch dazu müssten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 25.2.2011 – Santa Rosa N.P.</em><br />
„&#8230; Das Büro vorm Eingang des „Parque National Santa Rosa“ hat bereits geschlossen, als wir uns am späten Nachmittag, auf der Suche nach einem Lagerplatz, einbremsen. Die Eintrittsgebühren von 10 USD + 2 USD fürs Campen (pro Person!) sind  für eine Nacht viel zu hoch. Noch dazu müssten wir weitere 15 km auf Schotter bis zum Campground in den Park radeln, das Ganze morgen wieder zurück. Nachdem wir niemanden mehr um Erlaubnis fragen können, stellen wir unsere „Casita del Sol“ auf der einladenden Grünfläche nahe des Eingangsportals auf. 15 Minuten dauert der Lageraufbau, und gerade als wir die Matratzen fertig aufgeblasen haben, hält ein grüner Pickup des Nationalparks neben uns. Es sei nicht gestattet, hier zu campen, teilt uns der Ranger mit. Schmarren! Hilft nicht. Beginnen etwas widerwillig zu packen, da gesellt sich noch ein zweites Nationalpark-Fahrzeug zum Geschehen. Noch eine Rüge? Nein, scheinbar haben die Herren Mitleid und bieten uns an, bei den Headquaters, 2 km nördlich, zu übernachten – und das gratis und mit Freiluftduschen. Das Zeug könnten wir auf den Pickup verladen. Sei einfacher. „Pura Vida!“, meint einer der Jungs lässig, als wir uns für das Angebot herzlich bedanken und unsere Taschen auf die Ladefläche hieven &#8230;“</p>
<p>Pura Vida! Lebenseinstellung, Allgemeinfloskel, Marketinginstrument. Egal, von welcher Seite aus betrachtet, sagen diese zwei genial harmonierenden Worte sehr viel über die lebensfrohen und freundlichen „Ticas“ aus. Immer gut gelaunt, neugierig und gastfreundlich sind sie uns begegnet und haben somit sehr viel dazu beigetragen, dass uns dieses Land positiv in Erinnerung bleiben wird. Costa Rica ist eine der wenigen Nationen auf der Welt ohne Militär, die Menschen und Politiker sehr naturverbunden und umweltbewusst (nahezu kein Müll liegt mehr herum). Und dann noch die Natur! Immergrüne Regenwälder, aktive Vulkane, eine exotische und vielfältige Flora und Fauna, über 27% des Landes unter Naturschutz. Eine einzigartige Kombination. Wie gesagt – Pura Vida! </p>
<p><strong>Grobe Route:</strong><br />
La Cruc – Liberia – Canas – Las Juntas – St. Elena – Tilaran – La Fortuna – Ciudad Quesada – Alajuela – Escazu – Santiago de Puriscal – Parrita – Palmar Sur – Puerto Jimenez – Golfito – Paso Canoas</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Di, 1.3.2011 – Monteverde</em><br />
„&#8230; Kurz nach acht Uhr kommen wir los. Es bläst ein kühler, feuchter Wind, der Nieselregen macht es doppelt unbequem. Der Asphalt endet einige hundert Meter nach dem Ort, die Steigungen werden immer steiler, die Piste schlammig. Schon nach wenigen Minuten sind wir richtig schön eingesaut. Die Gegend dafür spektakulär – grüne, sanft geschwungene Hänge auf denen Kühe grasen und unzählige Kaffeeplantagen. Immer wieder müssen wir einige Rampen hoch schieben, da die Räder im Matsch durch drehen. Eigentlich sollte es ja gut 1000 Höhenmeter bergab gehen, doch es fühlt sich an, als würden wir uns mehr bergauf bewegen. Der Wind ist sehr heftig, meist von vorne oder von der Seite, nur selten von hinten. Wir haben ordentlich zu tun, um nicht von der Piste gefegt zu werden und halbwegs voran zu kommen. Als wir mittags in Quebrada Grande eintreffen, haben wir gerade mal 30 km geschafft. Stärken uns auf einer windigen Bank vorm Supermarkt und werden noch einige Male vom Sprühregen nass gespritzt, so quasi zum „Abschied“, als wolle uns der Monteverde noch ein wenig nachspotten &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 4.3.2011 – Ciudad Quesada</em><br />
„&#8230; Nach 25 km Easy-Riding erreichen wir die Stadt Florencia, die folgenden 10 km geht es wieder mal heftigst bergauf. Irre, diese Anstiege hier in Costa Rica! Zusätzlich hat&#8217;s wieder mal viel Schwerverkehr, der uns das Leben zur Hölle macht. Komme schwer ins Schnaufen, Anita ist ganz schön kaputt. Kurz Vor Ciudad Quesada gönnen wir uns in einer Panaderia Süßes uns Kaffee. Eine Horde Schüler hat Pause und macht ordentlich Krach. Weiter ins Zentrum. Wollen heute hier bleiben und morgen die bevorstehenden 1200 Höhenmeter „frisch“ in Angriff nehmen. Fragen bei zwei Hotels, zu teuer. Kriegen eine Empfehlung, finden aber nicht gleich hin. Beim „Gollo“, einer Art Elektro- und Haushaltsgerätemarkt, in dem es auch chinesische Motorräder zu kaufen gibt, erkundigen wir uns nach der Richtung. Adriana, die Filialleiterin, steht uns mit Tipps hilfreich zur Seite und will wissen, wie lange wir in der Stadt bleiben möchten. Auf unsere Antwort hin, bittet sie uns einen Moment zu warten. Drei Minuten später lädt sie uns spontan zu sich nach Hause ein. Sie habe bereits mit ihrem Mann Jorge telefoniert. Adriana erzählt uns, sie litt bis vor kurzem an Brustkrebs,  hätte die Krankheit aber glücklicherweise besiegt. Es sei kein Zufall, dass uns Gott hier her geschickt hat. Denn Zufälle gibt es nicht auf dieser Welt. Mit einem Kleinlaster werden wir von Adrianas Freund Macho abgeholt. Er bringt uns zu ihrem Haus, hoch über der Stadt. Der Ausblick verschlägt uns den Atem, erinnert an unseren Hausberg, den Damberg mit Steyr-Blick. Jorge erwartet uns bereits, hat den Tisch gedeckt und es gibt ein Festmahl – Käse, Suppe, Brot, Reis, Fisch. Er kümmert sich rührend um uns. Dürfen duschen, auch Handtücher und Seife kriegen wir … Um halb acht hat es angenehme 19 Grad, wir sind glücklich und entspannt. Adriana kommt nach Hause, hat ein paar Einkaufstüten mitgebracht – fürs Abendessen. Beim Tratschen betont sie, wie wichtig es sei, JETZT zu leben! Das habe ihr der Brustkrebs, der jederzeit wieder kommen könne, gelehrt bzw. verdeutlicht. Jorge zaubert in Windeseile ein fantastisches Menü – Fischfilets mit Rosmarin gewürzt, Gemüse, Reis und Bier. Wir essen und lachen gemeinsam vor der verglasten Fensterfront der Küche, die uns einen grandiosen Ausblick auf das Lichtermeer der 40.000 Einwohnerstadt bietet. „La Vida es hoy!“ (Das Leben ist jetzt!) &#8230;“</p>
<p>Der anstrengende Pass liegt bald hinter uns, belohnt uns mit atemberaubenden Wolken- und Nebelstimmungen und einem rasanten Downhill bis kurz vor die Tore der Hauptstadt San José. Freuen uns auf die nächsten Tage, denn wir haben eine Einladung nach Escazu bekommen, einer kleinen Stadt weiter westlich. Die Welt ist oft kleiner als man denkt und manchmal läuft es tatsächlich so, dass man Freunde hat, die Freunde haben, die wiederum Freunde haben &#8230; Und so landen wir im Haus von Hector, bei dem derzeit Sergio, Michaela und Frida wohnen, die vor kurzem nach Costa Rica ausgewandert sind &#8230;</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>So, 6.3.2011 – Escazu</em><br />
„&#8230; Der Portier öffnet uns die Pforte und benachrichtigt Michaela, die uns mit ihrer kleinen Tochter Frida begrüßen kommt. Sie zeigt uns unser Zimmer, ja sogar unser eigenes Bad haben wir! Können&#8217;s gar nicht glauben! Die Wohnung 2-stöckig, edel eingerichtet, Panoramafenster mit City-View, eigene Haushälterin. Für uns „Camper&#8221; mal eine ganz andere „Welt“. Richten uns ein, duschen und bekommen eine Hausführung. Michaela erklärt uns, dass Hector eine gut gehende Baufirma besitzt und dieses aus sechs Appartements bestehende Objekt zu Investitionszwecken errichtet hat. Derzeit wohnt nur er hier, die restlichen Wohnungen sind nach der Krise schwer an den Mann zu bringen. Michi, ihr Mann Sergio und ihre Tochter wollen sich in Costa Rica ein neues Leben aufbauen und wohnen übergangsweise bei ihm, denn Sergio ist gebürtig aus Costa Rica und mit Hector eng befreundet. Vor der Tür steht Hectors fetter Audi. Am Abend kommt er heim, stellt uns seine Freundin Indiana vor, die von einer wohlhabenden Familie abstammt. Wir mitten drin, mit ausgebleichten Leiberl und Hosen, unrasiert, mit einem Tagesbudget von etwa 10 Euro &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Di, 9.3.2011 – Volcan Irazu</em><br />
„&#8230; Langsam schlängeln wir uns die schmale Straße zum Volcan Irazu hoch. Über 2000 Höhenmeter in etwa 30 km! Bin ich froh, dass ich bei Sergio und Michi im Auto sitzen darf! Frida nimmt es gelassen, sitzt friedlich und lächelnd im Maxi Cosi neben mir. Je höher wir kommen, desto dichter die Nebeldecke. Ich versuche optimistisch zu bleiben, obwohl ich mich schon frage, ob wir überhaupt was vom Vulkan zu sehen bekommen. Und dann kurz vorm höchsten Punkt, lichtet sich die Nebelschwade *halleluja*, Sonnenschein! Wir befinden uns auf ca. 3.400 Meter, haben eine spektakuläre Aussicht und es ist nahezu windstill. Der Irazu ist schon lange nicht mehr aktiv, dafür lockt er mit einem türkisfarbenen Kratersee. Der schwarze Lavasand knirscht unter unseren Füßen, riesige, vertrocknete Farne kleben an den Hängen. Tief unter uns eine dichte Wolkendecke, die gemeinsam mit der Mondlandschaft ein schönes Bild abgibt. Gehen lange spazieren und plaudern über dieses und jenes, Frida döst zufrieden in ihrem „Fräulein Hübsch“ Tragetuch auf Michi&#8217;s Rücken … Der Rückweg wird für uns alle, aber besonders für Sergio, anstrengend. Denn in Costa Rica gibt es eine Regelung, dass man je nach Nummertafelendung, einen Tag in der Woche nicht durch das Zentrum von San José fahren darf. Tja, und ausgerechnet heute ist Sergio „dran“. Müssen uns durch düstere Viertel, über verstopfte Nebenstraßen mit chaotischem Verkehr schleichen, was etwa 1 ½ Stunden in Anspruch nimmt und unglaublich hohe Konzentration fordert. Armer Sergio <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' />  … Endlich zuhause angekommen, beginnen Andi und ich zu kochen. Fischsuppe mit Knoblauchbrot für alle, dazu Vino Blanco. Und als Nachspeise Eis mit frischen Erdbeeren *sabber*. Hector geht etwas früher schlafen, wir 4 trinken auf der Terrasse unterm Sternenhimmel noch einen Schluck Wein, lachen und genießen den Abend …“ </p>
<p>Nach fünf Tagen Aufenthalt raufen wir uns wieder auf, die Räder sind frisch gewartet und unsere Beine gut ausgeruht. Der Abschied von unseren neuen Freunden fällt uns doch ein bisschen schwer, haben die Drei richtig lieb gewonnen und in unser Herz geschlossen. Die gemeinsamen Stunden, das Lachen und Tratschen … wie ein kleines Stückchen Heimat! Und falls jemand von euch an einer exklusiven Wohnung in Escazu interessiert ist, meldet euch – wir vermitteln euch an Sergio weiter <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
<p><strong>Tagebucheintrag Andi</strong><br />
<em>Fr, 11.3.2011 – Santa Marta</em><br />
„&#8230; Kurz nach Puriscal erwarten uns wieder mal ein paar steile Hügel, oben empfängt uns ein Gewitter. Stellen uns bei einer kleinen Tienda unter, neben uns zwei junge Burschen, die mit ihrem Handy laute Rock-Musik lauschen und Chips essen. Der Regen wird weniger, wir fahren weiter. Nur, um nach zehn Minuten in einen richtig heftigen Wolkenbruch zu kommen! Es geht bergab, die Bremsen tun sich schwer. Sind nach wenigen Minuten bis auf die Haut nass. Es schifft in Strömen. Der Tacho hat wegen des vielen Wassers einen Kontaktfehler und will nicht mehr. Im Fahrtwind kühlen wir schnell aus, grauslich! Erreichen fröstelnd das Dörfchen Santa Marta, wo wir in einer Kneipe mit angeschlossener Tienda Unterschlupf finden. Ziehen uns um und trinken erst mal ein Bier. Langsam beruhigt sich das Wetter, weiterfahren bringt angesichts der fortgeschrittenen Stunde nichts mehr. Rosa, die Ladenbesitzerin bietet uns in ihrem Garten ein Platzerl zum Zelten an. Sitzen noch eine Weile vor der Tienda, trinken unseren letzten Schluck Bier und schauen wehmütig auf die dampfende Straße. Wie gemütlich wäre es jetzt in dem kuscheligen Bett in Hectors Haus &#8230;“</p>
<p><strong>Tagebucheintrag Anita</strong><br />
<em>Sa, 12.3.2011 – nach Parrita Quesada</em><br />
„&#8230; Brauchen heute lange für unser Morgenritual. Das Zelt ist feucht, genauso wie das Radzeug von gestern. Warten auf die Sonne und verteilen unser ganzes Zeug zum Trocknen auf den Büschen. Laut einem Stammgast von Rosa sind es bis zum Pazifik 70 bis 80 km – aber NUR bergab. Hmm, dieser Herr ist wohl noch nie in seinem Leben auf einem Fahrrad gesessen, denn auf uns wartet ein ganzer Tag voller Abfahrten und Anstiege – und das auf Schotter. Anfangs nehmen wir es noch ganz lustig und gelassen, die Ausblicke sind wirklich wunderschön! Wenn ich nicht wüsste, dass wir in Costa Rica sind, würde ich denken, wir fahren durch die Berge Österreichs. Grüne Hügel, Almen, kleine Bauernhöfe und Viehweiden. Hab dabei absurder Weise dieses Lied im Kopf: „Kränk di net, es is jo eh scho z&#8217;spät und weil&#8217;s net anders geht, bitte kränk di net. Kränk di net wauns a moi obi geht weil du kummst drauf es geht a wieder bergauf!“ ??? … An einer kleinen Tienda machen wir Mittag und werden etwas „aufgemuntert“, denn die 25 km bis Parrita sollen flach sein, meist aber bergab. Dieses letzte Stück frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, den „Cerro de la Muerte“ zu überqueren, denn heute bin ich schon öfter als 1x gestorben *lach*. Bin praktisch auf null und raffe all meine Energiereserven zusammen, um weiter zu kommen … und dann endlich, nach 5 Stunden Fahrzeit ebnet sich die Piste und wir stehen an der Kreuzung zur asphaltierten Hauptstraße *freu*. Eine Einheimische Dame meint, es wären nur mehr 3 km bis zum Zentrum. Gut, die 3 km sind eigentlich 13,5 km, aber nachdem es Asphalt und diesmal wirklich flach ist, nehmen wir&#8217;s gelassen. Gemütlich Ausradeln nennt man das <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> . In Parrita halten wir gleich mal an der ersten Bäckerei, versorgen unsere Körper mit Zuckernachschub und rollen danach die wenigen Meter zum „Mega Super“, um Abendessen einzukaufen. Der engagierte glänzende Lockenkopf im Hawaiihemd kommt beim Einpacken der Waren ganz schön ins Schwitzen, läuft von einer Kassa zur anderen und wischt sich den Schweiß in seine Unterarme … Es ist schon kurz vor fünf, lange wollen wir nicht mehr fahren, außerdem verdunkelt sich der Himmel. Links und rechts von uns Palmölplantagen, weit und breit kein Lagerplatz, fahren bestimmt noch an die 20 km weiter. Die Wolken hängen tief, sind schwarz und kurz vorm Entladen. Der Hausherr der kleinen Rancho verweist uns auf eine andere Schlafgelegenheit, als wir fragen, ob es möglich wäre, auf seinem Grundstück zu zelten: ein blaues, schäbiges Haus, gleich neben dem Fußballplatz, direkt an der Ecke. Dort könnten wir zelten, Duschen gäbe es auch. Nachdem es schon fast dunkel ist und wir heftigen Regen befürchten, haben wir keine andere „Wahl“. Die grimmigen Männer auf der Veranda sehen uns etwas stutzig an, als wir ihnen erklären was wir wollen, zeigen uns dann aber doch einen Platz im Erdgeschoss, neben der Gemeinschaftsküche. Jeden Handgriff beobachten die Herrschaften, stellen viele, viele Fragen und als Andi den Kocher anwirft, versammeln sich alle sechs um uns. Wenn man die Vorführung eines zusammenklappbaren, mit Benzin funktionierenden Herdes live sehen kann, ist selbst der laut dröhnende Fernseher in Obergeschoss uninteressant. Trinken alle gemeinsam ein Bier und spätestens jetzt sind auch wir zwei ein Teil „ihrer“ Gemeinschaft … Waschen ab und flüchten ins Zelt, um nicht von den Moskitos attackiert zu werden. Alleine das Ins-Zelt-Krabbeln löst Schweißfontainen aus &#8230;“</p>
<p>Eine schwache Woche folgen wir der pazifischen Küste Richtung Süden, Panama ruft nach uns! Doch bevor wir das neunzehnte Reiseland in Angriff nehmen, legen wir noch eine Pause auf der Osa-Halbinsel ein. Immerhin steht Andi´s Geburtstag vor der Tür, und den wollen wir an einem ganz besonderen Flecken feiern. Nur soviel: Es waren zwei entspannte, fröhliche Tage, die wir mit allen Sinnen genossen haben <img src='http://blog.nandita.at/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Derzeit sitzen wir aufgrund des schlechten Wetters in Puerto Lindo, Panama, fest. Morgen soll dann nach mehrtägiger Verspätung unser Segelboot nach Cartagena, Kolumbien, ablegen. Hoffen wir auf Wetterbesserung und einen schönen Ausklang unserer Zentralamerika-Etappe!</p>
<p><strong>Panama-Eintrag und Bilder folgen in etwa einer Woche!!!!</strong></p>
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